Platz 2: Rudolf Dobesberger

53. Woche - Die Geminiden – ein Komposit vom 15. Dezember 2015

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Geminiden sind als Meteorstrom schon länger bekannt als die berühmten Perseiden. Sie wurden erstmals 1862 durch englische und amerikanische Beobachter erwähnt. Von der nördlichen Erdhalbkugel aus sind die Geminiden zwischen dem 7. und 18. Dezember ideal sichtbar, das Häufigkeitsmaximum tritt um den 14. Dezember ein. Die Einfallsgeschwindigkeit der „Schnuppen“ liegt bei moderaten 35 km/s (IMO 2015). Der scheinbare Ort am Himmel, von dem aus die Geminiden scheinbar heranfliegen (der so genannte "Radiant"), hat in der Zeit des Maximums die Position RA = 7 h 30 min und DE = 33°. Das ist knapp nördlich von Castor, dem Hauptstern des Sternbilds Zwillinge (Gemini), was dem Meteorstrom den Namen „Geminiden“ eingebracht hat. Der Radiant ist aber zeitlich veränderlich. Innerhalb des Monats Dezember verschiebt er sich deutlich, da die Erde in diesem Zeitraum einen Teil ihrer kurvigen Bahn um die Sonne vollführt. Damit ändert sich dann eben auch der Blickwinkel auf den Radianten.

Meteorströme bestehen überwiegend aus losgelöster, locker verteilter Materie entlang der Kometenbahnen. Die Geminiden jedoch haben ihren Ursprung in Teilchen des Asteroiden 3200 Phaethon. Herausgestellt hat sich das erst 1983. Damals entdeckten S. Green & J.K. Davies einen sich schnell bewegenden Kleinplaneten im Draco, der die vorläufige Bezeichnung 1983TB erhielt. Die Berechnungen ergaben, dass sich dieser Asteroid auf einer Bahn bewegt, die mit der Bahn der Geminiden zusammenfällt. Diese konnte schon 1947 von F.L. Whipple bestimmt werden. Phaeton gehört der Pallas-Familie von Asteroiden an und stellt vom Aufbau her ein Bindeglied zwischen Asteroiden und Kometen dar.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 2015 war die Beobachtung der Geminiden günstig. Der nur drei Tage alte Mond war zur Kulmination des Sternbilds Zwillinge schon am Westhorizont untergegangen. Rudolf Dobesberger weilte auf 1100 m Seehöhe im Sternenpark "Hohe Dirn" im Nationalpark Kalkalpen. Er setzte eine Sony Alpha 7s ein, Objektiv war ein Canon 8-15 mm bei f = 15 mm und Blende 4. In den frühen Morgenstunden des 15. Dezember wurde dann bei ISO 6400 eine lange Serie von Einzelbildern jeweils 20 Sekunden lang belichtet. Das hier gezeigte Komposit basiert auf 60 verwendeten Bildern. Viele restliche Meteorspuren sind auf den Originalen nur partiell hinter Wolken zu sehen und konnten nicht in das Komposit eingefügt werden. Bei wolkenlosem Himmel wäre die Zahl der eingefangenen Meteore noch wesentlich größer gewesen.

Text zum Objekt: Peter Riepe

Die Hohe Dirn, 1134 Meter hoch am nördlichen Alpenrand über dem Ennstal gelegen, ist ein bekannter Ausflugsort. Der Blick nach Süden geht über eines der dunkelsten Gebiete der gesamten Alpen und wurde am 15. Dezember 2015 gegen 3:17 Uhr MEZ in einer 20 sekündigen Belichtung für diese Bildkollage eingefroren. Doch nicht nur dieses eine Bild, sondern zahlreiche Bilder wurden zwischen 1:13 Uhr bis 4:30 Uhr in der Nacht vom Stativ aus belichtet und nachfolgend auf das Vorhandensein einer Meteorspur der Geminiden untersucht.

Bilder mit Meteorspuren wurden anschließend auf das Bild von 3:17 Uhr ausgerichtet (gedreht) und mit einem eng umgrenzten Sternfeld um die Meteorspur in dieses Bild einkopiert (überblendet) – eine kleine Herkulesaufgabe, wenn das Ergebnis anschließend so überzeugend wie hier präsentiert aussehen soll. Wir erhalten damit die Gelegenheit, nachträglich an einem perfekten kosmischen Feuerwerk teilzunehmen. Trotz fehlender Nachführung sind die Meteorspuren über die gesamte, mehrstündige Aufnahmezeit auf den Radianten ausgerichtet. Unser Fazit: Ganz toll gemacht!

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

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