12. Woche: Wechselwirkende Galaxien in den Jagdhunden

 -  Astrofoto der Woche  - 

NGC 4631 RA = 12 h 42.1 min, DEK = +32° 32´
NGC 4656-7 RA = 12 h 44.0 min, DEK = +32° 10´

Beide Objekte liegen im Sternbild Jagdhunde. NGC 4631, die "Heringsgalaxie" (rechts) ist eine Edge-on-Galaxie von 9.3 mag scheinbarer Helligkeit, die üblicherweise dem Typus Sc zugerechnet wird. Zahlreiche knotige Sternwolken sitzen in einer von viel Staub erfüllten Scheibe. Ihre Abmessungen betragen 15.1´ x 3.3´, die Form wirkt gebuckelt. Halton Arp nahm das zum Anlass, NGC 4631 als Nr. 281 in seinen "Atlas of Peculiar Galaxies" aufzunehmen. Wahrscheinlich wurde der Buckel durch den elliptischen Begleiter NGC 4627 verursacht, der offensichtlich auch seinerseits durch NGC 4631 beeinflusst wurde. Wer genau hinschaut, entdeckt eine schwache Lichtbrücke zwischen beiden.

NGC 4656-7 (etwa 25´ weiter östlich, d.h. links) hat eine Ausdehnung von 13.8´ x 3.3´ und 1.1 mag weniger an Helligkeit als NGC 4631. Sie ist damit deutlich lichtschwächer. NGC 4656-7 wird oft als Sc-Typus bezeichnet, präsentiert sich demnach nahezu in Kantenlage. Allerdings spricht die Fachliteratur überwiegend vom irregulären magellanschen Typus. Egal - die Edge-on-Form zeigt am nördlichen Ende eine "gebogene Hutkrempe" (= Warp). Solche Warps sind klare Folgen einer gravitativen Wechselwirkung mit einer Partnergalaxie. In der Warp-Zone und in der Zentralregion liegen dichte Gebiete der Sternentstehung, die sich teilweise über 6000 Lichtjahre erstrecken. Dass neue Sterne entstanden sind, wird durch zahlreiche HII-Regionen belegt. Ursache für den Sternentstehungsstoß (= Starburst) und die Warp-Bildung dürfte ein naher Vorübergang der benachbarten NGC 4631 sein. NGC 4656-7 und NGC 4631 sind etwa 20 Millionen Lichtjahre entfernt.

Dieses schöne AdW stammt von Eduard von Bergen. Am Morgen des 28. Dezember 2006 nahm er das Bild im Oberen Schlierental (1450 m ü. M.) auf. Teleskop war ein 10-zölliger Meade Schmidt-Newton mit 1016 mm Brennweite auf einer Montierung ALT-7. Mittels Autoguiding per SBIG STV und einer Canon EOS 20Da wurde bei ISO 1600 insgesamt 20 x 5 min belichtet, zuzüglich Dark- und Flatkorrektur. Die erstaunliche Tiefe der Aufnahme dokumentiert sich in der ziemlich lichtschwachen, nördlichen Fortsetzung von NGC 4656-7 über den Warp hinaus.

nach oben

Anzeige

Sonnenfinsternis in der Antarktis