2. Woche - Der Planetarische Nebel Abell 84

 -  Astrofoto der Woche  - 

Noch ein Objekt aus dem Sternbild Cassiopeia muss unbedingt gezeigt und besprochen werden: Der Planetarische Nebel (PN) Abell 84. Er wurde von George Abell in den fünfziger Jahren entdeckt und 1955 veröffentlicht, in der damaligen Publikation aber als Nr. 70 aufgelistet. Elf Jahre später brachte Abell einen erweiterten Katalog heraus, in welchem der PN die Nummer 84 erhielt.

Kurz zu den Katalogen für PN. Sehr bekannt ist der „PK-Katalog“. Er wurde von den tschechischen Astronomen L. Perek und L. Kohoutek im Jahre 1967 in Prag publiziert. Im PK-Katalog wird A 84 als PK 112-10°1 geführt. Der heute gängigste und umfangreichste PN-Katalog dürfte jedoch der „Strasbourg-ESO Catalogue of Galactic Planetary Nebulae“ sein. Er wurde 1992 von der Französin Agnès Acker und ihren ESO-Kollegen herausgegeben und von der ESO publiziert. Nach diesem Katalog trägt A 84 die Bezeichnung PN G112.9-10.2 (G für „galaktisch“, die Zahlenkombination für die galaktische Länge 112,9° und galaktische Breite -10,2° mit einer genaueren galaktischen Positionsangabe als im PK-Katalog).

A 84 ist also schon lange bekannt, wird aber selten als Astroaufnahme gezeigt. Der Grund ist klar: Der PN besitzt einen optischen Durchmesser von nur 2´. Er ist also ziemlich klein, so dass schon „ein wenig Brennweite“ nötig ist, um ihn genügend groß abzubilden. Im Sky Catalogue 2000 (A. Hirshfeld, R.W. Sinnott) wird der PN-Typus charakterisiert als „very irregular brightness distribution“. Vermutlich stützt sich diese Anmerkung auf alte, nur wenig belichtete Aufnahmen. Schaut man sich das aktuelle AdW an, so lässt sich diese Typisierung keinesfalls stützen. A 84 zeigt eine offensichtlich elliptische Form. Im Inneren ist die Farbe fürs Auge schwierig festzulegen, weil sie sehr dunkel ist. Ist sie dunkelgrau oder mehr graublau? Auf alle Fälle leuchtet A 84 im Licht des doppelt ionisierten Sauerstoffs [O III], denn in dieser Wellenlänge (501 nm) wurde herausgefunden, dass der PN mit 16 km/s expandiert. Für das rote Licht des ionisierten Stickstoffs [N II] stellte sich sogar noch eine etwas schnellere Expansion von 25 km/s heraus. Zum Leuchten angeregt wird A 84 durch einen lichtschwachen Zentralstern mit der Bezeichnung AG82 458. Er hat eine Blauhelligkeit B = 18,67 mag und eine visuelle Helligkeit V = 18,49 mag. Die Differenz beider Helligkeiten (der so genannte Farbindex) ergibt B-V = 0,18 mag. Der Zentralstern ist also blau. Im AdW erkennt man AG82 458 deutlich, wenn man das Bild genügend vergrößert. Weitere Aussagen zur Häufigkeit der enthaltenen chemischen Elemente sind aus dem Strasbourg-ESO-Katalog nicht zu bekommen.

Andreas Rörig, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, ist „Freund der Abell-Nebel“. Er hat A 84 am 25. und 29.09.2011 in Wilsenroth/Westerwald aufgenommen. Instrument war ein 300-mm-Newton mit f/4,5 (plus Paracorr) auf einer Montierung Alt 5 ADN. Als Kamera diente eine SBIG ST-10XME. Belichtet wurde 14 x 600 s in H-Alpha + [N II], 12 x 600 s in [O III], 6 x 300 s in R und G sowie 6 x 450 s in B. Während die Belichtungen mit den 13-nm-Linienfiltern ungebinnt abliefen, wurden R, G und B 2-fach gebinnt. Hinweis des Autors: „Kalibrierung (Dark und Flat), Deblooming, Registrierung, Kombination, Farbkalibrierung und Gradientenentfernung wurden mit meiner Software Regim vorgenommen.“

RA = 23 h 47 min 45 s, DEK = +51° 23´ 57´´

Sie möchten zum Autor Kontakt aufnehmen? Dann klicken Sie einfach oben links auf den Autor-Namen!


Die heutige Kniffelfrage: Welche Farbe hat A 84 im Innenbereich? Kann ich diese Farbe eventuell in Zahlen ausdrücken? Antworten bis zum kommenden Wochenende an:


Der Lösungsweg und die Namen der Einsender mit korrekter Lösung werden ab dem folgenden Montagabend (wenn das neue AdW erscheint) auf Astronomie.de veröffentlicht.


Lösung zur Kniffelaufgabe AdW 52/2011

Nach der ersten Kniffelaufgabe zum Thema Jupiterrotation kam nur eine Lösung von Jens Leich. Die war komplett richtig, mit einem gut erklärten Lösungsweg.

Wer wissen möchte, wie aus den beiden zeitverschiedenen Jupiteraufnahmen die Rotationszeit des Planeten auf einfache Weise bestimmt werden kann, der klicke (hier).

Allerdings würde sich das AdW-Team freuen, wenn ein paar Leute mehr Mut für eine solche Bildauswertung hätten. Traut Euch, Leute! Mit dem AdW von heute ist es viel leichter!

nach oben

Anzeige