2. Woche - NGC 1491, eine HII-Region im Perseus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im nördlichen Perseus, nahe der Grenze zur Giraffe, liegt ein kaum gezeigter Emissionsnebel. Seine Katalogbezeichnungen lauten: NGC 1491, Ced 25, LBN 704/706 und Sh2-206. Der Nebel steht nur 1° nordwestlich des Sterns λ Persei und auch nur 1° südlich der galaktischen Ebene, wo die interstellare Materie unserer Milchstraße die höchste Dichte hat. NGC 1491 gehört zum Perseusarm der Milchstraße.

Horst Ziegler, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, nahm NGC 1491 am 4. November 2015 in Mondsee (Salzkammergut) auf. Er setzte – wie schon seit längerem von anderen österreichischen Sternfreunden praktiziert – zwei Teleskop/Kamera-Kombinationen simultan auf einer Montierung ein: a) einen Apochromaten (TEC 140 mm, f = 980 mm) mit CCD-Kamera Moravian 11000, b) dazu einen kleineren Apochromaten (Esprit 100 mm, f = 550 mm) mit CCD-Kamera Moravian 8300C. Belichtet wurde 20 x 900 s mit [OIII]-Filterung, 20 x 900 s mit Hα-Filterung, 10 x 900 s mit RGB. Nachführkorrekturen (Guiding) erledigt eine Starlight Xpress Lodestar über einen Off-Axis-Guider (M68-OAG). An Software wurde MaxIm DL (Stacken) und PS CS4 (Finish) verwendet.

Zur Orientierung: Norden liegt links, Osten unten. Der Bildmaßstab beträgt 2,01 arcsec/px, das Bildfeld hat eine Größe von 112´ x 75´, und das ist für dieses Objekt auch nötig. Warum? In der astronomischen Datenbank SIMBAD wird für NGC 1491 eine Ausdehnung von 4,8´ angegeben. Dieser Wert wurde aus unerfindlichen Gründen radioastronomischen Messungen entnommen. Aber optische und radioastronomische Werte können sehr stark differieren. Und so ist es auch hier. Steward Sharpless gab in seinem Katalog aus dem Jahre 1959 eine Ausdehnung von 50´ an. In einer invertierten, kontrastgesteigerten Bildversion erkennt man eine gewaltige optische Ausdehnung des Nebelkomplexes mit verschiedenen enthaltenen dunklen Strähnen und Flecken. Aus dem Bild ergibt sich mindestens 58´ x 54´.

NGC 1491 ist nach Foster & Brunt (2015) ca. 9850 Lj entfernt. Für die Ionisation des Gases ist im Wesentlichen nur ein Stern verantwortlich: BD+50°886, ein O6-Stern mit sehr hoher Temperatur und einem sehr hohen Energieausstoß Pixelkoordinaten (1497, 1047). Seine Helligkeiten sind B = 12,27 mag und V = 11,22 mag. Das ist ungewöhnlich, denn ein frei stehender O6-Stern sollte einen negativen Farbindex von etwa B-V = -0,3 mag haben und damit knallblau sein. Ist er aber nicht! Der O6-Stern hat B-V = 1,05 mag und ist gelb. Der Widerspruch ergibt sich aus der Extinktion. Das zu uns gelangende Licht wird durch die vordergründige interstellare Materie um 3,4 mag abgeschwächt (Deharveng et al. 1976) und dabei stark gerötet. BD+50°886 ist eindeutig mit dem Nebel assoziiert, das wird folgendermaßen deutlich: Erstens hat der Stern durch seine Sternwinde um sich herum eine asymmetrische Blasenstruktur geschaffen. Man erkennt die Blase deutlich an ihrer westlichen Stoßfront, die die Wechselwirkung mit dem ruhenden Gas von NGC 1491 besonders deutlich zeigt. Ähnlichkeiten mit dem Bubble-Nebel NGC 7635 liegen nahe. Zweitens ist der hellste Teil von NGC 1491 eine grob von Nord nach Süd unregelmäßig verlaufende, leuchtende Ionisationsfront („bright rim“). Man erkennt sie im Bild. Was man im Bild nicht sieht: 60" westsüdwestlich von BD+50°886 befindet sich ein „Elefantenrüssel“ mit stark leuchtender Spitze. All diese ionisierten Strukturen wurden offenbar durch BD+50°886 geformt. NGC 1491 stellt demzufolge nur den leuchtenden, ionisierten Rand einer großen Molekülwolke dar, die sich westlich davon erstreckt und allmählich von der enormen Energieausstrahlung des O6-Sterns BD+50°886 zerrupft wird.

Text zu Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Horst Ziegler präsentiert uns eine aus technischer Sicht sehr anspruchsvolle Aufnahme. Sie vereint CCD-Bilddaten, die sowohl mit breitbandigen Farbfiltern als auch mit schmalbandigen Linienfiltern gewonnen wurden. Die Fotografie mit Schmalbandfiltern hat ihren ganz besonderen Reiz. Die auf die Emissionslinien abgestimmten Filter sorgen im fertigen Bild für einen hohen Kontrast und oftmals auch eine bessere Detaildarstellung. Der Einsatz solcher Filter ist (mit Einschränkungen) sogar bei Vollmond möglich. Dem Astrofotografen mit einer monochromen CCD Kamera stehen somit weitere, reizvolle Möglichkeiten zur Verfügung.

Die eigentliche Kunst besteht nun dann darin, die so gewonnenen monochromen Bilder zu einem Farbbild zu vereinen. Das kann auf verschiedene Arten geschehen, am bekanntesten ist die Farbgebung nach der so genannten „Hubblepalette“. Diese ist die konsequenteste Trennung der jeweiligen Emissionen mit der Farbzuordnung Rot für [S II], Grün für Hα und Blau für [OIII]. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die schmalbandigen Aufnahmen mit breitbandigen Aufnahmen zu vermischen. Hier gibt es zahlreiche Ansätze und die Vorgehensweisen sind alles andere als standardisiert.

Einen solchen Weg ist Horst Ziegler gegangen. Gleichzeitig ist er bei der Bildaufnahme doppelgleisig gefahren. So wurden zwei verschiedene Teleskop/Kamera-Kombinationen benutzt. Auch diese Vorgehensweise ist nicht ganz einfach, insbesondere dann, wenn wie im vorliegenden Fall die Brennweiten der Geräte so unterschiedlich sind (980 mm in Verbindung mit einem Chip des Typs KAF11000 und 550 mm in Verbindung mit einem Chip des Typs KAF8300). Ein wenig unverständlich ist uns der nicht beschnittene rechte Rand des Bildes – so etwas wie eine Endkontrolle sollte jedes Astrofoto durchlaufen, gerade dann, wenn man wie Herr Ziegler für dieses ansonsten absolut ansprechende Ergebnis so viel Aufwand betreibt.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten (J2000): RA = 04 h 03 min 16 s, DE = +51° 18´ 54´´

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