20. Woche - Holmberg II in der M 81 - Galaxiengruppe

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Zwerggalaxie Holmberg II (kurz Ho II) trägt auch die Katalognummern DDO 50 und UGC 4305. Sie liegt nordwestlich des Zentrums der M 81-Gruppe. Vom Typ her ist Ho II eine irreguläre Magellansche Galaxie mit einer Ausdehnung von 7,9´ x 6,3´. Mit einer scheinbaren visuellen Helligkeit von 11,1 mag erreicht Ho II eine mittlere Flächenhelligkeit von 24 mag pro Quadratbogensekunde. Das macht sie relativ lichtschwach, so dass viele Amateure sie niemals als Motiv einplanen würden.

Die Entfernung von Ho II beträgt nach I.D. Karachentsev et al. (2002) 11 Millionen Lj. Ihr wahrer Durchmesser beträgt daher 25.300 Lj. Damit ist sie zwar eine Zwerggalaxie, aber doch schon eine recht stattliche. In Ho II wurden 1998 zahlreiche Veränderliche gefunden. Wer sich auskennt, findet in diesem AdW den Cepheiden V25 als Sternchen mit einer Grenzhelligkeit von etwa 21,5 mag. Näheres dazu siehe Artikel von P. Riepe im VdS-Journal Nr. 31. Ho II lässt sich bereits in Einzelsterne auflösen, was einem als Amateur mit Teleskopen ab 250 mm Öffnung bei gutem Seeing durchaus gelingt.

Als irreguläre Zwerggalaxie verfügt Ho II über viele H II-Regionen. Eine hakenförmige Kette solcher Nebel erkennt man am östlichen Galaxienrand. Bei weit entfernten Galaxien werden die H II-Regionen oft eher bläulich wiedergegeben. Das ist kein Fehler in der Farbkalibrierung. Manche Astrofotografen meinen dann in Unkenntnis der physikalischen Fakten, sie müssten ihre Bilder auf Rot trimmen! Falsch!!! Woher kommt die bläuliche Farbe der H II-Regionen in Ho II? Die hellsten Sternentstehungsgebiete sind sehr jung und weisen daher nicht nur die H-Alpha-Emission des umgebenden Wasserstoffs auf. Vielmehr sind die enthaltenen massiven Sterne und Sternhaufen starke UV-Quellen. Einige H II-Regionen umfassen geschätzte 50 – 85 Sterne des Spektraltyps O5 – das ist schon extrem! Daher ist die dominante weißbläuliche Farbe dieser Nebelknoten keine Überraschung, zumal auch Lichtstreuung an enthaltenem Staub das Blau zur Geltung bringt.

Fachgruppenmitglied Günter Kerschhuber nahm Ho II am 23.02.2011 und am 04.03.2011 auf. Ort war die Gahberg-Sternwarte. Als Teleskop kam für die Luminanzaufnahme ein ASA N10 bei 950 mm Brennweite zum Einsatz, sowie eine CCD-Kamera SBIG ST-10XME. Die Farbauszüge entstanden an einem 4-zölligen Apo Televue NP101 bei nur 540 mm Brennweite mit einer Starlight SXV-H9. Beide Teleskope sitzen gleichzeitig auf einer Montierung Gemini G42. Filter: L (Baader), RGB (Astrodon). Belichtet wurde: L = 86 x 300 s, R = 29 x 290 s, G = 25 x 290 s und B = 28 x 290 s (total 14 h). Software: MaxIm, Astroart, PSP CS2, Fits Liberator, Regim mit Kalibrierung in B-V.

RA = 08 h 19 min 04 s, DEK = +70° 43´ 12´´

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