23. Woche - Die Nebel im Gebiet IC 434

 -  Astrofoto der Woche  - 

Astrofotografen nehmen diese Region immer wieder gern auf, denn sie zählt zu den schönsten im Sternbild Orion. Das AdW zeigt ein Feld von rund 2° x 1,5°. Norden ist links, Osten unten. Dominierend als hellstes Objekt im Bild ist Alnitak, der östliche Gürtelstern Zeta Orionis. Dieser blaue O9-Überriese von 1,77 mag ist 1100 Lj entfernt. Am oberen Bildrand, etwas rechts der Mitte, ist in einem kleinen, lockeren Sternenhaufen ein weiterer O9-Stern zu sehen: Sigma Orionis mit 3,73 mag schwächer als Zeta Orionis, weil er mit 1800 Lj viel weiter entfernt ist. Es handelt sich um ein Mehrfachsystem.

Äußerst interessant ist die unterschiedlich farbige Nebellandschaft. Alles, was oberhalb der Bildmitte im roten Hα-Licht erstrahlt, ist Bestandteil von IC 434. Von dieser ovalen HII-Region mit Sigma Orionis im Zentrum sehen wir im Bild jedoch nur den östlichen Teilbereich. Auffallend ist die lange, gerade Ionisationskante, an welcher die energiereiche UV-Strahlung der Sigma-Orionis-Gruppe auf einen gewaltigen Molekülwolkenkomplex trifft. Östlich von IC 434 ist es Orion B (mit der Dunkelwolke L 1630), südlich davon Orion A. Hier stülpt sich als Staubwolke auch der bekannte Pferdekopfnebel (Barnard 33) ins Innere von IC 434.

Innerhalb der Molekülwolke Orion B sitzen zwei auffällige Reflexionsnebel. Zunächst ist 20' links unterhalb des Pferdekopfes NGC 2023 zu sehen. In diesem Nebel steckt HD 37903 als hellster Stern. Außerdem ist NGC 2023 von Herbig-Haro-Objekten durchsetzt, die hellsten davon erkennt man als lichtschwache rötliche Fleckchen, wenn man das AdW im Detail anschaut (dazu bitte Download). NGC 2023 ist ein Entstehungsgebiet massearmer Sterne, was sich am Fehlen von Hα-Licht andeutet. Zahlreiche junge sternförmige Objekte wurden im Nebelinneren gefunden. Einige Staubfahnen liegen im Randbereich. Weitere 25' nach Osten (also im Bild nach unten) liegt der zweite blaue Reflexionsnebel, IC 435.

Östlich des Gürtelsterns Zeta Orionis sticht NGC 2024 ins Auge. Dieser Nebel ist eine Mischform aus Emissions- und Reflexionsnebel. Chaotische, ausgedehnte Staubsträhnen zerklüften seine Gestalt. Am linken Bildrand schließlich, nördlich von NGC 2024 und Zeta Orionis, bemerken wir den Nebel GN 05.38.4.02. Er umschließt den Veränderlichen V901 Orionis. Interessant, dass dieser Nebel deutliche Hα-Emission enthält, obgleich der zentrale Veränderliche nur vom Typus B2 ist. Und als zu guter letzt sei auch noch GN 05.37.7.01 erwähnt, der ein Stückchen nach Westen (oben) als blauer Reflexionsnebel leuchtet, mit dem B5-Zentralstern HD 37674.

Im Zeitraum Jan/Feb 2016 nahm Andreas Rörig, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, das Gebiet IC 434 auf. Aufnahmeort war Deep Sky West, Rowe, New Mexico. Das Aufnahmeteleskop - remote gesteuert - war ein Takahashi FSQ 106EDX bei Blende 5, d.h. 530 mm Brennweite. Als CCD-Kamera wurde eine QSI683wsg verwendet. Belichtet wurde L: 20 x 600 s, R: 18 x 300 s, G: 18 x 300 s, B 18 x 300 s, in Summe 8 Stunden. Die Filter stammen von Astrodon.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Andreas Rörig ist der Autor des Bildbearbeitungsprogramm „REGIM“, ein Allround-Werkzeug zur Reduktion und Kalibration für die Deep-Sky-Astrofotografie, das er unentgeltlich zur Verfügung stellt (http://www.andreasroerig.de/regim/regim.htm). Auch diese Orion-Ecke wurde mit REGIM bearbeitet.

Die knapp acht Stunden Belichtungszeit, remote ausgeführt unter dem in unserer Vorstellung immer tiefblauen Himmel im Südwesten der USA, brachten ein wunderbar farbintensives und rauscharmes Bild hervor. Schaut man sich das Bild aber in der vollen Auflösung an, dann fallen ganz leicht längliche Sterne (verzogen in Ost/West-Richtung) auf. Deutlicher ist vor allem aber ein grünlich/gelblicher Saum, exzentrisch um die helleren Sterne im Bereich des oberen Bildrandes gelegen.

Die minimal verzogenen Sterne könnten durch Fehler bei der Nachführung, durch ungenaues Stacking bei der Bildbearbeitung oder auch durch eine nicht perfekte Optik-Kollimation bedingt sein. Wir nehmen den letzten Fall an, dazu passt dann auch die Ausbildung der oben erwähnten grünlich/gelben Farbsäume. Nichtsdestotrotz, das Gesamtergebnis ist großartig und wir sind dankbar, dass Andreas Rörig sein Bild solange von jeglicher Veröffentlichung zurückgehalten hat, bis es zuerst hier als AdW präsentiert werden konnte.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten J2000.0:
RA = 06 h 17 min 09 s, DE = +22° 34'

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