26. Woche - Die Spiralgalaxie M 101 mit kleinem Teleskop

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das aktuelle AdW (Norden auf 10 Uhr) hat ein Gesichtsfeld von 135´ x 93´. Das Bild beeindruckt, weil es zwar kurzbrennweitig aufgenommen wurde, aber dennoch viele Details bei recht großer Tiefe zeigt. Wir sehen eine der prominentesten Galaxien des Nordhimmels, Messier 101, die als Musterexemplar für den Typ Sc gilt. Sie besitzt laut Datenbank SIMBAD eine Ausdehnung von 28,8' und eine scheinbare visuelle Helligkeit von 7,86 mag. Man schaut fast in direkter Draufsicht auf die Fläche (englisch: „face-on“). Vom Kern gehen zunächst zwei Spiralarme aus, die sich weiter außen gabeln und fraktionieren, d.h. in Teile zerfallen. Oft wird diese Spiralstruktur als „grand design“ bezeichnet. Einer der Arme weist die Besonderheit auf, ein gerades Teilstück zu besitzen. Zwischen den Armen liegen Staubwolken, zum Kern hin sogar als fein strukturierte Filamente. Das deutet sich schon bei dieser kurzen Brennweite an, ebenso wie die vielen Sternentstehungsgebiete mit eigenen NGC-Nummern in den Spiralarmen, die von rot leuchtenden HII-Regionen begleitet werden. Allerdings bleiben die HII-Regionen im AdW verborgen. Um sie abzubilden, bedarf es dann doch einer größeren Optik und einer "richtigen" CCD-Kamera.

M 101 ist das größte Objekt in einer kleinen Galaxiengruppe. Shappee & Stanek (2011) fanden eine Entfernung von 21 Millionen Lj heraus. Somit ergibt sich der echte Durchmesser zu knapp 176.000 Lj. M 101 ist somit um 76% größer als unsere Milchstraße. Im Bild sehen wir in Richtung zur rechten unteren Bildecke NGC 5474, eine deutlich verformte Spirale mit V = 10,8 mag. Die Verformungen sind Wechselwirkungsstörungen, resultierend aus der Nähe zu M 101. Nach links unten, nur halb so weit weg wie NGC 5474, erspäht man eine kleine blaue Begleitgalaxie, NGC 5477 vom Typ Sd. Sie kommt nur auf V = 14 mag. Drei weitere Mitglieder der Gruppe um M 101 liegen außerhalb des Bildes. Im linken Bildbereich befinden sich zwei gelbliche ellpitische Galaxien, die aber nicht dem System M 101 angehören, sondern weit im Hintergrund stehen: NGC 5473 und NGC 5485.

Karsten Möller, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, nahm M 101 am 09.03.2016 in Lauterbach/Hessen auf. Er verwendete einen Skywatcher ED 80 bei 510 mm Brennweite, dazu eine Canon EOS 400 Da. Belichtet wurde 40 x 10 min bei ISO 800.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Bereits das letzte AdW wurde durch einen 80-mm-Refraktor belichtet. Diesmal ist es wieder ein Gerät dieser Größenordnung, der Skywatcher ED 80 von Karsten Möller. Der Aufnahmechip des aktuellen AdW ist aber größer als der aus der Vorwoche. Und möglicherweise ist das die Ursache, dass bei nun größerem Bildfeld (in Millimetern), aber damit nicht einhergehender Leistung der Optik, sich in der linken unteren Ecke beim voller Auflösung leicht länglich verzogene Sterne zeigen.

Ursächlich dafür kann aber auch eine minimal verkippt angebrachte Kamera oder eine nicht perfekte Optik-Kollimation sein. Auch der eingesetzte 0,85-Reducer ist bei der Fehlereingrenzung in Betracht zu ziehen. Für nicht wenige Amateure ist das nun der Grund, sich in endlose Nachbesserungen zu verlieren bzw. in immer teureres Equipment zu investieren – um womöglich irgendwann dann doch frustriert das Hobby an den Nagel zu hängen.

Das ist in unseren Augen falsch – denn genau das Gegenteil zeigt dieser M 101: Optik und Reducer für etwa 1000 € sowie eine Kamera (um 1400 €) plus eine Montierung für nochmal etwa 1000 € ermöglichen Aufnahmen, die tiefer als der Palomar Observatory Sky Survey (POSS) reichen. Doch das Bild kommt nicht etwa nur in schwarzweiß wie der POSS, es hat kräftige Farben und es wurde auch nicht im ehemals dunklen Südkalifornien, sondern mitten im lichtverschmutzen Deutschland belichtet. Dieser M 101 von Karsten Möller beweist deutlich, was trotz Wetterkapriolen und Lichtverschmutzung astrofotografisch möglich ist. Und niemals war die Ausrüstung dafür günstiger zu erwerben – wenn auch der Einstieg in unser Hobby weiterhin nicht kostenlos zu haben sein wird.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten J2000.0:
RA = 14 h 03 min 13 s, DE = +54° 20' 53"

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