30. Woche - Messier 94, eine Galaxie in der Nachbarschaft

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im Sternbild Jagdhunde liegt die Galaxie Messier 94 (NGC 4736). Entdeckt wurde sie 1781 durch P. Méchain, kurz darauf nahm Charles Messier sie in seinen Katalog auf. M 94 ist visuell 8,24 mag hell. Da ihre Blauhelligkeit 8,99 mag beträgt, ergibt sich ein Farbindex B-V = 0,75 mag. Alle Astrofotografen wissen sofort: im Mittel erscheint M 94 also weißlichgelb. Ihre Entfernung wurde 2003 von I. Karachentsev et al. (= und Kollegen) mit dem Weltraumteleskop Hubble bestimmt. Fotometrische Vermessungen der hellsten Roten Riesensterne ergaben eine Distanz von 4,66 Mpc (ca. 15 Millonen Lj). M 94 ist demnach eine echte Nachbargalaxie.

Die Spiralgalaxie vom Typus SAab ist außergewöhnlich. Sie hat einen aktiven Kern und wird gern als LINER-Typ geführt. Diese Abkürzung für „low inonisation nuclear emission region“ sagt aus, dass es in ihrem Kerngebiet Emissionen niedriger Ionisation gibt. Das aktuelle AdW (Norden rechts, Osten oben) zeigt einen auffälligen inneren Ring. Er erscheint wegen der Galaxienverkippung elliptisch und hat etwa 100´´ Durchmesser. Farblich sollte er regelrecht blau sein. Die passendste Erklärung – Sternentstehung – lag schon früh auf der Hand. Die jungen neu entstandenen Sterne sind für das Blau verantwortlich, hier im AdW erscheint der Sternenring vielleicht ein wenig zu türkis, denn [O III] wurde nicht festgestellt. Was aber gut herauskommt, ist die Braunfärbung der Zwischenarmregionen. Hier gibt es – wie in unserer Milchstraße im Skorpion und Schlangenträger – sehr viel Staub, der das warme Licht verursacht.

Bereits 1989 zeigte eine tiefe Hα-Aufnahme von R.W. Pogge, gewonnen am 1-m-Teleskop des Lick Observatory, dass der Ring aus aneinandergereihten H II-Regionen besteht, einer Perlenkette ähnlich. 2001 wurde das bestätigt durch W. H. Waller und Kollegen, die auch eine starke Intensität im fernen UV entdeckten. Im Jahr 2000 wiesen T. Wong und L. Blitz nach, dass der Ring mit einer Häufung von molekularem Kohlenmonoxid deckungsgleich ist. 1995 hatte R. Braun gezeigt, dass auch neutraler Wasserstoff in diesem Ring vorkommt. Diese Gase strömen von außen in die Ringregion und „füttern“ die Sternentstehung.

Am Ring schließen in einem auffällig hellen Scheibenbereich von 7´ Ausmaß zarte Spiralarme an. Das ist genau das, wie sich M 94 auf üblichen kurzbelichteten Aufnahmen präsentiert. Das aktuelle AdW jedoch ist recht tief und zeigt nachfolgend einen dunklen Ring, der mit einem anschließenden breiten ringförmigen Gürtel aus weiteren Spiralarmen kontrastiert. Dieser äußere Ring misst 10 bis 12 Bogenminuten. Seine Gestalt zeigt Ähnlichkeit mit einer beginnenden Balkenstruktur für M 94. Was unbedingt anzumerken ist: Die innere Strukturierung des äußeren Rings ist bemerkenswert.

Der Durchmesser einer Galaxie ist immer eine Frage der Aufnahmetiefe und der benutzten Wellenlänge. In der Datenbank SIMBAD wird für M 94 angegeben: 4,133´ x 3.265´, bezogen auf IR-Messungen. Die NASA Extragalactic Database gibt optisch 11,2´ x 9,1´ an. Aus den GALEX-Messungen folgt 13,9´ x 11,3´. Eine kontrastverstärkte invertierte Version des Bildes ergibt eindeutig 18,5´ x 15,6´. Solange hierzu aber keine wissenschaftliche Publikation erfolgt, wird dieser neue Wert unbeachtet bleiben.

Die Astroaufnahme ist ein Gemeinschaftswerk von Mark Schocke und Frank Slotosch. Beide sind Mitglieder der Fachgruppe Astrofotografie. Frank Slotosch nutzte einen 200-mm-Newton mit f = 900 mm, dazu eine Trius SX-825. Er belichtete am 18. bis 20. April 2015 am Vogelsberg sein LRGB zu 500/60/45/60 min. Mark Schocke verwendete auch einen 200-mm-Newton, aber mit f = 800 mm, dazu eine Moravian G2-8300. Seine Bildserie wurde am 18. und 23. April 2015 in der Ruhrgebietsstadt Oberhausen aufgenommen: RGB mit 117/152/190 min. Dazu schreibt Mark Schocke: „Die Bilder wurden trotz sehr unterschiedlicher Voraussetzungen zu einem gemeinsamen Bild zusammengebracht.“ Und das AdW-Team freut sich, dass hier wieder ein Bild veröffentlicht wird, das vorher noch nicht in den Foren breitgetreten wurde.

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe
(fg-astrofotografie@vds-astro.de)

Kommentar zum AdW: Die Astrofotografie erfordert von Natur aus lange Belichtungszeiten. Je länger ein Objekt belichtet wird, desto eher kann man schwächste Objekte im Bild nachweisen. In der Amateurszene sorgen Aufnahmen mit extrem langen Belichtungszeiten zunehmend für Aufsehen. Es ist daher nachvollziehbar, dass verschiedene Amateure die ihnen zur Verfügung stehende Zeit untereinander aufteilen, und Gemeinschaftsprojekte starten. Sinnvoll ist diese Vorgehensweise aber nur dann, wenn die instrumentellen und die Aufnahmebedingungen ähnlich oder im besten Falle gleich sind. Hier gilt das alte Sprichwort: Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Funktioniert die Nachführung eines der Teleskope unzureichend, oder ist einer der Fotografen beim Fokussieren nachlässig, gefährdet er damit das gemeinsame Summenbild. Teamgeist und Übernahme gegenseitiger Verantwortung sind also auch in der Astrofotografie gefragt. Das vorliegende Bild ist ein positives Beispiel für eine solche Zusammenarbeit. Die einzelnen Aufnahmen entstanden mit sehr ähnlichen Optiken aber durchaus unterschiedlichen Kameras. Auch die Standorte unterscheiden sich. Das ist sicher keine optimale Vorgehensweise, dennoch ein gelungenes Endresultat mit überzeugeender Tiefe!

Das AdW-Team möchte zwei Dinge zur Aufnahme kritisch anmerken. Zum einen ist die Farbgebung vieler Sterne und auch in Teilen der Galaxie unnatürlich türkis, was schon oben im Text zum Objekt steht. Außerdem erkennt man in dem Bild bei genauer Betrachtung einen unebenen Hintergrund, möglicherweise kein sauberes Flatfield.

Kommentar zum AdW: Frank Sackenheim
(frank@frank-sackenheim.de)

Koordinaten J2000.0:
RA = 12 h 50 min 53 s, DE = +41° 07’ 13”

Sie möchten zu den Autoren Kontakt aufnehmen? Klicken Sie einfach oben links auf ihren Namen.

nach oben

Anzeige