37. Woche - Die „A-Klasse“ im Centaurus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Nur 4,3° nördlich des bekannten Kugelsternhaufens Omega Centauri hält dieses Sternbild ein weiteres „Juwel“ bereit, die Galaxie NGC 5128, auch als Radioquelle Centaurus A katalogisiert. Mit 7 mag scheinbarer visueller Helligkeit und 18´ x 14´ Ausdehnung springt NGC 5128 jedem Beobachter sofort ins Auge. Aber man mag es kaum glauben: Dieses herrliche Deep-Sky-Objekt war noch nie Astrofoto der Woche!

Was wir hier sehen, spielt sich im Universum recht häufig ab – zwei Galaxien kollidieren. Dafür hat man natürlich einen Anglizismus gefunden: „merger“ (= Durchmischung). Eine elliptische Galaxie, besser gesagt der Bulge einer S0-Galaxie, stößt gerade mit einer Spiralgalaxie zusammen, die wir nahezu von der Kante sehen. Ihr markantes Staubband verläuft sogar hinter der Kugel der S0-Galaxie weiter, dabei ist es um 18° geneigt. Das Staubband rotiert eindeutig, was bereits 1959 von Burbidge & Burbidge nachgewiesen wurde. Zwischen dem Nordwest- und dem Südostteil des Staubbandes lässt sich eine Differenzgeschwindigkeit von 700 km/s messen (km pro Sekunde, nicht ka emm ess!). Aber auch die alten Sterne des S0-Bulge vollführen eine eigenständige Rotation (Bertola, Galetta und Zeilinger 1985), so dass wir zweifelsfrei zwei unterschiedliche Systeme vorliegen haben. Die Spuren der Kollision sind nicht nur per Radioteleskop nachweisbar, sondern auch im visuellen Spektralbereich. Um den dichten Staubgürtel zieht sich ein blaues Band junger Sterne, die bei dieser Kollision entstanden sind. Diese Farbe kommt im AdW schön heraus, insbesondere im Nordwest- und auch im Südostbereich des Staubgürtels. Man glaubt sogar Einzelsterne sehen zu können. Dies ist auch vollkommen richtig, denn bei einem Vergleich mit fotografischen Aufnahmen am 2,5-m-Spiegel von Las Campanas in Chile entdeckt man diese blauen Sterne sofort eindeutig (Feststellung P.R.).

Übrigens: Das Erscheinungsbild von NGC 5128 als leuchtende Kugel mit einem Staubgürtel durchs Zentrum ist nicht einzigartig. Sehr ähnlich präsentieren sich die Galaxien NGC 5266 – auch im Centaurus – sowie NGC 5485 im Ursa Major. Sie sind allerdings erheblich kleiner, weil weiter weg, und daher wirken sie weniger detailliert und spektakulär.

Unsere Schweizer Freunde Eduard von Bergen und Hansjörg Wälchli mieteten im Frühjahr den 400-mm-Hypergraphen f/8,3 von Bernd Schröter auf Farm Tivoli/Namibia. Mit einer SBIG STL-11000M entstand dann das LRGB-Bild mit 70/80/70/70 Minuten Belichtungszeit. Die Fülle an Details ist enorm, Gratulation! So erkennt man bis weit nach außen im S0-Bulge zahlreiche kleine, kugelige Dunkelwolken, ähnlich den Globulen in Gasnebeln. Ferner möchte ich auf eine blaue Kette aufmerksam machen. Man entdeckt sie etwa 8´ nördlich des diffusen Endes im südöstlichen Staubband. Auch auf großteleskopischen Aufnahmen ist dieses merkwürdige Objekt abgebildet – also real. Hier handelt es sich um einen Jet (Hinweis Stefan Binnewies), der bei aktiven Galaxien wie z.B. M 87 oder auch bei Quasaren durchaus üblich ist.

RA = 13 h 25,5 min, DEK = -43° 01´

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