39. Woche - NGC 185, ein Mitglied im System M 31

 -  Astrofoto der Woche  - 

Große Scheibengalaxien sind durch Kannibalismus aus kleinen Galaxien entstanden. Die Zwerge wurden aber bisher noch nicht alle „vertilgt“. Im Halo der Milchstraße und um die benachbarten Galaxien herum gibt es noch viele Zwerggalaxien, die gravitativ gebunden ihre Muttergalaxien umrunden. Der Andromedanebel M 31 beispielsweise besitzt weit über 30 solcher Begleiter, von denen NGC 205 (= M 110), NGC 221 (= M 32), NGC 147, NGC 185 und IC 10 zu den prominenteren Vertretern zählen. Daneben gibt es die große Menge schwächster Andromeda-Dwarfs And I bis And XXX, die erst in den letzten Jahren entdeckt wurden.

Jetzt geht es um NGC 185. Die 2 Mio. Lj entfernte Zwerggalaxie wird vom Typus her zwischen dE (dwarf elliptical) und dSph (dwarf spheroidal) eingestuft, mit einem deutlich hervortretenden Kern. Die Sterne eines sphäroiden Zwergs sind nicht irregulär angeordnet, sie bilden auch keine Spiralarme, sondern verteilen sich relativ gleichmäßig auf einen rotationselliptischen bis kugelförmigen Raum, konzentrieren sich jedoch zum Zentrum hin stärker. NGC 185 gleicht also einem extrem großen, sehr locker aufgebauten elliptischen Kugelsternhaufen! Wäre die Zwerggalaxie nicht so weit entfernt, könnte man sie in helle Einzelsterne auflösen wie z.B. den bekannten Kugelsternhaufen M 13. Bei so strukturierten stellaren Objekten ist es einigermaßen schwierig, einen konkreten Wert für den scheinbaren Durchmesser anzugeben, denn nach außen hin nimmt die Sternendichte exponentiell ab und geht scheinbar in das Sternfeld der Milchstraße über. Folglich kann man keine klare „Grenze“ erkennen. Aus der kontrastverstärkten, invertierten Version des aktuellen AdWs lässt sich ein Durchmesser von 13,3´ x 10,0´ herleiten. Das ist größer als in den üblichen Literaturtabellen angegeben, denn die Aufnahme wurde recht lange belichtet und lässt den Palomar Observatory Sky Survey im wahrsten Sinne des Wortes „alt aussehen“. Der POSS wurde ja mit seinen im Blauen erreichten Himmelshelligkeit von 25 mag pro Quadratbogensekunde lange Zeit zur Bestimmung von Winkelausdehnungen der Himmelsobjekte zugrunde gelegt.

NGC 185 ist visuell 9,2 mag hell. Damit ist ihre Leuchtkraft zwar 5-mal geringer als die des bekannten M31-Begleiters NGC 205, aber sie ist immerhin 10- bis 100-mal leuchtkräftiger als die kleinen sphäroiden Andromeda-Dwarfs. Wie ist es mit der visuellen Sichtbarkeit? Von der Flächenhelligkeit her ist NGC 185 etwa 1,6 mag schwächer als NGC 205, geübte Beobachter können sie aber bei dunklem Landhimmel schon mit Teleskopen von 100 mm Öffnung wahrnehmen.

Die Masse von NGC 185 wird zu 68 Mio. Sonnenmassen angegeben. Sie kommt demnach nur auf 4,5% der Masse der Großen Magellanschen Wolke. Dennoch existieren nahe am Kern (man sieht es im AdW) Staubwolken. Da auch molekulares Material registriert wurde, darf man bei NGC 185 von einer bescheidenen Sternentstehungsrate ausgehen. Was auch noch spannend ist: Der Bildautor konnte acht Kugelsternhaufen von NGC 185 identifizieren.

Kurz zur Umgebung von NGC 185: 12,9´ südwestlich bemerkt man die 70 Bogensekunde lange edge-on-Galaxie UGC 378, von der noch keine wesentlichen wissenschaftlichen Details bekannt sind. Gleiches gilt für die noch schwächere, winzige LEDA 166059, die 5´ weiter südwestlich liegt und nur 30 Bogensekunden misst. Noch etwas zur Abschätzung von Helligkeiten und Farben der Feldsterne: Etwa 10,7´ westsüdwestlich von NGC 185 steht HD 3445, ein bläulicher A5-Stern von V = 8,41 mag. Und 11,3´ südsüdwestlich von NGC 185 ist der orangefarbene K5-Stern BD+47 156 mit V = 9,79 mag zu sehen.

NGC 185 kommt mit 6,4 Milliarden km pro Jahr auf uns zugeflogen! Welche Auswirkungen das haben wird, muss uns nicht unbedingt interessieren, denn vorher werden wir erst noch mit der Andromedagalaxie selbst zusammenstoßen …

Markus Blauensteiner erstellte das Motiv am 16. August 2013 an der Sternwarte Gahberg im österreichischen Salzkammergut, hoch über dem Attersee. Seine Optik war ein selbstgefertigter Newton von 250 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite. Mit einer Kamera des Typs SBIG ST-2000XM wurde 19 x 10 min ohne Binning in Luminanz belichtet, dazu RGB – auch ohne Binning – je 9 x 8 min (insgesamt also 6 h 46 min).

Solche Objekte werden leider viel zu wenig aufgenommen. Der Autor beweist aber mit seinem beeindruckenden Ergebnis, dass es sich durchaus lohnt, auch einmal schwächere Sternsysteme als Motive in Betracht zu ziehen.


Objektkoordinaten (2000.0):
RA = 00 h 38 min 58 s, DEK = +48° 20´ 15“

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