4. Woche: NGC 1514, ein heller PN im Taurus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der Planetarische Nebel NGC 1514 befindet sich im Sternbild Stier. Verlässliches Datenmaterial erhält man aus der „PN-Bibel“: Agnes Acker et al., Strasbourg-ESO Catalogue of galactic Planetary Nebulae, I+II; ESO 1992. Danach hat das Objekt im Optischen einen scheinbaren Durchmesser von 132´. Im Radiobereich wurden 160´´ gemessen. Interessant ist, dass NGC 1514 in [O III] mehr als doppelt so stark leuchtet wie in H-Alpha, im Schwefellicht [S II] dagegen hundertmal schwächer ist als in H-Alpha. Das bedeutet schon rein theoretisch, dass der PN blau leuchten muss.

Der Zentralstern HD 281679 hat scheinbare Helligkeiten von B = 9.93 mag im Blauen V = 9.42 mag im Visuellen. Aus dem Farbindex B-V = 0.51 folgt daher eine weißbläuliche Sternfarbe. Das Spektrum deutet darauf hin, dass es sich um einen Doppelstern mit einer Periode von 0.41 Tagen handelt. Als Entfernung werden Werte zwischen 0.4 kpc und 1 kpc angegeben, was im Mittel auf 2280 Lj hinausläuft. Die gemessene Expansionsgeschwindigkeit liegt bei 25 km/s.

Das aktuelle AdW zeigt einen sehr schönen Multiple Shell PN, d.h. einen PN mit mehrfacher Schale. Die hohe Bildauflösung erlaubt, neben dem eigentlichen Zentralstern noch zwei weitere kleine Sternchen zu erkennen. Wolfgang Bischof, den wir im Kreis der AdW-Astrofotografen als Neuzugang herzlich begrüßen, nahm NGC 1514 am 26. Dezember 2008 in Recklinghausen auf. Er benutzte einen 8“-Newton f/6 auf einer Losmandy G11-Montierung. Als Kamera kam eine Starlight SXV-H9 zum Einsatz. Belichtet wurde 10 x 500 s mit einem H-Alpha-Filter und 10 x 400 s mit [O III]-Filter. Obwohl keine Aufnahme im Grünkanal gemacht wurde, konnte ein RGB-Bild erzeugt werden. Dazu der Autor: „Die Bilder wurden nach der Cannistra Modified Bicolor Technique (http://www.starrywonders.com/bicolortechniquenew.html) zu einem RGB-Bild kombiniert, wobei man aus der Summe aller Einzelbilder einen synthetischen Grünkanal erzeugt. H-Alpha bildet den Rotkanal und [O III] den Blaukanal. Mit diesem Verfahren kann man auch aus stark lichtverschmutzten Gegenden noch ansprechende Aufnahmen von Emissionsnebeln gewinnen. Ein netter Nebeneffekt dieser Falschfarbentechnik ist, dass die Sternfarben erhalten bleiben, wenn auch wesentlich schwächer als gewohnt.“

Sehr schön! Das grüne Licht der hässlichen Quecksilberdampflampen (546 nm) wird mit dieser Technik umgangen. Aber ein kritischer „Anstupser“ an unsere Leser sei erlaubt: Überlegen Sie, wird NGC 1514 mit den oben genannten Linienintensitäten in H-Alpha und [O III] im synthetischen Grünkanal jetzt zu stark, zu schwach oder genau richtig wiedergegeben?

RA = 04 h 09 min 17 s, DEK = +30° 46´ 35´´

nach oben

Anzeige