44. Woche - Reflexionsnebel vdB 150 und Dunkelwolke LDN 1235

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der bekannte Astronom Sidney van den Bergh hat sich neben der Galaxienforschung besonders auch mit interstellarer Materie in unserer Milchstraße befasst. Unter Amateuren wurde er bekannt durch seinen Katalog von Reflexionsnebeln. Dieser Katalog findet sich in seiner Publikation „A Study of Reflection Nebulae“, die 1966 im Astronomical Journal erschien. Die Untersuchungen der Nebel basierten auf dem Palomar Observatory Sky Survey (POSS) in der Variante Blue, also fotografische Platten des Typs J.

Im aktuellen AdW (Norden oben, Osten links) wird ein Feld von etwa 39´ x 32´ gezeigt. Rechts oben erkennt man das Objekt Nr. 150 aus dem vdB-Katalog, kurz vdB 150. Dieser Nebel wurde von van den Bergh als Typ I klassifiziert, d.h. der Nebel wird vom beleuchtenden Stern umgeben. Dieser Stern HD 210806 hat den Spektraltyp B8. Seine Blauhelligkeit beträgt B = 8,42 mag und die visuelle Helligkeit V = 8,35 mag. Das ergibt einen Farbindex B-V = 0,07 mag. Entsprechend farbgetreu zeigt das AdW ihn leuchtend blau. Als Entfernung wird für HD 210806 (und damit für vdB 150) 1660 Lj angegeben (Kun et al. 2000).

Von seiner Energieerzeugung her ist der B8-Stern also nicht in der Lage, eine HII-Region zur Emission zu bringen, sondern „nur“ einen Reflexionsnebel blau erstrahlen zu lassen. Der vdB-Katalog bezeichnet diesen Nebel von seiner Flächenhelligkeit her als moderat mit sehr blauer Färbung. Die Nebelgröße wird von van den Bergh mit 11,4´ Durchmesser im Blauen angegeben. Die gesamte Szenerie gehört zum Gebiet "Cepheus Flare", einem gewaltigen zusammenhängenden Komplex aus Molekülwolken und Staub. Hauptbestandteil ist bei allen galaktischen Molekülwolken molekularer Wasserstoff H2, aber auch Kohlenmonoxid CO, jedoch in viel geringeren Mengen. Beobachtungen mit dem IRAS-Satelliten zeigen dieses Gebiet interstellarer Materie eindrucksvoll. Die Masse wird auf etwa 1300 Sonnenmassen geschätzt bei einer Ausdehnung von ungefähr 16 Lichtjahren (Kun et al. 1998). Zahlreiche Kerne werden beobachtet, darunter helle und dunkle Nebel aus den Lynds-Katalogen.

In der Bildmitte steht der 6,1 mag helle Stern HD 211300 mit dem Spektraltyp K0, was einem gelben Stern entspricht. Wie man sieht, handelt sich um ein Doppelstern. Sein Begleiter HD 211300B, ein G5-Stern, "klebt" direkt rechts oberhalb. Von links oben zieht sich zur Bildmitte hin und darüber hinaus die Dunkelwolke LDN 1235. Sie allein kommt im Cepheus Flare auf 130 Sonnenmassen und erreicht im Zentrum eine Dichte von immerhin 50.000 Teilchen pro Kubikzentimeter (Snell 1981). Das Bild zeigt auch, dass diese Dunkelwolke nur im Zentralgebiet pechschwarz ist, außen sind die Randgebiete etwas heller, erleuchtet durch die Vielzahl der Sterne der galaktischen Scheibe.

Bildautor ist Günter Kerschhuber. Das Bild entstand zwischen dem 10. und 12. August 2015 an der Sterwarte Gahberg im Salzkammergut. Die Luminanz wurde mit einem 10-zölligen Newton (Marke ASA, mit Paracorr) bei 1050 mm Brennweite und einer Starlight Trius 694 belichtet, L-Filter von Baader, insgesamt 492 Minuten. Die Farbe entstand durch einen 8-zölligen Selbstbau-Newton bei 540 mm Brennweite, dazu eine Starlight SXV-H9 und RGB-Filter (Baader), belichtet wurde 192/183/225 Minuten, zusammen also 18 Stunden und 12 Minuten. Aufgemerkt: Die Belichtung im Blauen ist also deutlich länger als in den anderen Farbbereichen. Eine Superleistung!

Bisheriger Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Mehrere Mitglieder des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut haben eigene Sternwarten auf dem Vereinsgelände hoch über dem Attersee (Österreich). Dort produzieren sie seit Jahren zahlreiche hervorragende Astro-Aufnahmen, die stärkste „Deep-Sky-Quelle“ zusammen mit dem ROSA-Observatorium (Südfrankreich) in Mitteleuropa.

Eine besondere Spezialität ist dort die Belichtung des Luminanz- und der Farbkanäle parallel auf einer Montierung mit zwei vergleichbaren Teleskopen und Kameras. Und dass dabei selbst ein 10-zölliger ASA-Reflektor (f = 1050 mm) mit einer Starlight Trius 694 (Pixelgröße 4,54 µm x 4,54 µm) und ein 8-Zoll-Newton (f = 540 mm) mit der Starlight SXV-H9 und ihren größeren Pixeln (6,45 µm x 6,45 µm) so wunderbar harmonieren, ist neben der perfekten Bildbearbeitung die zweite große Offenbarung dieses AdWs von Günter Kerschhuber.

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies, Frank Sackenheim

Objektkoordinaten (J2000):

RA = 22 h 09 min 40 s, Dec = +73° 23´ 27´

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