49. Woche - Die Zwerggalaxie IC 1613

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW (Norden oben, Osten links) hält wieder einmal eine Zwerggalaxie parat. Im Bildfeld von 75' x 62' liegt IC 1613, eine irreguläre Galaxie vom Magellanschen Typ im Sternbild Walfisch. Max Wolf entdeckte sie 1906. IC 1613 gehört der Lokalen Galaxiengruppe an und bewegt sich mit 233 km/s auf unsere Milchstraße zu. Die Entfernung wird von Cole et al. (1999) mit 715 kpc angegeben, von Dolphin et al. (2001) mit 730 kpc +- 20 kpc. Damit ist IC 1613 im Mittel 2,35 Mio. Lichtjahre entfernt und etwa so weit weg wie die Andromedagalaxie. Der scheinbare Durchmesser wurde aus Galex-Messungen im ultravioletten Spektralbereich bestimmt (Gil de Paz et al. 2007) und hat einen Wert von 16,2' x 14,5'. Hieraus wiederum errechnet sich für IC 1613 ein wahrer Durchmesser um 11.000 Lj, was einen Vergleich mit der Kleinen Magellanschen Wolke nahelegt.

IC 1613 besteht aus drei wesentlichen Sternpopulationen. Die erste ist sehr alt und befindet sich zentral gelegen bei einem Alter bis etwa 10 Milliarden Jahre. Die zweite mittelalte Population liegt im Alter zwischen 200 bis 300 Mio. Jahren. Und die dritte schließlich wird durch sehr junge Sterne von 5 bis 20 Mio. Jahren repräsentiert, die überwiegend im Nordostbereich vorherrschen. Dort wurden auch zahlreiche rot leuchtende HII-Regionen mit runder, blasenartiger Form entdeckt. Dies passt gut zu der Beobachtung, dass sehr viele blaue, heiße und massereiche Sterne in IC 1613 vorkommen. Solche OBA-Sterne sind als Blaue Überriesen durch starke Sternwinde charakterisiert, die den HII-Regionen die typische Blasenform verleihen können. Wer sich für die HII-Regionen von IC 1613 näher interessiert, schaue nach unter der ESO-Publikation www.eso.org/public/images/eso1603a/

Im AdW fallen die Blauen Überriesen und die Sternentstehungsgebiete sofort auf. Sie kommen auf Helligkeiten, mit denen sie für ein Teleskop von 100 bis 150 mm problemlos nachweisbar sind. In der Ausschnittsvergrößerung (hier klicken) sind die zehn hellsten OB-Sterne markiert. Für passionierte Astrofotografen könnte dies ein Anreiz zum Nachmachen sein. Die ebenfalls beiliegende Tabelle (hier klicken) zeigt diese Sterne mit ihren wichtigsten Kenngrößen und ihrem Katalognamen, der von Bresolin et al. (2007) stammt mit dem Kürzel [BUG2007]xy.

Werner Probst, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie und der TBG-Gruppe, hat IC 1613 am 30.9.2016 in Gurk/Kärnten aufgenommen. Dazu nutzte er einen Apochromaten von 127 mm Öffnung und 660 mm Brennweite. Kamera war eine Moravian G2-8300FW, mit der dann jeweils 8 x 10 min RGB und 45 x 10 min Luminanz belichtet wurde. Während der hellste Stern HD 6375 im Bildfeld 12' nördlich von IC 1613 auf 7,2 mag kommt, erreichen die schwächsten aufgezeichneten Sterne Grenzhelligkeiten um 21,5 mag - und das ist schon beachtlich für die teleskopische Öffnung!

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Setzt man einen fast 10.000 € teuren 5-Zoll-Refraktor (TeleVue-Vollapochromat) mit einem Öffnungsverhältnis von 1:5,2 vor eine CCD-Kamera und belichtet 11 h 30 min ein Feld in den Tiefen des Walfischs, dann darf man schon etwas erwarten, selbst wenn das Ziel “nur“ eine lichtschwache Zwerggalaxie war. Werner Probst ist für uns dieser Erwartung voll und ganz gerecht geworden – herausgekommen ist ein perfektes Astrofoto, an dem wir technisch keinen Makel finden konnten.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim und Dr. Stefan Binnewies

Koordinaten (J2000.0):
RA = 01 h 04 min 48 s, DE = +02° 07' 04"

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