52. Woche - NGC 6188 - ein südlicher Emissionsnebel

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das aktuelle AdW zeigt eine Szenerie aus der südlichen Milchstraße im Grenzgebiet der Sternbilder Ara und Norma. Norden ist rechts, Osten oben, der Bildwinkel beträgt 144' x 96'. Beherrschendes Objekt ist die ausgedehnte HII-Region NGC 6188. Sie wird nach der bekannten Hα-Katalogisierung durch Rogers, Campbell und Whiteoak (1960) auch als RCW 108 bezeichnet. Auffällig ist der dunkle Streifen (dark rim), der sich von Nord nach Süd durch den Nebel zieht und ihm den Beinamen "rim nebula" einbrachte. Im Bereich östlich des Dunkelstreifens liegt der ausgedehnte offene Sternhaufen NGC 6193 in einer freigeblasenen Zone hoher Transparenz. Er repräsentiert den Zentralbereich der Sternassoziation Ara OB1a im Sagittarius-Carina-Arm der Milchstraße. Die hellsten Haufensterne sind HD 150135 (5,65 mag, Spektraltyp O6.5) und HD 150136 (6,88 mag, Spektraltyp O4 + O6), beides sehr junge heiße O-Sterne. Der zweitgenannte Stern scheint ein Doppelstern zu sein, denn sein Spektrum ist ein überlagertes. Beide O-Sterne sind diejenigen, die dafür sorgen, dass der Dunkelstreifen an seinem Ostrand hell leuchtend ionisiert wird. Hier trifft die energiereiche UV-Strahlung der O-Sterne auf eine Molekülwolke, die im Laufe der Zeit zerfetzt wird. Der Nebelkomplex ist etwa 4200 Lj entfernt. Das Alter der jungen Sterne wird auf 1 bis 3 Millionen Jahre geschätzt. Außerdem sorgt NGC 6193 dafür, dass der Nebelbereich auch von einem blauen Reflexionsanteil überlagert wird, der hier zwar angedeutet erscheint, aber die kräftig blauen Sterne bleiben doch eher weiß.

 

Der gesamte Komplex aus NGC 6188 und NGC 6193 ist ein Ort anhaltender Sternentstehung. Fand Whiteoak 1963 im Gebiet RCW 108 noch 35 O- und B-Sterne aus seiner fotografischen Fotometrie, so hat sich das Bild dank tiefer Beobachtungen im IR- und Röntgenbereich grundlegend erweitert. In der Zone der dunklen Staubwolken (sie sind nicht mit der optisch unsichtbaren Molekülwolke identisch) wurde eine starke Quelle infraroter Strahlung entdeckt, die IRAS 16362-4845 bzw. RCW 108-IR getauft wurde (Straw et al. 1987). An den Pixelkoordinaten 1777/1277 (dazu bitte das Bild herunterladen) erkennt man dort ein knallrotes Nebelchen inmitten eines Dunkelbereichs. Genau hier befindet sich ein teilweise verborgener, neuer Sternhaufen. Nur die hellsten Sterne sind auch optisch identifizierbar. In den Infrarotbändern J, H und K ließen sich zahlreiche O- und B-Sterne nachweisen und durch Röntgen-Punktquellen bestätigen. Etwa 40 massereiche OB-Sterne konnten bestimmt werden, dazu geschätzte 1600 junge Sterne, so jung, dass sie noch nicht einmal das Hauptreihenstadium erreicht haben (Wolk et al. 2008).

 

Weiter nordwärts (im Bild also rechts) geht der Dunkelstreifen in faserförmige Strukturen über. Diese werden sogar zu rot leuchtenden Filamenten. Sie stellen den äußeren Rand, die Stoßfront, des Wolf-Rayet-Nebels NGC 6164-5 dar. Leider befindet er sich knapp außerhalb des Bildfeldes.

 

Manuel Jung ist neu als AdW-Bildautor, wir heißen ihn herzlich willkommen! Aufnahmedatum war der 26. August 2016, Aufnahmeort die Tivoli Southern Sky Guest Farm (Namibia). Als Optik diente ein Apochromat vom Typ Takahashi TOA 150/1100 mm mit Reducer TOA-645. Die CCD-Kamera war eine SBIG STL-11000M. Bei einer effektiven Brennweite von 840 mm (d.h. Blende 5,6 bzw. Apertur f/5,6) wurde ohne Binning 19 x 5 Minuten durch Baader-RGB-Filter belichtet.

 

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

NGC 6188 und NGC 6193, die beiden Hauptdarsteller dieser Aufnahme von Manuel Jung, sind ganz tief über dem Horizont bereits von Kreta und natürlich auch von den Kanarischen Inseln aus zu erhaschen. Aber Fotos dieser Nebellandschaft stammen so gut wie immer von der Südhalbkugel und werden dort dann üblicherweise in komfortabler Objekthöhe am Nachthimmel belichtet.

 

Atmosphärische Streuung mit Farbverschiebungen in Richtung Rot und Braun oder auch Airglow und Farbgradienten in Richtung Grün oder Rot sind dann so gut wie ausgeschlossen im Bild, hier aber fällt ein ganz diskreter Braun-Überhang sowie das nahezu völlige Fehlen blauer Sterne auf. Dies ist sicher nur ein kleines Manko, das sich während der Bildbearbeitung eingeschlichen haben dürfte, kommen im Sternhaufen NGC 6193 doch tatsächlich zahlreiche heiße und kräftig blaue O- und B-Sterne (siehe auch Text von Peter Riepe) vor. Dennoch, dieses AdW stellt uns eine nicht ganz so prominente Südhimmels-Perle in sehr guter Aufnahmequalität vor, wofür wir dem Bildautor Manuel Jung sehr herzlich danken.

 

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

 

Koordinaten J2000.0:
RA = 16 h 40 min, DE = -48° 30´

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