5. Woche - Galaktische Wolken im Cepheus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heute vorgestellte Objekt LDN 1251 ist als Dunkelnebel klassifiziert. Es handelt sich um eine Dunkelwolke aus dem Katalog von Beverly T. Lynds (1962). Dabei stehen die drei Buchstaben "LDN" als Abkürzung für Lynds´ Dark Nebulae. Im heutigen AdW (Norden oben, Osten links) erkennen wir LDN 1251 als 13' ausgedehnten, hellen Nebel.

Wie bitte? Eine Dunkelwolke als heller Nebel? Ist das Kürzel LDN etwa ein Fehler in der Benennung? Nein, es ist kein Fehler. Die Antwort ist ganz einfach: In den letzten Jahren haben die "Langbelichter" unter den Astrofotografen immer wieder zeigen können: Die Milchstraße ist erfüllt von Nebelfasern, Staubsträhnen und Zirruswolken, die von den Sternen der galaktischen Scheibe und des Zentrums (Bulge) angeleuchtet werden. Demnach handelt es sich um extrem lichtschwache Reflexionsnebel. Und je nachdem, welche Sterne oder Assoziationen gerade in der Nähe dieser Materiewolken stehen, fällt die Nebelfarbe bräunlich, gelblich oder weißlich aus. Sind die beleuchtenden Sterne hell und blau, so entstehen die besser bekannten blauen Reflexionsnebel.

Sieht man sich die helle Nebelwolke LDN 1251 näher an, so fällt in ihrem Innenbereich - einer Wirbelsäule vergleichbar - sofort der eingelagerte Dunkelnebel mit unregelmäßiger Struktur auf. Das (!) ist der Zentralbereich, den Frau Lynds als Dunkelwolke katalogisiert und vermessen hat. Schaut man sich im Vergleich zum heutigen AdW den Palomar Observatory Sky Survey an, so sieht man bei LDN 1251 tatsächlich eine dunkle, sternarme Stelle am Himmel. Im Lynds-Katalog wird für LDN 1251 eine Dunkelfläche von 700 Quadratbogenminuten genannt, dazu eine Opazität (= Undurchsichtigkeit) von 5 auf einer Stufenskala von 1 (leicht undurchsichtig) bis 6 (sehr undurchsichtig). In den damaligen Zeiten, als noch fotografische Platten belichtet wurden, traten dermaßen lichtschwache Reflexionsnebel kaum aus dem Kornrauschen des Himmelsuntergrundes hervor. Die Absorption des Lichts der hinter der Wolke befindlichen Sterne wurde von der Chemie als "dunkel" registriert. Insofern darf man sich heute mit Recht fragen, welchen Sinn die damalige Vermessung der Dunkelwolken überhaupt hatte, wo man weder die wahre Natur noch die realen Wolkenformen kannte.

Kurz zu einigen Details. Bei den Pixelkoordinaten (1485/373) liegt der orange leuchtende Stern HD 214710. Er hat den Spektraltyp M1, seine Helligkeit beträgt V = 5,81 mag. Direkt am östlichen Rand von LDN 1251 bemerkt man bei (1413/448) eine kleine diffuse Fläche. Im POSS steht dort eine Spiralgalaxie, und aus der NASA Extragalactic Database erfährt man, dass es sich um die 70 Mio. Lj entfernte UGC 12160 handelt. Noch eine weitere Galaxie - sogar etwas größer - scheint "durch die Nebel" von LDN 1251. Ihre Bezeichnung: LEDA 166755. Wer findet sie?

Auch bei (439/703) befindet sich eine diffuse Materiewolke mit dunklem Zentrum und hellem Rand. Sie bildet nach Norden sogar einen kleinen Bogen. Der Name der Wolke lautet TGU H772 P1. Hier waren es Astronomen der Tokyo Gakugei University, die erst 2005 einen Katalog mit neuen Dunkelwolken publizierten. Kaum zu glauben - das geschah mit Hilfe des SDSS! Offensichtlich hatte man keinen versierten Astrofotografen in greifbarer Nähe ...

Bildautor dieses bemerkenswerten Motivs ist Hans Jürgen Mayer. Ab dem 9.8.2015 nutzte er in Stolac/Kroatien vier Augustnächte. Als Opitik verwendete er ein 200-mm-Canonobjektiv USM 1:2,8 an einer Canon 1100Da. Bei Blende 3,5 und ISO 800 wurde insgesamt 15,3 Stunden belichtet. Notiz des Bildautors: "Hauptproblem bei der Bearbeitung war die immense Sternfülle, in der das Objekt zu ertrinken drohte."

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

Die negative Kritik gleich zu Anfang: für uns ist der gewählte Ausschnitt etwas zu weit nach links gerutscht, denn insbesondere LBN 546 hätte eine etwas vollständigere Abbildung verdient.

Der Rest des Kommentars ist aber die Folge des ungläubigen Staunens über diese wunderbare Nebellandschaft, welches sich sofort nach der allerersten Ansicht einstellte.

Aufnahmeinstrument war "nur" eine DSLR-Kamera (Canon 1100Da), Aufnahmeoptik ein Tele-Objektiv (Canon 200 mm USM) mit der Anfangsblende 2,8 und abgeblendet auf 3,5. 15,3 Stunden lang wurde belichtet und normalerweise ertrinkt eine so kurzbrennweitige Astroaufnahme dann im Sternenmeer, gegen das sich die schwächeren Nebel kaum noch hätten durchsetzen können. Wie aber hat der Bildautor die Sternenfülle so gut reduzieren können, dass nicht nur die Nebel prominent in Erscheinung treten, sondern auch noch die Sternscheibchen in der vollen Auflösung einigermaßen ansehnlich geblieben sind?

Lassen wir Hans Jürgen Mayer selbst zu Wort kommen: "Ich arbeite mit einem Pseudoluminanzbild, das ich mit Theli erstelle. Im vorgestretchten Bild entferne ich die Sterne zunächst vollständig und blende sie dann aus dem weniger stark oder gar nicht gestretchten Original wieder ein. Die eingeblendeten Sterne reduziere ich zuvor u.U. noch mal in ihrer Größe, z.B. mit dem Programm ImagesPlus und der Funktion "star size and halo reduction". ImagesPlus bietet auch die sog. "feature mask", mit der man die Sterne vollständig entfernen kann. Hier bevorzuge ich aber ein manuelles Vorgehen, da die Ergebnisse nicht immer befriedigend sind."

ImagesPlus ist käuflich zu erwerben und nicht ganz billig - dieses einmalige Bildergebnis spricht aber für sich und spornt nun uns an, es Herrn Mayer nachzutun - allerdings erst einmal ohne ImagesPlus ;-)

Kommentar zum Bild: Dr. Stefan Binnewies und Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000): RA = 22 h 36 min 06 s, DE = +75° 16' 00" (J2000)

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