9. Woche - Jones 1, ein PN mit außergewöhnlicher Geschichte

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Im Sternbild Pegasus liegt der Planetarische Nebel Jones 1 (Jn 1). Schaut man unter Wikipedia oder verschiedenen anderen Internetquellen nach, so stößt man sofort auf den Namen Rebecca Jones. Sie hat 1941 den PN auf fotografischen Platten des Harvard College Observatory entdeckt. Sucht man aber nach Literatur zu dieser Entdeckung, so beißt man sich die Zähne aus.

Eine Forschungsarbeit über die Farbe der Zentralsterne Planetarischer Nebel (D. Tempesti, Publ. dell'Osserv. Astron. Bologna, Vol. 5, no 14, 1, 1951) brachte Aufklärung. Dort wird ein damals zwei Jahre alter Fachartikel zitiert. Demnach haben F.D. Miller und E. van Dien 1949 im Astrophysical Journal 109, 537 (5/1949) die Entdeckung eines bis dahin unbekannten PNs bekannt gegeben. Dieser PN liegt exakt an der Position von Jn 1. Ein halbes Jahr später erschien in dieser Zeitschrift ein Erratum (ein erklärter Irrtum). Demnach habe der bekannte PN-Forscher Dr. Minkowski die beiden Autoren darüber informiert, dass Fräulein Jones diesen PN bereits 1941 auf Platten des Metcalfe-Teleskops entdeckt hat. Minkowski gestand aber ein, dass es hierüber keine Publikation gegeben habe und dass er die Benachrichtigung über die PN-Entdeckung lediglich per Brief von Harvard erhalten habe. Da staunt man: Eine PN-Entdeckung ohne wissenschaftlichen Beleg!

Die Internetquellen geben durchweg dieselben Werte für Jn 1 an: scheinbarer Durchmesser 5,3' bis 5,5', Entfernung 2300 Lj, Zentralstern von 15,1 mag. Die Datenbank Simbad gibt für den Z-Stern eine V-Helligkeit von 15,6 mag und einen Farbindex B-V = -0,1 mag an, das ist sehr blau. Auf unserem AdW kommt diese blaue Farbe sehr schön heraus! Dazu das Originalbild herunterladen und hineinzoomen! Was man außerdem als Astrofotograf sofort selbst prüfen kann: Wie groß ist der PN wirklich? Misst man in diesem AdW den PN aus, so kommt man auf 6,5' in Nordsüdrichtung und 6,5' in diagonaler Längsrichtung. Also: Nicht immer alles kritiklos aus dem Internet übernehmen ...

Jn 1 fällt durch seine Ringform auf, im Ostbereich klafft jedoch eine Lücke. Markant ist die durchweg blaue Farbe - setzen wir beim Bildautor eine saubere Farbkalibrierung voraus. Kontrolle: Links oben liegt der G0-Stern HD 222033 mit B-V = 0,63 mag (weiß), rechts oben K7-Stern BD+29°4962 mit B-V = 1,57 mag (orange). Passt also! Und zur Nebelemission: Der Anteil an [OIII] + Hβ + HeII ist 3,6-mal stärker als Hα + [NII]. Von daher ist die Nebelfarbe Rot fast ohne Bedeutung.

Bildautor ist Fachgruppenmitglied Markus Blauensteiner. Er setzte von Südfrankreich aus seinen 250-mm-Newton ein (remote), Blende 4. CCD-Kamera war eine Trius 694, dazu Filter der Firma Baader. Belichtet wurde 38 x 10 min für die Luminanz, RGB je 35 x 10 min (also ganz schön kräftig!), außerdem Hα 20 x 20 min und [OIII] 34 x 20 min. Das sind zusammen fast 42 Stunden, und das hat sich ausgesprochen gelohnt!

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Markus Blauensteiner ist einer der fleißigsten AdW-Bildautoren, wir haben schon zahlreiche Bilder von ihm gesehen. Seit einiger Zeit betreibt er eine ferngesteuerte Sternwarte in den französischen Alpen, nahe der Ortschaft Verclause, wo das hier vorliegende AdW entstand. Seine Aufnahmen zeichnen sich oft aus durch lange Belichtungszeiten, eine sehr fundierte Bildbearbeitung und eine interessante Objektauswahl. So auch im vorliegenden Fall.

Wir haben es hier erneut mit einer Aufnahme zu tun, deren Basis breitbandig gefilterte Aufnahmen sind, die aber mit engbandig gefilterten Aufnahmen kombiniert wurden. Wie man diese Aufnahmen kombinieren kann, darüber gibt es so viele Abhandlungen, wie es Astrofotografen gibt. Die Fachliteratur in Form von Büchern und Magazinen gibt Anleitungen, und das Internet ist ebenso voll von Methoden, die zu einem ansprechenden Bildergebnis verhelfen sollen. Eines schon vorab, das Ergebnis von Markus Blauensteiner ist sehr ansprechend geworden. Die Frage, die sich bei solchen Aufnahmen immer wieder stellt, ist: Ist die Vorgehensweise korrekt, sind die Farben „richtig“ dargestellt und stimmen die Verhältnisse der (Einzel)Aufnahmen zueinander? Es gibt verschiedene Methoden, die diesen Ansprüchen gerecht werden sollen. Insbesondere die Software PixInsight, oder besser gesagt die Nutzer dieser Software, stellen den Astrofotografen Methoden zur Verfügung, die einerseits zu ansprechenden Bildern führen sollen, andererseits Anspruch darauf haben, korrekt zu sein. Ob und wie gut das Ganze funktioniert, darüber muss sich jeder selber, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Bild machen. Markus Blauensteiner hat hier nach mehreren Versuchen einen anderen Weg gewählt, wobei er die Farben so gut es ging nach Augenmaß gewählt hat.

Letztendlich sind Linienfilter in der Amateurastrofotografie dazu geeignet, ein Objekt kontrastreicher darzustellen. Ob man das nun in Schwarz-Weiß macht (eine Animation oder eine serielle Darstellung verschieden gefilterter Aufnahmen wäre dann z.B. eine „ansprechende“ Präsentation) oder Farben wählt, um die Kontraste darzustellen, bleibt jedem selbst überlassen. Das Thema Linienfilter bleibt spannend, es wird nicht das letzte AdW sein, welches sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Wir gratulieren Markus Blauensteiner zum Bildergebnis und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Objektkoordinaten (J2000):

RA = 23 h 35 min 53 s, DE = +30° 28´ 06´´

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben links auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.


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