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03. Woche - NGC 1530 - eine Galaxie in hoher Deklination

| Astrofoto der Woche

Das aktuelle AdW dreht sich um eine Galaxie, die man nicht so häufig als Motiv findet: NGC 1530 im Sternbild Camelopardalis (Giraffe). Sie steht, was ihre Deklination betrifft, sehr weit nördlich. Die Bildautoren sind Jan Beckmann, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, und Miriam Varding. Im Zeitraum September bis Oktober 2023 entstand die Belichtungsserie am Aufnahmeort Litzendorf im Landkreis Bamberg. Aufnahmeteleskop war ein TS ONTC 205 mm/800 mm, als Kamera kam eine QHY 294m pro hinzu, alles auf einer Montierung des Typs  iOptron CEM70. Die Belichtungszeit betrug insgesamt 18,8 h, weitere Angaben zu den Einzelbelichtungszeiten und zum Filtereinsatz liefert Jan Beckmann noch nach. Das Bild zeigt Norden oben und Osten links, bei einer Bildfeldgröße von 72,8' x 44,4'.

NGC 1530 ist eine Spiralgalaxie des Typs SBb. In der Datenbank Simbad/Aladin ist sie lediglich als "altes" DSS-Bild (POSS) zu sehen, im SDSS ist das sehr nördliche Feld noch nicht erfasst. Daher kann das AdW nur mit dem DSS-Bild verglichen werden, was für Astrofotografen mit modernen Aufnahmesystemen eher ein breites Lächeln erzeugt. So laufen die beiden blauen Spiralarme von NGC 1530 vom Balken ausgehend immer dünner werdend jeweils 180° um den Galaxienkörper. Sie sind auch mit zahlreichen Sternentstehungsgebieten gefüllt. Im Gegensatz dazu sind Bulge und Balken von deutlichem Gelborange. Um die Details um die Galaxie herum ein wenig besser beurteilen zu können, schauen wir nun in das Zusatzbild 1 (Ausschnitt aus dem AdW, etwas bearbeitet in Helligkeit und Kontrast). Hierin sind die morphologischen Details durch Ziffern markiert. Wir sehen 1:= Der südliche Spiralarm gabelt sich, 2: auf der Westseite wird der südliche Spiralarm diffus verbreitert, 3:= hier liegt offenbar das Bruchstück eines Spiralarms vor, denn dieses Armstück knickt deutlich vom umlaufenden Spiralarm ab und setzt sich nach Südsüdwest fort, 4:= hier erkennt man einen großen, diffusen Flecken. Ob der mit NGC 1530 selbst physikalisch verbunden ist, lässt sich aus dem Bild nicht beurteilen. 5:= ein länglicher Streifen erstreckt sich über 5,5' etwa in Ostwest-Richtung. Ob es sich um einen Sternstrom, um einen Gezeitenschweif  oder um einen vorgelagerten Streifen des galaktischen Zirrus handelt, ließ sich nicht herausfinden. 6:= Am Ostende des Streifens liegt die kleine irreguläre Galaxie WISEA J042245.63+751347.1. Sie hat Ähnlichkeit mit einer Art von Zwerggalaxien, die in verschiedenen Gezeitenschweifen anderer Galaxien nachgewiesen wurden (z.B. in NGC 4038/39, in NGC 3628, NGC 4631 u.a.). Da der Streifen mit dieser Zwerggalaxie auf den diffusen Flecken (4) hindeutet, könnte es sich tatsächlich um eine Einheit handeln. Simbad liefert hier keinerlei Erkenntnisse, für die Zwerggalaxie wird kein Katalogname angeboten (den fand ich allein in der NASA Extragalactic Database (NED), die für sämtliche Belange aus dem extragalaktischen Raum von vornherein in ihrer Konzeption erheblich besser geeignet ist.

Aus der Radialgeschwindigkeit geht hervor, dass NGC 1530 rund 33,5 Mpc (~ 109 Mio. Lj) entfernt ist. Das AdW liefert einen Winkeldurchmesser von 5,3', so dass der wahre Durchmesser der Galaxie sich im Bereich von 170.000 Lj bewegt - ein sehr großes Objekt also.

Oben rechts im Bild erkennt man eine Galaxiengruppe. Aus der NED ließ sich der Gruppenname ausmachen: Es handelt sich um das Triplett VII Zw 011. Schauen wir ins Zusatzbild 2, welches ebenfalls einen Ausschnitt aus dem AdW darstellt, in etwas gesteigerter Helligkeit unnd Kontrast. Die Einzelgalaxien sind als kleine Ziffern markiert, um das Bild nicht zu sehr mit den kompletten Galaxiennamen anzufüllen. Die folgenden Objekte sind identifizierbar: 1 = LEDA 14888, 2 = LEDA 14882, 3 = LEDA 14864, 4 = Stern UCAC4 828-007855 (12,5 mag), 5 = WISEA J041859.32+753433.6, 6 = WISEA J041802.80+753118.6 (die WISEA-Galaxien sind der NED entnommen). Wir erkennen damit, dass das Triplett doch ein Quartett ist, denn die erheblich lichtschwächere Galaxie Nr. 5 gehört eindeutig mit dazu.

Auffällig ist, dass die gesamte Gruppe stark aufgehellt ist. Der Astronom spricht von einem "intra-cluster light". Es wird erzeugt durch die Wechselwirkung enthaltener Haufengalaxien, die leuchtende Materie in Form von Abrissen und Schweifen ins Innere bringen. So ist an der Südostspitze bei  LEDA 14888 ein außerordentlicher Gezeitenschweif zu erkennen. Sie scheint mit LEDA 14882 zu wechselwirken, die ebenfalls einen Lichtschweif aufweist. Was noch auffällt im Zusatzbild 2: Nach rechts oben meint man eine schweifähnliche Fortsetzung zu erkennen, die sich auch in ihrer Richtung an die Gruppenform hält. Hierzu kann ich aber Null weitere Informationen liefern.

Anmerkungen: Die verwendete Kamera ist eine gekühlte CMOS-Kamera (back-illuminated) mit einem Sensor des Typs IMX 492 (Mono). Laut Hersteller kann sie in zwei Auslese-Modi verwendet werden: a) fest eingestellt für Bilder von 4.164 px x 2.796 px (11,6 Mpx) mit einer Pixelgröße von 4,63 μm und 14 bit, b) dann auch für Bilder von 46,8 Mpx mit einer Pixelgröße von 2,315 μm und 12 bit. Es wird ein sehr geringer Dunkelstrom und ein sehr geringes Ausleserauschen bei hoher Verstärkung angegeben. Dies hat sich offensichtlich für dieses Bild ausgezahlt, auch wenn der Aufnahmeort sehr nahe an der Lichterglocke der knapp westlich gelegenen Stadt Bamberg liegt.

Den beiden Bildautoren ein herzliches Dankeschön für diese farblich stimmige und motivmäßig höchst informative Aufnahme! Dazu natürlich auch die Gratulation des AdW-Teams zum Astrofoto der Woche!
 

Peter Riepe
Bildautoren: Jan Beckmann und Miriam Varding

 

Koordinaten (J2000) von NGC 1530:
RA = 04 h 23 min 27,1 s,  DE = +75° 17' 44"

 

 



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