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28. Woche - Der Planetarische Nebel Abell 39

| Astrofoto der Woche

Das aktuelle AdW dreht sich um den Planetarischen Nebel Abell 39 im Sternbild Herkules. Die Aufnahmeserie zum Bild von Autor Martin Luther entstand in sechs Nächten zwischen dem 11.-18.06.2023. Aufnahmeort war das niedersächsische Neetze (rund 15 km östlich von Lüneburg). Als Aufnahmeoptik kam ein Ritchey-Chrétien-Teleskop von GSO mit  d = 250 mm und f = 2000 mm zum Einsatz, d.h. Öffnungsverhältnis d/f = 1:8. Die Kamera dazu war eine ZWO ASI2600MC Pro, alles auf einer Montierung des Typs EQ8-R von Skywatcher. Mit dem dualen Schmalbandfilter Optolong L-eXtreme wurde der Kontrast des lichtschwachen PNs zum Himmelshintergrund optimiert. Für das Autoguiding wurde ein Off-Axis-Guider mit einer ZWOASI120 MM-Mini verwendet. Belichtet wurde 650 min bei Gain 100 incl. Dithering. Zum Gain schreibt der Hersteller: Wird der Gainwert auf 100 gesetzt, ist der HCG High Gain Modus eingeschaltet. Das bedeutet: Das Ausleserauschen wird größtenteils reduziert, der Dynamikbereich bleibt im Wesentlichen unverändert. Die Belichtungen im Detail: 41 x 10 min mit dem L-eXtreme, dazu 48 x 5 min ohne Filter für die Sternfarben. Dazu kam die übliche Kalibrierung mit Flats, Darks (auch Flat-Darks). Als Software wurde eingesetzt: N.I.N.A, PHD2, PixInsight und Photoshop CS6. Das gezeigte AdW ist ein Ausschnitt. Norden liegt oben, Osten links, das Bildfeld beträgt 77,3' x 51,5'.

Zum Objekt selbst: Abell 39 (= PN G047.0+42.4) ist die Nummer 39 aus dem PN-Katalog von George Ogden Abell: "Properties of some old Planetary Nebulae"; Astrophys. J. 144, 259-279 (1966). Insgesamt sind in diesem "Abell-Katalog" 86 PNe (Mehrzahl von PN) eingetragen. Sie wurden auf den originalen fotografischen Platten identifiziert, die im Rahmen des Palomar Observatory Sky Survey (POSS) belichtet worden waren. Abell selbst äußerte die Vermutung, dass es sich bei diesen Objekten um eine Scheibenpolpulation in unserer Milchstraße handelt. Daraus sticht der PN Abell Nr. 39 allerdings mehr als deutlich hervor: Er ist der PN mit der größten galaktischen Breite des Katalogs (b = 42,5°), steht also sehr hoch über der galaktischen Ebene. So wird sein Licht nicht wesentlich durch Staubextinktion beeinflusst.

Abell 39 besticht durch seine nahezu sphärische Form. Dabei ist die Peripherie als Ring ausgebildet. In seinem Katalog nennt Abell den PN-Typ. Es ist nicht Typ A. Das wäre eine homogene Scheibe. Es ist vielmehr Typ B, ein homogener Ring. Und der ist innen zwar schwach leuchtend, aber mit deutlich geringerer Helligkeit als der Ring. Der Durchmesser des PNs lässt sich im AdW zu 170" nachmessen, bei etwa 8" - 10" Ringdicke. Abell selbst hat in seinem Katalog 174" Durchmesser  angegeben, das ist auch der Wert, welcher in der Datenbank Simbad zu lesen ist. Als Entfernung liest man in verschiedenen Quellen die widersprüchlichsten und seltsamsten Angaben. Verlassen wir uns am besten auf die von GAIA gemessenen Sternparallaxen, denn die repräsentieren derzeit die genauesten Werte zur Messung der Entfernung. Daraus gehen 3840 Lj hervor. Damit ist der PN reale 3,2 Lj im Durchmesser groß.

Kein PN ohne Zentralstern! Im Zentrum von Abell 39 sieht man einen blauen Stern. Das ist aber kein junger heißer Stern, sondern ein bereits alter Weißer Zwerg (weiß, auch wenn er blau ist ...). Schon Abell merkte in seinem Katalog an, dass sich die Fotometrie der Zentralsterne im linken Teil des Hertzsprung-Russel-Diagramms jenseits der Hauptreihe wiederfindet. Der Zentralstern von Abell 39 ist als WD 1625+280 im Katalog von McCook G.P. und Sion E.M. aufgeführt: "A catalog of spectroscopically identified white dwarfs"; Astrophys. J., Suppl. Ser. 121, 1-130 (1999). Der Spektraltyp lautet DAO.70, also das Spektrum eines Weißen Zwergs. Blau ist der Weiße Zwerg, da die gemessenen Helligkeiten B = 15,27 mag und V = 15,6 mag betragen - also B-V = -0,33 mag - ein sehr blauer Farbindex.

Etwas zum wenig attraktiven Umfeld (was nicht am Bildautor liegt ... lach). Im Wesentlichen sind drei kleine Hintergrundgalaxien im Bild sichtbar. Knapp rechts oberhalb des Zentralsterns - noch im Nebel - sieht man die winzige LEDA 2817010. Ihre Radialgeschwindigkeit beträgt 37.236 km/s, was auf mehr als 500 Mio. Lj Distanz hinausläuft. Zwei kleine edge-on-Galaxien sind  weiterhin sichtbar, einmal rechts von Abell 39 auf etwa halber Strecke zum Rand: das ist LEDA 3089352 mit 17.260 km/s Radialgeschwindigkeit. Und in Richtung linker unterer Bildecke steckt LEDA 58246. Sie ist mit 17.178 km/s Radialgeschwindigkeit etwa gleich weit entfernt wie die vorgenannte Galaxie.

Anmerkungen: Das Ziel dieser Aufnahme war es unbestritten, den lichtschwachen PN deutlich sichtbar zu machen und dabei die Eigenfarbe möglichst herauszustreichen. Das ist gut gelungen. Die Eigenfarbe wird bei Emissionsobjekten bekanntlich immer durch das vom menschlichen Auge wahrgenommene oder von der Kamera abgebildete Mittel der Farben und Intensitäten aller vorhandenen Emissionslinien vorgegeben. Hier in Abell 39 dominiert ohne erkennbare Abweichung das blaugrüne [OIII]-Dublett (ein Linienpaar), so dass die blaugrüne Farbe auch die ist, durch die unser AdW bestimmt wird. Der Sternenhimmel zeigt eher blasse Farben, was hoch über der galaktischen Ebene niemanden wundert.

Einen herzlichen Dank an Martin Luther für das beeindruckende Astrofoto, dazu die Gratulation des AdW-Teams zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Martin Luther

Koordinaten (J2000.0) von Abell 39:
A = 16 h 27 min 33,7 s, Dec = +27° 54' 33"

 

 

 


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