Die Technik der Sonnenfotografie im weißen Licht

von Wolfgang Paech

Unter dem Begriff der Weißlichtfotografie versteht man die Fotografie aller Erscheinungen der Photosphäre der Sonne im sichtbaren Licht (Flecken, Fackeln, Lichtbrücken etc.).

Der Einsatz von Farbfiltern und verschiedenen Filmen kann dabei einzelne Spektralbereiche eingrenzen. Die Filter sollen kontraststeigernd wirken und die Einflüsse des sekundären Spektrums (Restchromasie) eines Refraktorobjektives unterdrücken (die Bildschärfe erhöht sich). Sie werden in der Nähe des Brennpunkts montiert, so dass die Qualität von rohpoliertem Farbglas ausreicht (bei Montage direkt im Brennpunkt besteht die Gefahr der Abbildung von Staub).Prinzipiell werden hier zwei Aufnahmearten unterschieden:

Die Fokal- und die Projektionsfotografie

Bei der Fokalfotografie wird das Brennpunktbild des Instruments aufgenommen. Man erhält so gute Übersichtsaufnahmen der Sonne. Bei kleinen Instrumenten empfiehlt sich der Einsatz eines 2-fach Telekonverters, um das Negativ vollständig auszufüllen. Bei der Projektionsfotografie dienen Okulare zur Vergrösserung des Abbildungsmassstabes (Faustformel: Sonnenbilddurchmesser auf dem Fim = pro meter Brennweite = 1 Zentimeter).

Die sogenannte Äquivalentbrennweite (f_Ä) bei der Okularprojektion berechnet sich wie folgt:

f_Ä = f_primär x ((a / Okularbrennweite) -1)

Dabei ist a der Abstand des Okulars von der Filmebene, wobei sein Wert mindestens 2mal der Okularbrennweite entsprechen muß, andererseits der Fokus des Teleskops im Unendlichen liegt (z.B. f = 10 mm, a = 20 mm). Dies zu beachten ist wichtig. Die Brennweiten der Okulare sollten nicht zu kurz gewählt werden, weil sonst die Fokussierung durch zu starke Vergrösserung erheblich beeinflusst wird. Auch die Abbildungsqualität der Okulare sollte hoch sein.

Bei grossen Fleckengruppen empfiehlt sich ein längerbrennweitiges Okular. Die benötigten Farbfilter werden in die Okulare geschraubt. Als Grundfiltersatz ist ein Gelb-Orange-und Grünfilter zu empfehlen (z.B. Schottfilter GG495, OG550, VG6). Vereinzelt benutzen Sonnenfotografen auch breitbandige Interferenzfilter (z.B. 550 nm +/- 50 nm), die die optimalen Abbildungseigenschaften des Objektivs ausnutzen. Solche Filter sind aber nicht preiswert.

Für die verschiedenen Aufnahmearten und Abbildungsmaßstäbe müssen entsprechende Belichtungszeiten bestimmt werden. Diese lassen sich grob berechnen oder aber durch Testreihen bestimmen. Generell sollten Sonnenfotos nicht länger als 1/125 sec belichtet werden, weil sonst die Einflüsse der Luftunruhe die Qualität der Negative zu stark mindern. Im Normalfall wird man versuchen, mit 1/1000 sec. arbeiten. Für die verschiedenen Aufnahmemethoden kann man sich die Belichtungszeiten aus Testreihen bestimmen und benutzt sie danach standardmässig, wobei die Sommer-und Wintermonate getrennt untersucht werden sollten. Amateure, die eine Kamera mit Zeitautomaten benutzen, sollten die Hinweise hier beachten.

Vielen Anfängern auf dem Gebiet der Sonnenfotografie fällt das Fokussieren des Sonnenbildes sehr schwer. Das Sucherbild ist oft sehr hell (eine Sonnenbrille erweist sich als sehr hilfreich), und das ungeübte Auge passt sich diesen Bedingungen schlecht an. Viele Amateure neigen deshalb dazu, das Bild einmal zu fokussieren und danach mit dieser Einstellung alle Aufnahmen zu belichten. Diese Methode führt unweigerlich zu unscharfen Aufnahmen, weil sich der Fokus ständig durch Temperatureinflüsse und atmosphärische Seeingbedingungen verändert.

Bei der Fokussierung mit einer Klarsichtscheibe oder Mattscheibe mit Klarfleck, wird in jedem Fall auf das Fadenkreuz scharf gestellt, d.h. Sonnenfleck und Fadenkreuz müssen dem Auge gemeinsam scharf erscheinen. Trotz einer gewissen Fokustoleranz treten hierbei grosse Schwierigkeiten auf, was unscharfe Negative zur Folge hat. In der Praxis ist es deshalb notwendig, jedes Bild neu zu fokussieren. Ausserdem sollte die Bildbewegung am Kamerasucher beobachtet werden. Im Augenblick der Bildruhe wird die Belichtung ausgelöst.Dabei kann es allerdings geschehen, dass man längere Zeit durch den Sucher blickt ohne auszulösen, was sehr viel Geduld erfordert. Schwieriger ist der Versuch, bei einer Kamera mit fest eingebauter Mattscheibe scharf zu stellen. Die geringe Bildhelligkeit im Sucher erlaubt es nicht, den Schnittbildindikator der Kamera zu nutzen. Man kann sich jedoch dahingehend behelfen, dass man in einer Hälfte des Schnittbildes fokussiert. Von Nutzen sind dabei kleinste Staubpartikel, im Schnittbildindikator. Sie haben die Wirkung eines Fadenkreuzes, so dass sich das Auge an diesen Objekten orientieren kann. Der verbleibende Teil der groben Mattscheibe kann mit einem Tropfen Nähmaschinenöl etwas feinkörniger gemacht werden, um dem Auge die Möglichkeit der Grobfokussierung zu geben.

Bei allen Anwendungen der Sonnenfotografie sollte ein Drahtauslösers zur Selbstverständlichkeit gehören, um jede Möglichkeit des Verwackelns auszuschliessen.

Weiter lesen: Die Abschätzung von Belichtungszeiten bei der Sonnenfotografie

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