Sonnenfinsternis - Das Perlschnurphänomen und die Totalität

Bitte beachten Sie, dass alle Belichtungszeitangaben auf dieser Seite nur Richtwerte und ohne Gewähr sind !!

Während der extrem kurzen Dauer des Perlschnurphänomens (auch Diamantring-Phänomen genannt) hat man noch viel Licht zur Verfügung, die Aufnahmen dürfen aber nicht mehr dicht gefiltert werden, sondern die Lichtmenge wird schon über Blende und die Belichtungszeit geregelt.

Das Perlschnur-Phänomen entsteht dadurch, dass letzte Lichtstrahlen der Sonne durch Täler am Mondrand scheinen.

Für Aufnahmen des Perlschnurphänomens kommen eigentlich nur Fokalaufnahmen mit Brennweiten zwischen 1000 und 2000 mm in Frage. Hier sollte natürlich vorzugsweise niedrige ISO-Wrerte von 100 - 200 ASA einsetzen. Die Zeitdauer des Perlschnureffektes beträgt nur wenige Sekunden. Zu Beginn hat man noch volles Sonnenlicht (kann zu deutlichen Überbelichtungen führen), gegen Ende werden dann "schlagartig" Protuberanzen und die innere Korona sichtbar.
Da die Zeitspanne sehr kurz ist, empfiehlt sich - zumindest bei Teleskopaufnahmen - der Einsatz einer Kamera mit Motorwinder. Aber auch Videokameras langen Brennweiten können erfolgreich eingesetzt werden. Achtung bei Kameras ohne direkte Bildkontrolle: Vergessen Sie nicht kurz vorher das Filter, welches für die partielle Phase eingesetzt wurde - abzunehmen.

Die Belichtungszeiten (100 ASA, Öffnungsverhältnis 1:10) liegen sehr grob bei ca. 1/1000 Sekunde, solange noch Sonnenlicht durch Mondkrater fällt bis hin zu 1/10 Sekunde, wenn Protuberanzen sichtbar werden. Aufnahmen des Perlschnurphänomens werden ungefiltert aufgenommen. Um hohe Detailauflösung (Protuberanzen) zu erreichen, sollte die Brennweite so um die 1500mm betragen.

Auch Ausschnitte des Sonnenrandes mit längeren Brennweiten sind sehr reizvoll. Bedenken Sie bitte, dass für längere Belichtungszeiten die Montierung motorisch nachgeführt werden muß. Aufnahmen der partiellen Phase können auch mit unnachgeführten Teleskopen aufgenommen werden

Direkt nach Beendigung des Perlschnurphänomens - bevor die Korona in ihrer vollen Pracht aufleuchtet - kann man für wenige Zehntel Sekunden die Chromosphäre mit den rot leuchtenden Protuberanzen fotografieren.

Nach Beendigung des Perlschnurphänomens - während der Totalität - ist die Lichtintensität sehr gering. Dementsprechend muß Filmmaterial und/oder die Belichtungszeit den Aufnahmebedingungen angepasst werden. Die Korona hat etwa mittlere Vollmondhelligkeit. Will man möglichst viel "Fotoausbeute" empfiehlt es sich jetzt, Reihenaufnahmen mit steigender Belichtungszeit aufzunehmen (Richtwerte: 100 ASA, Öffnungsverhältnis 1: 10 etwa Start mit 1 Sekunde, beenden mit 24 Sekunden).

Die Sonnenkorona kann in ihren äußersten Ausläufern eine Größe von mehreren Sonnendurchmessern erreichen. Beachten Sie dies bei Ihrer Aufnahmebrennweite.  Die Brennweite sollte für Aufnahmen der äusseren Korona nicht länger als max. 700 - 800 mm haben. Wir zeigen hier noch einige Bildbeispiel.

Das obere Bild zeigt ein Mosaik, von aus einem Videofilm herauskopierten Bildern der Sonnenfinsternis von 1999, aufgenommen in Rumänien.

Wenige Sekunden vor der Totalität wurde das Sonnenfilter entfernt. Belichtungszeit und Blende der Videokamera wurden manuell eingestellt.

Ein letzter wichtiger Tip: Viele Amateure verwenden, um Teleskopbrennweiten zu verkürzen (speziell bei den beliebten 8" Schmidt-Cassegrain Teleskopen) , Shapley-Linsen, Telekompressoren oder ähnliche, optische Elemente. Sie sind das Pendant zu Barlowlinsen, d.h. sie verkürzen die Brennweite meist um den Faktor 0.63 bzw. 0.7fach. An einem Celestron 8 mit der Primärbrennweite von f = 2000 mm ergibt das mit dem Standardtelekompressor (0.63) eine Brennweite von knapp f = 1300 mm. Eine durchaus angemessene Brennweite für eine Sonnenfinsternis. Standardtelekompressoren vignettieren jedoch das Bildfeld !!

Bei Sternfeldaufnahmen fällt dies nicht weiter auf, da der Hintergrund meist dunkel ist. Nicht jedoch bei Aufnahmen der Sonnenkorona, dort sieht man Bildfeldvignettierung sehr deutlich. Als Abschluß geben wir eine Faustformel für einen vignettierungsfrei ausgeleuchteten Durchmesser einer Shapleylinse: Vignettierungsfreier Durchmesser auf dem Bild = Durchmesser der Linse multipliziert mit dem Verkürzungsfaktor. Standardtelekompressoren haben einen freien Linsendurchmesser von ca. 30mm. Multipliziert mit dem Faktor 0.63 ergibt dies ein vignettierungsfrei ausgeleuchtetes Feld von nur noch 19 Millimeter Durchmesser. Der Verfasser hat dementsprechend leidvolle Erfahrungen bei der Finsternis 1980 in Kenia sammeln müssen.

nach oben

Anzeige

Werbung - Polaris-Tours