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Die Geschichte vom Urknall

Es war einmal ein Kind, das lebte in einem schönen Haus bei seinem Vater Kosmos.

Weil es immerfort strahlte, wurde es Sonne genannt.

Der Vater hatte sehr, sehr viele Kinder, und er hatte sie alle gleichermaßen lieb.

Sie wohnten zusammen friedlich in seinem Haus, aber nach und nach wurde es ungemütlich. Es kamen ständig mehr Kinder, nicht 10, nicht 100, nicht 1000, nicht Millionen - nein, es waren Milliarden und Abermilliarden.

Je mehr nun die Kinder heranwuchsen und dabei größer und kräftiger wurden, um so enger wurde es
zu Hause. Zwischen den Geschwistern breitete sich schlechte Stimmung aus.

Auch Sonne, die zu einer schönen jungen Frau herangewachsen war, konnte das Leben mit den Geschwistern vor lauter Gedränge kaum mehr ertragen.

Sie fasste den Plan, wegzulaufen und anderswo ein neues Leben zu beginnen. Aber wie sie es auch an-
stellen mochte, sie fand keine Möglichkeit, aus dem ungeheuren Gewimmel des Hauses zu entfliehen.

Das Haus des Vaters bevölkerten immer mehr und mehr Kinder. Man konnte sich nicht umdrehen, ohne
tausendmal anzustoßen. Erst recht gab es keinen Platz, sich zum Schlafen auszustrecken. Die Kinder
waren nur noch nervös und quengelig.

„Schubs mich nicht so! - Mir ist viel zu heiß! - Aua, geh doch von meinem Fuß!“, so ging es in einem fort.

Das war ein unerträglicher Zustand, nicht auszuhalten!

Doch da hatte das allmächtige Schicksal ein Einsehen mit den bedrängten Kindern von Vater Kosmos. Mitten in der allerfinstersten Nacht hörte man plötzlich ein dumpfes Grollen und Rumpeln. Was war das? - Es wurde allen unheimlich zumute.

Und auf einmal zersprang das ganze Haus mit ungeheurer Wucht in unzählige Teile, so dass sämtliche Bewohner weit in das unendliche Weltall geschleudert wurden.

Jetzt hatten sie wirklich genug Raum! Sie freuten sich, atmeten erleichtert auf und drehten sich fröhlich im Kreis. Auch Frau Sonne hatte einen schönen Platz - ausgerechnet in der Milchstraße, umgeben von 100 Milliarden anderen Sternen. Wie gut, dachte sie entzückt, hier habe ich genug Milch, um meine Kinder zu ernähren! Auf ihrer langen Reise durch den Weltraum war sie schwanger geworden.

Als sie nach dem großen Knall ihre neue Heimat in der Milchstraße gefunden hatte, wurden nach und nach ihre Kinder geboren. Sie hießen Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun: wir kennen sie als die Planeten. Die Planeten können nicht selbst strahlen wie die Sterne, in denen die Hitze groß genug ist, sondern sie bekommen ihr Licht vom Mutterstern Sonne.

Mutter Sonne wachte über ihre Kinder und versorgte sie liebevoll mit Licht, Wärme und Energie.
Meine Kinder, dachte sie, sollen nicht wie ich in drangvoller Enge aufwachsen. Keines muss dem anderen auf die Füße treten! Jedes soll genug Raum haben, sich auszubreiten und sein eigenes Leben zu führen.

Und so geschah es auch. Sie wies Merkur einen Platz zu, der mehr als 50 Millionen km von ihr entfernt war, Venus schickte sie doppelt so weit, Erde dreimal so weit, und alle anderen Planeten in noch viel größere Entfernungen. Neptun schließlich musste sich 80 Mal weiter als sein Bruder Merkur fortbegeben, der als Kleinster immer in der Nähe von Mutters Rockzipfel bleiben durfte.

Neptun maulte: „Wieso werde ich am weitesten fortgeschickt, und nicht der dicke Jupiter? Der ist doch der Größte von uns!“ Mutter Sonne duldete keine Widerrede. Also blieb er gehorsam auf seinem Platz, leise vor sich hingrummelnd, und lief wie seine Geschwister fortwährend um die Mutter herum, wenn auch in respektvollem Abstand.

Wie Kreisel drehten sie sich dabei beständig um ihre eigenen Achsen, so sehr freuten sie sich ihres Lebens im Sonnenlicht.

Längst hatte sich auch Neptun beruhigt.

Unterwegs auf seiner Bahn erspähte er ein kleines verfrorenes Etwas.

Von Weitem winkte es traurig und rief: „Ihr habt es gut! Seid immer lustig zusammen, und ich bin ganz allein hier draußen, seitdem ich mich verirrt habe...“

„Dann komm doch zu uns!“ meinte Neptun gutmütig. Das ließ sich der Kleine nicht zweimal sagen, und schwupps, lief er mit um die Sonne herum.

So wurde Pluto, wie der Zwergplanet hieß, freundlich in die Familie aufgenommen.

Tausende von Millionen Jahren sind seither vergangen. Mit der Zeit hatten die meisten Planeten  
ebenfalls Kinder bekommen, der dicke Jupiter sogar 16 Stück.

Seine vier Ältesten nannte er Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Diese Kinder wiederum, die Monde, kreisten um ihren Vater Jupiter.

Auch die Erde hat aus dieser Zeit einen freundlichen Begleiter, der immer in ihrer Nähe bleibt und ihr nachts einen Teil vom gleißenden Sonnenlicht wiedergibt.

Doch er tut es still und mild.

Und Urvater Kosmos? - Er lehnte sich behaglich zurück und schaute zufrieden auf das bewegte Treiben im Weltraum: Alle seine Nachkommen hatten in dem neuen Haus genug Platz.

Und da sie nicht gestorben sind, leben sie glücklich und vergnügt bis auf den heutigen Tag.

1. Auflage 2005
2. Auflage 2009

Autorin: Margrit Lethen
Illustrationen: Gisela Schartmann

Layout: Anne Eiling

Druck: www.schumacher-verlag.de

Herausgeber: Margrit Lethen & Gisela Schartmann
copyright © by Margrit Lethen & Gisela Schartmann

ISBN 3-9810715-1-4

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