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Sternenzähler

von Dirk Mohlitz - www.mohlitz.homepage.eu

"Ich kann nicht einschlafen," sagte die kleine Ira. "Dann zähl doch Schäfchen!" meinte ihr Papa beim Rausgehen. "Wie geht das denn?" fragte Ira. Papa drehte sich um und kam noch ein Mal an ihr Bett. "Also, Schäfchenzählen geht ganz einfach. Du stellst Dir vor, wie ganz viele Schafe nacheinander über einen Zaun springen. Und die zählst Du dann. Und schwups bist Du eingeschlafen."

Ira dachte kurz nach. "Kann ich auch etwas Anderes zählen? Schafe sind mir zu langweilig!"

Papa setzte sich an den Bettrand und sagte: "Ich erzähle Dir jetzt eine Geschichte von den Eisbären. Wenn die Geschichte zu Ende ist, schläfst Du aber."

"Na klar!" freute sich Ira und machte noch ein bisschen mehr Platz für den Papa.

Der Papa rückte noch ein wenig und erzählte die Geschichte:

"Wenn Eisbären nachts nicht einschlafen können, zählen sie nicht Schäfchen wie wir, weil es am Nordpol keine Schafe gibt. Sie zählen die Sterne."

"Wie viele Sterne gibt es denn?" wollte Ira wissen. "Wie viele Schafe gibt es denn?" fragte Papa zurück. "Das weiß ich nicht. Ich habe sie ja noch nie gezählt!"

"Siehst Du, das hatten die Eisbären mit den Sternen auch nie geschafft, weil sie vorher immer eingeschlafen sind. Aber einer wollte endlich mal wissen, wie viele Sterne es wirklich gibt. Sein Name war Arne. Er hatte sich vorgenommen, die ganze Nacht wach zu bleiben und alle Sterne am Himmel endlich ein Mal zu zählen. Arne kochte sich einen starken Kaffee und stand mit der dampfenden Tasse unter dem immer dunkler werdenden Himmelszelt. Die ersten Sternchen kamen schon zum Vorschein, als Arne noch kräftig in seine Tasse blasen musste, um den Kaffee abzukühlen. Denn wer kann sich schon einen Eisbären mit verbrannter Zunge vorstellen. Ich nicht. "Eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun zehn ..." zählte Arne und nahm einen Schluck aus der Tasse. "Oh verflixt, ist das hei!ß" Er musste erst mal eine Hand voll Schnee in den Mund nehmen, um seine Zunge abzukühlen. "Also noch mal. Eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun zehn ..."

Und so begann Arne, die Sterne zu zählen. Als er bei Stern Nummer 137 angelangt war, nahm er einen neuen Schluck aus der inzwischen etwas abgekühlten Tasse und sagte zu sich: "Na, das ist ja leicht. Das schaffe ich schon," und zählte weiter. Bei Stern 203 dachte er kurz: "Oh, der ist aber schön." Aber je mehr er zählte und sich anstrengte, um so mehr Sterne kamen dazu.
"Oh verflixt, je mehr Sterne ich zähle, um so mehr kommen dazu!" Er wusste bisher nicht, dass es mehr Sterne gibt, wenn es noch dunkler wird und er wusste auch nicht, dass sich seine Augen ganz langsam an die Dunkelheit anpassen können und dann noch viel mehr Sterne sehen können. Wie gesagt, er war ja vorher immer eingeschlafen.

"Oh verflixt, wie soll ich denn alle diese Sterne zählen?" fragte er sich, als er bei Stern 1097 angelangt war. Sein Kaffee war inzwischen eiskalt geworden und es machte keinen Spaß mehr, die fast leergetrunkene Tasse zu halten und sich in der Kälte einen steifen Nacken zu holen, weil er dauernd nach oben schauen musste. Und etwas schläfrig war er auch. "Warum muss ich denn jetzt die Sterne zählen. Ich bin doch sooo müde. Das kann ich doch bestimmt morgen auch noch machen."

Seither wissen die Eisbären, dass es mindestens 1097 Sterne gibt.
Wie viele es aber tatsächlich gibt, hat noch keiner gezählt, denn Du weißt schon, sie sind alle vorher eingeschlafen.

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