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Hat der Weltraum eine Tür

 -  Buchbesprechung / Kinder (8-10 Jahre)

Kinderunis sind momentan in aller Munde. Nach dem sog. „Pisa-Schock“ sind sie als außerschulische Bildungsmöglichkeiten sehr beliebt, und befriedigen durch ihren Eventcharakter neben der Neugier auch den Wunsch der Kinder nach Abenteuer. Kaum eine andere Veranstaltung schafft es, einen Audimax zu überfüllen und Profs dazu zu bringen, Autogramme zu verteilen. Natürlich lässt sich die Veranstaltung mit allen Äußerlichkeiten nicht zwischen zwei Buchdeckeln quetschen, aber das Wissen, das vermittelt werden soll, schon. Die Buchreihe „Die Kinder-Uni“ der Deutschen Verlagsanstalt gehört zu einen der Anbieter solcher neuen Bücher, die Kinder und jugendlichen Wissen vermitteln wollen.

„Hat der Weltraum eine Tür“ ist der Titel des Buches, was sich dem Themengebiet Astronomie, Astrophysik, Kosmologie, Raumfahrt widmet. Geschrieben wurde es einerseits von Klaus Werner, dem Direktor des Institut für Astronomie und Astrophysik der Uni Tübingen, die ebenfalls „Kinderuni“-Veranstaltungen anbietet. Der zweite Autor ist Ulrich Jansen, Redakteur beim Schwäbischen Tageblatt und Mitbegründer der Kinder-Uni-Bewegung.

In acht Kapiteln vollführt das Buch einen Rundumschlag durch die moderne Weltraumforschung. Die Autoren schaffen die Gratwanderung ohne Probleme, weder trocken noch künstlich locker zu schreiben. Nur einen strukturierten Aufbau vermisst man als erwachsener Leser, für den das Buch ja auch eigentlich nicht gedacht ist. Als Kind wird man ihn sicherlich nicht vermissen und sich über die Gedankensprünge und Verweise freuen. Die Fakten sind gut erklärt, Nebenbemerkungen und schwierigere Zusammenhänge in abgetrennten Textboxen vom eigentlichen Textfluss abgesetzt. Ich muss da den Autoren ein dickes Lob aussprechen.

Leider hat mir das Buch nicht vollends gefallen. Der Grund liegt in den Illustrationen von Klaus Ensikat. Er ist zwar ein bekannter und hochgeehrter Illustrator – es gibt Bücher, da passen seine Zeichnungen fantastisch zum Inhalt und zur Intension – aber hier in dieser Reihe ist er meiner Meinung nach die falsche Wahl des Verlags gewesen. Die Illustrationen sind kolorierte Tuschezeichnungen, dem Stil alter Druckgrafiken nachempfunden. Auch bekannte Fotos wurden auf diese Weise nachgezeichnet, und so wurde im Buch ganz auf fotografische Abbildungen verzichtet. Wenn man dadurch wenigstens wichtige Aspekte der Abbildung betont hätte, könnte man dies noch verstehen. Aber so wirken die Bilder wie eine billige Kopie. Auch über die Auswahl der Motive lässt sich streiten. Oftmals sind sie total nichtssagend und unnötig, wie der zerplatzender Luftballon auf Seite 31. (Als ob ein Kind nicht wüsste, wie so etwas aussieht.) Auch bezweifle ich, dass die Portraits der Wissenschaftler, die in diesem Buch abgebildet wurden, für Kinder so interessant sind. Hier habe ich einfache Illustrationen, die den geschilderten Sachverhalt auf den Punkt bringen, vermisst. Und außerdem fand ich die abgebildeten Kinder einfach nur hässlich. Ich vermute einfach mal, dass sich die wenigsten Kinder mit den im Buch erscheinenden Kindern identifizieren wollen. (Kleine Anmerkung: Vielleicht meine Abneigung gegenüber den Werken von Ensikat tieferliegend. Ich mochte schon als Kind seine Illustrationen zu „Der Kleine Hobbit“ nicht. Sie haben überhaupt nicht meiner Phantasie und meinen Vorstellungen der Personen entsprochen.)

So bleibt bedauerlicherweise letztendlich ein gespaltenes Urteil. Ich würde den hervorragenden Text am liebsten aus dem Buch herausnehmen und ihn neu bebildern, bevor ich ihn meinem Sohn zur Lektüre vorsetze. Da er bis dahin noch ein paar Jahre Zeit hat, hoffe ich auf eine Neuauflage mit passender grafischer Gestaltung.

 

Titel:Hat der Weltraum eine Tür
Autor:Janßen U., Werner K.
Verlag:DVA
ISBN:9783421059307
Jahr:2007
  

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