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Sternenflug und Sonnenfeuer

 -  Buchbesprechung / Kinder (ab 11 Jahre)  - 

"Lassen Sie uns nicht davon ausgehen, dass irgendeine Frau in all den Jahrhunderten eine faire Chance in der Wissenschaft gehabt hat." Dieser Satz stammt von der amerikanischen Astronomin Maria Mitchell (1818 - 1889), der ersten Astronomieprofessorin der USA.
Ihr Leben und das der Astronominnen Maria Cunitz (1604 - 1664) und Caroline Herschel (1750 - 1848) beschreibt die Biografie "Sternenflug und Sonnenfeuer", herausgegeben von Charlotte Kerner.

Die Autorin Claudia Eberhard-Metzger illustriert das Leben der Maria Cunitz durch Schilderungen des Zeitgeschehens und der astronomischen Wissenschaft. Ihre Mutmaßungen über die Astronomin werden auf diese Weise lebendig und vorstellbar, denn über Maria Cunitz ist nur sehr wenig bekannt.
Man kennt ihr astronomisches Lebenswerk, die "Uraniea Propitia", das u.a. die Kepplerschen Tabellen mathematisch vereinfacht und das in Latein und -ungewöhnlich für die damalige Zeit- in Deutsch geschrieben ist. Maria Cunitz lebte in der Zeit des 30-jährigen Krieges in Schlesien, musste vor dem Krieg nach Polen flüchten und war zweimal verheiratet. Man weiß nicht, wo sie begraben ist.

Charlotte Kerner beschreibt das Leben der Caroline Herschel, der Schwester von Wilhelm Herschel. Geboren und aufgewachsen in Hannover, geht sie als 22-jährige mit ihrem Bruder nach England. Über den Umweg der Musik gelangen die Geschwister Herschel zur Astronomie. Caroline ist Wilhelms Haushälterin und astronomische Assistentin, die ihm hilft in einer ungeheuren Fleißarbeit den Nordhimmel zu durchmustern, sie führt nachts die Aufzeichnungen und schreibt sie tagsüber ins Reine. "Über 2300 Nebel und noch zusätzlich 197 Sternhaufen erfassen sie im Laufe ihrer gemeinsamen Arbeitsjahre für die Nachwelt." Mit den damals größten Teleskopen entdeckt Caroline insgesamt 8 Kometen. Nach dem Tod des Bruders kehrt sie nach Hannover zurück. Noch zu Lebzeiten erfährt sie hohe wissenschaftliche und internationale Ehrungen für ihr Lebenswerk, unter anderem wird sie als erste Frau zum Ehrenmitglied der Königlich Astronomischen Gesellschaft von London ernannt.

Das Leben der amerikanischen Astronomin Maria Mitchell erzählt die Autorin Renate Ries. Mitchell wurde in der kleinen Hafenstadt Nantucket, Massachussetts in eine große Quäkerfamilie hineingeboren. Sie teilte schon früh die Passion des Vaters, die Astronomie. Als Bibliothekarin, früh finanziell selbständig, findet sie Zeit und Gelegenheit sich umfassende astronomische und mathematische Kenntnisse anzueignen. Im Alter von 29 Jahren entdeckt sie einen Kometen und erhält dafür die Goldmedaille des dänischen Königs. Damit ist sie in den USA eine Berühmtheit. Sie wird Mitglied der AAAS, der American Association for the Advancement of Science. 1862 wird das Vassar College gegründet, das erste Frauencollege der USA und sie wird dort Professorin für Astronomie. Von ihren Studentinnen verlangt sie sehr viel, aber sie rät ihnen auch: "Hören Sie nie auf, sich zu wundern."

Was haben diese Frauen aus 3 Jahrhunderten gemeinsam?
Alle drei waren außergewöhnlich begabt und eigenständig im Denken.Sie zweifelten gültige Lehrmeinungen und Autoritäten an, setzten sich über die Konventionen ihrer Zeit hinweg. Der Vater, Bruder oder Ehemann unterstützte und förderte sie. Und sie konnten sich selbst Wissen aneignen, denn keine der Frauen konnte eine Schulbildung im heutigen Sinn erlangen.
Diese gelungene Biografie lässt das Leben der drei Astronominnen lebendig werden, würdigt ihre Leistungen und gibt Frauen und Mädchen ein ermutigendes Vorbild. Ein überaus gelungenes Buch.

 

Titel:Sternenflug und Sonnenfeuer
Autor:Charlotte Kerner (Hrsg.)
Verlag:Beltz & Gelberg
ISBN:3-407-80935-2
Jahr: 
  

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