Kooperation Amateure und Fachastronomie

Kooperation Amateure/Fachastronomie Be-Sterne - Möglichkeit der Kooperation zwischen Amateur- und Profiastronomen

Der Ästhetik des sternklaren, nächtlichen Himmels sind besonders die Amateurastronomen erlegen. Ihre besonders tiefe Zuwendung zum gestirnten Himmel manifestiert sich u. a. in der Beobachtung unterschiedlichster Objekte sowohl innerhalb des Sonnensystems wie etwa Monde und Planeten, Kometen, Asteroiden usw., wie auch darüber hinaus im Bereich der Veränderlichen Sterne.

Interessanterweise sind in den letzten 15-20 Jahren die Amateuraktivitäten auch auf die spektroskopische Beobachtung solcher Objekte ausgedehnt worden. Damit ist ein ganz wichtiger Fortschritt erzielt worden, weil die Sternspektroskopie in der professionellen Astronomie besonders bei hellen Sternen, die mit kleinen Amateurteleskopen erreichbar sind, keine besonders keine hohe Priorität besitzt. Gleichwohl gibt es viele interessante Probleme in Bezug auf helle Sterne, die mit Hilfe der Spektroskopie geklärt werden können.

Diese beinhalten die Bestimmung und Verbesserung der physikalischen Parameter von Einzelsternen, Studien zu spektroskopischen Doppel- und Bedeckungssternsystemen und Langzeitüberwachungen von Emissionsliniensternen. Ein vielversprechendes Feld für Gemeinschaftsprojekte zwischen Amateur- und Profiastronomen sind die Be-Sterne. Be-Sterne, die größte Gruppe der Emissionsliniensterne, sind seit rund 140 Jahren bekannt [1].

Der einzige je publizierte Katalog von Be-Sternen enthält 1159 Objekte [2]. Mehr als 400 sind heller als 8 mag und können damit von Amateuren erreicht werden. Ein großer Teil dieser Sterne ist noch nicht detailliert untersucht, die Begründung dafür, dass die Ursache des Be-Phänomens noch immer ungeklärt ist.

Dies erlaubt nun dem Amateur, durch spektroskopische Studien einen erheblichen Beitrag zur professionellen Astronomie zu leisten. Die folgenden speziellen Projekte erscheinen aus Sicht der professionellen Astronomie als sehr wichtig.

1) Überwachung von spektralen Langzeitveränderungen, die zur Entdeckung des Übergangs vom Be- zum normalen B-Stern führen. Solche Übergänge können bis zu Jahren andauern und erlauben das Studium der Auflösung der zirkumstellaren Scheiben, ein Phänomen, welches erst anhand einer handvoll von Objekten untersucht ist. Diese Untersuchung kann mit einer spektralen Auflösung von R < 5000-10000 erfolgen.

2) Überwachung von Linienprofiländerungen - besonders der Ha-Linie, die stärkste Linie im optischen Spektralbereich mit Auflösungen von R > 10000. Dabei werden die Kinematik der Scheiben, die Eigenschaften des Massenverlustes des Sterns und die Suche nach regelmäßigen Radialgeschwindigkeitsvariationen untersucht. Bei Letztgenannten ist die Feststellung der Anzahl von Doppelsternsystemen von außerordentlichem Interesse.

Doppelsternsysteme erscheinen vielversprechend für die Erklärung der hohen Rotationsraten bei gleichzeitig vorhandener Scheibe zu sein. Bisher sind nur 25% der hellsten 250 Be-Sterne als Doppelsternsysteme identifiziert. Diese Quote unterschätzt möglicherweise die tatsächliche Anzahl, da regelmäßige Beobachtungen fehlen. Die größten Chancen als Doppelsternsysteme erkannt zu werden, haben solche Be-Sterne, die starke Emissionslinien und komplexe Linienprofile (Dreifach-Peaks oder breite Einzel-Peaks) besitzen.

Vor allem auf dem Gebiet der Be-Stern-Spektroskopie sind inzwischen eine ganze Reihe von Kooperationsprojekten zwischen der Amateur- und Profiastronomie in Gang gesetzt worden. Populärstes Beispiel wäre etwa die Beobachtung des Be-Doppelsternsystems delta Scorpii. Die Beobachtungskooperation an diesem Objekt führte bisher zu weit über 500 Spektren und einer gemeinsamen Veröffentlichung im Fachjournal "Astronomy and Astrophysics" [3].

Ähnliche Gemeinschaftsprojekte haben ihren Schwerpunkt auf anderen hellen Be-Sternen wie pi Aquarii (dieser entwickelt aktuell eine neue Scheibe), zeta Tau (ein Doppelstern mit unentdecktem zweiten Begleiter) und gamma Gas (seit kurzem als Doppelsternsystem erkannt, zeigt langsame Variation seines Emissionsspektrums). Eine Erweiterung der Objektliste dieser Programme wird ganz klar helfen, das Be-Stern-Puzzle aufzulösen und die Gemeinschaft zwischen Amateuren und Profis zu verbessern.

Literatur:

[1] Secchi, A., 1867, Astronomical Register, 5, 18

[2] Jaschek, C., & Egret, D., 1982, Proc. IAU Symp. 98, 261

[3] Miroshnichenko, A.S., Bjorkman, K.S., Morrison, N.D., Wisniewski, J.P., Manset, N., Levato, H., Grosso, M., Pollmann, E., Buil, C., & Knauth, D. C. 2003, A&A, 408, 305

Prof. Dr. Anatoly Miroshnichenko, University of North Carolina at Greensboro, USA

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