NGC 752 - und ein Starhopp dahinter

von Frank Leiter, April 2000

Im Sternbild Andromeda steht neben der bekannten Galaxie M31 noch ein weiteres großes Objekt: der offene Sternhaufen NGC 752, dessen scheinbarer Durchmesser nahe einem Grad liegt. Bereits mit bloßem Auge ist dieses Objekt, passabler Himmel vorrausgesetzt, leicht zu finden: man verlängert die Verbindungslinie von 7 Trianguli zu Beta Trianguli um den Faktor 1,5 bis 2 nach Nordwesten. Mit bloßen Auge erscheint dort ein nebliges Fleckchen.

Dieses Objekt ist vorwiegend für Instrumente mit großem Gesichtsfeld interessant, zumal er nicht sehr dicht ist. Die Haufensterne haben Helligkeiten zwischen 9ter und 12ter Größe, von Ausnahmen mal abgesehen. Nach Burnham [1] gehört diese Sternenansammlung zu den Sternhaufen mittleren Alters, wobei die Lage der Mitglieder im Hertzsprung-Russell-Diagramm eher an einen Kugel- denn an einen offenen Haufen erinnert. Insbesondere finden sich keine Sterne in frühem Entwicklungsstadium in ihm.

Der Sternhaufen an sich war mir schon eine geraume Zeit bekannt, ich hatte ihn schon mehrfach mit 11cm und 20cm beobachtet. Sein Anblick im Fernrohr ist durch eine Schlangenlinie aus Sternen geprägt, die in ihrer Mitte den hellsten Haufenstern enthält.

Nach einigen Erfahrungen mit dem Haufen M44 und den Galaxien dahinter [2], schaute ich mir in Guide [3] die Gegend nochmals genauer an und siehe da: auch hinter diesem offenen Sternhaufen gibt es Galaxien, die mit 16" unter durchschnittlichem deutschen Himmel beobachtbar sein sollten.

Die Beobachtung der Galaxien kann praktischerweise bei 56And beginnen. Dies ist ein Stern 6ter Größe im Südwesten des Haufens. Zunächst sollte man sich ein bißchen an die Region gewöhnen, denn meist hat man es bei Starhoppen ja nicht mit einer recht dichten Region wie einem offenen Sternhaufen zu tun.

Begeben wir uns auf die Reise, wobei eine mittlere bis hohe Vergrößerung gewählt werden sollte (d.h. bei mir etwa 220x bis 400x am 16").

Etwa 4 Bogenminuten südöstlich von 56 And steht die Galaxie UGC 1404. Ich habe sie noch nicht erfolgreich beobachtet, was weniger an den Daten der Galaxie liegt (15,5mag Gesamhelligkeit bei 1.4'x0.6') als an der unmittelbaren Nähe zu einem Stern 6ter Größe. Vielleicht hat ein Leser Erfolg ?

Pirschen wir uns langsam voran:

Nordöstlich von 56 And finden wir einen kleinen Pfeil aus vier Sternen, der nach Nordwesten weist. Auf dem Weg zu dieser Gruppe steht PGC 7272. Ihre Blauhelligkeit ist mit 15.5 angegeben. Diese Galaxie ist auch bei mässigen Bedingungen möglich, aber man sollte versuchen, 56 And aus dem Blickfeld zu fahren. Sie steht dicht an einem Stern 14ter Größe und erscheint bei 400x als kleine, runde Fläche mit einem hellen, flächigen Kern.

Gehen wir zu dem kleinen Pfeil und bewegen uns entgegengesetzt zur Pfeilspitze. Dort treffen wir auf UGC 1441. Als günstigste Vergößerung am 16" f/5 erwies sich 220x, im 5.2mm (=400x) konnte ich sie schon nicht mehr sehen. Sie erschien als schwaches, schwieriges Glimmen, wobei möglicherweise ein Stern involviert ist und sich eine leichte Elongation andeutet.

Schaut man sich den POSS dieser Galaxien an, sieht man eine Edge-On Galaxie. Allerdings klärt der MCG Katalog auf, daß die Galaxie zwei Regionen unterschiedlicher Helligkeit aufweist: einen wenig elongierten Kernbereich und die äußere, elongierte Zone mit geringer Flächenhelligkeit.

Tasten wir uns in Richtung Haufenmitte voran. Zunächst finden wir dort PGC 7380 auf der langen Seite eines fast exakt rechtwinkligen Dreiecks. Sie erscheint als schwaches, rundes Glimmen mit recht flachem Helligkeitsprofil, d.h. die Helligkeitszunahme zum Kern hin ist gering.

Verlängert man die zweitlängste Seite des Dreiecks über das spitzwinklige Ende des Dreiecks anderthalbfach hinaus, gelangt man zu PGC 7416. Wie häufig bei PGC Galaxien war hier hohe Vergrößerung nötig. Noch bei 400x erweist sie sich als kompakt, aber vergleichsweise hell mit einem nahezu stellaren Kern. Dies ist übrigens vielen PGC's gemein wie sich bei meinem Galaxien- Survey im Sternbild Leier gezeigt hat (Stand Oktober 2000: 103 Stück). PGC 7416 ist die einfachste der in diesem Artikel aufgeführten Galaxien und sollte mit 8-10" sichtbar sein.

Wir bewegen uns nun zum Ostrand des Sternhaufens. Etwa eine Bogenminuten nördlich eines Sterns 12ter Größe steht PGC 7489. Bereits bei 220x zeigt sich die Galaxie als klein, hell und rund, wobei ihre Helligkeit zur Mitte etwas zunimmt.

Noch weiter an der östlichen Peripherie des Haufens findet man UGC 1474. Sie ist rund mit zur Mitte hin etwas zunehmender Helligkeit. Die Beobachtung wird von dem benachbarten Stern 8ter Größe erschwert.

Zwanzig Bogenminuten nordöstlich findet sich PGC 7650, die ich als noch nicht gesichert verzeichnet habe. An der Position sieht man zunächst einen Stern, der allerdings ein ungleichmäßiges Streulichtscheibchen zu haben scheint. Dies paßt sehr gut zum POSS, allerdings steht eine Beobachtung mit hoher Vergrößerung bei sehr gutem Seeing noch aus (wann hat man diese Kombination schon mal hier in Mitteldeutschland ....).

Gehen wir nun gute 10 Bogenminuten nach Nordwesten. Dort steht IC 179. Dieses Objekt ist hell und sollte mit Öffnung um 8-10" drin sein. Auffallend ist ein heller, dennoch flächiger Kern. Er ist umgeben von einer runden, diffusen Scheibe.

Nachdem wir nun den östlichen Bereich des Sternhaufens "abgegrast" haben, werfen wir noch einen Blick an den Westrand. Von den auf der Karte eingezeichneten Galaxien habe ich bisher nur zwei Stück beobachten können.

Das ist zum einen PGC 7253. Ein Objekt an der Grenze der Wahrnehmbarkeit, doch die Skizze stimmt mit dem POSS überein. Eines derjenigen Objekte, bei denen man sich wünscht, man könnte den Teleskopspiegel per Luftpumpe etwas vergrößern - es wird wirklich Zeit für den Faltspiegel!

Weit am Westrand steht PGC 7115. Sie besitzt einen kompakten, hellen Kern und erscheint rund. Rund 20 Bogenminuten westlich von ihr ist der Galaxienhaufen Abell 263 eingezeichnet - an ihm habe ich mich (noch) nicht versucht. Vielleicht ist ja einer mit einem großen Teleskop geneigt, einen Blick dorthin zu werfen ?

[1] Burnham, Robert (Jr.): Celestial Handbook, Dover
[2] Deep Sky Corner, www.astroinfo.ch/dsc
[3] Sky charting Software, www.projectpluto.com
[4] Charts: Starry Night Pro, Vers. 3.0

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