Mit dem Buran-Kapitän auf dem Rhein unterwegs Ein "russischer Schneesturm" auf seiner letzten Reise ins Museum

von Stephan Fichtner, 2008

Teil 2

Die russische Raumfähre Buran ist seit letztem Samstag auf dem Rhein unterwegs und erreicht am Samstag per Tieflader das Technik Museum in Speyer. Ich hatte Gelegenheit, einen halben Tag auf dem Schubschiff mitzufahren, das den Riesenvogel von Rotterdam nach Speyer transportiert.

Das Museumsschiff "Isabell" erwartet die Journalisten, die mitfahren dürfen am Schiffsanleger. Doch die Tür ist verschlossen und so müssen Kamerateams und Journalisten samt Ausrüstung erst eine mehr als drei Meter hohe Stahltür überwinden, bevor sie aufs Begleitschiff und anschließend auf den Schubverband zur Buran gelangen können. Das hatte ich zuletzt während meiner lange zurück liegenden Bundeswehrzeit trainiert. Der Weg zur rusischen Raumfähre ist eben steinig und schwer!

Doch dann ist es geschafft: Mit der Isabell hinüber zum Rheinponton und mit einem kleinen Hüpfer zwischen den beiden Schiffen (und der obligatorischen Schwimmweste) rauf auf den siebzig Meter langen Schubverband, wo schon drei andere Kollegen der Presse darauf warten, "abgelöst" zu werden.

Nach einem ersten Rundgang um das von seinen Dimensionen her schon beeindruckende Raumschiff geht es zur Brücke. Der Chef des Technikmuseums, Hermann Layher, macht mich mit den vier Kapitänen bekannt, die ständig auf dem Schubschiff mitfahren - aus Sicherheitsgründen und um die Auflagen der Wasserschutzpolizei für diesen Spezialtransport zu erfüllen. Momentan hat Kapitän Jan Mangos das Kommando. Er muss sich regelmäßig bei der Rhein-überwachung melden und durchgeben, ob mit dem Konvoi auch alles in Ordnung ist.

Für ihn ist der Transport der Buran zwar kein Einsatz wie jeder andere doch hat er schon ganz andere und weitaus schwerere Kaliber über den Rhein ins Technik Museum transportiert. Darunter eine Boeing 747 und das Unterseeboot U9 nach Speyer und die Concorde nach Sinsheim. "I have experience and I am very relaxed!" und das sieht man dem gebürtigen Griechen an, der schon seit 18 Jahren den Rhein hinauf - und hinunterfährt. Meist jedoch mit Gütern, die weniger Aufmerksamkeit am Ufer erregen.

Seine Kollegen und das Team vom Technik Museum sind ein eingespieltes Team, auf das Museumsdirektor Hermann Layher immer wieder gerne zurück greift. Bis zu 500 Tonnen kann das Schubschiff bewältigen. Da ist die Buran mit ihren 63 Tonnen eher ein Leichtgewicht, so Mangos. Obwohl die gegen den Konvoi drückende, starke Strömung des Rheins an den "Innenkurven" geringer ist als an den "Außenkurven" lässt es sich Mangos nicht nehmen, den Konvoi bei passender Gelegenheit auch mal gegen die stärkere Strömung, aber dafür "näher an die Menschen" heranzufahren, damit die ein gutes Foto vom russischen Raumschiff machen können.

"So many people on the bridges", ruft er immer wieder aus, wenn wir uns der nächsten Rheinbrücke nähern. Auf unserer Fahrt säumen Tausende von Menschen das Rheinufer, sitzen auf Rheinauslegern, stehen mit den Schuhen schon fast im Wasser, fahren mit dem Fahrrad am Ufer eine gewisse Zeit neben uns her, winken, rufen, fotografieren oder starren einfach nur sprachlos zum Ponton herüber. Denn ein russisches Raumschiff, das über den Rhein fährt, hat hier noch niemand gesehen!

Von seiner Brücke hat Mangos einen hervorragenden Blick auf die Buran und auf den Rhein. Außerdem unterstützen ihn mehrere Computerbildschirme samt Funkmaus, ein Radarsystem, sein Fernglas sowie der Funkkontakt mit der Rheinaufsicht, dem Begleitschiff und der Wasserschutzpolizei bei seiner Arbeit.

Für die Sicherheit des Raumschifftransports auf dem Rhein ist also gesorgt.

Webtipps für Astronomie.de Leser:

Aktuelle Informationen über den Standort dieses einzigartigen Konvois finden Sie im Internet:
http://www.technik-museum.de/buran-tomtom/

Weblog mit Fotos und Infos über den Transport der Buran von Rotterdam nach Speyer:
http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/zwischen-himmel-und-erde/

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