Eine Raumfähre rollt ins Museum Ein "russischer Schneesturm" auf seiner letzten Reise ins Museum

von Stephan Fichtner, 2008

Teil 3

Speyer Naturhafen, Samstag, 9.30 Uhr. Die Vorbereitungen für den Straßentransport der Buran über die letzten vier Kilometer bis ins Technik Museum Speyer haben bereits seit Stunden begonnen, als ich eintreffe. Im Gegensatz zum Regen der letzten Tage, herrscht heute Kaiserwetter, ganz so, als hätte die Buran einen guten Draht "nach oben". Geduldig steht die Raumfähre noch immer auf ihrem Ponton im Naturhafen und wartet darauf, wieder zerlegt und ins Museum geleitet zu werden.

Zuerst sind die Tragflächen dran. Um 10:25 Uhr verliert der Riesenvogel seinen ersten Flügel. Nachdem zwei riesige Trageschlaufen mit Spanngurten an der Tragfläche festgezurrt sind, hebt ein roter Kran diese über das Wasser des Naturhafens und die Pressevertreter hinweg auf den wartenden Transporter. Es ist wie immer Millimeterarbeit, bis der riesige Flügel sicher auf dem Tieflader verstaut ist. Beim Absetzen tropft Wasser heraus, das sich dort vermutlich in den letzten Tagen durch den starken Regen angesammelt hat.

Um 11:30 Uhr ereilt die zweite Tragfläche dann das gleiche "Schicksal".

Dort, wo bisher die Flügel an der Buran saßen, werden nun zwei neue Transparente entrollt: "Apollo and Beyond", Europas größte Ausstellung zur bemannten Raumfahrt, startet ab September im Technik Museum Speyer. Und die Buran als Highlight ist mittendrin.

Jetzt ist die Raumfähre aber endlich selbst an der Reihe. Langsam rollt der 16-achsige Tieflader der Firma Kübler über eine Rampe aus Stahlplatten vom Ponton an Land. Der Schwertransport kommt nur langsam voran, denn er muss wegen seines hohen Schwerpunkts peinlich genau in der Waagerechten gehalten werden, damit die Buran nicht ins Rutschen kommt. Mehr als vier Grad Abweichung sind nicht drin, sonst wirds gefährlich.

Immer wieder stoppt der Tieflader, kontrollieren die Mitarbeiter mit einer digitalen Wasserwaage den aktuellen Zustand und gleichen hydraulische Stempel an den Achsen die entstandene Schräglage so lange aus, bis die Buran wieder ganz waagerecht sitzt. Dann geht es wieder fünf Meter weiter. Viel Rangierplatz ist am Anleger des Naturhafens jedoch nicht. Um etwas mehr Spielraum zu haben, wurde extra eine künstliche Straße aus Aluminiumplatten in den Wald gelegt. Und tatsächlich wird es ganz knapp: ein halbes Rad hängt schon in der Luft, als das Heck des Tiefladers endlich festen Boden unter seine insgesamt 128 Räder bekommt.

Es ist bereits Nachmittag als sich der Konvoi aus vier Tiefladern langsam in Richtung Museum in Bewegung setzt. Inzwischen haben sich bereits viele hundert Menschen am Deich des Naturhafens versammelt. Viele Speyerer nutzen das sonnige Wetter, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen. Es hat den Anschein, als wären viele Rheinland-Pfälzer allein deshalb hierher gekommen, um "ihr" Shuttle in Empfang zu nehmen. Es herrscht Volksfeststimmung und die entzückten Ausrufe der vielen Besucher, darunter viele Familien mit Kindern, reichen von freudigen Ausrufen wie, "da kommt sie, die Rakete!" bis hin zu "die muss aber auf jeden Fall mal neu lackiert werden!", als die Buran langsam um die Ecke biegt.

Auf den knapp vier Kilometer bis zum Technik Museum begleiten viele tausend Menschen die Raumfähre. Die Buran ist endlich in Speyer angekommen!

Webtipps für Astronomie.de Leser:

Aktuelle Informationen über den Standort dieses einzigartigen Konvois finden Sie im Internet:
http://www.technik-museum.de/buran-tomtom/

Weblog mit Fotos und Infos über den Transport der Buran von Rotterdam nach Speyer:
http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/zwischen-himmel-und-erde/

nach oben

Anzeige

Werbung - Polaris-Tours