Formentera, die blaue Perle des Mittelmeers

von Torsten Güths

Nach unserem Schlechtwettertrip nach Mallorca im Dez/2000 war meine erste Aktion wieder das Wälzen des Reiseprospekts! Die Astroseele war schließlich noch so unbefriedigt! Was ist das ? Beim Blättern stolperte ich auf den Ratschlag, doch eine Taschenlampe für die Nacht ins Reisegepäck zu verstauen! Da, und schon wieder! ... Diese Unterkünfte lagen auf Formentera, einer kleinen Insel im Mittelmeer, gerade südlich der Partyinsel Ibiza. Nur rund 6000 Einwohner hat sie und sie soll die blauesten Lagunen im Mittelmeer mit karibikähnlichen Sand besitzen. Einer Anfrage in www.fonda.de, wie denn so der Sternenhimmel sei, brachte durchaus ermutigende Schilderungen. Auch hier waren astronomische Erfahrungsberichte Mangelware, somit gab es keine richtigen Astrotips zu dieser Insel. Auch diese Lücke möchte ich hier schließen.

Klima und Wetter

Formentera ist eigentlich nur als Badeinsel bekannt. Sie ist wirklich winzig klein und auch in Reiseführern nur als kleines Kapitel von Ibiza Büchlein zu finden. Die Saison läuft von Mai bis September, also zu sommerlichen Badesaison mit 100% (?) guten und warmen Wetter. Christina und ich wurden jedenfalls erstmal standesgemäß von einer aus Südwest heranziehenden Cirruswolkenfront empfangen. Ein Anblick, den wir nur allzu gut kennen! Hoffentlich ist nicht wieder Steinebeissen angesagt! Es herrschte in der Woche vom 19.4. bis 26.4.2001 zwar nie eine stabile Hochdrucklage vor, doch gab es genug Gelegenheiten, astro-aktiv zu werden. Vielleicht war auch die instabile Wetterlage Grund für den Wind, der oft blies und mit Gischt vermischt war. Nachts konnten wir auch manchmal einen Dunstlayer von gut 10° Dicke ausmachen (Bild rechts).

Geeignete Beobachtungsorte

Während des nur einwöchigen Aufenthalts ist es hier im Gegensatz zu Mallorca schon möglich, das gesamte Inselchen abzuklappern. Auch hier gelten die Gesetze der Lichtverschmutzung. Wir haben nur unser Hotel (1) getestet, doch kann man noch weitere Plätze sicher empfehlen. Formentera selbst ist eine sehr flache Insel, suchen Sie also nicht nach Bergen.

1) Hotelanlage Las Dunas Playa

Wir wohnten im Hotel "Las Dunas Playa" am Platja de Mitjorn, das einzelne Bungalows in Strandnähe bietet. Keine 100m Luftlinie trennten uns vom Strand. Das Fernrohr konnte ich permanent auf dem Dach aufbauen. Pedro, ein astronomieinteressierter Mallorquiner, der im Hotel arbeitet, besorgte uns eine Leiter, mit der ich immer auf Dach konnte! Die Platja de Migjorn ist generell ganz gut geeignet, da im Süden nur noch Wasser und kein Licht mehr ist.

2) Cap Barberia

Das Cap Barberia bringt immerhin über 100m Höhengewinn, dass einen schon mal über die dickste Dunstschicht befördert und von der Gischt fernhält. Zwischen dem Leuchtturm und der Haupstadt befinden sich einige Plätzchen, wo man sich aufstellen kann. Das Gelände ist eben und der Boden ist hart.
Der Leuchtturm sollte nicht allzusehr stören. Man bedenke, daß die 2 sek. lang dauernde Aufhellung nur alle 30 sek auftritt, so entspräche das ungefähr 6% der Belichtungszeit. Es ist möglich, sich so aufzustellen, daß man nicht direkt vom Leuchtturm geblendet wird.

3) Mola

Hier gilt prinzipiell dasselbe wie für das Cap Barberia, nur das Mola selbst 190m über NN liegt. Auf der Fahrt nach Mola kommt man an ein Gasthaus mit toller Aussicht über die Insel vorbei. Hier kann man schön den Sonnenuntergang über den Westteil der Insel beobachten. Weiter nördlich liegt Ibiza, das schon Berge bis 500m Höhe bietet. Wenn man bedenkt, daß auf La Palma ab dieser Höhe der Spaß erst anfängt...

Lichtverschmutzung

Die Beleuchtungspraktiken auf Formentera sind genauso beschissen, wie auf Mallorca! Der einzige Unterschied ist, daß es weniger zu beleuchten gibt! Wir waren hier kurz vor der Saison anwesend. Das Nachbarhotel hat einige derb helle Kugelleuchten und alle 30 Balkons haben ein Lämpchen, wovon schon 3 Stück zu Schattenwürfen auf unserem Bungalowdach führten! San Francesc hat auch viele Kugelleuchten und ist deutlich im Westen sichtbar. Das Zodiaklicht vermischte sich mit dieser Lichtglocke. Im Norden erkennt man eine Aufhellung, die von der ca. 20km entfernten Ibizaküste herrührt. Man muß zusehen, daß man sich von den "größeren" Ortschaften und Hotels, besonders zur Hauptsaison fernhält! Dadurch, daß die Lichtverschmutzung insgesamt wesentlich geringer ist, fallen allerdings solche Quellen stärker auf, als z.B. in Deutschland.

Beobachtungseindrücke und andere Erfahrungen vom Hotel Las Dunas Playa

Es sah ja so schön aus, das Teleskop auf dem Bungalowdach! Man kam dadurch auch ins Gespräch mit anderen Besuchern. Doch leider war die salzgeschwängerte Luft mächtig aggressiv! Die Feuchtigkeit auf dem Tubus schmeckte stark salzig und es kam bei stärkerem Wind auch etwas Gischt herüber. Die Kleidung wurde klamm, die Schrauben knarrten und korrodierten und das Metall wurde stumpf! Das ging ruck-zuck!Ich hatte den Eindruck, daß das Zodiaklicht noch bis zum Löwen reichte.

Omega Centauri schrubbt hier schon 3° über dem Horizont hinweg.

Der Pipe-Dunkelnebel zwischen Milchstraße und Antares ist sichtbar.

Mehr hatte ich leider nicht beobachtet, da mein Schwerpunkt bei der Fotografie lag.

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