Reise nach Simbabwe zur totalen Sonnenfinsternis am 21.6.2001

Von Aachen zum südlichen Afrika, und wieder zurück

© Text:

Günther Bendt, Aachen
© Fotos: D. Unbehaun/W. Paech

Die Reise beginnt ...

Ich sitze im Zug. Draußen ziehen die mir wohlbekannten Aachener Vororte vorbei. Das Wetter ist heute mild und schön. Die lange Reise zur Südhalbkugel hat begonnen. Was werde ich erleben?

Auf dem Kölner Hauptbahnhof sitze ich an diesem Morgen mit meinem Gepäck fast allein auf dem Bahnsteig. Vor mir trippelt mit nickendem Kopf eine graue Taube herum. Und hinter mir ragt, ganz unbeeindruckt und mächtig, der Dom. Weiter geht die Fahrt zum Frankfurter Flughafen. Vorbei an Gärten mit frischem Grün, vorbei an dichten Brombeerhecken, dunklen Ziegelmauern, Obstbäumen, Feldern. Durch den geraniengeschmückten Bonner Hauptbahnhof, ins enge Rheintal hinein. Der Rhein ist heute breit und braun wie Milchkaffee, Uferbäume und Gebüsch stehen tief im Wasser. Die Sonne scheint hell auf alte Burgen und steile Weinberge, der Loreleifels ragt dunkel und steil über dem engen Strom mit seinen im Hochwasser gischtenden Wellen. Ich war schon oft am Rhein, es ist schön hier, aber heute habe ich ein anderes Ziel: Diese Reise geht nach Afrika.

Am Flughafen mußte ich erst mal meine gewohnte schwarze Ferienmütze gegen eine ebenfalls schwarze "Astronomie.de"-Mütze tauschen. Denn wir sollten in Afrika mit diesen Mützen als Astronomengruppe erkennbar sein . Das Fernsehen werde am Flughafen sein und die Presse: Welch ein Aufwand um ein paar stille, neugierige Astronomen.

Ringsum viele nette Gesichter, erste Vorfreude macht sich breit. Man hört den einen oder anderen Namen, den man bislang nur aus den E-Mails kannte. So sehen also die dazugehörigen Gesichter aus!

Dann steigen wir ins Flugzeug, eine Boeing 747 der South African Airlines. Zu meiner Freude habe ich einen Fensterplatz. Da kann man das Fliegen bestens erleben! Der Flieger rollt an. Über die Startbahn West geht es ab in die Höhe, durch die Wolken, hinauf in die Abendsonne. Unter uns liegen Wolken im Abendlicht, darunter ahnt man die westlichen Zipfel des Bodensees.

Die Gischt des Rheinfalls bei Schaffhausen leuchtet klein und weiß herauf. Schon ziehen unter uns die schneebedeckten Alpenberge vorbei. Über dem Tessin wird es draußen langsam dunkel.

Später fliegen wir vor der Westküste Italiens über dem Meer durch die Nacht nach Süden. Die Lichter der Küstenorte funkeln still herauf. Dann führt unser Kurs von der Küste weg über das nachtschwarze Meer. Wir überfliegen Marsala an der zerklüfteten Westküste Siziliens. Und weiter Richtung Südosten durch die Nacht über das Meer. Wir überqueren ein Wolkenband über der afrikanischen Küste, das von den Lichtern der darunterliegenden Küstenstädte imposant beleuchtet wird: Das ist ein märchenhaft schöner Anblick. Dann werden Wolken und Lichter weniger, unter uns wird es schwarz. Über uns leuchten die Sterne.

Viele Stunden flogen wir über bodenloser Schwärze unter diesem Sternenhimmel. Ob Afrika deshalb der 'schwarze Kontinent' genannt wird, weil es nachts dort so finster ist? Hin und wieder sieht man in der Tiefe ein Feuer leuchten. Aber nirgendwo elektrisches Licht. Irgendwann wurde ich im Finstern durch heftige Turbulenzen wachgeschüttelt. Neben uns unter den Sternen mächtige Wolken, in denen gewaltige Gewitter toben. Ein phantastisches Feuerwerk von Blitzen. Später geht der Mond auf und taucht die Wolkentürme in zartestes Licht. Darunter liegt schwärzeste Finsternis.

Und dann dämmerte langsam der Morgen in klaren Farben herauf. Von der Nachtschwärze veränderte sich die Farbe des Himmels im Osten unmerklich über düsteres Braun, über Lila, Purpur, klares Rosa, über Orange und Gelb langsam zu zartem, lichten Blau. Tief unter uns erste Straßenlampen kleiner Städte. Berge dämmern träge im Morgengrauen. Langsam wird es heller. Das Land unter uns ist braun.Anflug auf Johannesburg. Wie sinken tiefer. Unter uns kleine Farmen, flache Felder, enge Siedlungen, Straßen mit Autoverkehr, Eisenbahnen, Stromleitungen, kleine flache Stauseen. Vertrocknetes Land. Wir landen um 7 Uhr morgens. Mit den ersten roten Strahlen der eben aufgehenden Morgensonne rollen wir vor dem Flughafenterminal aus.

Der Flughafen glänzt innen von kaltem, spiegelblank poliertem, schwarzen Granit. Es ist kühl und langweilig. Draußen vor den Fenstern sausen unbekannte Vögel herum. Auf den Anzeigetafeln drinnen erscheinen die Namen nie gehörten Flughäfen. Polizisten schlendern mit lässigen, weichen Schritten vorbei. Die Sonne steigt höher, draußen werden die Schatten kürzer. Dann geht es mit dem Flugzeug, einer 747, nach Harare. Unter uns weiße Wattewolken. Landung in Harare auf einer endlos langen Landebahn. Wir betreten einen lichten und freundlichen Terminal, darin dann ein recht bürokratischer Empfang mit viel Stempeln und mit Formularen, alles begleitet von Stromausfällen, die keiner der Akteure zur Kenntnis nimmt. Das Gepäck ist heil geblieben, die Zöllner lassen uns mit unseren schwarzen Astronomie.de-Kappen einfach passieren. Welch ein Glück, dass wir als angemeldete Gruppe einreisen.

Harare, die Hauptstadt von Simabwe

Der erste starke Eindruck von Simbabwe draußen vor dem Flughafen ist der kristallklare blaue Himmel, in dem sich einige wenige kleine weiße Wolken rasch auflösen. Die Luft ist wunderbar durchsichtig. Der Rasen vor dem Flughafengebäude ist vertrocknet. Es ist angenehm mild und leicht windig.Wie steigen in unsere bereitstehenden Kleinbusse und fahren in die Stadt. Unser Bus ist der "Elefantenbus". Die anderen Busse sind "Büffel", "Nashorn", "Löwe" und "Leopard". John, unser Fahrer, erzählt auf Englisch über Harare, und Arno Lehnen, unser Reiseführer, übersetzt. Die Straße nach Harare ist breit und gerade, von Jacarandabäumen gesäumt, mit wenig Autoverkehr. Beiderseits der Straße breite, ausgedörrteGrünstreifen, auf denen Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, hinter Zäunen und Mäuerchen Felder mit einigen staksigen, dürren Maispflanzen, kleine Häuser in großen, wilden Gärten unter Palmen und hohen Bananenstauden. Straßenhändler warten am Straßenrand hinter ein paar Apfelsinen, Zuckerrohrstangen und Bananen geduldig auf Kundschaft. Schulkinder sind in ihren grünen Uniformen barfuß auf dem Nachhauseweg. Nirgendwo Hektik. Die Menschen bewegen sich ruhig, ernst, manchmal mit einem Lächeln.

Am Sheraton-Hotel ist der Rasen sauber, frisch und grün. Das Personal steht vor dem Hotel Spalier. Es werden köstliche Erfrischungsgetränke gereicht. Eine afrikanische Tanzgruppe in phantastischen Kostümen beginnt einen wilden, fröhlichen Begrüßungstanz, mit Lachen, Trommeln, Rasseln und Gesängen. Der Empfang ist bunt, warm und lebendig. Kameras klicken. Ich filme, schon fast etwas verlegen wegen diesem unerwartet fröhlichen und aufwendigen Empfang.

Im Hotelzimmer fanden wir auf dem Fernsehbildschirm einen Willkommensgruß mit unseren Namen. Welch eine Begrüßung!

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt durch Harare und einem Besuch des kleinen, aber ansprechend eingerichteten Nationalmuseums von Simbabwe fuhren wir zum „Kopje", dem kleinen Aussichtsberg von Harare. Wieder gab es köstliche Limonade und prickelnden Sekt, gereicht von warmherzigen und freundlichen, dunklen Hostessen. An den Büschen blühten prachtvolle Blumen.

Es gab eine Ansprache und die Begrüßung durch die Reiseleitung, und die Vorstellung der Mitarbeiter von Clapper Lark Adventures, die uns begleiten würden. Und dann ein wunderschöner Sonnenuntergang, der die Fenster Harares erglühen ließ. Weithin erstreckte sich die Stadt unter ihren Bäumen in den heraufdämmernden Abend, und der Mars ging leuchtend im Erdschatten auf.

John, unser Fahrer vom Elefantenbus, erzählte, dass die Stadt erst um 1880 von einem Treck mit weißen Siedlern gegründet wurde, die mit Ochsenkarren von Bulawayo kamen. Von unten rauschte leise der Lärm der Stadt herauf. Sie hieß früher Salisbury. Seit der Unabhängigkeit von Simbabwe heißt sie Harare. John erklärte mir, dass Harare ein Shona-Wort ist, das bedeutet: "Der Ort, der niemals schläft".

In der nun rasch einfallenden Dunkelheit fuhren wir zum Hotel. Vor dem Hotel angekommen, sahen wir dann zum ersten mal die Sterne des Südhimmels. Nach einer halben Stunde Suchen und Schauen fanden wir uns endlich zurecht: Der Löwe stand nämlich verkehrt herum. Vom Großen Wagen ragten im Norden nur die drei Deichselsterne über den Horizont.

Da Gebhard und ich das für uns vorbereitete Buffet im Restaurant zu teuer fanden, gingen wir nebenan in ein anderes Restaurant, wo einem das Essen am Platz zubereitet wurde. Man sucht sich aus, was man essen will, das Fleisch wird einem präsentiert und dann vor den Augen des Gastes gebraten. Die dunkelhäutige Köchin bemühte sich besorgt, für uns alles richtig zu machen, und sie machte ihre Sache sehr gut. Das Essen war lecker, kräftig und reichlich. Dazu tranken wir einige Bierchen aus Simbabwe, Marke Zambesi. Sehr lecker.

In unserem Zimmer lag für jeden eine Rassel aus Holz, ein Geschenk für uns. Leider konnte ich keine mitnehmen, denn sie war zu groß für mein Gepäck. Eine Hose, die ich nachmittags zum Waschen abgegeben hatte, wurde um halb neun abends ordentlich gebügelt im Zimmer angeliefert. Das Waschen kostete nicht einmal 20 Pfennig, aber der prompte, freundliche Service war mir ein gutes Trinkgeld wert.

Fahrt nach Masvingo und Great Simbabwe

Das Frühstücksbuffet war üppig und deftig. Eine gute Grundlage für einen langen Reisetag. Danach das Gepäck in die Anhänger der Busse, und dann erfolgte früh der Aufbruch nach Masvingo. Neben dem Sheraton-Hotel waren die Straßen voller Schulkinder in ihren Uniformen, die wohl für die Zuschauerrolle bei einer Parade übten. Viele dunkle, aufmerksame Gesichter schauten von draußen durch die Busfenster herein.Die Fahrt ging nach Süden, quer durch das Diplomatenviertel mit schmucken Villen hinter hohen, stacheldrahtgespickten Mauern. Dann vorbei an engen Vorortsiedlungen zwischen dicken, rundlichen Granitfelsen und Dorngebüsch. Und dann über eine schnurgerade Straße durch das weite, anscheinend menschenleere, vertrocknete Land. Rechts und links nur gelbes Gras und dürres Dorngebüsch, wenige, niedrige Akazien mit langen Dornen und kleinen Blättern. Längs der Straße laufen vieldrahtige Telegrafenleitungen eintönig und endlos von Mast zu Mast, stellenweise dicht mit Spinnennetzen besetzt. Beiderseits liegen direkt an der Straße breite, verdorrte Seitenstreifen, die mit Stacheldrahtzäunen von dem dahinter liegenden Land abgetrennt sind. Hin und wieder sieht man Leute einsam auf dem Seitenstreifen die Straße entlang wandern, zu einem unerkennbaren Ziel. Es sind fast keine Tiere zu sehen, nur ab und zu mal ein Vogel. Hin und wieder kreuzen Paviane und Meerkatzen die Straße. Wohl aufgrund der Trockenheit ringsum gibt es hier keine Blumen und Blüten.

Die Sonne scheint unangenehm hell. Ein Glück, dass ich eine Sonnenbrille dabei habe! Ein kurzer Zwischenstopp an einer kleinen Farm mit frischem grünen Rasen und bunten Blumenrabatten, mit einem kleinen Teich, einem gemütlichen Gästehaus, einem mächtigen, im Winde laut knackenden Bambusbusch.

Ein junger Gepard liegt faul in seinem kleinen, grasigen Gehege. Dahinter liegt ein Zaun, und hinter dem Zaun das weite, ruhige Land. Die Erde ist ockerbraun und trocken. Am Farmhaus schreitet still ein Pfau entlang. Der Himmel über uns ist strahlend blau. Schmetterlinge fliegen im Garten von Blume zu Blume, und ein ausgedehnter Opuntienbusch ist von einer Spinnenkolonie vollständig eingesponnen.

Doch es wird Zeit: Wir müssen weiter! Weiter geht die Fahrt nach Süden, vorbei an steinigen, dornbuschbewachsenen Hügeln, durch staubige kleine Städte im hellen Sonnenlicht. Wir erreichen irgendwann Masvingo, fahren hindurch, biegen dann auf eine kleine Seitenstraße ab, rollen vorbei an den Ständen der Straßenhändler, die ruhig und geduldig unter der hellen Sonne sitzen und geschnitzte Figuren und andere Kunstgegenstände anbieten, ohne eine Miene zu verziehen. Dann geht es durch das Tor der Great Simbabwe Lodge. Wir steigen aus.

Wieder erleben wir eine freundliche Begrüßung mit Tanz und Gesang. Fünf dunkle, schlanke Frauen in einheimischer Tracht, sehr ernst, tanzen, trommeln, stampfen und singen ein Lied, ein ruhiges, unaufdringliches Lied, mit einem komplexen, angenehmen Rhythmus. Es gibt kalten, erfrischenden Champagner und köstlichen Fruchtsaft.

An die Spitzen der hohen Palmwedel über dem Restaurant gegenüber schaukeln Webervögelnester . Die Gebäude hier sind niedrig, breit und wirken gemütlich. Bunte, unbekannte Blumen leuchten feuerrot. Gebhard und ich beziehen unsere Lodge, packen aus und bereiten unsere Ausrüstung vor, und dann fahren wir in den Bussen über eine schmale, staubige Straße zum Eingangstor der Ruinen von Great Simbabwe.

Es ist nur eine kurze Strecke. Wir steigen aus unter Bäumen mit schütterem Laub. Auf dem rundlichen Granithügel über uns liegen die verfallenen Mauern der alten Festung ruhig in der klaren Nachmittagssonne, eingebettet zwischen haushohen Granitblöcken.

Wir besuchen das stimmungsvolle kleine Museum, das uns die Geschichte des Ortes nahe bringt, nach dem der Staat Simbabwe benannt ist, in dem wir uns befinden. Es ist eine Geschichte voller ungelöster Rätsel, denn durch die Goldgier der Entdecker dieses Ortes wurden fast alle Spuren, aus denen Archäologen seine Geschichte hätten rekonstruieren können, aus ihrem Zusammenhang gerissen und weitgehend vernichtet. Der Name des Volkes, das die Mauern gebaut hat, ist heute unbekannt. Doch die Namen der zerstörerischen Entdecker kann man überall in den Geschichtsbüchern und den Reiseführern lesen.

Es ist vielleicht nicht einfach für das Volk von Simbabwe, eine Identität als Nation entwickeln, wenn es von seiner vorkolonialen Geschichte jetzt nicht viel mehr erfahren kann, als dass eine Zerstörung seines geschichtlichen Erbes durch gierige Kolonisten stattgefunden hat.

Die Ruinen von "Great Simbabwe"

Natürliche Felsen und von Menschenhand gefertigte Mauer ergänzen sich und bilden unüberwindliche Festungsmauern
Hier gibts Geschichtliches über die Ruinen

Wir gehen über niedergetretenes, vertrocknetes Gras, in dem hurtige Ameisen ihre Wege bauen. Wir gehen an verfallenden Mauerresten vorbei, die direkt auf dem glatten Granituntergrund errichtet sind. Wir erreichen das große Oval des zentralen Mauerrings, der sogenannten Great Enclosure.

Unser afrikanischer Führer erzählt über den Ort, versucht das Leben an diesem Ort mit Worten wiedererstehen zu lassen, als einem Ort von Macht, Leben und Traditionen. Wir betreten das mächtige Mauerrund, registrieren die Höhe und die gewaltige Dicke der Wälle. Mächtige Bäume ragen innen bis über die Mauerkrone. Die Bäume rauschen leise im Wind.

Und der Führer erzählt, mit Worten, Gesten und Blicken, von Königen, Königinnen, Prinzen und Priestern. Die Sonnenstrahlen werfen langsam länger werdende Schatten.

Auf engen, von krummen Trockensteinmauern eingefassten Wegen geht es von der Enclosure ins Tal hinunter und dann hinüber zur Hügelfestung. Aus dem nahen Dorf klingen leise Trommeln und gellender Gesang herüber. Der Aufstieg auf dem schmalen, steinigen Pfad hügelan ist mühsam. Stellenweise wird der Weg zwischen den Felsen so schmal, dass ich nur gebückt durchkomme.

Die Erbauer dieser Anlagen müssen recht klein und schmächtig gewesen sein. Wir steigen über unregelmäßig hohe Treppenstufen höher hinauf und erreichen endlich die Mauern der Festung. War das eine Festung? Keine Türme, keine befestigten Tore. Geschwungene, dicke Mauern, aus kleinen Granitsteinen ohne Mörtel aufgeführt, zwischen imposanten, haushohen, rundlichen Granitblöcken.

Dann schauen wir von oben über das weite, sanft hügelige Land, das sich im Spätnachmittagsdunst vor uns ausbreitet. Die Sonne steht jetzt schon tief im Westen. Der Wasserspiegel eines Stausees leuchtet in dem weiten Tal herauf. Es wird Zeit für den Abstieg.

Auf dem Weg von der Festung zu den Bussen hinab komme ich mich mit unserem jungen Führer ins Gespräch. Wir unterhalten uns über die Geschichte und über die aktuelle soziale und politische Lage Afrikas nach dem Ende des Kolonialismus. Viele afrikanische Staaten sind aus Kolonien hervorgegangen, in denen die Kolonialherren kulturell sehr unterschiedliche Völker unterjocht und zusammengezwungen hatten. Dies führt nun zu vielen Problemen bei der Zusammenarbeit zwischen Staaten und Volksgruppen. Ein Nationalbewußtsein der Bürger afrikanischer Staaten ist noch nicht ausgeprägt, da eine Gemeinschaft stiftende Geschichte der schwarzen Völker durch die Kulturpolitik der Kolonialherren weitgehend ausgelöscht wurde. In dieser Situation sind gerade Orte wie Great Simbabwe für das kulturelle Selbstverständnis des jungen Staates Simbabwe wichtig.

Mir kommt hierzu die wechselvolle und konfliktreiche Geschichte Europas in den Sinn. Vielleicht hat Afrika ähnliche Entwicklungen vor sich, wie sie Europa schon hinter sich hat? Wir verabschieden uns in der nun rasch hereinbrechenden Abenddämmerung unter den Bäumen bei den wartenden Bussen voneinander. Wir hätten uns gerne noch länger miteinander unterhalten.

Was war das für ein leckeres Abendessen im Restaurant! Große Teller, kräftiges Rindfleisch, Kartoffeln, Reis, Bohnen, Gemüse, gesottener Kudu, gebratener Strauß, gebackenes Hühnchen. Zum Nachtisch dann frisches Obst, Sahnekuchen und Pudding. Und dazu das gute Zambesi-Bier. Allerdings hatten die Kellner kein Wechselgeld für uns. Da durften sie das Wechselgeld eben als Trinkgeld behalten.

Sterne...

Nach dem Abendessen gingen Gebhard und ich im Dunkeln vom Restaurant über den hell erleuchteten Parkplatz zu unserem Zimmer. Über uns der Sternenhimmel. Vor unserem Zimmer war es auf der Wiese schön dunkel. Noch mehr Sterne zu sehen! Im Feldstecher zeigt sich eine faszinierende Sternenfülle. Wir sind begeistert.

Von einem Zimmernachbarn hören wir, dass ein paar Leute mit kleinen Fernrohren an die Straße zu den Ruinen gegangen sind. Da wollen wir auch hin.

Zum ersten mal nachts unterwegs auf afrikanischem Boden. Was da wohl so alles im Dunkeln unterwegs sein mag: Skorpione, Schlangen, Treiberameisen? Wir leuchten mit den Taschenlampen unseren Weg aus. Aber da sind nur Staub und kleine Steine. Keine Gefahr für unsere Füße. Wir können die Gruppe schon sehen, zu der wir wollen, machen unsere Lampen aus und wollen zu ihnen hingehen. Und schauen kurz nach oben. Und bleiben stehen.

Der Anblick dieses Sternenhimmels war eine umwerfende Erfahrung. Die Milchstraße eine helle, leuchtende Wolke quer über den Zenit, eine gewaltige Masse aus Sternen, fein strukturiert und konturiert durch zarteste Dunkelwolken. Sterne dicht bei dicht bis hinab zum Horizont.

Zahlreiche Nebel, die man sonst nur aus langbelichteten Fotos kannte, waren mit bloßem Auge direkt zu sehen: Lagunen-Nebel, Trifid-Nebel, M 24, Omega Centauri, 47 Tucanae, daneben die kleine Magellansche Wolke, die halb über den Horizont lugte, der Eta-Carinae-Nebel mit dem Stern Eta darin, gerade 4 Grad über dem Horizont. Im Zenit der Mars in Opposition. Im 8x30 Feldstecher sah ich Centaurus A, mit zentralem Staubband. Jeder Blick zum Himmel offenbarte neue Nebel, neue, nie gesehene Doppelsterne, offene Sternhaufen.

Wir standen im Dunkeln, schauten in diesen märchenhaft reichen, phantastischen Himmel, sprachen ganz leise. Die Durchsicht war perfekt, das Seeing hervorragend. Jeder Blick in diesen Himmel war eine Offenbarung. Alles war neu und wunderbar. Das Streulicht vom nahen Hotel störte überhaupt nicht. Die Luft war so trocken, dass kein Dunst in der Luft war und daher durch das Licht kein Wiederschein am Himmel erzeugt wurde. Wir standen ja in 1500 m Höhe auf dem Hochland Simbabwes, mitten in der Trockenzeit.

Wir standen und schauten, bis wir wegen der frühen Abreise am folgenden Morgen in die Betten mussten. Aber noch lange saß ich über meinem Karkoschka und versuchte herauszufinden, was ich da denn nun alles am Himmel gesehen hatte.

Unterwegs

Am nächsten Morgen ein prachtvolles Frühstück, packen, und dann ging die Fahrt weiter nach Bulawayo. Wieder vorbei an den geduldig wartenden Straßenhändlern mit ihren kunstgewerblichen Artikeln an der Straße bei der Hoteleinfahrt, und dann über das weite, trockene Land. Ab und zu sah man zerstreute Gruppen von Rundhütten, umgeben von vertrockneten Gärten und abgeernteten, verwilderten Maisfeldern, ein paar Ziegen, ein braunes Rind. Darüber der weite, klare, blaue Himmel. Beiderseits der Straße hinter Stacheldrahtzäunen dehnte sich das Dornbuschland.

Fast alle Flüsse, die wir überqueren, sind ausgetrocknet und sehen dadurch aus wie breite Sandwege. Andere sind voll mit kristallklarem Wasser, aber bis zum Ufer reicht beiderseits das dürre Gras und das trockene Gebüsch, so als wäre das Wasser hier meilenweit weg. Andere Flüsse zeigen sich nur noch als wiederlich grüne, schleimige Tümpel.

Wir fahren durch ein Bergland, das dünn mit schütterem Wald bestanden ist. Die Straßen hier sind gut ausgebaut, aber leer. In zahlreichen Kurven windet sich die Straße bergauf, über einen Pass. Dann kommen wir in eine Straßensperre mit Polizeikontrolle. Hier wird nach Autodieben gefahndet, die gestohlene Autos nach Sambia verschieben.

Die Maschinenpistolen der Polizisten sind abgewetzt, und die schwarzen Polizisten sind wegen der morgendlichen Kälte in dicke Wintermäntel verpackt. Ein ungewohnter Anblick.

Wir halten kurz in Zvishavane, einer kleinen Stadt mit etwas Verkehr. Der Ort lebt von einer großen Asbestmine, deren mächtige Abraumhalde weithin zu sehen ist, und von Kleingewerbe. Am dortigen Hotel Nilton machen wir eine kurze Pause. Das Hotel wirkt sehr schlicht, aber blitzsauber und aufgeräumt, und die Fassade ist strahlend weiß gestrichen.

Ich mache ein paar Fotos auf der Straße, und einige schwarze Kinder schieben sich dabei vorsichtig ins Bild. Lächeln ernst und aufmerksam. Ich fotografiere sie und bitte sie, mir ihre Adresse zu geben, damit ich ihnen Bilder schicken kann. Einer versteht mich und schreibt seinen Namen auf, und die Adresse seiner Schule. Er heißt Reginald.

Weiter geht es Richtung Westen. Wieder sehen wir hohe, bucklige Granithügel, Dornbüsche, vereinzelte magere Kühe im dürren Gestrüpp. Man sieht hier recht häufig solche Rundhütten wie im Nationalmuseum: Die Vergangenheit ist hier zugleich auch noch Gegenwart. Kinder winken am Straßenrand, wenn wir vorbeikommen. Und wieder eine Polizeisperre. John, unser Fahrer, ist beim Fahren die Ruhe selbst. Erzählt von seinem Land, von der Dürre und den Lebensbedingungen.Früher aßen die Leute Weizen, jetzt müssen sie Mais essen, der früher eigentlich nur für´s Vieh angebaut wurde. Die Kinder unterliegen der Schulpflicht, aber viele Eltern können das Schulgeld nicht bezahlen. Früher bezahlte der Staat Simbabwe für die Kinder der Armen das Schulgeld. Heute verbietet ihm das die Weltbank, denn es muss gespart werden, damit Simbabwe seine Kredite an die Weltbank zurückzahlen kann. Aber auch mit einem guten Schulabschluss bleibt den meisten Jugendlichen nur die programmierte Arbeitslosigkeit, denn die Arbeitslosenrate liegt jetzt in Simbabwe über 60%.

Wir erreichen Bulawayo und fahren unter dem offenen Schlagbaum auf das Gelände des Holiday Inn Hotels. Zu unserer Begrüßung tanzt eine Gruppe junger Tänzer und Tänzerinnen für uns. Sie tanzen voller sprühender Lebensfreude und Fröhlichkeit, ihre Stimmen sind klar, ihre Augen blitzen, die Choreografie ihres Tanzen ist ausdrucksvoll, lebendig und präzise. Die Aufführung ist so schön, dass ich sie mir mehrmals ansehe. Das geht, weil sie mit jedem Kleinbus, der von unserer Gruppe eintrifft, wieder von vorne beginnen. Ein wunderschönes Erlebnis.Nach Bezug unseres Zimmers nehmen wir an einer Stadtrundfahrt durch Bulawayo teil. Bulawayo ist im Vergleich zu Harare eine eher gemächliche Stadt mit sehr breiten, baumgesäumten Straßen, Blumenbeeten, schattigen Parks und freundlichen Gebäuden unter dem blauen, sonnigen Winterhimmel.

Wir besuchten das naturhistorische Museum. Dieses Museum erweist sich als eine große Überraschung. Es zeigt die Tierwelt des Landes in packenden, sehr realistisch wirkenden Dioramen, und es demonstriert anschaulich den Wandel der Lebensweise der Bewohner des Landes mit gut ausgewählten Ausstellungsstücken.

Die mineralogische Abteilung des Museums ist didaktisch hervorragend aufgebaut. Wer hätte so ein schönes, eindrucksvolles Museum im fernen Simbabwe erwartet! Schon allein wegen dieses Museum lohnt es sich, Bulawayo zu besuchen.

Der Empfang in Bulawayo. Uns zu Ehren wurden ein Lied über die Sonnenfinsternis gesungen und getanzt.

Bulawayo ist die älteste Stadt in Simbabwe und doch noch keine hundertfünfzig Jahre alt. Unser Führer zeigt uns das älteste Bauwerk der Stadt, einen von den ersten Siedlern angelegten Brunnen, unter schattigen Bäumen in einen gepflegten Park beim Rathaus.

Während wir diesen Brunnen betrachten, nähern sich mit freundlichem Lächeln mehrere junge Straßenhändler und bieten uns freundlich, aber mit dezentem Nachdruck diverse kunstgewerbliche Objekte zum Kauf an. Es zeigt sich bald, dass es ein strategischer Fehler ist, irgend eines dieser Objekte von ihnen in die Hand zu nehmen: Sie nehmen es nämlich nicht mehr zurück. Außerdem zeigt sich, dass diese Händler sehr überzogene Vorstellungen vom Wert der von ihnen angebotenen Objekte haben, denn die sind weder sonderlich schön, noch ordentlich gearbeitet.

Aber es gelingt mir doch, umgeben von einem Pulk zielstrebig auf mich einschwatzender Händler bis zu unserem Bus zu kommen und ihn zu besteigen, ohne mein Geld zu zeigen und dabei möglicherweise ausgeraubt zu werden. Da sie die Waren, die ich gar nicht will, auch nach mehrfacher Aufforderung nicht mehr zurücknehmen wollen, gebe ich ihnen soviel Geld, wie sie mir maximal wert sind. So werde ich 1200 Simbabwe-Dollar los und ich behalte zwei Armbänder aus gedrehtem Draht und einen Flaschenöffner mit Horngriff. Damit sind sie gar nicht zufrieden, und als der Bus abfährt, streiten sie sich draußen um die Scheine.

Gut, dass es den Bus gab, sonst hätte die Sache für mich übel ausgehen können. Unser Führer ist richtig sauer und alle Mitreisenden sind von dem Ausdruck der Gier der Händler beim Anblick des Geldes betroffen. Nicht alle Menschen sind hier so freundlich, wie ich die Menschen dieses Landes bisher erlebt habe.

Die Stadtrundfahrt führt nun aus dem Zentrum hinaus und durch die bescheideneren Vororte der Stadt. Wir fahren über gerade, schmale Straßen voller dunkler Menschen, vorbei an kleinen, bunten Marktständen mit Waren aller Art, vorbei an kleinen, schmalbrüstigen Häusern, vorbei am vollbesetzten Fußballstadion, in dem gerade ein Meisterschaftsspiel der 2. Liga stattfindet. Hier sind gut zehntausend Zuschauer im Stadion begeistert voll bei der Sache: Fußball ist offensichtlich eine Leidenschaft in Simbabwe.

Der Name Bulawayo ist eine Kurzform von 'Bubulawayo', und das bedeutet laut unserem Führer 'Ort des Gemetzels'. Um 1870 drang das kriegerische Volk der Mdebele von Süden ins Land und eroberte das damalige Reich der Shona. Die große Entscheidungsschlacht zwischen den Mdebele und den Shona fand hier statt, und die überlegenen Mdebele feierten einen überwältigenden Sieg. Die Shona wurden von ihnen unterjocht und versklavt, ihre Oberschicht wurde eliminiert, und Bulawayo wurde Hauptstadt des neuen Königreichs der Mdebele. Kurz darauf kam Cecil Rhodes aus Südafrika, legte die Mdebele herein und machte mit einer Söldnertruppe und seinen Siedlern ein Ende mit ihrem Königreich.

Die Rundfahrt geht nun weiter durch die 'besseren' Wohnviertel, wo gepflegte Villen an ruhigen Straßen still in ihren grünen, gepflegten Parks im Schatten der Bäume hinter hohen, mit Glasscherben gespickten Mauern liegen. Anders als in Südafrika, wo nur die Weißen in solchen Vierteln wohnen durften, sind diese Wohnviertel in Simbabwe grundsätzlich für alle Rassen offen. Man muss hier halt nur das erforderliche Kleingeld mitbringen.

Der Speisesaal im Holiday Inn ist laut und voller Menschen, und die junge Managerin saust strahlend von Tisch zu Tisch und vergewissert sich, dass sich alle wohl fühlen. Das Essen ist lecker und reichlich. In Simbabwe scheinen die Menschen zu wissen, wie man ein gutes Essen kocht. Und das Zambesi Bier schmeckt auch hier.

Abends rufe ich meine Lieben zu Hause an, damit sie erfahren, dass es mir in Afrika gut geht. Es ist wunderbar, ihre Stimmen zu hören. Und ich sehe die Sonne im Fenster mit herrlich klaren Farben untergehen. Am Morgen muss ich dann Geld wechseln, um die Telefonrechnung für des gestrige Gespräch bezahlen zu können: Für die dreieinhalb Minuten Telefonieren nach Deutschland muss ich umgerechnet 103 DM bezahlen. Ernüchternd.

Der Matopos Nationalpark

Abendstimmung im Matopos Nationalpark

Fahrt nach Hwange

Wir fahren weiter nach Westen. Die Landschaft ist hier weitgehend eben, mit einigen ausgetrockneten, abgeernteten Feldern und den üblichen zahlreichen dornigen Büschen.Hin und wieder liegen kleine Ansammlungen von Rundhütten neben der Straße, ein paar dunkle Menschen, ein paar braune Ziegen. Darüber liegt der gewohnte klare, blaue Himmel und das blendend helle Licht der Sonne.

Unvermittelt hält der Bus auf freier Straße neben einer Straußenfarm. Die Strauße stehen unschlüssig hinterm Stacheldraht. Die Fotoapparate klicken. Und weiter geht es Richtung Westen.

Nach einigen Stunden Fahrt machen wie eine kurze Rast an einer kleinen Farm namens Halfway Point. Mitten in dieser trockenen, dürren Gegend ist da plötzlich grüner Rasen, eine schattige Pergola mit rosa blühenden Büschen, ein reetgedecktes, schmuckes und lichtes Haus, es gibt Platz zum Sitzen, und Schwatzen, man kann die Beine ausstrecken und Coca Cola trinken.Im Gezweig über uns turnt ein Vogel mit prächtig grünschillerndem Gefieder. Am hellen, blauen Himmel steht eine blasse, schmale Mondsichel nahe bei der Sonne.

Die Tür zum Vorraum der Toiletten wird von einer wuchtigen, aus Holz geschnitzen Flusspferdfigur offen gehalten. Beeindruckend. Es gibt hier auch eine Tankstelle, allerdings mit einem handgemalten Schild „Sorry, no petrol". Es ist doch schon gut, dass unsere Reiseleitung die Treibstoffversorgung für unsere Busse schon vor der Reise sichergestellt hat.

Wir fahren weiter in Richtung Westen. Je weiter wir jetzt nach Westen kommen, desto mehr Bäume gibt es. Schließlich kommen wir in eine schon fast bewaldete Gegend, mit schlanken Teakbäumen, breitkronigen Akazien und jungen, glattrindigen Affenbrotbäumen. Hier halten wir alle neben einem mächtigen, alten Baobab am Straßenrand an. Dieser gewaltige Baum ist vollkommen kahl, weil jetzt Trockenzeit ist. Ein beeindruckender Anblick.

Hwange Nationalpark

Nach einer weiteren Stunde Fahrt biegen wir links in die Straße zum Hwange Nationalpark ein, passieren einen Schlagbaum und erreichen nach einer weiteren Viertelstunde Fahrt und einem weiteren Schlagbaum das weitläufige Gelände der Hwanghe Safari Lodge.

Es ist ein großes, breit angelegtes Gebäude aus Naturstein und Holz. Wir steigen aus, nehmen unser Gepäck in Empfang und treten durch die breiten Glastüren in einen hohen, schattigen Innenhof, rund, wie eine Halle, mit einem freundlichen, kleinen Teich, umstanden von hohen Palmen und bunten Stauden. Man hört munteres Vogelgezwitscher.

Wir stellen unser Gepäck ab, und Arno führt uns die Treppe hinab, um den Teich herum und unter einem Vordach hindurch aus dem Hof hinaus zur Rückseite des Gebäudes. Hier ist ein breiter, trockener Rasen, auf dem einige dornige Akazienbäume stehen. Einige Affen turnen in den Zweigen. Auf weiß gedeckten Tischen stehen kleine, eisgekühlte Tränke für uns bereit. Es schmeckt ganz köstlich nach Mango, Ananas und prickelnder Frische.

Der Blick schweift zwischen den Bäumen, ein paar Dutzend Meter weiter ist ein Zaun, dahinter sieht man auf eine weite, offene Senke mit einem breiten Teich.

Am sandigen Ufer hocken Paviane und trinken, einige Springböcke und Gnus kommen aus dem dahinter liegenden Wald hervor, und ein Marabu steht schwarz und still im Gelände. Einige junge Elefantenbullen wandern mit sehr ruhigen, gemächlichen Schritten hinter dem Zaun längs. Es ist ein überraschender Anblick. Bisher hatten wir auf unserer Reise an Wildtieren nur ein paar Paviane und Meerkatzen gesehen.

Und plötzlich stehen da Elefanten. Sie sind nicht wie die indischen Elefanten im Kölner Zoo, diese Elefanten hier wirken mächtiger, ohne größer zu sein: Bedächtige, gelassene und starke Persönlichkeiten. Die Zimmernummern werden verteilt, unser Zimmer hat Blick auf den Rasen. Durch unser Fenster sehen wir draußen die Elefanten wandern.

Das Zimmer ist rustikal und sehr gemütlich, die Möbel aus Holz und schwarzem Schmiedeeisen. Über den Betten pompös geknotete Moskitonetze. Ein Schild im Zimmer fordert dazu auf, die Fenster geschlossen zu halten, damit einem die Affen nichts klauen können.

Wir bereiten unsere Kameras vor, packen Filme, Objektive und Batteriepacks ein und gehen zu den Jeeps, denn jetzt geht´s auf Fotosafari.

Die Jeeps sind offen und recht hoch. Und los geht die Fahrt in den Nationalpark. Die Motoren sind laut, und bei Tempo 50 bläst der Fahrtwind einem kräftig ins Gesicht, einige Hüte und Astronomie.de-Kappen kommen dadurch abhanden. Beiderseits ist parallel zur Straße eine breite Freifläche mit einigen Bäumen darauf, dahinter der niedrige, dichte Wald.

Nach einer Viertelstunde Fahrt kommen wir an die Außenbezirke des Parks. Beiderseits der Straße Lichtungen mit Tümpeln. Wir halten am Straßenrand. Da steht eine Giraffe in den Büschen. Ein paar unschlüssige Zebras schauen zu uns herüber. Einige Impala-Antilopen stehen graziös und aufmerksam auf einer kleinen Lichtung. Ein Elefant verschwindet gemächlich im Buschwerk.

Wir erreichen das Eingangstor zum Nationalpark. Der Schlagbaum hebt sich. Weiter geht es über Schotter- und Sandpisten und über schlaglochdurchsetzte Teerstraßen in vielen Kurven durch den Busch. Wir erahnen im Gebüsch einen Säbelbock, eine ferne Giraffe, Impalas.

Wir fotografieren und filmen. Weiter geht die Fahrt durch den Busch. Und plötzlich sind da viele Elefanten, zum Greifen nah, Ruhig und gelassen wandern sie gemeinsam durch dieses weite Land.

Und dann gibt es Hektik im Jeep: Über Funk kam die Nachricht, an einem Wasserloch sei ein Löwe gesehen worden.

Wir brausen zum Wasserloch, aber als wir da ankommen ist da nur ein schläfriges Krokodil und ein paar kleine Enten. Am Himmel über uns zieht ein Geier vorbei. Wir dürfen für fünf Minuten aussteigen. Der Himmel über uns ist klar und weit. Die Sonne geht rasch und prachtvoll hinter den Akazien unter. Vögel rufen leise.

Überall im Park riecht es nach Elefantendung, überall liegt er in großen Haufen. Auf dem Rückweg vom Wasserloch bearbeitet ein Elefant gleich neben dem Weg gelassen und methodisch einen Baum. Wir halten an. Er schubst und rüttelt den Baum, um die Früchte herunter zu bekommen. Die Rinde des Baumes wird dabei aufgerissen. Die Früchte prasseln ins Gras, und er hebt eine nach der anderen mit dem Rüssel auf und frisst sie. Jetzt fällt mir auf, wie viele Bäume hier umgeworfen herumliegen, und dass hier kein Baum noch seine heile Rinde hat.

Es wird rasch dunkel. Eilig sausen wir über die Piste zum Tor zurück, denn um 18:00 wird der Park geschlossen. „Danach kommen die Löwen zum Essen", scherzt unser schwarzer Fahrer.

Im Finstern kommen wir in der Lodge an. Es gibt Barbecue am offenen Lagerfeuer hinter der Lodge. Wir essen gut und lecker und trinken viele Zambesis . Das Feuer knistert. Über uns ein phantastischer Sternenhimmel.

Angenehme Gesellschaft. Ruhige Gespräche. Die Frau von Willem kommt in unsere Runde, eine muntere, wache und kraftvolle Person. Sie ist erstaunt über das Interesse der Reisegruppenmitglieder am Sternenhimmel über dem Land. Kein Mitarbeiter der Firma hätte sich vorstellen können, dass jemand daran Interesse haben könne.

Wir reichen ihr einen Feldstecher, sie schaut damit hinauf in den Himmel ihres Landes. „Oh my God, there are so many stars!" ruft sie aus. Dann kommt auch ihr Mann Willem dazu. Er hat das Hotel angewiesen, die Außenbeleuchtung abzuschalten, damit die Astronomen beim Beobachten nicht gestört werden.

Wir unterhalten uns noch lange über das Leben in Simbabwe, die Lebenshaltungskosten, die gefährliche Dummheit der wilden Tiere bei Begegnungen im Straßenverkehr , das Leben in der lastend feuchte Schwüle der Regenzeit und die lichte, klare Kälte der Trockenzeit. Das Lagerfeuer brennt lange, denn es brennen darin dicke Stämme, und das Bier schmeckt. Aber irgendwann müssen wir trotzdem ins Bett. (Info zum Naturschutz in den Tierreservaten)

Nach kurzer Nachtruhe gibt es um 5:45 Early Morning Tea. Dann im Finstern auf die offenen Geländewagen, und mit Tempo 50 über die Straße hinaus in den kalten Morgen. Der Fahrtwind ist eisig und treibt einem die Tränen in die Augen. Es ist nur 1°C!

Neben dem Straßenrand döst eine Giraffe auf ihren hohen Beinen zwischen den Bäumen, kaum erkennbar in der Finsternis. Unter dem Dach der Tankstelle am Parkeingang wartet eine Gruppe Impalas. Am klaren Himmel steht eine schmale Mondsichel.

Der Schlagbaum hebt sich. Wir fahren durch das Buschland. Im Morgennebel steht ein aufmerksamer Säbelbock und springt davon, als wir näher kommen. Im Gebüsch sehen wir unvermittelt drei Spitzmaulnashörner, grau und massig, auf kurzen Beinen. Im Sand des Weges sind frische Elefantenspuren und Löwenspuren. Auch ein Schakal ist kurz zu sehen. In einem nebligen Teich steht gähnend ein Flußpferd.

Und dann geht die Sonne auf. Schon wird es wärmer. Eine Schar Gnus steht unschlüssig auf einer weiten Lichtung im dürren Gras. Im Jeep geht das Gerücht um, dass hier ein Löwe in der Nähe sei. Der Jeep hält an und wir warten. Die Gnus rücken langsam näher zu uns. Mehr Jeeps halten an. Die Gnus kommen noch näher. Schließlich stehen 13 Jeeps am Straßenrand, aber kein Löwe erscheint.

Wir fahren weiter. Einige Warzenschweine sausen mit steil aufgerichteten Schwänzen durchs Gebüsch davon. Im Gezweig sitzt ein kleiner, schrillbunter Vogel. Eine Gruppe Strauße steht am Straßenrand im Gras und frißt .

Wir fahren weiter, spähen ständig nach Löwen, aber ohne Erfolg. Es wird zu spät! Wir brechen die Safari ab. Rasch brausen wir zur Lodge zurück. Das Frühstück muss für uns aus Zeitmangel ausfallen. Schnell packen, und wieder in die Busse, und dann geht´s weiter nach Victoria Falls.

Wieder unterwegs. Die Gegend wird bergiger. Rostbraune Erde, steinige Hügel mit verdorrtem Gras. Blühende Agaven, dornige Akazien, dornige Büsche und Baobabs säumen die Straße. Wir kommen an mehreren kleinen Dörfern vorbei. Lauter kleine, strohgedeckte Rundhütten, neben den Hütten stehen Plattformen aus Schilfmatten, auf denen das Küchengeschirr gelagert wird. Offene Herdfeuer qualmen. Braune Kinder winken uns zu. Neben den Dörfern grasen Ziegen und kleine braune Rinder. Ab und zu sieht man einen Raubvogel langsam am blauen Himmel kreisen. Im Gebüsch rosten hier und da die Überreste eines Autowracks. Und immer wieder sehen wir gewaltige Baobabs. Paviane überqueren ie Straße. Ich fotografiere und filme viel aus dem fahrenden Bus.

Arno Lehnen liest uns über die Begegnung von Henry Morton Stanley und David Livingstone vor. Bald müssen ja die Viktoriafälle in Sicht kommen. Die Gischtwolken sollen hunderte Meter hoch über den Fällen aufsteigen.

Als ich weißen Qualm über der Landschaft sehe, denke ich zunächst, dass das die Viktoria-Fälle sind. Aber als wir näher kommen, ist es nur eine brennende Müllkippe. Etwas enttäuschend, aber die Fälle werden wir bestimmt noch zusehen kriegen.

Die Stadt Victoria Falls ist auf den ersten Blick voller Shops für Rafting-Ausrüstung, Kanu-Verleih, Hiking-Touren und Globetrotter-Buchläden. Danach kommen wir am Local Village vorbei, wo die schwarzen Einwohner und das Personal der hiesigen Hotels wohnt. Hier ist alles klein, staubig und eng. Dann hört man das Brausen des Wasserfalls und sieht das Weiß der Gischt über den niedrigen Bäumen aufsteigen. Wir fahren noch etwas weiter, eine kurvige Straße bergauf, und dann geht es zur Einfahrt zum Elephant Hills Hotel. Der Schlagbaum hebt sich.

Great Elephant Hotel in Victoria Falls

Im großen Innenhof des Hotels stehen ruhige, uralte Baobabs. Im Hotel wartet ein köstliches Fruchtsorbet auf uns. Das Hotel ist grandios. Luxuriös, bodenständig und elegant. Das Dach ist mit Stroh gedeckt. In den Innenhöfen rauschen künstliche Wasserfälle an den Felswänden hinter den Zimmern herunter. Und aus dem Zimmer heraus ein herrlicher, weiter Blick über den Golfplatz auf den breiten, gemächlich fließenden, silbrig-blauen Sambesi. Über den Baumkronen sieht man in der Ferne die Gischtwolke der Fälle.Das Personal im Hotel ist strahlend freundlich, kompetent, herzlich und professionell. Man fühlt sich wunderbar aufgehoben.

In unseren Bussen fahren wir zu den Victoria-Fällen. Nachdem wir ausgestiegen sind, fahren unsere Fahrer die Busse zurück nach Harare. Sie werden die Nacht durchfahren und uns morgen Nachmittag in Harare wieder aufnehmen. Wir werden morgen nach Harare fliegen.

Victoria-Fälle und der Sambesi

Bildergalerie "Victoria Fälle"

Auf dem Parkplatz vor den Fällen liegt fingerdick feiner Staub. Bei jedem Schritt wirbelt er auf. Der Himmel ist strahlend blau. Wir bekommen klebrige Regenmäntel ausgehändigt, die wir anziehen müssen, damit wir nicht nass werden. Bei der großen Trockenheit hier ist es schwer zu glauben, dass ein paar Meter weiter ein gewaltiger Wasserfall tausende Tonnen Gischt versprühen soll.

Hinter dem Eingangstor zum Gelände des Wasserfalls geht es über einen breiten, von Steinen eingefassten ebenen Weg unter niedrigen, schattenspendenden Bäumen in Richtung auf das Brausen. Die Sonnenstrahlen werfen scharfe Schatten auf den staubigen Weg.

Auch hier ist noch alles trocken. Man sieht nicht einen grünen Halm. Aber nach ein paar Schritten öffnet sich der Blick durch die Zweige, und da ist der Wasserfall, mächtige und gewaltig fallende, schneeweiße Gischt, eingerahmt von den Bäumen.

Alle wollen stehen bleiben und schauen, aber die Führer komplimentieren uns geflissentlich weiter, es gäbe eine Reihe von Stellen, wo man die Wasserfälle viel besser und näher sehen könne. Ein feiner Sprühnebel fällt.

Zuerst werden wir zu den Devils Falls geführt. Das Wasser fließt hier unmittelbar vor uns als mächtiges Wildwasser immer rascher in wilden Wellen und stürzt zu unseren Füßen in gewaltigem Schwall donnernd in den Abgrund einer gut 50 m breiten Schlucht. Aus der Tiefe schießt Gischt in gleißenden Fontänen empor und wird von einem kräftigen Wind aus dem tosenden Inferno in der Schlucht emporgeblasen. Über uns geht ein Nieselregen aus Sambesiwasser nieder.

Über uns, und über das Bronzestandbild von David Livingstone, das hinter uns steht, und über die Bäume neben uns. Alles ist hier nass und frisch.

Wir werden ein Stück Weg zurückgeführt, und dann geht es über Treppen einen gewundenen Weg abwärts. Ich fühle mich hier wie in einem deutschen Mittelgebirgswald im Regen. Die Luft riecht nach feuchtem Laub und Walderde, und auf dem Efeu am Boden blitzen Wassertropfen. Ein feiner, warmer Regen fällt. Und um mich Menschen aus allen Ländern, die diesen Pfad, vermummt in diese unsäglichen Regenklamotten, herauf- oder hinuntersteigen.

Unten ist eine kleine, mit einer steinernen Brustwehr versehene schattige Plattform. Darüber wölbt ein Baum seine Zweige. Dahinter die Kette der stürzenden Wasserfälle unter einem strahlend blauen Himmel im Sonnenschein, in den aufsprühenden Gischtwolken leuchten herrliche Regenbögen. Unter uns das kochende Inferno donnernder, schäumender Gischt. Wer da hineinfällt, kann alle Hoffnung fahren lassen...

Dann geht es wieder die Treppe hinauf und weiter auf einem Weg entlang der Schlucht. Rechts vom Weg ist der Anblick wie gewohnt: Dornbüsche und vertrocknetes Gras.

Über dem Weg neigen Bäume ihre Äste, um die sich Lianen winden. Links vom Weg steht ein Regenwald, von allen Zweigen und Blättern tropft das Wasser. Prächtige Blüten überall. Dahinter steigen Wolken aus nebliger Gischt empor. Je weiter man auf dem Weg weitergeht, desto mehr gerät man in die Gischtwolken, aus denen stellenweise ein plötzlicher Platzregen hernieder prasselt.

Die Fälle fallen tief, das Wasser stürzt majestätisch in breiter Front gut hundert Meter hinab und kracht donnernd in die tosende Gischt. Aus der Schlucht weht die Gischt empor und verschwindet wie von Zauberhand im blauen Himmel über uns. Die Fälle sind so breit, dass man das andere Ende der Fälle in den aufsteigenden Gischtwolken nicht mehr sehen kann.

Unsere Zeit läuft ab, wir müssen weiter. Trotz des klebrigen Regenmantels bin ich bis auf die Haut durchnässt. Gut, dass bei dem trockenen Wetter hier alles wieder schnell trocknet. Es ist wirklich heiß geworden. Ich bin sehr durstig.

Mit Bussen des UTC fahren wir ein Stück flussaufwärts. Hier warten mehrere Ausflugsschiffe auf uns, und es gibt wieder einen köstlichen, erfrischenden Drink.

Der Sambesi fließt hier ruhig und gemächlich, gut zweimal so breit wie der Rhein. Darüber der strahlend blaue Himmel. Die Sonne trocknet mich. Am Ufer Palmen, Bananenstauden, Akazien. Auf dem gegenüberliegenden Ufer in Sambia Palmen, Dornbüsche, Schilf und Papyruswedel. Im Wasser sind Krokodile und Flusspferde, die vor dem Schiff mit kleinen Strudeln abtauchen. Die Stimmung ist an Bord ist angenehm, die Luft ist mild. Wir fahren ein Stück flußaufwärts und biegen langsam in einen Seitenarm ein.

Am Ufer steht ein mächtiges, graues Spitzmaulnashorn. Als es uns wahrnimmt, geht es ein Stück weiter, bis sein Kopf mit dem Horn hinter einem Dornbusch verschwindet. So bleibt es stehen. Dies ist der einzige Einwohner von Sambia, den wir zu sehen bekommen.Die Sonne sinkt gemächlich und verschwindet rotglühend hinter der Silhouette der Uferpalmen. Ein Flusspferd gähnt, schwarz zeichnet sich die Silhouette der mächtigen, klaffenden Kiefer vor dem im Abendlicht schimmernden Fluss ab..

Ich treffe an Bord zum ersten mal auf Mitreisende aus Aachen, ein Ehepaar. Die beiden sind zum fünften mal in Afrika.

Getränke und Snacks sind auf dem Schiff umsonst. Die Snacks sind lecker und leider im Nu alle, und Alkoholika kann man wegen ihrer Wirkung ohne entsprechende Grundlage nur begrenzt trinken. So bedingt der Mangel des einen Enthaltsamkeit beim Konsum des anderen.

Abends in der Bar in munterer Runde noch ein paar Sambesi-Biere und der erste Amarula-Likör meines Lebens. Als der Amarula alle war, wurde von Frank Lau noch eine Flasche organisiert. Die Stimmung war wunderbar, aber ich wurde sehr müde und ging daher früh zu Bett. Die letzte Nacht in Hwanghe war doch sehr kurz gewesen.

Flug nach Harare, Fahrt ins Camp

Arno ist heute morgen so heiser, dass man ihn kaum versteht.

Das Frühstücksbuffet im Great Elephant ist eine Wucht. Die Auswahl an Speisen ist rekordverdächtig. Es gibt sogar geschmorte Nierchen, wie sie ich früher bei meiner Großmutter bekommen habe. Im Shop finde ich hübsche Malachit-Ohrstecker für Renate und schöne Ansichtkarten. Es gibt aber keine Briefmarken, weil die Postbeamten streiken. Ich werde mein Glück in Harare versuchen. Vor dem Shop steht eine große Trommel mit einem angenehm tiefen, sanften Klang, den ich noch lange im Ohr habe.

Das Packen gelingt mir immer besser. Der Koffer geht auf Anhieb zu. Der Kofferservice zum Bus funktioniert reibungslos. Um 10:00 ist Abfahrt zum Flugplatz.

Unser Flugzeug war um halb zwölf noch nicht da. Wir mussten also warten. Auf dem Rollfeld sah man Flugzeugtypen, welche in Europa schon längst nicht mehr fliegen. Eine alte DC3 warf unter Ausstoß schwarzer Rußwolken ihre beiden Motoren donnernd an, einige junge Leute mit Rücksäcken stiegen ein und die Maschine hob lärmend ab ins Nirgendwo. Eine alte DC4 landete und parkte unweit des Terminals.

Und dann kam endlich unser Flugzeug. Um halb drei hoben wir ab.

Ich hatte wieder einen Fensterplatz und konnte mir so die Gegend gut ansehen. Nach dem Start sah man mehrere rundliche Dörfchen verstreut im dichten, braunen Buschland liegen, aber auch geologische Schichtstufen und Verwerfungslinien im Gelände fielen ins Auge. Der Blick fiel tief in die Schlucht des wilden Sambesi, dessen gischtweiße Wellen von hier oben gut zu sehen waren. Breite, versandete Flußtäler schlängelten sich zwischen braunen Bergplateaus nach Norden zum Sambesital. Unten viele kleine Dörfchen mit Rundhütten und trockenen Feldern. Dann ging der Lauf des Sambesi in den Anfang des Kariba-Sees über. Man sah Bewässerungsfelder im bergigen Hochland. Man sah kleine Buschflugplätze, sandige Pisten im Gelände, Straßen, die sich durch den Busch ziehen. Brennende Stoppelfelder. Rauch und Dunst nahmen zu, je mehr wir uns Harare näherten. Wir landeten in Harare um 15:45.

Bei der Verspätung, die wir haben, wird die vorgesehene Beobachtungsnacht im Camp wohl ins Wasser fallen, denn wenn wir im Camp ankommen, wird es da schon stockdunkel sein.

Unsere Busse stehen schon für uns bereit, mit unseren freundlichen Fahrern. John steht neben unserem Elefantenbus und strahlt, als er uns sieht. Eisgekühlte Getränke stehen im Bus für uns bereit. Um halb fünf geht die Fahrt los, aus Harare hinaus Richtung Norden, vorbei an Botschaftsgebäuden, Diplomatenvillen, Firmensitzen und Baustellen kommen wir in ein bergiges Land mit ausgedehnten Obstplantagen. Wir fahren an kleinen Stauseen entlang, die in der Nachmittagssonne malerisch zwischen bewaldeten Hügeln liegen, und an Zuchtviehhöfen (jedes Kalb hat hier sein eigenes Hüttchen als Sonnenschutz). Dann fahren wir durch Communal Land mit seinen Rundhüttendörfchen und kleinen Maisfeldern. Die Gegend ist trocken, mit felsigen, schütter bewaldeten Hügeln und erinnert mich etwas an Smaland in Schweden.

Im Abendsonnenschein leuchtet die Schüssel eines großen Radioteleskops. Die Fahrt geht weiter nach Norden. Im Abendlicht liegt Bergkette hinter Bergkette. Die Sonne sinkt im Nordwesten hinter die Berge. Nun wird es rasch dunkel. Bald fahren wir durch pechschwarze Finsternis auf engen, kurvigen Straßen zwischen hüfthohem, trockenen Gras und Dorngebüsch, bergauf, bergab. Nur die Sterne leuchten, und die Milchstraße. Ab und zu überholen wir einen LKW. Sonst sind wir anscheinend allein auf der Welt. Kein Licht draußen außerhalb des Busses seit eineinhalb Stunden.

Endlich, an einer Abzweigung, steht wartend ein Auto. Es ist Willem van der Linde. Unser Elefantenbus ist der erste Bus, der am Ziel angekommen ist. Über unebene, kaum gebahnte Wege zwischen Dornbüschen schaukelt und schlingert der Bus durch die Nacht zum Camp, das am Fuß des Sambesi Escarpment unterhalb der Mavuradonha-Mountains auf uns wartet.

Das Camp

Unser hell erleuchtetes Gemeinschaftszelt und die Wege zu den einzelnen Schlafzelten ....

Vom Bus aus sehen wir in der Dunkelheit als erstes das hellerleuchtete Gemeinschaftszelt, mit Kronleuchtern illuminiert, dann sehen wir viele kleine Lampen, die Wege in die Finsternis zu den Zelten markieren. Neben dem Gemeinschaftszelt hängt ein Lageplan des Camps an einem dicken Baum und zeigt die Lage unserer Schlafzelte an. Darunter hängt eine Liste, die angibt, wer welches Zelt besetzen soll. Gebhard und ich haben das Zelt Nr. 7.

Ich gehe unser Zelt suchen. Die Lampen weisen mir den Weg. Die Lampen sind hohe, runde Papiertüten, deren Boden mit trockenem Sand aufgefüllt ist, in dem eine brennende Haushaltskerze steckt. Das gibt ein mildes, angenehmes und blendfreies Licht. Unser Zelt finde ich so schnell. Vor dem Zelt steht ein aus Ästen gebastelter Ständer mit einer vollen Waschschüssel. Davor leuchtet sanft eine Papiertütenlampe. Im Zelt zwei fertig bezogenen Betten, mit weißem Laken und Kopfkissen. Über dem Zelt steht ein phantastischer Sternenhimmel.

Rings um das Camp brennen in einigem Abstand von den Zelten große Lagerfeuer, und die Funken steigen leise in den Nachthimmel auf.

Im großen Zelt gibt es um 20:30 Dinner. Ein Dreigängemenü auf Porzellan unter Kronleuchtern unter dem Himmel Afrikas, wo es am finstersten ist. Getränke muss man natürlich extra kaufen, die einzig akzeptierte Währung ist der US-Dollar. Gut dass ich davon genug mitgenommen habe.

Nach dem Essen hält Herr Paech für die Nichtastronomen unter den Mitreisenden einen Vortrag zur bevorstehenden Sonnenfinsternis. Aber mich zieht es unter die Sterne. Im Finstern baue ich im Zelt mein Gerät zusammen und justiere es draußen. Ringsum sind vor den Zelten viele Fernrohre aktiv. Für viele ist es der erste Fernrohreinsatz unter dem Südhimmel. Der Himmel ist hier nicht so intensiv und so klar wie der Himmel von Great Simbabwe oder in Hwanghe, denn wir sind hier tief im Sambesital und nicht mehr im Hochland. Aber es ist hier besser als jemals an einem dunklen Ort in Deutschland. Es sind 26°C, das Seeing leidet darunter, aber es ist hier sehr dunkel. Ein paar Grillen zirpen leise zwischen den Zelten.

Ich schaue mich um. Eta Carinae ist leider schon hinter den hohen Bergen verschwunden. Omega Centauri ist beeindruckend. Centaurus A ist in der Russentonne mit Staubband zu sehen. Alpha Centauri entpuppt sich als ein schöner Doppelstern.

Vor dem Zelt gegenüber sitzt im Dunkeln jemand hinter seinem Selbstbau-Newton und fragt mich, ob ich ihm sagen könne, was er im Okular habe, denn er kenne sich am Südhimmel noch nicht so aus. Ich schaue hinein. Es ist der Lagunen-Nebel: auf einer Seite eines dunklen Staubstreifens ein Reflexionsnebel mit hellen Sternen, auf der anderen Seite ein dichter Sternhaufen aus nadelfeinen Sternen. Bislang kannte ich diesen Anblick nur von Fotos, hier sieht man den Nebel in Natur, schöner als auf jedem noch so guten Foto, in wundervoller Tiefe und Brillianz. In meiner Russentonne ist dieser Nebel nicht ganz so kontrastreich wie in dem 8-Zoll-Newton, aber alle Sterne sind auch hier nadelfein.

M24 ist prachtvoll zu sehen. Die Sternenfülle ist überwältigend. Der Mars steht im Zenit, in der Russentonne sind selbst im 25er Ortho darauf klar Strukturen erkennbar. M4 steht schön und sanft neben Antares. Der Anblick des Sternbilds Löwe in seiner Rückenlage ist und bleibt ungewohnt. Ich suche und finde M13 im Herkules. Trotz dieses dunklen Himmels hier kann ich M13 mit bloßem Auge nicht sehen, obwohl er recht hoch am Himmel steht. Es ist also nicht nur der dunklere Himmel, der das Erlebnis des Sternenhimmels in den Tropen so phantastisch macht, die Sterne des Südhimmels sind im Vergleich zum Nordhimmel zahlreicher und heller. Und nicht nur die Sterne, auch die Milchstraße mit ihren Dunkelwolken, Sternhaufen und Nebeln ist am Südhimmel viel schöner und imposanter als im Norden.

Doch schon um elf Uhr fallen mir die Augen zu, und ich gehe ins Zelt zum Schlafen. Morgen ist die Sofi!

Der Tag der Sonnenfinsternis

Schon um 6 Uhr ist draußen vor dem Zelt Betrieb. Es ist noch dunkel. Ich öffne das Zelt und linse verschlafen hinaus. Mehrere Leute sind da draußen aktiv und fotografieren. Im Osten wird der Himmel blass, und eine nadelfeine Mondsichel ist zu sehen. Dann steigt die Sonne glutrot vom klaren Horizont in den Himmel empor.

... und unser Camp bei Tage

Zum ersten mal sehe ich die Gegend bei Tag. Unser Camp liegt anscheinend mitten im Busch. Die Zelte stehen zwischen Dornbüschen. Unter jedem Zelt ist der Boden exakt eingeebnet und nivelliert. Der Boden ist hart getrocknet, rostfarben und kreuz und quer von Trockenrissen durchzogen, darüber liegt eine feine Staubschicht. Da muss man mit den Teleskopen aufpassen.

Der erste Gang zur Buschtoilette ist spannend, denn man muss da sein Geschäft ja unter freiem Himmel verrichten und kann nicht wie gewohnt eine Tür hinter sich abschließen. Aber die Konstruktion des stillen Örtchens ist tatsächlich genial. Man sitzt auf einer bequemen weißen Klobrille, über sich den herrlich klaren, blauen Morgenhimmel, um sich dichte, hohe Schilfmatten, ein laues Morgenlüftchen umfächelt den Hintern und ein kleiner Schmetterling kommt zu Besuch. Für die Hygiene ist ebenfalls gesorgt, vor jedem Buschklo ein Dreibein mit einer großen Schüssel voll sauberem Wasser, dazu Seife und Handtuch. Und es gibt genug Buschklos, so dass man hier seine Ruhe hat.

Wir waschen uns vor unserem Zelt und gehen zum Gemeinschaftszelt. Das Frühstücksbuffet ist bereit. Es gibt Toast, Schinken, Eier, Fruchtsäfte, Bratwürstchen, Cornflakes, Milch und Obst. Wir frühstücken mit Appetit und überlegen, von wo wir die Sonnenfinsternis beobachten sollen. Langsam wird es warm.

Als Getränk für den Tag kaufe ich vier Liter Mineralwasser und bringe sie zum Zelt. Dann baue ich darin mein Sonnenfinsternisequipment zusammen. Russentonne mit Baader-Filterfolie und Kamera, 400er Tele mit 2. Kamera, Weitwinkelobjektiv mit 3. Kamera für die automatische Mehrfachbelichtung, Sucher für die Teleobjektive, 4. Kamera zum Fotografieren aus der Hand, sprechende Weckuhr, elektronisches Thermometer, Videokamera für das Mondschattenprojekt, zwei Stative, zwei volle Akkus. 4 Liter Wasser.

Der Beobachtungsplatz, für den ich mich entscheide, liegt abseits vom Camp am Hang über der Ebene des Sambesitals. Viele andere aus der Gruppe bauen ihr Equipment ebenfalls an diesem Platz auf. Von hier wird man das Heranziehen des Mondschattens sicher gut beobachten können. Der Boden ist trocken, es gibt nur ein paar magere Büsche und vertrocknetes Gestrüpp. Einige einheimische Helfer roden für uns Gebüsch, das noch im Wege steht. Sie tun das mit altertümlichen Äxten, deren Axtkopf in ein rundes Loch im Holzstiel eingesetzt ist, wie ich es auch im Museum gesehen habe. Es sind angenehme, aufmerksame und behutsame Menschen, bei denen man sich mit seinen Sachen gut aufgehoben fühlt. Die Arbeit geht ihnen zügig von der Hand.

Nach und nach transportiere ich das Wasser, die Stative, die Kameras, die Russentonne, Objektive, Sucher, Thermometer, sprechende Uhr und Diktiergerät zum Beobachtungsplatz. Es ist gut, dass ich mein Equipment selbst nach Simbabwe transportiert habe, ohne Spedition und Zollformalitäten. Im Camp sehe ich, dass mehrere Astronomen an ihrem mittels Spedition angelieferten Gerät erhebliche Transportschäden haben, denn beim Zoll in Harare wurden viele Geräte sehr dilettantisch auseinandergenommen. Ich kann einigen glücklicherweise mit Werkzeug und Schrauben aushelfen, so dass sie zumindest beobachten können.

Ich baute mein Equipment auf und richtete Russentonne, Sucher und das 400 mm Teleobjektiv miteinander aus. Die Ebene lag im Sonnenschein, der Horizont verschwamm leicht im Mittagsdunst. Über den hohen Bergen im Südosten sah man kleine Thermikwölkchen. Es war fast windstill. Außer uns regte sich nichts. Nur ein verschreckter Grashüpfer suchte Deckung, und ab und zu gaukelte ein grünbunt schillernder Schmetterling vorbei.

Schatten gibt es nicht. Die Temperatur in der Sonne liegt jetzt um die 40°C, aber da die Luft sehr trocken ist, ist diese Temperatur gut auszuhalten, solange zu trinken da ist, und dafür habe ich gesorgt.

So stehen wir und warten. Der Himmel ist blau und kristallklar, die Sonne scheint hell und intensiv und badet das Land in ihrem Licht. Wolfgang hat neben mir sein Equipment fertig aufgebaut und daneben das Stativ mit den drei Videokameras für die Mondschattenaufzeichnung aufgestellt. Seine Wetterstation arbeitet, und der Windmesser dreht sich langsam im schwachen Wind.

Etwas weiter weg liegt auf dem trockenen Boden ein großes, weißes Tischtuch ausgebreitet, mit einer vierten Videokamera, für die Aufzeichnung der fliegenden Schatten. Hinter mir hängt Dietmar tief hinter seinem Refraktor, weil er nur so hindurch sehen kann. Wegen unserer Äquatornähe (wir sind auf 16° Süd) müssen die parallaktisch montierten Geräte so positioniert werden, dass es fürs Beobachten mit langen Tuben doch etwas unbequem ist.

Stefan hat eine abenteuerliche Konstruktion aus einem Refraktor, einem Papprohr und seiner Kamera aufgestellt, um auf diese Weise Erschütterungen durch den Klappspiegel der Kamera vom Fernrohr zu entkoppeln. Gisela hat ihre Russentonne auf einem Manfrotto-Fotostativ montiert. Gebhard hat sein C8 auf der GP-Montierung, huckepack darauf sitzt seine Videokamera. Strom liefert ihm eine Autobatterie, die ihm einer unserer Helfer hergetragen hat.

Man sieht ringsum am Hang zwischen den dürren Büschen eine ganze Palette von kleinen Fernrohren, Montierungen, Teleobjektiven und Stativen. Menschen in gespannter oder gelassener Erwartung.

Weiß und braun. Darüber ein blauer Himmel und eine strahlende Sonne. Der Schweiß tropft von der Stirn. Ein Käfer summt vorbei. Im Busch bellt irgendwo ein Pavian. Und meine sprechende Uhr teilt piepend mit, wie lange es noch bis zur Totalität sein soll.

Und langsam wird es spannend. Gleich muss der 1. Kontakt des Mondes mit dem Sonnenrand passieren. Alle schauen durch ihre Geräte. Die Scheibe der Sonne erscheint im Teleskop rund und schön, mit einer großen Sonnenfleckengruppe. Aber die runde Sonnenscheibe hat rechts oben eine winzige Delle. Der "1. Kontakt!" Es geht los!

Wir stehen und blicken durch unsere Sucher, beobachten, wie sich die schwarze Scheibe des Mondes quälend langsam vor die Sonne schiebt. Um uns herum bleiben Licht und Landschaft anscheinend unverändert. Die Sonne scheint hell vom strahlend blauen Himmel, und ringsum ist alles ruhig und erscheint völlig normal. Mein digitales Thermometer zeigt 44,7°C. Es ist warm und fast windstill, und mein Schweiß tropft auf den trockenen Boden. Und doch, das Licht über dem Land ist ein bißchen matter geworden. Durch die Finsternisbrille sieht man, dass bereits 1/6 der Sonne hinter dem Mond verschwunden ist.

Wir fotografieren in regelmäßigen Abständen, wandern zwischendurch ein bißchen herum, schauen, fragen, wie´s geht. Die Stimmung ist entspannt, denn alles läuft so ab wie wir es insgeheim erhofft und erträumt haben. Meine Uhr macht „Piep Piep, Noch eine Stunde!" Nach und nach verdeckt der Mond ganz allmählich einen Sonnenflecken nach dem anderen. Die Sonne erscheint im Fernrohr und im Teleobjektiv mehr und mehr als breite Sichel. Die Temperaturanzeige fällt auf 38°C.

Mit dem bloßen Auge ist an der Sonne keine Veränderung zu sehen, aber langsam wird das Licht merklich fade und verliert an Kraft. Der Himmel wird düster und die Farben der Landschaft werden matter. Mit bloßem Auge erscheint die Sonne noch immer hell und voll. Ich schaue durch die Finsternisbrille: nun sind über 60% der Sonne vom Mond verdeckt. Das Licht wirkt immer kraftloser. Grillen beginnen zu zirpen. Es ist gleich drei Uhr. „Piep, Piep, noch 20 Minuten!", sagt meine Uhr.

Die Landschaft liegt in einem ungesunden, düsteren Licht um uns, die Farben leuchten nicht mehr, und die scharfen Schatten werden dunkel. Es ist merklich kühler geworden. Im Sucher sind jetzt 90% der Sonne vom Mond verdeckt. Die helle Sichel wird – langsam - immer dünner. Die Spannung steigt.

Ich schaue durch den Kamerasucher der Russentonne. Die Sichel ist nun ganz dünn, wird zu einem fadendünnen Bogen aus Licht. Und nun erst kann man mit bloßem Auge am Himmel sehen, was da oben geschieht. Aus dem noch immer gleißenden Lichtball der Sonne bricht unvermittelt die Schwärze des Mondes hervor und drängt das Licht der Sonne aus dem Himmel. Aber noch scheint ein letzter Sonnenstrahl hell und scharf neben dem Mond vorbei. Ich schaue in den Sucher, da streben die Enden der hauchdünnen Sonnensichel rasch aufeinander zu und verschmelzen zu einem hellen Lichtfunken. Ich reiße die Sonnenfilterfolie von der Russentonne herunter und sehe im Sucher der Kamera unvermittelt klare, lachsrote Protuberanzen um die schwarze Scheibe des Mondes aufleuchten. Der Anblick nimmt mich völlig gefangen. Und dann schaue ich mich um.

Das Land liegt ringsum in fahler, kupferbrauner Düsternis. Der Himmel über mir ist tief und nachtblau. Hinter dem fernen Horizont ringsum ist mattes, gelbliches Licht. Das Licht der Sonne ist aus dem Himmel verschwunden. Die Sonne ist schwarz, und um die Sonne erscheint zunächst dünn und schwach, dann heller, zunehmend breiter und immer kraftvoller, eine zarte, in langen geraden Flammen ausgezogene Korona. Diese Korona ist zart und strahlend, dringt immer weiter in die Wahrnehmung, dehnt sich immer weiter aus. Ihr Licht ist von zarter, lichter Wärme, ganz anders als die betörende zarte Kühle, die ich bei der Korona der Sonnenfinsternis vom August 1999 erlebt habe. Links unterhalb der schwarzen Sonne leuchtet ein rötlicher Stern auf. Das muss Jupiter sein.

Ich fotografiere durch die Russentonne, schaue und begreife, dass das von mir programmierte Timing der automatischen Mehrfachbelichtung der Kamera für die Verlaufsaufnahme keine Aufnahme während der Totalität zulassen wird. Die Finsternis hat ja früher begonnen als von mir erwartet. Ich versuche, die automatische Mehrfachbelichtungssequenz an der Kamera abzubrechen, um manuell eine Aufnahme zu machen, aber es ist so dunkel, dass ich die Skalen und Displays der Kamera nicht mehr sehen kann. Zu allem Überfluß verrutscht die Kamera auch noch auf dem Hama-Stativkopf. Damit ist die Verlaufsaufnahme endgültig im Eimer.

Aber das ist nicht wichtig. Die Stimmung ist zu faszinierend, um sich mit so technischem Ärger aufzuhalten. Am dunkelblauen Himmel leuchtet die Korona in langen, geraden Streamern, die fast zehn Sonnendurchmesser erreichen. Und jetzt wird erkennbar, dass die Korona eine dreidimensionale Struktur hat und die Sonne ringsum von diesen Streamern eingehüllt ist.

Ich schaue in den Kamerasucher der Russentonne, es sind schöne Protuberanzen zu sehen, aber der Anblick der Korona mit bloßem Auge fesselt mich mehr. Mit dem Getriebekopf und dem Sucherfernrohr lässt sich die verfinsterte Sonne gut im Gesichtsfeld halten. Ich mache mehrere Aufnahmen, bis sich am oberen Rand der schwarzen Scheibe eine Aufhellung der Korona andeutet. Für eine Sekunde leuchtet beim Blick durch die Russentonne die Chromosphäre auf. Dann bricht ein gleißender Lichtfunke hinter der schwarzen Scheibe am Himmel hervor. Schlagartig wird es heller. Der Dritte Kontakt! Augenblicklich verschwindet die Korona in der aufkeimenden Lichtfülle der zurückkehrenden Sonne.

Ringsum Jubeln, Lachen und Händeklatschen. Plötzlich nehme ich all die anderen wieder wahr. Ich bin so mit Schauen beschäftigt, dass ich nichts herausbringe. Durch das Wissen der Astronomen über das, was heute passieren würde, waren wir zur rechten Zeit am rechten Ort, und wir waren bereit, das zu sehen, was wir zu sehen hofften, und wir haben es gesehen. Und das ist eigentlich ein Wunder des menschlichen Geistes, und ein Wunder der Natur.

Die Filterfolien mussten nun wieder vor die Objektive. Die Sonnensichel wuchs rasch und wurde langsam breiter. Schon war die Sichelform der Sonne mit bloßem Auge und ohne Finsternisbrille bereits nicht mehr erkennbar, so hell war sie geworden. Wir machten weiter regelmäßig unsere Aufnahmen der abnehmenden Verfinsterung, entspannt und zufrieden. Es wurde allmählich heller, und der Himmel wurde wieder licht und blau.

Nach dem 4. Kontakt bauten wir nach und nach unser Equipment ab und trugen es ins Camp zurück. Dort war die Stimmung fröhlich, denn die Beobachtungsbedingungen waren dort auch gut gewesen.

Die Sonnenfinsternis-Bilder

Der weitere Tag

Zur Feier des Tages gönnte ich mir eine Buschdusche. Davon waren im Camp mehrere aufgebaut. Die Buschdusche bestand aus hohen Schilfmatten, die um eine 1m² große Fläche aufgestellt waren. Der Boden der Buschdusche war mit großen, flachen Steinen ausgekleidet. Darüber hing an einem Galgen von oben ein 15 l fassender Zinkeimer mit einem Duschkopf darunter, man drehte am Duschkopf einen altmodischen Wasserhahn auf, und wunderbar warmes Wasser spülte den Schweiß und den Staub des Tages ab. Über sich hatte man den klaren, blauen Himmel, und um sich die klare Wärme des Tages, und die Klänge der guten Laune, die das Camp erfüllte. Eine köstliche Erfrischung.Im Gemeinschaftszelt überspielten wir unsere Videoaufzeichnungen auf den Rekorder von Dr. Strickling, dann gab es erst mal was zu essen und was zu trinken. Gegen Abend gab es dann ein Fest mit örtlicher Folklore, ich stahl mich aber davon, schnappte mir meine Russentonne, und meine OM2, um in aller Ruhe unter dem dunklen Himmel zu beobachten und zu fotografieren.

Kurz nach Sonnenuntergang stand eine nadelfeine Mondsichel am Abendhimmel. Wann hat man das schon mal erlebt: Morgens eine nadelfeine Mondsichel vor Sonnenaufgang, dann eine totale Sonnenfinsternis, und dann eine nadelfeine Mondsichel nach Sonnenuntergang!?Gebhard kam mit seinem C8 dazu, und wir beobachteten gemeinsam. Vom Gemeinschaftszelt drangen leise Trommeln, Jubel, Tanzen und Gesang zu uns herüber. Die Stimmung dort war bestens. Wir hingegen genossen ein schönes Zodiakallicht und die Pracht des Südhimmels, Omega Centauri, M4, das Schatzkästlein, M24, M17. Sahen offene Sternhaufen im Skorpion und den Mars im Zenit. Wir konnten uns lange nicht losreißen, schauten, erzählten, schwiegen, verglichen den Anblick der Himmelsobjekte in unseren beiden Teleskopen, nahmen diese letzte afrikanische Nacht in uns auf, als unauslöschliche Erinnerung.

Im Camp kehrte schon etwas Ruhe ein, als wir in unser Zelt zurück gingen. Ringsum in der Nacht brannten die Wachtfeuer, Funken stiegen lautlos in den klaren Sternenhimmel. Grillen zirpten, und vom Gemeinschaftszelt hörte man Lachen und die letzten Lieder.

Am Morgen packten wir nach dem Frühstück unsere Koffer. Da die Busse noch nicht da waren und somit noch etwas Zeit bis zur Abfahrt war, schlenderte ich mit einigen aus dem Camp noch einmal zu unserem Beobachtungsplatz der Sonnenfinsternis zurück. Fast nichts erinnerte dort mehr an das gestrige Ereignis. Das buschbestandene Hang lag still und verlassen unter der klaren Sonne. Die Erde war trocken und rostfarben, mit kleinen Brocken aus verwittertem Gneis und Quarz durchsetzt.

Glimmerblättchen blitzten auf Gneisbrocken im Sonnenlicht, und Quarzsteine schimmerten wie Marmor. Kein Blatt rührte sich. Ich sammelte ein paar Früchte vom ausgetrockneten Boden, beobachtete grünschillernde Schmetterlinge, hurtige schwarze Klopfkäfer, die an dem Fangbein einer Gottesanbeterin knabberten, und sandfarbene Grashüpfer. Die Grashüpfer waren durch ihre Färbung so gut getarnt, dass sie auf dem kargen Boden nicht zu erkennen waren, wenn sie sich nicht bewegten. Irgendwo in der Nähe bellte ein Pavian im Busch, offensichtlich der Wachtposten einer Horde. Wir versuchten sie im Gebüsch zu finden, aber die Affen zogen sich daraufhin so geschickt und schnell zurück, dass wir nichts mehr von ihnen zu sehen bekamen.

Im harten, rostfarbenen Boden sah ich hier und da kleine Trichter, knapp 2 cm breit, die am Grund mit puderfeinem rostfarbenen Staub gefüllt waren. Erst nach einer Weile kam ich dahinter, dass das Fangtrichter von Ameisenlöwen waren. Piekste man mit einem Grashalm in den Staub am Trichtergrund, kam der in wallende Bewegung, und der Ameisenlöwe reckte daraus drohend seine gekrümmten Beißzangen in die Luft. Wie gut die Falle praktisch funktioniert, ließ sich nicht ausprobieren, denn nirgendwo war eine Ameise zu sehen. Ich betrachteten mir die Dornbüsche etwas näher. Sie hatten kleine, grüne Blättchen, von denen jedes einen winzigen, nadelscharfen, krummen Haken an der Stengelbasis hatte, während von dem Zweig kräftige, lange, nadelscharfe Dornen in alle Richtungen ragten, so dass es nicht möglich war, einen Zweig abzubrechen oder abzuschneiden, ohne sich dabei zu stechen. Daher konnte ich keinen als Andenken mitnehmen.

Als wir ins Camp zurück kamen, wurde bereits das Gepäck an den Zelten eingesammelt und zum Gemeinschaftszelt gebracht. Einige Zelte waren auch schon abgebaut, und die Schaumstoffmatratzen wurden am Weg gestapelt.

Die Busse waren eben angekommen. Einer unserer Helfer trug meinen Koffer zum Bus. Ich gab ihm einen US-Dollar Trinkgeld, um ihm eine Freude zu machen, aber er hatte wohl noch nie einen US-Dollar gesehen und schaute sich den Schein verwundert und etwas ratlos an.

Die Gruppe versammelte sich nun zum letzten Mal unter dem alten Baum vor dem Gemeinschaftszelt, und es wurden Erinnerungsfotos gemacht. Willem van der Linde schlug vor, alle sollten ihre Kameras auf der Kühlerhaube seines Geländewagens ablegen, er würde mit jeder Kamera ein Foto machen, so dass die Eigentümer der Kameras alle auf den Fotos wären. Das klappte hervorragend, und so kamen wir alle zusammen auf die Bilder.

Dann hieß es Abschied von diesem Ort nehmen. Nicht ohne etwas Wehmut stiegen wir in unseren Elefantenbus, John begrüßte uns darin munter, was ja schon ein Trost war, warf grinsend den Motor an, und schon schaukelten wir über den holprigen, staubigen Weg zurück zu der Straße in die Berge.

Nachdem wir auf die Straße eingebogen waren, fuhren wir zunächst in langen Serpentinen aufwärts. Je höher wir kamen, desto mehr weitete sich der Ausblick über das Sambesital, man sah nun ausgedehnte Farmen in der dunstigen Ebene, während direkt neben uns die steilen, von Regenfluten zerklüfteten Hänge des Sambesi-Escarpemants aufragten. Nach einer Stunde bog die Straße vom Talhang ab und zog sich nun in vielen Windungen durch ein hügeliges, trockenes Bergland. Man sah ab und zu ein paar strohgedeckte Rundhütten, vor denen auf offenem Feuer gekocht wurde, winzige Felder, abgeerntet, trocken und staubig. Schulkinder, die von der Schule kamen und barfuß am Straßenrand unterwegs waren, winkten uns fröhlich zu, lachten und gaben uns durch kecke Gesten zu verstehen, dass sie von uns Finsternisbrillen haben wollten. Wir warfen ihnen gerne welche zu, und sie freuten sich sichtlich.

Nach einiger Zeit hielten die Busse bei einer Hütte, die etwas abseits eines kleinen Dorfes an der Straße stand. Es war eine kleine Hütte aus Lehm, weiß gekälkt, rechteckig, mit einigen mageren Bäumen und zögerlich scharrenden Hühnern darum, daneben eine zierliche, ernste und sehr aufmerksame schwarze Großmutter mit ihrem kleinen, neugierigen Enkel auf dem Arm. Die Erde in ihrem Garten war grau und trocken. Sie baute dort Kartoffeln, Zwiebeln und Kohl an. Auf einem kleinen Feuer neben dem Haus stand ein Kessel, aus dem es dampfte.

Als aus dem Dorf eine Schar aufgeregter schwarzer Kinder angelaufen kamen, um diese Sensation der anhaltenden Touristenbussen nicht zu verpassen, waren wir schon in unsere Busse gestiegen und fuhren weiter. Es lag noch ein weiter Weg vor uns.

Das Land senkte sich etwas. Die Felder am Straßenrand wurden größer. Ab und zu sah man nun größere Farmgebäude schön unter hohen Laubbäumen liegen. Wir überholten einen Traktor, auf dessen Anhänger eine Schar junger Landarbeiterinnen saß, die uns fröhlich und mit blitzenden Augen zuwinkten. Es ist schon erstaunlich, wie freundlich und fröhlich die Menschen in diesem Land trotz ihrer mißlichen Lage sind. Sie müssen trotz aller materiellen Armut und Perspektivlosigkeit über eine große innere Kraft verfügen, um so herzlich und offen lachen zu können.

Schulkinder tragen in Zimbabwe eine grüne Schuluniform

Am Nachmittag kamen wir in Harare an. Am Sheraton-Hotel stiegen wir aus den Bussen und gingen mit unserem Gepäck in die Vorhalle. Diesmal war es hier ruhiger, keine wilde Begrüßung und kein Pianist spielte. Wir ließen uns auf die Sessel im Foyer nieder, ließen die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren. Die Zimmer waren noch nicht fertig, auf Kosten des Hotels gab es für uns Kaffee. Einer aus der Gruppe zog mit verschwörerischer Miene eine Aluminiumflasche aus dem Koffer und schenkte daraus jedem ein Gläschen ein. Es war köstlichster, selbstgebrannter Obstler, der einem duftend und warm die Kehle herunter rann, dass es eine Wohltat war. Frank Lau bekam auch einen und kippte ihn weltmännisch hinunter.

Die Zimmer waren noch nicht ganz fertig, als wir hinkamen, aber das Personal strahlte und wirbelte, um alles für uns schön zu machen. Unter uns lag die Stadt mit ihren Baustellen und ihrem Getriebe, und darüber ein blauer Himmel, an dem Tauben ihre Kreise zogen. Wir machten unsere letzten Fotos und packten die Kameras ein.Ich versuchte, im Hotel Briefmarken zu bekommen, aber man sagte mir, dass die Postbeamten noch immer im Streik seien und man keine Briefmarken kaufen könne. Möglicherweise könnte ich auf dem Flugplatz noch welche bekommen. Hoffentlich klappt das.

Ich schaute mich in dem Shop noch nach einem hübschen Andenken um, fand aber nichts, was ich hätte kaufen mögen. Es gab nichts Hübsches oder Praktisches, das einen Bezug zu dem Land und den Menschen hatte, viele der angebotenen Souveniers waren aus Fernost importiert.

Abends ging ich mit Gebhard noch mal ins Restaurant, wir aßen gebratenes Antilopensteak mit Kartoffeln und Gemüse, und tranken einige Sambesis. Danach gingen wir noch in die Hotelbar, wo wir mehrere Mitglieder unserer Reisegruppe trafen. Eine schwarze Band spielte routiniert internationale Schlager. Sie spielten technisch perfekt, aber ich hatte den Eindruck, dass sie diese Musik nicht wirklich mochten. Schade, dass es in der Bar keine afrikanischen Klänge zu hören gab. Wegen der Musik konnten wir uns nicht gut miteinander unterhalten, so dass wir nach einigen Zambesis (die schwarzen Musiker bekamen auch welche) und einem letzten Gläschen Amarula in unsere Zimmer gingen.

Markt in Harare - und so kommt man hin!

Flug nach Hause mit Zwischenstopp in Johannesburg

Morgens stiegen wir nach dem Frühstück zum letzten Mal in die Busse und fuhren zum Flughafen. Wir verabschiedeten uns dort von John, und Arno gab ihm einen Umschlag mit dem Trinkgeld von der Elefantengruppe. Während die anderen mit dem Gepäck in der Abfertigungshalle warteten, machte ich mich auf die Suche nach dem Postamt. Ich fand es im alten Terminal des Flughafens. Auf meine Frage nach Briefmarken musterte mich der Schalterbeamte mit einem prüfenden Blick, dann drehte er sich um und holte einen Ordner mit Sonderbriefmarken der Sonnenfinsternis hervor. Er hatte wohl an meiner Kappe erkannt, dass ich wegen der Sonnenfinsternis im Land war. Die Briefmarken waren schön und sehr passend: Endlich konnte ich meine an den verschiedenen Orten unserer Reise geschriebenen Ansichtskarten in den Briefkasten werfen.

In einem Shop versuchte ich meine letzten Simbabwe-Dollar loszuwerden, da nur die Ausfuhr von 165 Simbabwe-Dollar erlaubt ist (Gegenwert ca. 3 DM). Aber auch hier war das Problem, etwas halbwegs Schönes und zugleich Praktisches zu finden. Schließlich fand ich ein kleines Lesezeichen mit dem Wahrzeichen von Simbabwe, dem Vogel aus dem Museum von Great Simbabwe, in Zinkdruckguss.

Wilhelm van der Linde war zum Abschied gekommen und schüttelte jedem die Hand. Er gab auch mir die Hand und dankte mir, dass ich nach Simbabwe gekommen war. Ich antwortete ihm „ I have to thank you!" Denn nicht zuletzt durch seine Arbeit und sein Engagement war die Reise für die Teilnehmer ein gelungenes Erlebnis geworden.

In der Abfertigungshalle kam ich mit einer kleinen, älteren Afrikanerin ins Gespräch, die unterwegs zu Verwandten in Tanzania war. Ich erzählte ihr, dass wir die Sonnenfinsternis beobachtet hätten. Sie wollte von mir wissen, ob eine Sonnenfinsternis nicht doch irgendwelche schädlichen Einflüsse hätte, ich solle nicht meinen, dass sie rückständig sei, aber in der Bevölkerung sei die Vorstellung weit verbreitet, dass Sonnenfinsternisse Krankheit und Wahnsinn verursachen könne, und sie wolle von berufenem Mund eine qualifizierte Auskunft.

Ich versicherte ihr, dass früher in Europa ähnliche Vorstellungen geherrscht hätten, dass sich aber mittlerweile aber erwiesen habe, dass alle derartigen Befürchtungen bezüglich der Sonnenfinsternis völlig grundlos seien. Das erleichterte sie sichtlich. Sie wollte auch wissen, ob mit unserer Reise alles gut verlaufen sei, denn die politische Situation im Lande habe dem Tourismus und damit dem Land schwersten Schaden zugefügt. Unsere Reise habe vielen im Lande Ermutigung und Hoffnung auf bessere Zeiten gebracht. Alle wünschten sich eine weitere Besserung der Situation im Lande nach den Neuwahlen im kommenden März, die hoffentlich einen neuen Präsidenten und eine vernünftige, verantwortungsvoll handelnde Führung bringen würden. „We have gone through so many hardships, and we nearly could not make it." sagte sie sehr leise, mit bekümmertem Gesicht.

Ich konnte ihr versichern, dass wir auf unserer Reise nur gute Erfahrungen gemacht hatten und das Land und die Herzlichkeit seiner Menschen eines sehr guten Eindruck hinterlassen haben. „Go to your country and tell your people to visit Simbabwe!" bat sie mich eindringlich beim Abschied. Ich wünschte ihr von Herzen bessere Zeiten und einen glücklichen Ausgang der Präsidentschaftswahl für ihr Land. Und ich dachte dabei, wie wenig ich trotz all meiner Vorbereitung über dieses Land und die Probleme seiner Menschen weiß.

Wir flogen mit einer 747 der South African Airlines nach Johannesburg. Ich hatte glücklicherweise wieder einen Fensterplatz, konnte das Land unter mir beobachten und dabei die zuverlässige, professionelle Freundlichkeit der Crew genießen. Wir flogen über den Limpopo nach Süden, ab und zu machte uns der Captain aus dem Cockpit über die Lautsprecheranlage auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam, die wir überflogen.

Das Land unter uns war trocken und bräunlich, Felder, Straßen, Eisenbahnlinien, kleine Flussläufe, Stauseen und niedrige Bergketten mit kleinen Wolken darüber zogen unter und vorbei. Stellenweise verdeckten Dunst und dem Qualm brennender Stoppelfelder das Land. Bergwerkshalden lagen als helle Flecken auffällig unter uns in der Landschaft. In der Nähe einer größeren Stadt überflogen wir einen stillgelegten Tagebau, ein mächtiges, rundes, trichterförmiges Loch, das in seinem unteren Bereich abrupt in senkrecht abfallende Felswände überging, zwischen denen ein dunkler, stiller See zu uns heraufblitzte. Allmählich nahm die Bewölkung zu, so dass man vom Land nicht mehr viel sehen konnte. Wir sanken tiefer. Der Pilot bedankte sich im Namen seiner Crew bei den Passagieren, dass sie mitgeflogen waren, sagte, dass das Wetter in Johannesburg gut sei, und wünschte allen eine gute Weiterreise. Dann setze das Flugzeug auf der Startbahn auf. Der Flugplatz in Johannesburg hatte uns wieder.

Da noch Zeit bis zum Weiterflug war, besuchte ich die Einkaufszone im Flughafen. Hier sah ich Armbänder, wie ich sie in Bulawayo bekommen hatte, zu einem Viertel des Preises, den sie mich gekostet hatten. Ich besorgte mir einige südafrikanische Rand, um damit südafrikanische Zeitungen zu kaufen. Dann ging es mit dem Bus zu unserer Maschine nach Frankfurt. Der Abflug der Maschine verzögerte sich allerdings noch, weil sich die Security beim Zählen der Passagiere verzählt hatte. Erst als das geklärt war, hoben wir endlich in den nächtlichen Himmel über Afrika ab, und die Lichter Johannesburgs versanken hinter uns. Bald war unter uns nur noch Schwärze zu sehen.

Wir übten uns in der Vervollkommnung unserer Fähigkeiten, im Flugzeug unter den beengten Verhältnissen der Economy-Klasse ein leckeres Mahl einzunehmen, zu dem uns ein hervorragender südafrikanischer Rotwein gereicht wurde. Ich lehnte mich in meinen Sitz zurück, ließ die Stationen der Reise in Gedanken an mir vorüberziehen und fragte mich, welche Eindrücke wohl am meisten haften bleiben würden. Und nickte ein bißchen ein.

Über dem Kongo erlebten wir wieder heftigste Turbulenzen. Ich saß gerade auf der Flugzeugtoilette, als der Sitz unter mir wegzusacken schien und ich sekundenlang das unbestimmte und beunruhigende Empfinden hatte, zu schweben. Ich stemmte mich gegen die Toilettenwand und begriff dabei, warum die Toiletten auf Flugzeugen so eng konstruiert werden. So hing ich in der Luft, und dann hatte der Klositz mich wieder, und es ging rasant aufwärts: Achterbahnfahren im Jumbojet. Dennoch kam ich ganz heil und erleichtert an meinen Platz zurück.

Als der Morgen graute, flogen wir über der Adria längs der italienischen Ostküste nach Norden. Bald kamen die Alpen in Sicht. Wir überflogen die in der Morgendämmerung liegenden, schneebedeckten Berge, die oberbayerischen Seen, die Felder im Alpenvorland und die Donau. Der Flug ging tiefer. Bald sah ich unter uns den Main, und dann die Berge des Spessarts. Wir überflogen den Rhein oberhalb von Biblis, dann sanken wir in einer weit gezogenen Rechtskurve tiefer und setzten auf dem Frankfurter Flughafen auf.

Nun hieß es Abschied nehmen. Hände wurden geschüttelt. Umarmungen. Suchen nach Freunden, von denen man sich verabschieden wollte. Winken. Rufen.

Dann finde ich meinen Koffer. Letzte Abschiede. Dann geht es zum Bahnhof. In den Zug. Den Rhein entlang Richtung Köln. Ich lese in meinem Tagebuch. Draußen scheint die Sonne, und die Rheinlandschaft zieht vorbei.

Umsteigen in Köln. Die grauen Tauben sind noch immer da. Dann geht es nach Aachen. Als ich dort aussteige, fliegt mir meine Frau in die Arme. So eine lange Reise, so viele Eindrücke, und ich bin wieder daheim.

nach oben

Anzeige

Werbung - Polaris-Tours