Genauere Kometenhelligkeiten mit kalibrierter Beyer-Methode

Hans Zekl / Juni 2017

Der deutsche Amateurastronom Max Beyer (1894 – 1982) war über vier Jahrzehnte einer der führenden visuellen Kometenbeobachter. Zum Schätzen der Kometenhelligkeiten erschuf er die nach ihm benannte und leicht anwendbare Beyer-Methode. Allerdings wird sie seit geraumer Zeit aufgrund zu großer Ungenauigkeiten nicht mehr empfohlen. Doch schon 1992 stellte Ignacio Ferrin von der Universidad de los Andes eine Verbesserung des Verfahren vor, die aber bislang nur wenig Beachtung fand.

Die am meisten verwendeten Methoden zum Bestimmen der Helligkeit eines Kometen sind die von Sidgwick, Bobrovnikoff und Morris. Dagegen wird das von Max Beyer entwickelte Verfahren nicht mehr empfohlen. Die Beyer-Methode beruht darauf, den Kometen und einen Vergleichsstern solange zu defokussieren, bis beide im Hintergrund verschwinden. Geschieht, das bei derselben Stellung des Okularauszugs, ist der Komet genauso hell wie der Vergleichsstern. Leider hat Beyer keine Angaben veröffentlicht, wie sein Verfahren genau anzuwenden ist. In seinen vorliegenden Veröffentlichungen kommt auch der Begriff „Kalibrationskurve“ nicht vor, der den Kernpunkt der verbesserten Methode bildet.

Mit dieser quantifizierten Beyer-Methode (QBM) lassen sich nach Ignacio Ferrin die Fehler der Helligkeitsbestimmung auf 0,05 – 0,02 mag verringern. Grundlage der Verbesserung ist eine genaue Kalibration.

Ebenso wie bei der ursprünglichen Beyer-Methode wird auch bei der QBM der Punkt bestimmt, bei dem ein immer stärker defokussierter Stern mit dem Himmelshintergrund verschwimmt. Dazu wird der Grad der Defokussierung mittels einer Skala am Auszug des Teleskops gemessen. Die Einheiten dafür sind beliebig. Sie müssen nur eine detaillierte Messung erlauben.

Ferrin testete das Verfahren mit den Plejaden. Es zeigte sich, dass die Messpunkte in einem Diagramm, in dem die Sternhelligkeiten gegen den Logarithmus der Skalenwerte aufgetragen wurden, sich auf einer geraden Linie befanden. Die Streuung betrug nur 0,19 mag. Selbst wenn sich die Beobachtungsbedingungen von Nacht zu Nacht ändern, bleibt die Steigung der Geraden unverändert. Nur die vertikale Position verschiebt sich. Die Kurve gilt über 5 Größenklassen.

Ferrin hebt verschiedenen Vorteile seines Verfahrens gegenüber anderen Methoden hervor. So muss der Beobachter sich nichts in Erinnerung behalten. Außerdem lässt die Kalibrationskurve durch die Verwendung von mehr Sternen verbessern. Solange der Himmelshintergrund gleich ist, dürfen die Vergleichssterne vom Kometen auch weiter entfernt sein. Mit der Kalibrationskurve können auch hellere Kometen vermessen werden, selbst wenn sich keine vergleichbar hellen Sterne in der Nähe befinden.

Offenbar gab es bislang keine größeren Bemühungen, die QBM einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Deshalb rief der Autor kürzlich in einer Diskussion auf der Comets Mailing List im Internet dazu auf, dies nachzuholen.

Quellen:

Ferrin, I.: Quantized Beyer's Method (1992)
aspbooks.org/publications/33/123.pdf

Visual Magnitude-Estimation Methods for Comets
www.icq.eps.harvard.edu/ICQMM.html

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