7. Gefahr aus dem All

3/4 der Erdoberfläche besteht aus Wasser, so dass nur ein geringer Teil der Meteoroiden auf die feste Erdoberfläche fällt. Weite Teile der Erde sind unbesiedelt, bestehen aus Urwald, Wüsten, Eiswüsten, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Meteoritenaufpralls auf besiedeltes Gebiet gering ist.

Es gibt einige wenige Berichte, welche von Schäden handeln, die durch Meteorite verursacht wurden. Zu ernsthaftem Schaden kam bisher (außer dem unbestätigten Todesfall eines Hundes) niemand.

Das letzte bekannte Opfer eines Meteoritenfalls war ein älterer Chevrolet Malibu im Staat New York in USA 1992. Zuerst glaubte man an die mutwillige Zerstörung des KFZ bis man unter dem Auto einen 12,5 kg schweren Meteoriten fand.

7.1 Aufprall eines Meteroiten mit ca. 10km Durchmesser

Was geschieht, wenn ein Meteoroid mit einem Durchmesser von ca. 10 km und über 100 to Gewicht auf die Erde zurast: Unsere Atmosphäre bietet in einem solchen Fall keinen Schutz. Sie ist zu dünn, um den Meteoroiden wirkungsvoll abzubremsen. Das Geschoss durchfliegt die Atmosphäre und rast mit etwa 25 km in der Sekunde auf die Erdoberfläche (das ist 70fache Schallgeschwindigkeit).

Dabei wird die Atmosphäre auf 30.000 Grad angeheizt. Die Moleküle um den Meteoroiden werden ionisiert und leuchten, der ganze Koloss ist in gleissendes Licht getaucht.

Da der überwiegende Teil der Erdoberfläche aus Wasser besteht, ist die Wahrscheinlichkeit gross, daß der Meteoroid in einen Ozean fällt. Die Stosswellen um den Meteoroiden heizen das Wasser auf, es beginnt augenblicklich zu kochen und Tausende von Kubikmeter verdampfen in Sekundenschnelle.

Der Meteoroid selbst wird von seinen eigenen Stosswellen durchwalkt, er bricht auseinander. Billionen Tonnen Meereswasser, Meteoritenmaterial, Wasser, alles wird in einer Stosswelle gen Himmel gejagt. Die Schockwelle überstreift innerhalb von Minuten den gesamten Umkreis des Ereignisses und walzt jegliche Erhebung platt.

Die Atmosphäre wird durch die gewaltigen Energien aufgeheizt, es entstehen Wirbelstürme und Tsunamis mit Wellen über mehrere hundert Meter. Salzwasser überspült alle angrenzenden Landstriche und macht den Boden auf Jahre hinaus unfruchtbar. Die gewaltige Sogwirkung im Meer fördert wie in einem Kreislauf das kalte, tiefe Meerwasser nach oben und die warmen, oberen Schichten nach unten. Meerestiere wie Fische, Korallenstöcke, Muscheln und Krebse überleben diesen Kälteschock nicht.

Wenn in den folgenden Wochen und Monaten der Staub in der Atmosphäre sich über den gesamten Globus verteilt hat, wird die Erde für eine lange Zeit auf die Sonne verzichten müssen. Die Nahrungskette kommt zum Erliegen, da den Pflanzen die Grundlage für ihre Photosymbiose entzogen ist.

Russ, Stickoxidsmog und Wasser vermischen sich, es entsteht ein "saurer Regen" wie nach eine Atombombenexplosion. Da das Sonnenlicht nicht mehr zur Erdoberfläche durchdringt herrscht finstere Nacht. Die Erde kühlt ab und bald fällt Schnee.

Lediglich kleinere Tiere, welche sich in Höhlen versteckt halten und über einige Nahrungsreserven verfügen, können diese Hölle überleben. Grössere Tiere finden bald keine Nahrung mehr und gehen ein.

Erst nach einigen Jahren wird sich die Situation bessern. Staub und Russ sind aus der Atmosphäre ausgewaschen und ab und zu scheint wieder die Sonne. Allerdings könnte es passieren, dass die einfallende Sonnenenergie durch starke Wolkenbildung nicht ungehindert ins Weltall abgestrahlt werden kann, der Treibhauseffekt bewirkt ein schwüles, warmes Klima. Leben wird wieder entstehen, allerdings in total modifizierter und veränderter Form.

7.2 Was geschah mit den Dinosauriern?

Glaubt man den Geowissenschaftlern, dann hat sich vor ca. 65 Millionen Jahren auf der Erde etwas Aussergewöhnliches ereignet. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne starben ¾ aller Lebewesen, darunter die Dinosaurier, welche 145 Millionen Jahre die Erde bevölkert und beherrscht hatten. Dieses weltweite Sterben geschah innerhalb kürzester Zeit und ist nicht auf irgendwelche Degenerationserscheinungen zurückzuführen.

Viele Theorien wurden geboren und wieder verworfen. Heute glaubt man an eine weltweite Klimakatastrophe, welche die Nahrungsgrundlage der Lebewesen vernichtete und sie so zum Sterben verurteilte. Wie und wodurch diese Klimakatastrophe entstand, war lange Zeit ein Rätsel.

Die Theorie vom Aufprall eines kosmischen Körpers mit riesigen Ausmassen führt die jahrelange Konzentration an Staub in der Atmosphäre als Grund für das Sauriersterben an. Das klingt alles sehr einleuchtend, war aber lange Zeit nicht beweisbar.

1978 untersuchte der amerikanische Geologe Alvarez in den italienischen Bergen die geologischen Schichten. Er fand dabei eine schmale, nur wenige Zentimeter breite Lehmschicht, welche sich zwischen Kreidezeit und Tertiär befand, also 65 Millionen Jahre alt war. Alvarez brachte Proben dieser seltsamen Lehmschicht zu seinem Vater, einem Astrophysiker und Nobelpreisträger. Dieser erahnte die Bedeutung des Fundes und liess die Probe sofort analysieren.

Man fand in der unscheinbaren Lehmschicht das Edelmetall Iridium, ein untrügliches Zeichen für einen Meteoritenabsturz. Iridium kommt in der Erdkruste sehr selten vor. Es hat sich in der Frühzeit der Erde mit Eisen verbunden und ist mit ihm in den Kern der Erde gewandert.

Eine tausendfach höhere Konzentration von Iridium in der Lehmschicht kann nur bedeuten, daß ein Meteorit auf die Erde gefallen war und für Überschwemmungen riesigen Ausmasses gesorgt hat. Dies bewahrheitete sich auch, als man weltweit nach der Lehmschicht suchte und sie in über 100 Bohrungen vorfand.

Ein weiteres Indiz für die Meteoritentheorie entdeckte der amerikanische Geologe Bohar. Aus der Lehmschicht analysierte er Quarzsandkörnchen mit mikroskopisch kleinen, parallelen Bruchlinien. Sie entstehen ausschliesslich bei extremen Schockwellen. Und eine extremere Schockwelle wie der Aufprall eines hundert Tonnen schweren Meteoriten auf die Erde kann man sich vorerst nicht vorstellen.

Ausserdem fanden die Wissenschaftler in der Zwischenschicht sog. Tektide. Darunter versteht man Glaskügelchen, welche bei extremer Hitze aufgeschmolzen und geformt werden.

Kein Wunder, dass man nach diesen Erkenntnissen eifrig nach einem Krater mit den entsprechenden Ausmassen auf der Erde suchte. 100 bis 150 km Durchmesser sollte er schon haben und das Alter von ca. 65 Mio. Jahre musste auch entsprechen. Erfolgversprechendster Impaktkrater ist der Chicxulub-Krater im Golf von Mexiko. Man fand ihn auf dem Meeresboden vor der Halbinsel Yucatan. Chicxulub ist 170 km im Durchmesser und unglaubliche 45-60 km tief.

Neueste Untersuchungen fanden drei konzentrische Krater, mit 80, 100 und 170 km Durchmesser. Der äussere Krater könnte durch nachbrechendes Gestein entstanden sein, der innere Krater entstand vermutlich durch Zurückfedern des Untergrundes. Der mittlere Krater mit dem Ausmass von 100 km Durchmesser scheint auf die ursprüngliche Grösse des Meteoriten hinzuweisen. Demnach prallte vor 65 Millionen Jahren im Golf von Mexiko ein Meteorit mit einer Grösse von 10-14 km auf die Erde.

7.3 Die Erdbahnkreuzer

Nicht nur unsere neun Planeten umkreisen die Sonne. Dazwischen befindet sich jede Menge an kleineren und grösseren Brocken. Die meisten Asteroiden bewegen sich in einem Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Durch gravitatorische Einflüsse gelangen sie jedoch als sog. Erdbahnkreuzer auf lange, elliptische Bahnen um die Sonne.

7.3.1 Erdbahnkreuzer - eine Auswahl aus mehr als tausend Mitglieder

Planetoid Entdeckungs- Umlaufzeit Durchmesser Grosse Halb- Jahr in Jahren in km Achse in AE

Apollo 1932 1,78 1,5 1,471

Adonis 1936 2,57 1,0 1,875

Hermes 1937 2,10 1,0 1,639

Toro 1948 1,60 5,0 1,367

Icarus 1949 1,12 1,5 1,078

Geographos 1951 1,39 2,0 1,245

Aten 1976 0,95 1,0 0,966

1989 FC 1989 1,03 0,5 1,023

Der erste Erdbahnkreuzer wurde 1932 entdeckt und erhielt den Namen "Apollo". Apollo hat einen Durchmesser von ca. 1,4 km und läuft in 1 3/4 Jahren einmal um die Sonne. Sein sonnennächster Punkt liegt innerhalb der Erdbahn, der entfernteste Punkt ausserhalb. Er kreutzt innerhalb von 1 3/4 Jahren zweimal die Erdbahn.

Weitere Erdbahnkreuzer wurden in den Folgejahren entdeckt, 1932 Amor, 1936 Adonis, 1937 Hermes.

Am 22.03.89 raste von der Sonne herkommend der Kleinkörper "1989 FC" auf die Erde zu und knapp vorbei. Erst danach wurde er von Wissenschaftlern auf dem Mount Palomar entdeckt und untersucht. "1989 FC" hat einen Durchmesser von ca. 220 - 430 m. Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von ca 16 km/s hätte der Kleinkörper einen Krater von 4-7 km verursacht. So aber sauste der Brocken in einem Abstand von 700.000 km an uns vorbei.

Insgesamt wird die Zahl der Erdbahnkreuzer heute auf rund 3.000 geschätzt. Es ist sicher, dass bis heute nicht alle Erdbahnkreuzer entdeckt worden sind, und es ist nicht auszuschliessen, dass in einer mehr oder weniger entfernten Zukunft ein solcher Körper unserer Erde zu nahe kommt und uns ein kosmischer Treffer bevorsteht.

7.4 Gefahren für Satelliten und Weltraumfahrer

Der Komet Tempel-Tuttle hat eine Umlaufbahn von 33 Jahren. Am 28. Februar 1998 durchwandert er wieder sein Perihel, seinen nächsten Punkt zur Sonne. Verliert ein Komet auf seiner Bahn Staub und Gase, so geschieht dies im verstärkten Masse in Sonnennähe. Im Perihel ist dieser Masseverlust am grössten. Somit können zu bestimmten Zeiten, wenn die Erde durch eine Kometenbahn hindurchwandert, grössere Mengen an Staub und Kometenreste auf die Erdatmosphäre prallen.

Die Leoniden, wie die Sternschnuppen des Kometen Tempel-Tuttle genannt werden, sind besonders gefährlich für die Satelliten, welche unsere Erde umkreisen. Es sind besonders schnelle Objekte, man rechnet mit Geschwindigkeiten von bis zu 252.000 km/h.

Man hat weniger Angst vor dem Aufprall der Teilchen, dass sie die Metallhaut der Satelliten durchstossen könnten. Das Problem liegt darin, dass die Teilchen mit einer solchen Wucht auf die Aussenhaut der Satelliten aufprallen, dass sie Drucke erzeugen, wie sie bei Atomexplosionen erwartet werden. Dabei wird an der Aufprallstelle das Metall regelrecht zu Plasma verdampft. Die ionisierte Materie sendet Stromstösse aus mit hunderten Ampere.

Die Wissenschaftler befürchten nun, dass diese elektrische Ladung zu Fehlinterpretationen, falschen Befehlskommandos oder nur zu reinem elektrischen Chaos führen können, der Satellit könnte in Trudeln kommen, sich abschalten oder falsche Manövrierbefehle durchführen. Eine Korrektur von der Erde könnte dabei zu spät kommen oder überhaupt nicht wahrgenommen werden, der Satellit wäre verloren.

Man glaubt, dass ein solcher Störfall den Satelliten Olympos 1993 ausgeschaltet hat. Kurz bevor der Meteorschauer der Perseiden ihren Höhepunkt erreichten, war vom Satelliten kein Lebenszeichen zu erhalten.

Für Raumfahrer, welche z.B. in der Raumstation Mir solchen Gefahren ausgesetzt sind, versucht man mit besonders sicheren Bereichen innerhalb der Station auszuweichen. Ausserdem wird die Station so gedreht, dass sie quasi nicht ihre Breitseite dem Teilchenstrom entgegenstreckt.

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