2. Geschichte der Meteoriten

Unterlagen über vom Himmel gefallene Steine gibt es viele und in vielen Kulturen. Allerdings ist in den seltensten Fällen der betreffende Meteorit noch vorhanden. Aus Himmel fallende Steine wurden als Götter verehrt und in Tempeln aufbewahrt, "der Gott ist herniedergefahren und hat sich selbst beerdigt".

2.1 Der Meteorit von Nogata

Das älteste Beispiel eines Meteoritenfalls, bei dem das Exponat noch vorhanden ist, stammt aus Japan. Am 19. Mai 861 fiel ein Meteorit durch das Dach des Shinto Tempels von Nogata und grub sich in das Erdreich ein. Die Nacht soll von dem Meteoroidenflug grell erleuchtet gewesen sein und ein fürchterliches Donnergrollen weckte die Bewohner. Am nächsten Tag wurde der faustgrosse Stein im Tempelboden entdeckt.

Den Meteoritenfall betrachtete man als göttliches Zeichen, als Besuch des Gottes persönlich. Der "fliegende Stein" wurde in eine eigens dafür angefertigte Holzschatulle gelegt, das Datum des Falls eingraviert und im Tempel aufbewahrt.

Erst 1980 wurde dieser Meteoritenfall von Wissenschaftlern untersucht. Mittels Radiokarbondatierung des Holzschreines bestätigte sich das Alter des Falls. Der Meteorit fiel tatsächlich vor über 1.100 Jahren auf die Erde. Er ist somit der älteste Meteoritenfall, bei dem der Meteorit noch vorhanden ist.

Man unterscheidet übrigens zwischen Meteoritenfall und Meteoritenfund. Ein Meteoritenfall ist ein beobachteter Flug und das sich daraus ergebende Auffinden des Meteoriten. Bei einem Meteoritenfund wurde der Flug durch die Atmosphäre nicht beobachtet, der Meteorit wurde durch Zufall aufgelesen. Die in der Antarktis gefundenen Meteoriten sind bedeutend älter als der Meteorit von Nogata, aber ihre Flugbahn wurde nicht beobachtet, sie sind Meteoritenfunde.

2.2 Funde in Amerika

Archäologen fanden in alten indianischen Siedlungen in Arizona einen 62 kg schweren Meteoriten, welcher die Form eines menschlichen Embryos aufweist. Der Meteorit, welchen man nach seinem Fundort Camp Verde taufte, war von seinen indianischen Findern wie ein göttlicher Säugling behandelt worden. Man fand den Stein eingewickelt in Tücher und mit Federn geschmückt.

2.3 Der Meteoritenfall von Ensisheim

Der älteste europäische Meteoritenfall, von welchem noch Teile vorhanden sind, geschah am 7. November 1492 in Ensisheim im Elsass. Unter "Grossem Donder Klapff" und mit "langs gedöss welche man weith vnnd breidt hört vnnd fiel ein Stein vonn den Lüfften herab bey Ensisheim". Der Stein wog bei seinem Aufschlag 127 kg. Kaiser Maximilian I liess sich zwei Stücke vom Donnerstein abschlagen, der Rest wurde in der Kirche verwahrt und angekettet. Allerdings half dies nicht viel: Der Stein wiegt heute weniger als 60 kg.

2.4 Meteoriten im Zeitalter der Aufklärung

Bereits die alten Kulturen vermuteten, daß es sich bei den Meteoriten um Steine aus dem Weltall handeln könne. Diese Theorie ging allerdings im Laufe der Zeit verloren, in Europa im sogenannten Zeitalter der Aufklärung sah man in ihnen hochgeschleuderte, irdische Gesteinsbrocken.

"Die Steine haben sich durch vulkanische Dämpfe gebildet", sagten die einen, "in der Luft schwebende Teilchen werden durch Blitze zusammengebacken", sagten die anderen. "Es sind ganz einfach Steine, welche durch Blitzeinschläge in die Luft geschleudert werden und andernorts wieder herunterfallen", war die Meinung von anderen Wissenschaftlern.

2.5 Ernst Friedrich Chladni

Das änderte sich erste, als der Wittenberger Physiker Ernst Florens Friedrich Chladni (1756-1827) wissenschaftlich belegte Meteoritenfälle zusammentrug, untersuchte und den Zusammenhang zwischen Meteoren, Meteoroiden und Meteoriten erkannte.

In seinen Publikationen vertrat Chladni die These, dass es sich bei den "fliegenden Steinen" um Irrläufer aus dem All handeln müsse. Seine Veröffentlichungen finden aber nicht überall Anerkennung, sondern treffen auf Häme und Spott: So spottet der Göttinger Professor Georg Christoph Lichtenberg über Chladni: "Es sey ihm bey dem Lesen der Schrift anfangs so zu Muthe gewesen, als wenn ihm selbst ein solcher Stein am Kopf getroffen hätte".

Die öffentlichkeit ist gespalten. Manche glauben an die Theorie Chladnis, beschäftigen sich zumindest damit und versuchen eine überprüfung. Andere dagegen zweifeln selbst an der Sehkraft vieler hundert Menschen. As bei Barbotan in der Gascogne (Frankreich) am 24. Juli 1790 ein Meteoritenhagel niederging, verfolgten Hunderte von Menschen dieses Ereignis. Der Bürgermeister des Ortes verfertigte ein Protokoll über den Vorfall und liess es von 300 Bürgern als Zugen des Meteoritenhagels unterschreiben. Das Protokoll sandte er an die Akademie der Wissenschaften in Paris. Der arrogante Kommentar des Physikers Bertholon lautete: "dass es traurig ist, einer ganzen Gemeinde zuzuschauen, die den Versuch unternimmt, Volksmärchen durch ein formelles Protokoll zu bestätigen!"

2.6 Der Meteoritenfall von Aigle

1794 ging ein Meteoritenschauer über der italienischen Stadt Siena nieder. 200 einzelne Steine wurden aufgelesen. Immer mehr Meteoritenfälle wurden beobachtet und publiziert, gefallene Steine untersucht. Allmählich setzte sich die These von den "Irrläufern aus dem All" durch.

Den endgültigen Durchbruch seiner Theorie erlebt Chladni 1803, als in Aigle (Frankreich) über 3.000 Steine niederfallen. Der Wissenschaftler Biot, vom französischen Innenminister mit der Untersuchung beauftragt, entdeckt die frappierende ähnlichkeit der gefallenen Steine miteinander und dass sie sich erheblich von den lokal vorhandenen, irdischen Steinen unterscheiden. Physikalische und chemische Untersuchungen ergeben gravierende Unterschiede. Insbesondere der hohe Gehalt an Nickel sowie die bis zu dreifach höhere Dichte des meteoritischen Gesteins geben den Ausschlag; die Theorie Chladnis wird anerkannt und die Herkunft der Meteorite aus dem All als bewiesen akzeptiert.

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