Der Sternenhimmel im Juli

Am 1. Juli geht die Sonne um ca. 21:50 MESZ unter, am 2. Juli geht sie gegen 5:30 wieder auf. Am 30. Juli geht die Sonne schon um 21:24 unter und am folgenden Morgen gegen 6:00 auf. Im Verlauf des Monats Juli werden die Nächte merklich länger.
Dennoch wird es am Monatsende im äußersten Norden Deutschlands sogar um Mitternacht noch nicht vollständig dunkel. In Süddeutschland kann man zum Monatsende gegen Mitternacht bereits wieder einige Stunden lang astronomische Dunkelheit erleben.

Der Juli gilt als der wärmste Monat des Jahres. Daher sind Julinächte meist angenehm mild. Da macht es Spaß, mit dem bloßen Auge den Sternenhimmel zu betrachten und den Anblick der schimmernden Unendlichkeit auf sich wirken lassen. Der Beobachtungsplatz sollte dafür an einem dunklen Standort liegen.

Nach Sonnenuntergang gibt der tagsüber aufgeheizte Erdboden Wärme an die Luft ab. Die erwärmte Luft steigt in turbulenten Luftströmungen langsam in den Nachthimmel auf. Dabei verhindert ihr Wabern die geradlinige Ausbreitung des Lichts, sodass man die Sterne funkeln sieht und man viele kleine Details der Himmelsobjekte nicht mehr eindeutig wahrnehmen kann. Betrachtet man dann die Sterne bei hoher Vergrößerung mit dem Fernrohr, scheinen sie im Okular hin- und her zu tanzen.
In der zweiten Nachthälfte wird die Nachtluft jedoch oft kühler und ruhiger, sodass man mit dem Fernrohr z. B. Doppelsterne erfolgreich getrennt wahrnehmen kann. In dem Fall kann man mit dem Fernrohr auch einige hellere Deep-Sky-Objekte beobachten, sofern man weiß, wie man sie am hellen Sommernachthimmel findet. Doch am Schönsten ist es, an einem solchen Ort in einem bequemen Stuhl mit einem lichtstarken Fernglas um Mitternacht in der Sommermilchstraße spazieren zu schauen, die sich in der Julinacht von Nord nach Süd hoch über den Himmel zieht. Man sieht als Beobachter das Licht der Sterne, welche dieses Licht lange vor der eigenen Geburt ausgesandt haben, man sieht das Licht von Kugelsternhaufen, die dieses Licht ausgesandt haben, als unsere Vorfahren noch auf Mammutjagd gingen, und man sieht das Licht von Galaxien, das von diesen Galaxien ausging, als unsere Vorfahren noch ein Fell hatten.

Am 4. Juli durchläuft die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn. Ihr Abstand von der Sonne beträgt dann 152,1 Millionen Kilometer. Er ist ca. 5 Millionen Kilometer größer als am 4. Januar, wo die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn durchläuft.
Am 5. Juli ist Vollmond im Sternbild Schütze. Am 20. Juli ist Neumond  im Sternbild Schütze. Im Juli verläuft die Ekliptik um Mitternacht nur 17° über dem südlichen Horizont. Daher zieht auch der Mond mit geringem Abstand zum Horizont am Nachhimmel. Das ermöglicht stimmungsvolle Aufnahmen der nächtlichen Landschaft. Wegen der tiefen Stellung des Mondes beeinträchtigt sein Licht die Beobachtungen zenitnaher Himmelsobjekte bei klarem Nachthimmel deutlich weniger als im Winter.


Ab 23:00 können im Sternbild Schütze der -2,8m hell strahlende Jupiter und der 0,1m helle sanfte Saturn zu den Highlights der Julinacht werden. Beide Planeten durchlaufen im Juli ihre Oppositionsstellung. Ab 2:00 ist der Mars im Sternbild Walfisch mit bloßem Auge schön wahrnehmbar. Ab 3:00 kann man mit Fernglas und Fernrohr den Uranus beobachten. Man kann dann auch versuchen, mit dem Fernrohr den fernen Neptun aufs Korn zu nehmen. Am Morgendämmerungshimmel kann man Venus als strahlenden Morgenstern im Sternbild Stier erleben, und in der letzten Juliwoche dann auch den Merkur im Sternbild Zwillinge.
Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) zieht im Juli durch die Sternbilder Fuhrmann, Luchs und Jagdhunde. Er kann ab Mitte Juli mit dem Fernglas ca. 2m - 4m hell am Morgendämmerungshimmel wahrgenommen werden.

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