Übersicht um 1:00

Im Nordwesten sinken die hellen Sterne der Zwillinge unter den Horizont. Über dem Südosthorizont sind nun die Sterne des Skorpions sichtbar. Das große Sternbild Schlangenträger mit dem hellen Jupiter ist vollständig aufgegangen. Darüber kann man die hellen Sterne des Sternbilds Herkules erkennen. Im Nordosten sehen wir bereits die Sterne der Sommersternbilder Schwan und Leier.

 

Waage

Das Sternbild Waage wird von Mitteleuropa aus wenig beobachtet, da es im Mai erst nach Mitternacht den Meridian passiert und dort nur ca. 20° über den südlichen Horizontabstand steigt.

Das Sternbild Waage enthält zwei helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae). Im Fernglas erweist sich Zubenelgenubi als ein schöner Doppelstern, dessen beide Partnersterne verschieden gefärbt sind.
Ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae).

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Delta Librae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt die Helligkeit des Sterns Delta Librae für sechs Stunden um eine Größenklasse ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der nur 8,5m helle, sehr locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn gut zu sehen, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit  möglichst großer Öffnung. Sehr viel leichter sichtbar ist der Kugelsternhaufen M5. Man findet ihn bereits im Fernglas mühelos ca. 11,5° nördlich von Zubeneschemali.

 

Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt westlich des Sternbilds Waage und enthält viele leuchtkräftige Sterne.

Der hellste Stern im Sternbild Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen, mit 9000 Sonnenleuchtkräften. Antares hat mehr als eine Milliarde Kilometer Durchmesser, er ist zudem ein Doppelstern. Sein Partnerstern ist 6,5m hell und steht in nur drei Bogensekunden Abstand, er erscheint grünlich. Antares liegt ca. 520 Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Auch Graffias ist ein sehenswerter Doppelstern, den man mit kleinen Fernrohren gut beobachten kann. Er ist 600 Lichtjahre von uns entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleucht-kräften und ist 540 Lichtjahre entfernt.
Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ein Doppelstern, was man bereits in einem kleinen Fernrohr sehen kann. Alniyat ist ca. 800 Lichtjahre entfernt, ein blauweißer Stern mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Sein Partnerstern ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.

Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sehr hell und enthält weniger Sterne als viele andere Kugelsternhaufen. Da M4 jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist, ist er der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen, uns so kann man ihn in jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Einzelsterne aufgelöst sehen.

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Er ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Von Mitteleuropa aus betrachtet ist M6 wegen seiner horizontnahen Position viel leuchtschwächer, als wenn man ihn vom Äquator aus beobachtet. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 deutlich zu sehen, doch in einem lichtstarken Fernrohr zeigt M6 am sternklarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert. Darum ist M6 auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt.

 

Bärenhüter

Nördlich des Sternbilds Jungfrau leuchtet ein gelboranger Stern. Das ist Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, er ist nur 36 Lichtjahre entfernt und hat 100 Sonnenleuchtkräfte. Da er so nah und so hell ist, ist er der vierthellste Stern am irdischen Nachthimmel. Relativ zur Sonne zieht Arktur mit hoher Eigengeschwindigkeit (122 km/s) quer durch die Scheibe unserer Milchstraße, denn er gehört zu den Halosternen unserer Milchstraße. Er ist 5 – 8 Milliarden Jahre alt und der älteste Stern, den man mit dem bloßen Auge am Himmel sehen kann.

Die hellsten Sterne im Bärenhüter zeigen eine Anordnung in der Form einer spitzen Eiswaffel, an deren zum Horizont weisenden Spitze der Arktur steht.

Im Sternbild Bärenhüter gibt es viele sehenswerte Doppelsterne. Der 3,7m helle Stern Izar (Epsilon Bootes) hat zwei verschiedenfarbige Partnersterne (orange und blau), die in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden voneinander stehen. Im 19. Jahrhundert bekam Izar deshalb von dem Astronomen Secchi den Namen ‘Pulcherrima‘, was „Die Schönste der Schönen“ bedeutet. Ein weiterer Doppelstern ist der 4,5m helle Stern 44 Bootis. Seine beiden Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr gegenseitiger Winkelabstand beträgt derzeitig 3 Bogensekunden. Der Schwächere der beiden Partnersterne von 44Bootis ist seinerseits ein bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit sich alle 6,5 Stunden ändert.

Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Doppelstern Xi Bootis, er ist nur 22 Lichtjahre von uns entfernt, seine beiden ungleich hellen Partnersterne erscheinen rötlich.

Zieht man von Arktur eine Linie zum Stern Cor Caroli im Sternbild Jagdhunde, stößt man mit dem Fernglas südöstlich der Mitte dieser Linie auf einen kleinen, rundlichen Nebelfleck. Im Fernrohr entpuppt sich dieser matte Nebel als ein Kugelsternhaufen. Es ist der 6,3m helle Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung sieht man die Randbereiche von M3 bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst.

 

Nördliche Krone

Östlich des Sternbilds Bärenhüter sehen wir die nach Norden hin geöffnete halbkreisförmige Sternenkette des kleinen SternbildsNördliche Krone (Corona Borealis). Ihr 2,2m heller Hauptstern trägt den lateinischen Namen Gemma („Edelstein“). In einer warmen, klaren  Frühlingsnacht kann man Gemma zuweilen ähnlich wie Sirius in allen Farben funkeln sehen. 3,5° östlich von Gemma liegt Delta Coronae Borealis, ca. 2° nördlich von Delta finden wir R Coronae Borealis, das ist ein Roter Veränderlicher Überriesenstern, ca. 400 Lichtjahre entfernt. In unregelmäßigen Abständen stößt R Rußwolken aus, die so riesig sein können, dass sie sein Licht verdüstern. In diesem Fall kann die Helligkeit des Sterns spontan für Monate oder sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden, wodurch der sonst schon im kleinen Fernglas sehr leicht wahrnehmbare R Coronae Borealis selbst im lichtstarken Zehnzöller unsichtbar ist.

 

Herkules

Das Sternbild Herkules liegt östlich des Sternbilds Corona Borealis. Sein Hauptstern heißt Ras Algethi (Alpha Herculis), er liegt im Südteil des Herkules, nahe beim Stern Ras Alhague, der seinerseits der hellste Stern im Sternbild Schlangenträger ist. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. In Fernrohren großer Öffnung sieht man bei hoher Vergrößerung, dass Ras Algethi ein enger, aber sehr ästhetisch wirkender Doppelstern ist: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint blaugrünlich.

Zieht man in Gedanken eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und folgt ihr mit dem Fernglas, fällt einem nach einen Drittel dieser Linie ein rundliches Nebelbällchen auf. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung und bei einer Vergrößerung ab 80x erweist sich das Nebelbällchen als kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der Kugelsternhaufen M13. Entdeckt wurde er 1714 von Edmond Halley.

Schwenkt man sein Fernrohr von Pi Herkulis aus 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist so hell wie M13, die Sterne im Zentrum von M92 stehen jedoch dichter beisammen.

Der 4,8m helle Stern 95 Herkulis ist ein sehenswerter Doppelstern. Wir finden ihn ca. 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Doppelsternpartner von 95 Herkulis haben voneinander einen Abstand von 6 Bogensekunden, man kann sie daher schon in kleinen Fernrohren getrennt sehen. Die Farben seiner beiden Partnersterne sind voneinander verschieden, zudem werden die Farben von Beobachtern unterschiedlich wahrgenommen.

Schwenkt man sein Fernrohr vom Stern Kornephoros (Beta Herculis) aus ca. 4° nach Nordosten, fällt im Okular bei niedriger Vergrößerung in einem Feld vieler schwacher Sterne einen 9m hellen, blaugrünen Stern auf. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150x, erweist sich der Stern als eine kleine, blaugrünlich leuchtende Scheibe mit einem zentralen Stern. Das ist der helle Planetarische Nebel NGC 6210.

 

Drache

Das Sternbild Drache steht um 1:30 fast im Zenit. Das Sternbild liegt zwischen den Sternbildern Herkules, Kleiner Bär und Großer Bär. Es existiert schon seit der Antike und soll an den nimmermüden Drachen Ladon erinnern, der Heras Baum mit den Goldenen Äpfeln bewachte. Da Hera den Herkules beauftragen ließ, drei Äpfel von dem Baum für sie zu stehlen. tötete Herkules den Ladon mit Giftpfeilen, um dadurch leichter an die Goldenen Äpfel zu gelangen. Zeus versetzte den toten Ladon als Sternbild Drache an den Himmel.

Der Kopf des Drachens wird durch ein markantes gleichseitiges Dreieck aus den drei hellen Sternen Rastaban (Beta Draconis), Eltanin (Gamma Draconis) und Grumium (Xi Draconis) gebildet. Wir finden dieses Sternendreieck nördlich des Sternbilds Leier auf einer Deklination von 50°. Von dort aus erstreckt sich der schlanke Leib des Drachens am Himmel als lange, gewundene Sternenkette um das Sternbild Kleiner Bär. Sie zieht sich vom Kopf des Drachen zunächst mit den Sternen Altais (Delta Draconis) und Tyl (Epsilon Draconis) nach Norden, neigt sich dann in einem Bogen mit den Sternen Chi, Eta, Zeta und Jota nach Südwesten, steigt dann wieder über Thuban (Alpha Draconis), Kappa und Lambda Draconis zu nördlicheren Breiten auf, um schließlich unweit des Himmelsnordpols zu enden.

Ca. 14 ° nördlich von Theta Herkulis steht der 2,2m helle Stern Eltanin (Gamma Draconis). Weitere 15° nördlich von Eltanin sieht man im Fernglas ein Feld mit zahlreichen schwachen Sternen. Im Fernrohr erweist sich bei Vergrößerung ab 60x einer davon als ein bläuliches Scheibchen. Das ist der helle Planetarische Nebel NGC 6543. Er ist unter dem Namen „Katzenaugennebel“ bekannt. NGC 6543 hat eine hohe Flächenhelligkeit und kann daher mit maximaler zuträglicher Vergrößerung beobachtet werden.

In einem Fernrohr ab vier Zoll Öffnung kann man die Galaxie NGC 6503 beobachten. Sie liegt auf einer Linie von Zeta Draconis nach Chi Draconis, und zwar etwas näher zu Chi; Bei hoher Vergrößerung im Fernrohr sieht NGC 6503 spindelförmig aus. Diese Galaxie ist 18 Millionen Lichtjahre entfernt.
Fast an der Grenze zum Großen Bären kann man ca. 4° südöstlich von Iota Draconis in Fernrohren ab vier Zoll Öffnung bei sternklarem, dunklem Himmel die 9,9m helle Galaxis M102 wahrnehmen. M102 ist linsenförmig, vor einem dunklen Himmelshintergrund ist sie auch im kleineren Fernrohr gut wahrnehmbar

 

Schlange und Schlangenträger

Das Sternbild Schlangenträger liegt zwischen den Sternbildern Herkules und Skorpion. Sein hellster Stern Ras Alhague liegt im Norden des Sternbilds und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers sehen wir den nach oben gerichteten Hals der Schlange. Er wird durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis markiert. An seinem Ende  bilden die Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis gemeinsam den kleinen, dreieckigen Kopf der Schlange.
Derzeit ist der -2,5m helle Jupiter das hellste Objekt in diesem Sternbild. Schon im Fernglas 10 x 50 sind Jupiters Wolkenbänder und seine vier hellen Monde gut sichtbar. Im Fernrohr kann man bei hoher Vergrößerung Strukturen in den Wolkenbändern des Riesenplaneten wahrnehmen und beobachten, wie sich die relativen Positionen der Jupitermonde allmählich verschieben.

Ca. 7,5° südwestlich von Unuk findet man im lichtstarken Fernglas ein rundliches Wölkchen. Das ist der schöne Kugelsternhaufen M5. Er liegt 25000 Lichtjahre von uns entfernt, doch bereits in einem kleinen Fernrohr mit nur 63 mm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Man kann M5 ebenfalls leicht auffinde, indem man sein Fernrohr auf  Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und es von dort aus  11,5° nach Norden schwenkt.

Östlich des Schlangenträgers liegt die nach oben gerichtete Sternenkette, die den Schwanz der Schlange bildet. Sie besteht aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und dem Stern Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern für kleine Fernrohre. Beide Partnersterne von Alya sind gleich hell und leuchten weiß.

Im Schlangenträger liegen die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Man kann sie bereits mit einem lichtstarken Fernglas entdecken. M12 liegt ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior und ist schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst zu sehen. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb. In der Region südlich von Sabik befindet sich ein gutes Dutzend weitere Kugelsternhaufen. Durch den Südteil des Sternbilds Schlangenträger verläuft das Band der Milchstraße, dieser Region ist reich an Sternen und Dunkelwolken. Sie bietet in dunklen, sternklaren Nächten im lichtstarken Fernglas und im Fernrohr viele sehenswerte Beobachtungsobjekte.

 

Schütze

Wenn man unter einem sternklaren und mondlosen Himmel mit freiem Blick zum fernen südlichen Horizont den Nachthimmel beobachtet, dann kann das Sternbild Schütze zum Highlight der Maiennacht werden. Es ist ab 2:00 über dem Südhorizont zu sehen.

Das hellste Objekt im Sternbild Schütze ist zurzeit der 0,5m helle Saturn. In Fernrohren ab sechs Zoll Öffnung kann man bei höheren Vergrößerungen und guter Luftruhe sehen, dass der Ring um den Planeten einen merklichen Schatten auf die Planetenkugel wirft. Darüber hinaus kann mit einem solchen Fernrohr die Saturnmonde Titan, Rhea, Dione, Thetys und Japetus gut wahrnehmen.

Die hellsten Sterne des Sternbilds Schütze stehen am Himmel in einer Anordnung, die den Beobachter spontan an eine große bauchige Teekanne mit Deckel erinnert. In den USA wird Das Sternbild daher auch als “Teapot“ bezeichnet. Der Stern Nash (Gamma Sagittarii) markiert die Spitze der kurzen Ausgusstülle, die Sterne Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta zeichnen den rundlichen Körper der Kanne, und Lambda den Knopf an der Spitze des flachen Kannendeckels.

Bei günstigen Beobachtungsbedingungen (mondlos sternklarer Nachtlandhimmel) kann man mit bloßem Auge ca. 2,5° nordöstlich von Lambda einen matten Lichtschimmer erkennen. Dieser Lichtschimmer erweist sich bereits im kleinen Fernrohr als ein heller Kugelsternhaufen, der schon im Zweizöller in einzelne Sterne aufgelöst sichtbar ist. Das ist M22, er ist der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel über der Nordhalbkugel. Da M22 von Mitteleuropa aus horizontnah im Sternbild Schütze kulminiert, wird er hier jedoch viel seltener beobachtet als der Kugelsternhaufen M13.
In seinem “Celestial Handbook“ schreibt Burnham, dass Tolkien´s Beschreibung des „Arkenstone of Thrain“ aus „Der kleine Hobbit“ den Anblick von M22 am Okular seines Fernrohrs treffend wiedergibt. Diese Beschreibung kann man in einer klaren, stillen Maiennacht am lichtstarken Fernrohr durchaus nachvollziehen.

Ca. 6° nördlich von Nash sehen wir am klaren Nachthimmel mit bloßem Auge M8, den berühmten „Lagunennebel“. In diesem großen, mit eindrucksvollen Dunkelwolken strukturierten Gasnebel kann man im Fernrohr den Offenen Sternhaufen NGC 6530 mit zahlreichen nadelfeinen Sternen sehen.
Ca. 1,5° nordwestlich von M8 liegt M20, der „Trifidnebel“. Bei günstigen Beobachtungsbedingungen ist er bereits im kleinen Fernrohr als eine leuchtende Nebelwolke wahrnehmbar, die durch vor ihm liegende dunkle Staubbänder in drei Teile aufgespaltet erscheint.

Ca. 9,5° nördlich von Lambda Sagittarii liegt der ’Omeganebel’ M17. Er ist auch als „Schwanennebel“ bekannt, weil seine Form in manchen Fernrohren an einen Schwan erinnert, der graziös auf einem Teich schwimmt. M17 ist ein Sternentstehungsgebiet, das in ca. 6000 Lichtjahren Entfernung liegt, sein Leuchten entsteht durch die intensive UV-Strahlung heißer junger Sterne, die das sie umgebende extrem dünne Gas im Umkreis von 200 Lichtjahren ionisieren und zum Leuchten anregen. M17 ist schon im kleinen Fernrohr gut zu erkennen.

 

Ausklang

Jede Beobachtungsnacht geht schließlich zu Ende. Das kann an einer drohenden Wetterverschlechterung liegen, an zunehmender Müdigkeit, am Zeitmangel, oder daran, dass sich am Osthimmel die Morgendämmerung ankündigt und der Nachthimmel dadurch allmählich heller wird.

Dann muss man trotz Müdigkeit, Kälte und Dunkelheit alle Geräte mit Umsicht abbauen und alles, was man zum Beobachtungsplatz mitgebracht hat, mit Sorgfalt sicher im Kofferraum verstauen. Danach sollte man mit der Taschenlampe überprüfen, ob am Beobachtungsplatz keine Ausrüstungsteile, Kleidungsstücke oder andere Dinge herumliegen, die man beim Einräumen übersehen hat.

Ist alles aufgeräumt und verpackt, schaut man noch einmal zum Himmel, genießt die Stille, nimmt Abschied von der Beobachtungsnacht.

Dann steigt man ins Auto. Der Motor springt an, die Scheinwerfer tauchen den Schotterweg in helles Licht. Zwischen verlassenen Wiesen und Hecken geht die Fahrt bis zur Kreisstraße. Auf ihr geht es von der Höhe hinunter in den stillen Buchenhochwald im Tal. Wir fahren vorsichtig, weil hier jederzeit Wild aus der Dunkelheit ins Scheinwerferlicht treten kann. Dann durchfahren wir ein Dorf, in dem alles still und dunkel ist. Hinter dem nächsten Bergkamm erahnen wir bereits die Lichtglocke der Stadt. Bald sind wir zu Hause.

 

 

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