Übersicht gegen 1:00

Das Sternbild Bärenhüter hat nun den Meridian überschritten. Über dem Südhorizont sind bereits einige helle Sterne des Skorpions mit dem rötlichen Stern Antares zu sehen. Tief im Südosten leuchtet kraftvoll der orange Jupiter, und rechts daneben  in seinem typischen ruhigen blassen Licht der Saturn. Über dem Osthorizont sehen wir den Stern Enif im Sternbild Pegasus. Das Sternbild Herkules nähert sich hoch am Himmel dem Meridian.

 

 

Schlangenträger und Schlange

Die Sternbilder Schlangenträger und Schlange liegen südlich des Sternbilds Herkules und nördlich des Sternbilds Skorpion.
Der hellste Stern im Sternbild Schlangenträger ist der 2,1m helle Ras Alhague (Alpha Ophiuchi). Er liegt im Norden des Sternbilds und stellt im Sternbild den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden hellen Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Die Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers, mit denen er die Schlange trägt.

In Westen des Schlangenträgers erstreckt sich der nach Norden aufgerichtete Hals der Schlange, markiert durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Die drei Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bilden gemeinsam den kleinen Kopf der Schlange.
Ca. 7,6° südwestlich von Unuk kann man im Fernglas den hellen Kugelsternhaufen M5 auffinden. Auch in einem kleinen Fernrohr kann man M5 bereits bei mittlerer Vergrößerung bis in sein Zentrum in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M5 kann man einfach auffinden, indem sein Fernrohr von Zubenelgenubi ausgehend ca. 11° nach Norden schwenkt.
Östlich des Schlangenträgers sieht man eine nach Norden ausgerichtete Sternenkette, die den Schwanz der Schlange darstellt. Sie besteht aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und dem 4,6m hellen Stern Alya (Theta Serpentis), welcher die Schwanzspitze bildet. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man auch in kleinen Fernrohren gut beobachten kann. Seine beiden Partnersterne sind rein weiß und gleich hell. Alya liegt ca. 18° östlich von Cheleb.
Im Sternbild Schlangenträger liegen auch die Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Am mondlosen Sternenhimmel kann man sie manchmal bereits im Fernglas 10x50 wahrnehmen. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior, man kann M12 bereits in kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.

 

 

Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Es enthält viele helle Sterne. Die beiden Sternbilder überqueren den Meridian fast gleichzeitig.

Der hellste Stern im Sternbild Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt, er ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen, er ist 9000 Sonnenleuchtkräfte hell und hat einen Durchmesser von über einer Milliarde Kilometern. Antares ist zudem ein Doppelstern, sein nur 6,5m heller Partner steht in nur drei Bogensekunden Abstand. Er erscheint grünlich.
Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ebenfalls ein Doppelstern, den man bereits in kleinen Fernrohren gut getrennt sehen kann. Graffias liegt 600 Lichtjahre von uns entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild Skorpion dessen Stirn dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, ca. 540 Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Schon ein kleines Fernrohr zeigt Alniyat als einen Doppelstern. Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Sein Begleiter ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.
Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. M4 ist nicht hell und enthält weniger Sterne als andere Kugelsternhaufen. M4 ist jedoch der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen, nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt. Daher kann man M4 mit jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Sterne aufgelöst sehen.
 

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Diese Sternhaufen gehört zu den hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Von Mitteleuropa aus erscheint M6 aufgrund seiner horizontnahen Position meist schwächer, als er tatsächlich ist. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen, in einem lichtstarken Fernrohr zeigt M6 bei klarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, weshalb der Sternhaufen auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt ist.

 

 

Leier

Das Sternbild Leier ist zwar eines der kleinsten Sternbilder, sein Hauptstern Wega ist jedoch einer der hellsten Sterne des Sommerhimmels. Dank Wega kann man das Sternbild Leier am Nachthimmel besonders leicht finden.
Wega ist ein Stern der Spektralklasse A0. Sie ist 25 Lichtjahre von uns entfernt, sie strahlt mit 37 Sonnenleuchtkräften und ist ca. 500 Millionen Jahre alt. Somit ist Wega einer der nächsten Sterne und zugleich einer der jüngsten Sterne in Sonnennähe.

Südlich von Wega liegt der markante kleine Sternenrhombus, welcher den Korpus der Leier bildet. Dieser Rhombus besteht aus dem Doppelstern Zeta Lyrae, dem Doppelstern Delta Lyrae, dem Stern Gamma Lyrae und aus Sheliak (Beta Lyrae).
Die Region um Delta Lyrae erweist sich im Fernrohr kurzer Brennweite als ein junger Offener Sternhaufen, der ca. 800 Lichtjahre entfernt ist. Delta Lyrae 2 ist ein Doppelstern, dessen beiden Partner 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben.
Der Stern Sheliak ist ein bedeckungsveränderlicher Stern in 880 Lichtjahren Entfernung. Seine beiden Partnersterne sind ungleich hell und umkreisen einander einmal in 12,94 Tagen wobei sie sich regelmäßig gegenseitig bedecken. Der hellere Stern hat zwei Sonnenmassen und ist ein weißblauer Riese, der schwächere der beiden hat 12 Sonnenmassen. Pro Jahr strömen 27 Trilliarden Tonnen Masse vom helleren Stern zum lichtschwächeren Stern und bilden um diesen einen dicken Ring aus dunklem Material, das das von diesem Stern ausgesandte Licht absorbiert. Darum leuchtet der massereichere Stern aus unserer Sicht schwächer als sein masseärmerer Partnerstern.
Zwischen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der Planetarische Nebel M57, der als „Ringnebel“ berühmt ist.
Ca. 1,6° nordöstlich von Wega sehen wir einen 4m hellen Stern, der schon dem bloßen Auge länglich erscheint. Das ist Epsilon Lyrae. Im Fernglas zeigt sich Epsilon als Doppelstern. Bei 100-facher Vergrößerung im Fernrohr erscheint jeder der beiden Partner von Epsilon selbst wiederum doppelt. Epsilon Lyrae besteht somit aus vier Sternen, die einander paarweise in Jahrhunderten umkreisen.

 

 

Schütze

Gegen 2:00 nähert sich das Sternbild Schütze über dem Südhorizont allmählich dem Meridian. Die hellsten Sterne des Schützen stehen am Himmel in einer Anordnung, die den Beobachter spontan an eine große bauchige Teekanne mit Deckel erinnert. In den USA wird das Sternbild Schütze daher auch als “Teapot“ bezeichnet. Der Stern Nash (Gamma Sagittarii) bildet die Spitze der kurzen Ausgusstülle, Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta markieren den rundlichen Körper der Kanne, und Lambda bezeichnet den Knopf an der Spitze des abgeflachten Kannendeckels.
Sofern der Nachthimmel während der Meridianpassage des Sternbilds Schütze bis hinab zum Südhorizont klar und halbwegs dunkel ist, kann man manchmal mit bloßem Auge ca. 2,5° nordöstlich von Lambda einen matten Lichtschimmer erkennen. Schon im kleinen Fernrohr erweist sich dieser Lichtschimmer als ein heller Kugelsternhaufen, er wird bereits in Fernrohren ab 6 cm Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst. Das ist M22, der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel der Nordhalbkugel. Weil M22 in unseren Breiten am Himmel ziemlich horizontnah im Sternbild Schütze kulminiert, wird er bei uns viel seltener beobachtet als M13.

Hat man das Glück, unter einem sternklaren, mondlos dunklen Himmel an einem abgelegenen Beobachtungsplatz zu beobachten, kann man ca. 6° nördlich von Nash mit dem Fernglas einen kleinen nebelartigen Fleck wahrnehmen. Das ist M8, der berühmte „Lagunennebel“. Im lichtstarken Fernrohr erkennt man hier einen matt leuchtenden großen Gasnebel mit eindrucksvollen strukturierten Dunkelwolken und darin eingebettet den Offenen Sternhaufen NGC 6530, der viele nadelfeine Sterne zeigt.
Ca. 1,5° nordwestlich von M8 kann man M20 finden, den „Trifidnebel“. Bei guten Beobachtungsbedingungen kann man ihn schon im kleinen Fernrohr als eine matt leuchtende Nebelwolke wahrnehmen, die durch dunkle Staubbänder in drei Teile aufgespaltet ist.

 

Steinbock

Östlich des Sternbilds Schütze liegt das Sternbild Steinbock. Das hellste Objekt in diesem Sternbild ist nun der 0,1m helle Saturn. Ist die Nachtluft transparent und ruhig, kann man bereits im kleinen Fernrohr den Saturnring und den hellsten Saturnmond Titan wahrnehmen. In Fernrohren größerer Öffnung kann man zusätzlich auch die Saturnmonde Rhea, Dione, Thetis und Japetus sehen, und vielleicht sogar den kleinen Saturnmond Enceladus.
Am westlichen Rand des Sternbilds Steinbock sieht man schon mit dem bloßen Auge einen auffälligen Doppelstern. Das ist der 3,9m helle Stern Algiedi (Alpha). Seine beiden Partnersterne (Alpha 1 und Alpha 2) sind kein physischer Doppelstern, sie liegen von uns aus gesehen nur in derselben Richtung. Im Fernrohr kann man jedoch bei hoher Vergrößerung sehen, dass jeder dieser Partnersterne seinerseits ein echter Doppelstern ist. Die Partnersterne dieser beiden Doppelsterne sind jedoch leuchtschwach.

Ca. 2,5° südöstlich von Algiedi liegt der 3m helle Stern Dabih (Beta). Dabih ein physischer Doppelstern, seine beiden Partnersterne stehen im Abstand von 210 Bogensekunden voneinander. Daher sieht man sie bereits im Fernglas schön getrennt. Sie Partnersterne unterscheiden sich durch ihre Farben.

 

Abschluss

Die relativ dunkelste Phase der kurzen hellen Juninacht endet bereits gegen 2:00. Über dem östlichen Horizont sind dann schon die hellsten Sterne des Sternbilds Pegasus zu sehen. Da man sie schon sehen kann, zeigen sie an, dass bereits in drei Monaten der Herbst beginnen wird, und dass die Nächte schon sehr bald wieder länger und deutlich dunkler sein werden, als sie es nun im Juni noch sind.

Ab 3:00 ist der Nachthimmel bereits so hell, dass man mit dem bloßen Auge nur noch die helleren Sterne wahrnehmen kann.

Spätestens dann werden weitere Beobachtungen wenig aussichtsreich, und man muss die Geräte abbauen und einpacken. Das ist nicht einfach, wenn man müde ist. Man sollte Handtücher bereit haben, um möglichen Tau auf den Geräten zu trocknen. Ist alles sicher verstaut, sollte man mit Taschenlampen am Beobachtungsplatz nachsehen, ob man am dunklen Boden Teile seiner Ausrüstung, Kleidungsstücke oder Sonstiges übersehen hat. Sonst kann es passieren, dass man am folgenden Tag noch mal zum Beobachtungsplatz zurückkehren muss, um dort Vergessenes zu suchen und einzusammeln.
Die Heimfahrt geht dann meist über verlassen liegende Landstraßen durch Wälder und Felder. Bei der Fahrt muss man trotz Müdigkeit aufmerksam bleiben, weil man jederzeit damit rechnen muss, dass ein Reh unvermittelt auf der Straße im Scheinwerferlicht auftaucht und einen Wildunfall verursachen kann.
Unter dem heller werdenden Morgendämmerungshimmel geht die einsame Fahrt durch dunkle Wälder und verschlafene Dörfer, und schließlich zurück unter die Lichtglocke der Stadt.

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