Übersicht um 1:00

Um 1:00 sehen wir das Sternbild Fuhrmann über dem Westhorizont. Die Sternbilder Orion und Großer Hund versinken im Südwesten. Das Sternbild Krebs hat den Meridian überschritten. Das markante Sternbild Löwe steht nun hoch am Himmel und nähert sich dem Meridian. Im Osten sind die beiden Sternbilder Jungfrau und Bootes aufgegangen, im Nordosten lugt bereits das Sternbild Herkules über den Horizont, und das Sternbild Großer Bär nähert sich dem Zenit.

 

Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau steht gegen 2:00 im Meridian. Der hellste Stern dieses Sternbilds ist Spica, ein blauer Riese der Spektralklasse B2 mit 2600 Sonnenleuchtkräften, 240 Lichtjahre entfernt. Zavijava (Beta Virginis) ist ein Stern mit sechs Sonnenleuchtkräften in 35 Lichtjahren Entfernung. Porrima (Gamma Virginis) ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partner aufgrund ihrer Bewegung umeinander zurzeit ca. 2 Bogensekunden voneinander getrennt sind. Er ist 38 Lichtjahre von uns entfernt. Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. Zur Zeit der römischen Antike zeigte der Aufgang des Vindemiatrix in der Morgendämmerung den Weinbauern an, dass der Zeitpunkt für den Beginn der Weinlese gekommen war.
Bei klarem, dunklem Himmel kann man im Sternbild Jungfrau mit Fernrohren zahlreiche Galaxien beobachten. Überraschend viele dieser lichtschwachen Objekte wurden schon im 18. Jahrhundert mit kleinen Fernrohren entdeckt. Dazu gehören die Galaxien M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90. Zusätzlich enthält das Sternbild Hunderte weiterer lichtschwacher Galaxien, die im NGC-Katalog und im Index-Katalog (IC) verzeichnet sind, aber nur in Fernrohren sehr großer Öffnung bei sehr guten Beobachtungsbedingungen wahrgenommen werden können.
Damit man in dieser Vielfalt von Galaxien die Übersicht behalten kann, muss man seine Beobachtungen gut vorbereiten und sorgfältig durchführen, damit man beim Beobachten weiß, welches Objekt man im Okular betrachtet. Außerdem ist für die erfolgreiche Beobachtung ein dunkler, sternklarer Himmel bei sehr transparenter Luft erforderlich, sowie ein Teleskop mit möglichst großer Öffnung. Die Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen nämlich ca. 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 10° westlich von Spica liegt an der Grenze des Sternbilds Jungfrau zum Sternbild Rabe die 8,3m helle Galaxie M104, die unter dem Namen „Sombrero-Galaxie“ bekannt geworden ist. M104 ist 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Bei klarem, dunklem Himmel ist in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung das von Hubble-Fotos bekannte dichte Staubband dieser Galaxie zu erahnen.

 

Bootes

Zwischen Spica und der Wega im Osten leuchtet ein heller oranger Stern. Das ist Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riese, 36 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist ein Mitglied der Halo-Sternpopulation unserer Milchstraße, derzeit durchquert er mit 150 km/s die Scheibe der Milchstraße in der Nachbarschaft unserer Sonne.
Die hellen Sterne des Sternbilds Bootes stehen am Himmel in einer Anordnung, die an eine Eiswaffel erinnert, an deren zum Horizont weisender Spitze Arktur steht.
Das Sternbild Bootes enthält schöne Doppelsterne. Einer davon ist der 3,7m helle Izar (Epsilon Bootis), er zeigt im Fernrohr zwei verschiedenfarbige Partner in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden, der eine orange, der andere blau. Deshalb bekam der Stern im romantischeren 19. Jahrhundert den lateinischen Namen „Pulcherrima“, was übersetzt „die Allerschönste“ bedeutet. Der 4,5m helle 44 Bootes ist ebenfalls ein Doppelstern. Seine Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand voneinander beträgt derzeitig 3 Bogensekunden. Der Schwächere der beiden Partner von 44 Bootis ist ebenfalls ein Doppelstern, allerdings beträgt dessen Umlaufzeit weniger als 6,5 Stunden, wobei es regelmäßig zu gegenseitigen Bedeckungen und zur Abschwächung der Sternhelligkeit von 44 Bootis kommt.
Auch der 4,5m helle Xi Bootis ist ein Doppelstern, man findet ihn ca. 8,5° östlich von Arktur, seine beiden Partner sind ungleich hell und erscheinen rötlich.

 

Rabe

Oberhalb des Südhorizonts erkennen wir das markante kleine Sternenviereck des Raben. Algorab (Delta Corvi) ist der Stern an der Nordostecke des Vierecks. Algorab ist ein Doppelstern, der schon im kleinen Fernrohr problemlos als getrennt zu sehen ist. Seine Partner sind unterschiedlich hell und haben unterschiedliche Farben. Bekannt geworden ist das Sternbild Rabe durch die Hubble-Bilder der beiden „Antennengalaxien“ NGC4038 und NGC 4039, die ca. 3,2° westsüdwestlich von Gamma Corvi liegen. Diese Galaxien sind leider nur in Teleskopen großer Öffnung zu beobachten. Ca. 2,5° südwestlich von Algorab liegt der kleine, 10,5m helle Planetarische Nebel NGC 4361, der einen deutlich sichtbaren Zentralstern hat.

 

Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens. Es wurde zum Ende das 16. Jahrhunderts vom Danziger Astronomen Johannes Hevel erfunden. Sein hellster Stern ist der 2,9m helle Cor Caroli (Alpha), ein markanter Doppelstern, 110 Lichtjahre von uns entfernt. Der zweithellste Stern Asterion (Beta) ist hingegen nur 27 Lichtjahre entfernt und 4,4m hell.
Zieht man in Gedanken eine Linie von Cor Caroli nach Südosten zum hellen Stern Arktur im Bärenhüter, kann man knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie mit dem Fernglas einen runden, nebeligen Fleck erkennen: den Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung werden die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst.
Das Sternbild Jagdhunde enthält viele Galaxien, die schon in kleinen Fernrohren beobachtet werden können. Ziehen wir z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Asterion, finden wir auf der Mitte dieser Linie im lichtstarken Fernglas einen ausgedehnten, länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die Galaxie M106. Die 8,2m helle, rundliche Galaxie M94 finden wir ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion.
Zieht man eine Linie von Cor Caroli nach Gamma Comae Berenices, kann man bereits im Dreizöller knapp südlich der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 auffinden, sie wird wegen ihrer Form „Heringsgalaxie“ genannt.
Weitere sehenswerte Galaxien im Sternbild Jagdhunde sind NGC 4490, ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion, sowie M63, NGC 4495 und die berühmte Spiralgalaxie M51. Die von Astrophotos bekannten Spiralarme dieser Galaxien kann man mit eigenen Augen aber erst mit Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung unter einem dunklen, transparenten Neumondhimmel wahrnehmen.
Zieht man eine Linie von Asterion nach Mizar, findet man nach einem Drittel der Strecke von Asterion den roten Stern Y Canes Venaticorum. Dieser Stern ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „La Superba“ bekannt. Y ist ein Roter Riesenstern in 1000 Lichtjahren Entfernung, dessen Helligkeit unregelmäßig innerhalb von ca. 150 Tagen zwischen 4,8m und 6,3m schwankt.

 

Herkules

Das Sternbild Herkules liegt östlich des Sternbilds Corona Borealis. Sein Hauptstern Ras Algethi (Alpha) liegt im Südteil des Herkules, nahe bei Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Im Fernrohr ab acht Zoll Öffnung zeigt sich Ras Algethi bei hoher Vergrößerung als ein enger, aber reizvoller Doppelstern: sein hellerer Partner ist orange, der Schwächere erscheint grünlich.
Zieht man eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und sucht sie mit einem lichtstarken Fernglas ab, findet man damit nach einen Drittel dieser Linie ein rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung und bei einer Vergrößerung ab 80x sieht man das Nebelbällchen als kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der berühmte Kugelsternhaufen M13. Entdeckt wurde er 1714 von Edmond Halley. M13 liegt in einer Entfernung von über 22.000 Lichtjahren. M13 ist der hellste Kugelsternhaufen des nördlichen Sternenhimmels.
Schwenkt man von Eta Herkulis ca. 8,5° nach Norden, erkennt man dort bei mondlos dunklem Himmel im Fernglas 10 x 50 ein weiteres kleines Wölkchen. Das ist der Kugelsternhaufen NGC 6229. Er lässt sich nur mit Fernrohren großer Öffnung in Einzelsterne auflösen, denn er ist viel weiter von uns entfernt als M13.
Der 4,8m helle Stern 95 Herkulis ist ein weiterer hübscher Doppelstern. Wir finden ihn 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Doppelsternpartner von 95 Herkulis stehen am Himmel in einem Abstand von sechs Bogensekunden voneinander und sind daher schon in kleinen Fernrohren bequem getrennt zu sehen. Die Farben der beiden Partner von 95 Herculis sind unterschiedlich und scheinen sich Berichten zufolge manchmal zu verändern. Zuletzt waren die beobachteten Farben golden und weiß.
Schwenkt man von Pi Herkulis 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist so hell wie M13, erscheint aber deutlich konzentrierter.
Schwenkt man sein Fernrohr von Rutilicus (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, findet man im Okular bei niedriger Vergrößerung einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern in einem Feld schwacher Sterne. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150x, zeigt sich der Stern als eine, blaugrünliche Scheibe mit einem zentralen, weißen Stern.

 

Corona Borealis

Östlich des Sternbilds Bootes erkennen wir die nach Norden geöffnete Sternenkette des kleinen Sternbilds Corona Borealis. Sein 2,2m heller Hauptstern trägt den lateinischen Namen „Gemma“, was auf Deutsch „Edelstein“ bedeutet. Bei großer Luftunruhe kann man Gemma zuweilen ganz ähnlich wie Sirius in allen Farben funkeln sehen. Ca. 3,5° östlich von Gemma liegt Delta Coronae Borealis, 2° nördlich von Delta liegt der Veränderliche Stern R Coronae Borealis. In Abständen von Monaten bis Jahren stößt R Coronae gewaltige Rußwolken aus, die sein rotes Licht verdüstern. Dadurch kann dieser Stern spontan für Monate oder sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. Dann ist der sonst schon im kleinen Fernglas mühelos erkennbare Stern R Coronae Borealis selbst im großen 10-Zöller nicht mehr sichtbar.

 

Waage

Das Sternbild Waage liegt östlich des Sternbilds Jungfrau. Da es bei uns nur einen maximalen Horizontabstand von ca. 20° erreicht, wird es in unseren Breiten meist übersehen.
In diesem Monat ist das hellste Objekt in diesem Sternbild der -2,6m helle Jupiter, der hier im Zuge seiner diesjährigen Oppositionsschleife nach Westen wandert, um in diesem Sternbild am 9. Mai seine diesjährige Oppositionsstellung zu erreichen. Jupiter ist in jedem Fernrohr ein sehr lohnendes Beobachtungsobjekt. In Fernrohren großer Öffnung und hoher Vergrößerung kann man viele Details der Wolkenbänder Jupiters beobachten. Man kann dabei verfolgen, wie die helle Jupitermonde in den Schatten Jupiters eintauchen, und wie sie wieder daraus hervorkommen, und beobachten, wie die kleinen runden Schatten der Monde innerhalb weniger Stunden über die Wolkendecke Jupiters ziehen.
Die hellsten Sterne im Sternbild Waage sind der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae) und der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, der schon im Fernglas getrennt werden kann, seine beiden Partner zeigen einen schönen Farbkontrast.
Das Sternbild Waage entstand in der römischen Antike. Ursprünglich gehörten seine Sterne zum Sternbild Skorpion und stellten dort die beiden Scheren des Skorpions dar. Das erkennt man heute noch am Namen der Sterne: Zubenelgenubi kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Südliche Schere“, Zubeneschemali bedeutet „Nördliche Schere.
Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae, ein Bedeckungsveränderlicher vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt seine Helligkeit für sechs Stunden um eine ganze Größenklasse auf 5,5m ab. Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der nur 8,5m helle, locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn zu beobachten benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung.

 

Schlange und Schlangenträger

Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange liegen zwischen den beiden Sternbildern Herkules und Skorpion. Beide Sternbilder stammen aus der Antike. Sie wurden zur Erinnerung an den sagenhaften Arzt Asklepios und seine Schlange geschaffen. Durch die Schlange soll Asklepios herausgefunden haben, wie man Tote zum Leben erwecken kann. Das Sternbild Schlange besteht aus zwei Teilen. Westlich des Schlangenträgers liegt der Kopf der Schlange („Serpens Caput“), östlich des Schlangenträgers der Schwanz der Schlange („Serpens Cauda“).
Asklepios war ein sehr begabter Sohn des Apollon. Der weise Zentaur Chiron bildete den Asklepios zu einem hervorragenden Arzt aus. Als Asklepios bei der Beobachtung einer Schlange zufällig herausfand, wie man Tote durch ein Heilkraut wieder zum Leben erwecken kann, ließ Zeus ihn ermorden, um die bewährte Ordnung der Welt zu erhalten. Den toten Asklepios versetzte er samt der Schlange als Sternbilder an den Himmel. Noch heute gilt die Äskulapschlange als ein bekanntes Gesundheitssymbol.
Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist der Stern Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds, nahe bei Ras Algethi (Alpha Herculis) und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers befindet sich der nach oben gerichtete Hals der Schlange, gekennzeichnet durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Das kleine Dreieck aus den Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk findet man im lichtstarken Fernglas ein rundliches Wölkchen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Schon im kleinen Fernrohr mit nur 63 mm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Man kann M5 leicht auffinden, indem man sein Fernrohr auf Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und dann um 11,5° nach Norden schwenkt.
Östlich des Sternbilds Schlangenträgers befindet sich der nach oben gerichtete Schwanz der Schlange, markiert durch die Sterne My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern für kleine Fernrohre. Beide Partner von Alya sind gleich hell und weiß.
Der Schlangenträger enthält außerdem die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Sie sind bereits mit dem Fernglas wahrnehmbar. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior und wird schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst.
M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.
In der Region südlich von Sabik befindet sich ein Dutzend weiterer Kugelsternhaufen.
Der Südteil des Sternbilds liegt mitten in der Milchstraße und ist reich an Sternen und Dunkelwolken. In großen lichtstarken Ferngläsern und im lichtstarken Fernrohr kann diese Region in dunklen, sternklaren Nächten einen faszinierenden Anblick bieten.
Der Mars wandert am 10. Februar vom Sternbild Skorpion in das Sternbild Schlangenträger. Der 1,1m helle Planet kann hier ab 4:00 wahrgenommen werden. Er ist jedoch noch zu weit von der Erde entfernt, sodass im Fernrohr auf dem knapp sechs Bogensekunden großen Marsscheibchen noch keine Strukturen der Marsoberfläche wahrnehmbar sind.

 

Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Daher ziehen beide Sternbilder fast gleichzeitig durch den Meridian. Das Sternbild Skorpion enthält viele helle Sterne, dennoch wird es nicht oft beobachtet, da es sehr horizontnah liegt. Von Mitteleuropa aus ist nur sein nördlicher Teil zu sehen, denn der südliche Teil des Sternbilds bleibt hier bei seinem Meridiandurchgang unterhalb des Südhorizonts. Man kann die Sterne des Skorpions nur beobachten, wenn der Himmel bis hinab zum Horizont frei von Dunst ist. An einem abgelegenen dunklen Standort oben auf einem Berg im Mittel- oder im Hochgebirge sind die Chancen hierfür relativ günstig.
Der hellste Stern im Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares ist ein Roter Überriese von ca. 15 Sonnenmassen, er liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt. Antares strahlt mit 9000 Sonnenleuchtkräften und hat einen Durchmesser von ca. einer Milliarde Kilometern. Antares ist zudem ein Doppelstern, sein 6,5m heller grünlicher Partner steht in nur drei Bogensekunden Abstand.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein schöner Doppelstern, der schon in kleinen Fernrohren eindrucksvoll zu erkennen ist. Er liegt 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt.
Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Im kleinen Fernrohr erweist sich Alniyat als Doppelstern. Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Sein Begleiter ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.
Ca 1,2° westlich von Antares liegt der Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sehr hell und enthält deutlich weniger Sterne als die meisten anderen am Himmel beobachtbaren Kugelsternhaufen, Da M4 jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist, kann er mit jedem kleinen Fernrohr in viele Sterne aufgelöst gesehen werden.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Er ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel, doch wegen seiner horizontnahen Position erscheint M6 von Mitteleuropa aus gesehen in der Regel schwächer, als er tatsächlich ist. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen, in einem lichtstarken Fernrohr zeigt M6 bei klarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, weshalb der Sternhaufen auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt ist.

 

Leier

Das Sternbild Leier ist zwar eines der kleinsten Sternbilder, es ist jedoch besonders leicht aufzufinden, denn sein Hauptstern Wega ist einer der hellsten Sterne des Himmels. Wega ist 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0, hat 37 Sonnenleuchtkräfte und ist 25 Lichtjahre entfernt. Wega einer der nächsten und zugleich mit seinem Alter von 400 Millionen Jahren einer der jüngsten Sterne im Umfeld unserer Sonne.
Vier Sterne südlich von Wega bilden einen kleinen Rhombus, welcher im Sternbild den Korpus der Leier darstellt. Der besteht an seinem nördlichen Ende aus dem Doppelstern Zeta Lyrae und dem weiten Doppelstern Delta Lyrae, an seinem südlichen Ende aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae).
im Fernrohr kurzer Brennweite zeigt sich, dass die Region um Delta Lyrae ein zerstreuter junger Offener Sternhaufen ist, ca. 800 Lichtjahre entfernt. Der Stern Delta Lyrae erscheint uns als ein Doppelstern mit breitem Zwischenraum, die beiden Sterne stehen von uns aus gesehen jedoch nur in derselben Richtung. Delta1 Lyrae ist ein junger blauweißer Stern, 990 Lichtjahre entfernt, Delta2 Lyrae ist ein leuchtkräftiger Roter Riese in ca. 750 Lichtjahren Entfernung.
Beta Lyrae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern in 880 Lichtjahren Entfernung, dessen beide ungleich hellen Partner einander einmal in 12,94 Tagen umkreisen und sich dabei regelmäßig gegenseitig bedecken. Zwischen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der Planetarische Nebel M57, der berühmte „Ringnebel“.
Ca. 1,6° nordöstlich von Wega sehen wir einen 4m hellen Stern, der schon dem bloßen Auge leicht länglich erscheint. Das ist Epsilon Lyrae. Im Fernglas zeigt sich Epsilon als ein Doppelstern. Wenn man Epsilon im Fernrohr bei 100facher Vergrößerung betrachtet, zeigt sich jeder der beiden Partner von Epsilon seinerseits ebenfalls als Doppelstern. Epsilon Lyrae besteht somit tatsächlich aus vier Sternen, die einander paarweise in Jahrhunderten umkreisen.

 

Abschluss

Schließlich endet die Himmelsbeobachtung. Schlechtes Wetter, Kälte, Müdigkeit, die Aufgaben des folgenden Tages zwingen dazu, die Geräte abzubauen, das Zubehör einzusammeln und einzupacken, und dann alles sorgfältig im Kofferraum zu verstauen. Abschließend erfolgt noch ein letzter Check des Beobachtungsorts mit der Taschenlampe, damit auf dem dunklen Boden kein Teil der Ausrüstung, kein Schal, Handschuh oder Abfall vergessen zurückbleibt.
Die Finger sind steif, die Zehen sind kalt, Wir steigen ins Auto, sitzen endlich bequem. Zum Glück springt der Motor sofort an, die Scheinwerfer leuchten auf und tauchen den festgetretenen Boden und die kahlen Zweige der Büsche dahinter in grelles Licht. Wir rollen den Weg zum Sträßchen hinab, das Heizungsgebläse rauscht, der Schotter knirscht unter den Rädern. Wir biegen in die schmale, vielfach geflickte Teerstraße auf der Hochfläche ein, erreichen bald danach die zwischen Hecken und Viehweiden verlassen liegende Landstraße, geben Gas und fahren auf ihr hinab in das lang gestreckte Tal und durch den dunklen Buchenwald. Dann führt uns die Straße wieder aus dem Tal heraus, über den nächsten Waldberg und näher an den aufgehellten Himmel über der Großstadt, nach Hause.

Weiter lesen

nach oben

Anzeige