Übersicht gegen 1:00

Gegen 1:00 steht Wega im Zenit. Der Schlangenträger hat den Meridian überquert. Im Südwesten ragen die nördlichen Sterne des Skorpions über den Horizont. Über dem Südosthorizont sieht man die Planeten Saturn und Jupiter. Hoch im Osten ist bereits das Sternenquadrat des Pegasus sichtbar.

 

 

Planet Jupiter

Jupiter ist nun das hellste Objekt im Sternbild Wassermann. Wenn die Luftruhe es zulässt, lassen sich im Fernrohr bei hoher Vergrößerung Strukturen in den Bändern und Zonen der Oberfläche Jupiters eindrucksvoll beobachten. Sind die Bedingungen jedoch zu schlecht, sollte man seine Beobachtungen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Am 20. August wird der Jupiter seine diesjährige Oppositionsstellung erreichen. Er wird dann -2,8m hell werden, und sein Durchmesser wird 47,6 Bogensekunden betragen.

 

Planet Saturn

Der Ringplanet wird am 2. August seine diesjährige Oppositionsstellung. Der 0,2m helle Saturn zeigt sich im Fernrohr als Scheibchen von 17,4 Bogensekunden Durchmesser. In jedem kleinen Fernrohr sind bei 30facher Vergrößerung der Ring um Saturn sowie der hellste Saturnmond Titan gut zu sehen. Bei geringer Luftunruhe kann man Beobachtungen mit einer höheren Vergrößerung versuchen. Im Fernrohr ab 10 cm Öffnung kann man dann zusätzlich auch die kleineren Saturnmonde Thetis, Rhea und Dione wahrnehmen. Bei sehr guter Luftruhe kann man dann bei genauem Hinsehen vielleicht auch den feinen Schatten wahrnehmen, den der Ring auf den Planeten wirft, sowie den Schatten, den der Planet auf seinen Ring wirft.

 

Sternbild Schild

Südöstlich der Schwanzsterne des Sternbilds Schlange liegt das kleine Sternbild Schild. Da das Sternbild Schild keine auffälligen Sterne enthält, wird es von Beobachtern häufig übersehen. Andererseits verläuft die Milchstraße durch dieses Sternbild, daher liegen hier mehrere Offene Sternhaufen. Sehenswert ist hier der Offene Sternhaufen M11, der ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae liegt. M11 ist ein kleiner, aber heller Sternhaufen, der bereits 1681 von dem Berliner Astronomen Gottfried Kirch beobachtet wurde. M11 wird auch als “Wildentenhaufen“ bezeichnet, weil die Anordnung seiner Sterne manche Betrachter an einen dichten Schwarm von Wildenten erinnert, die in der Ferne von einem See auffliegen.
M11 ist in eine ca. 5° große Milchstraßenwolke aus unzähligen Sternen eingebettet, die man als die “Schildwolke“ bezeichnet. Diese Stelle des Himmels ist frei von fast überall in der galaktischen Scheibe eingebetteten Dunkelwolken und bietet Beobachtern einen einmaligen, 20000 Lichtjahre tiefen Blick bis fast zum Milchstraßenzentrum. Dadurch nimmt man die längs der langen Sichtlinie liegenden Sterne als eine Wolke aus zahllosen Sternen wahr, die gemeinsam wie ein riesiger Offener Sternhaufen erscheinen. Auch im lichtstarken Fernglas bietet die Schildwolke an einem mondlosen Sternenhimmel einen sehr lohnenden Anblick.  

 

Sternbild Schütze

Südlich des Sternbilds Schild liegt das Sternbild Schütze. Es enthält viele helle Deep-Sky-Objekte, die Charles Messier bereits im 18. Jahrhundert mit seinem mit Metallspiegeln ausgestatteten kleinen Fernrohr entdeckt hat. Leider steigt das Sternbild Schütze über dem sommerlichen Mitteleuropa nur wenig über den Südhorizont. Wenn man jedoch das Glück hat, dass die Nachtluft bis hinab zum Südhorizont ruhig und transparent ist, kann man von einem hoch gelegenen, dunklen Standort mit freier Sicht nach Süden ab der zweiten Monatshälfte um Mitternacht viele der hellen „Messier-Objekte“ des Sternbilds Schütze schon mit dem bloßem Auge wahrnehmen.

Die hellsten Sterne des Sternbilds Schütze stehen am Himmel in einer markanten Anordnung, das sehr an eine rundliche Teekanne mit Deckel erinnert. Der Stern Lambda Sagittarii markiert die Spitze des Kannendeckels, Gamma Sagittarii rechts die Spitze der Ausgusstülle, Theta, Sigma, Tau und Zeta bilden links den Henkel.Ca. 2,3° nordöstlich von Lambda findet man im Fernglas ein kugeliges Nebelchen, das ist der Kugelsternhaufen M22. M22 ist an sich der hellste Kugelsternhaufen, den man von Mitteleuropa aus beobachten kann. Ca. 1° nordwestlich von Lambda kann man im Fernglas ein weiteres mattes Wölkchen erahnen: das ist der Kugelsternhaufen M28. Ca. 5,5° westlich von Lambda kann man mit dem bloßen Auge bei klarem Himmel ein weiteres Nebelobjekt erkennen, das ist M8, der berühmte “Lagunennebel“. Ca. 1,5° nördlich des Lagunennebels liegt M20, der “Trifidnebel“. Fast 5° nördlich des Sterns My Sagittarii liegt der zarte Nebel M17, der unter den Namen “Omeganebel“, “Schwanennebel“ oder “Hufeisennebel“ bekannt ist. Dazwischen liegt die große, sternreiche Milchstraßenwolke M24.

 

 

Sternbild Steinbock

Östlich des Sternbildes Schütze sieht man die Sterne des Sternbilds Steinbock. Dessen hellster Stern ist Algiedi (Alpha Capricornis), er erweist sich im Fernglas als ein Doppelstern. Seine beiden Partnersterne sind jedoch kein physisches Paar, sondern liegen von unserer Perspektive aus nur in derselben Richtung. Unterhalb von Algiedi steht der Stern Dabih (Beta Capricornis). Dabih ist ein hübscher Doppelstern, den man schon im kleinen Fernrohr bei niedriger Vergrößerung getrennt sieht, der helle Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint blauweiß.

Von Dabih zieht sich nach Osten eine Sternenkette hin, die aus den vier hellen Sternen Theta, Iota, Gamma und Delta Capricornis besteht.
Bei sternklarem Himmel und guter Durchsicht bis hinab zum Horizont kann man im Fernrohr ca. 6,5° südlich von Gamma Capricornis einen kleinen, rundlichen Nebel mit hellem Kern wahrnehmen. Das ist der Kugelsternhaufen M30. Um M30 vollständig in Einzelsterne aufgelöst zu sehen, braucht man neben guter Luftruhe und sehr transparenter trockener Luft bei mondlosem Sternenhimmel ein Fernrohr großer Öffnung und muss eine hohe Vergrößerung verwenden.

 

Sternbild Wassermann

Das Sternbild Wassermann erstreckt sich nördlich und östlich des Sternbilds Steinbock. Ca. 4,5° nördlich des 2,9m hellen Sterns Mesarthim (Beta Aquarii) stößt man mit dem Fernglas auf einen schwachen, rundlichen Nebelfleck: das ist der Kugelsternhaufen M2. Im kleinen Fernrohr von 6 cm Öffnung nimmt man M2 als einen runden Nebel von ca. 6 Bogenminuten Durchmesser war, der ein aufgehelltes Zentrum hat. In Fernrohren ab 15 cm Öffnung und 150-facher Vergrößerung kann M2 fast bis in sein Zentrum in zahllose Einzelsterne aufgelöst betrachten.

Im Sternbild Wassermann befindet sich der Neptun. Man kann den 7,9m hellen Planeten mit einem Fernglas ca.5,5° östlich des 4,2m hellen Sterns Phi Aquarii sehen. In Fernrohren ab 10 cm Öffnung kann man Neptun bei hoher Vergrößerung als blassblaues Scheibchen von 2,3 Bogensekunden Durchmesser sehen. Neptun ist im Juli ca. 4,4 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Das Licht ist von Neptun bis zu uns mehr als vier Stunden unterwegs.

 

 

Abschluss

Bereits ab 3:30 beginnt sich der Nachthimmel im Nordosten aufzuhellen. Von da an sind mit dem bloßen Auge im Sternbild Schütze keine galaktischen Nebel mehr wahrnehmbar. Danach verliert die Milchstraße allmählich ihre Pracht, sie wirkt zunehmend matt und unattraktiv. Als nächstes verschwinden die schwachen Sterne nach und nach aus der Wahrnehmung. Schließlich ist der Himmel so hell geworden, dass man daran nur noch die hellsten Sterne wahrnehmen kann: Das bedeutet, dass die Beobachtungsnacht definitiv zu Ende ist. Man muss einpacken.
Als erstes wischt man mit Handtüchern den Tau von den Geräten. Beobachtet man von einem abgelegenen Standort aus, muss man die Geräte im Schein der Kopflampen mit Umsicht abbauen und zwischen Decken abgepolstert im Kofferraum verstauen. Ist das erledigt, sollte man den Boden des Beobachtungsplatzes mit der Taschenlampe absuchen, um dort übersehenes Zubehör, Kleidungstücke oder Abfall aufzuspüren und einzusammeln. Man sollte den Beobachtungsplatz so zurücklassen, dass man unbesorgt wiederkommen darf.
Hat man alles übersichtlich und transportsicher verstaut, kann man noch unter dem stillen Himmel stehen bleiben und schauen. Im Zenit erahnt man vielleicht noch schwach das Himmels-W des Sternbilds Cassiopeia, und südlich davon erkennt man das Sternenquadrat des Sternbilds Pegasus.

Dann sitzt man müde im Auto. Der Motor springt an, die Scheinwerfer leuchten in den feinen grauen Nebel über den Wiesen, langsam rollen wir den Schotterweg vom Hügel hinab, biegen dort auf die schmale Straße zur Landstraße ein, fahren langsam zwischen den Wiesen und Hecken der Hochfläche, auf denen dösende Kühe ruhen. Wir erreichen die Landstraße, sie liegt nun verlassen. Trotz unserer Müdigkeit bleiben wir aufmerksam auf der kurvenreichen Straße durch die stillen, dunklen Buchenwälder hinunter ins Tal, denn jederzeit kann hier ein Reh aus dem Wald auf die Straße springen und vom Scheinwerferlicht geblendet stehen bleiben.
Schließlich verlassen wir den Wald und nähern uns der Lichtglocke der Stadt, und sind schon bald zu Hause.

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