Himmelsanblick um 1:00

Im Nordwesten sinkt das Sternbild Zwillinge unter den Horizont. Über dem Südosthorizont kann man nun die hellen Sterne des Skorpions wahrnehmen. Das große Sternbild Schlangenträger ist vollständig aufgegangen. Oberhalb dieses Sternbilds kann man die hellen Sterne des Sternbilds Herkules sehen. Hoch im Nordosten sieht man die Sterne der beiden Sommersternbilder Schwan und Leier.

 

 

Sternbild Waage

Das Sternbild Waage wird von Mitteleuropa aus wenig beobachtet. Im Mai passiert es erst nach Mitternacht den Meridian und steigt dabei nur ca. 20° hoch über den südlichen Horizont steigt.

Im Sternbild Waage liegen zwei helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae). Bereits im Fernglas erweist sich Zubenelgenubi als ein schöner Doppelstern aus zwei verschieden gefärbten Partnersternen.
Ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae).

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae, er ist ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt die Helligkeit des Sterns Delta Librae für die Dauer von sechs Stunden von 4,5m auf 5.5m ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der sehr locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn gut zu sehen, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr oder einen Kometensucher mit möglichst großer Öffnung, denn NGC 5897 ist nur 8,5m hell. Sehr viel besser sichtbar ist der 5,8m helle Kugelsternhaufen M5. Man findet ihn mühelos ca. 11,5° nördlich von Zubeneschemali.

 

&nbs

Sternbild Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt westlich des Sternbilds Waage. Es enthält viele leuchtkräftige Sterne.

Der hellste Stern des Sternbilds Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii), er liegt ca. 520 Lichtjahre von uns entfernt. Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen, der mit 9000 Sonnenleuchtkräften leuchtet und einen Durchmesser von als eine Milliarde Kilometern hat. Im Fernrohr erweist sich Antares als ein Doppelstern, sein 6,5m heller grünlicher Partnerstern steht im Abstand von drei Bogensekunden.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Auch Graffias ist ein sehenswerter Doppelstern, den man mit kleinen Fernrohren gut beobachten kann. Er ist 600 Lichtjahre von uns entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleucht-kräften und ist 540 Lichtjahre entfernt. Er stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar.
Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern mit 1700 Sonnenleuchtkräften, in 450 Lichtjahren Entfernung. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ein Doppelstern, den man bereits in einem kleinen Fernrohr getrennt sehen kann. Alniyat ist ca. 800 Lichtjahre entfernt, ein blauweißer Stern mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Sein Partnerstern ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.

Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sehr hell und enthält weniger Sterne als viele andere Kugelsternhaufen. Da M4 jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist, ist er der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen, uns so kann man M4 in jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Einzelsterne aufgelöst sehen.

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Das ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Von Mitteleuropa aus betrachtet leuchtet M6 aufgrund seiner horizontnahen Position viel schwächer, als vom Äquator aus beobachtet. Im Fernglas kann man jedoch die hellsten Sterne von M6 deutlich sehen, und am sternklaren Himmel zeigt M6 in einem lichtstarken Fernrohr über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert. Darum ist M6 auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt.

 

 

Sternbild Bärenhüter

Nördlich des Sternbilds Jungfrau sieht man einen hellen gelborangen Stern. Das ist Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist der vierthellste Stern am irdischen Nachthimmel, er ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, liegt 36 Lichtjahre entfernt und hat 100 Sonnenleuchtkräfte. Arktur ist Mitglied der Halo-Sternpopulation der Milchstraße, relativ zur Sonne zieht er mit einer Eigengeschwindigkeit von 122 km/s auf seiner Bahn quer durch die Scheibe unserer Milchstraße. Arktur ist ca. 8 Milliarden Jahre alt, er ist der älteste Stern, den man mit dem bloßen Auge am Himmel sehen kann.

Die Anordnung der hellsten Sterne im Bärenhüter erinnert an die Form einer Eiswaffel, deren Spitzer zum Horizont zeigt. An dieser Spitze steht Arktur.

Im Sternbild Bärenhüter liegen viele sehenswerte Doppelsterne. Der 3,7m helle Stern Izar (Epsilon Bootes) hat zwei verschiedenfarbige Partnersterne (orange und blau), die einen Winkelabstand von drei Bogensekunden voneinander haben. Um diesen engen zweifarbigen Doppelsterns mit Genuss sehen zu können, muss man Izar mit Fernrohren größerer Öffnung bei hoher Vergrößerung beobachten. Im 19. Jahrhundert gab der Astronom Secchi Izar den lateinischen Namen ‘Pulcherrima‘, auf Deutsch bedeutet er „Die Schönste der Schönen“.
Auch der 4,5m helle Stern 44 Bootis ist ein sehenswerter Doppelstern. Seine beiden Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr gegenseitiger Winkelabstand beträgt derzeitig 3 Bogensekunden. Daher ist bei der Beobachtung von 44 Bootis ein Fernrohr größerer Öffnung bei einer hohen Vergrößerung erforderlich.

Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Doppelstern Xi Bootis, er ist nur 22 Lichtjahre von uns entfernt, seine beiden Partnersterne sind rötlich und ungleich hell.

Zieht man von Arktur eine Linie zum Stern Cor Caroli im Sternbild Jagdhunde, stößt man mit dem Fernglas südöstlich der Mitte dieser Linie auf einen kleinen, rundlichen Nebelfleck. Im Fernrohr erweist sich dieser matte Nebel als ein Kugelsternhaufen. Es ist der 6,3m helle Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab 10 cm Öffnung kann man die Randbereiche von M3 bei Vergrößerungen ab 100-fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

 

 

Sternbild Nördliche Krone

Östlich des Sternbilds Bärenhüter kann man eine Norden hin geöffnete halbkreisförmige Sternenkette sehen: Das ist das kleine SternbildNördliche Krone (Corona Borealis). Ihr 2,2m heller Hauptstern hat den lateinischen Namen Gemma („Edelstein“). Der Name rührt daher, dass der Stern in einer warmen, sternklaren Frühlingsnacht zuweilen ähnlich intensiv wie Sirius in allen Farben funkelt. 3,5° östlich von Gemma liegt der Stern Delta Coronae Borealis. Ca. 2° nördlich von Delta liegt der Stern R Coronae Borealis, er ist ein Roter Veränderlicher Überriesenstern. In unregelmäßigen Abständen stößt R riesige Rußwolken aus, die sein Licht verdüstern können. Wenn das passiert, kann die Helligkeit des Sterns plötzlich für Monate oder sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen abnehmen, wodurch der sonst schon im kleinen Fernglas sehr leicht wahrnehmbare R Coronae Borealis selbst im lichtstarken Zehnzöller nicht mehr sichtbar ist. Der Stern liegt ca. 400 Lichtjahre entfernt.

 

 

Sternbild Herkules

Die Sterne des Sternbilds Herkules liegen östlich des Sternbilds Corona Borealis. Ihr Hauptstern Ras Algethi (Alpha Herculis) liegt im Südteil des Herkules, nahe beim Stern Ras Alhague, welcher der hellste Stern im Sternbild Schlangenträger ist.
Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. In Fernrohren großer Öffnung erweist sich Ras Algethi bei hoher Vergrößerung als ein enger, aber sehr ästhetisch wirkender Doppelstern: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint blaugrünlich.
Zieht man am Himmel eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und folgt ihr mit dem Fernglas, nimmt man nach dem ersten Drittel dieser Linie ein rundliches Nebelbällchen wahr. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung und bei einer Vergrößerung ab 80x erweist sich das Nebelbällchen als kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der Kugelsternhaufen M13. Entdeckt wurde er 1714 von Edmond Halley.

Schwenkt man sein Fernrohr von Pi Herkulis aus 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternhaufen ist so hell wie M13, im Vergleich zu M13 stehen die Sterne im Zentrum von M92  jedoch dichter beieinander.
Der 4,8m helle Stern 95 Herkulis ist ein sehenswerter Doppelstern. Wir finden ihn ca. 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Partnersterne von 95 Herkulis haben voneinander einen Abstand von 6 Bogensekunden, man kann sie daher schon in kleinen Fernrohren getrennt sehen. Die Farben der beiden Partnersterne sind voneinander verschieden, zudem nehmen Beobachter diese Farben oft unterschiedlich wahr.
Wenn man das Fernrohr vom Stern Kornephoros (Beta Herculis) aus ca. 4° nach Nordosten schwenkt, kann man im Okular bei niedriger Vergrößerung in einem Feld vieler schwacher Sterne einen 9m hellen, blaugrünen Stern wahrnehmen. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150-fach, zeigt sich der kleine Stern als eine kleine, blaugrünlich leuchtende Scheibe, in deren Zentrum ein kleiner Stern liegt. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Er ist 8,8m hell, ebenso hell wie der berühmte „Ringnebel“ M 57 im Sternbild Leier. Da NGC 6210 aber nur ein Viertel des Durchmessers des Ringnebels aufweist, ist die Flächenhelligkeit von NGC 6210 viel höher als die des Ringnebels.

 

 

Sternbild Drache

Das Sternbild Drache steht um 1:30 fast im Zenit. Das Sternbild liegt zwischen den Sternbildern Herkules, Kleiner Bär und Großer Bär. Es wurde in der Antike erfunden, um an den nimmermüden Drachen Ladon zu erinnern. Die Göttin Hera hatte den Ladon als Wächter ihres sagenhaften Baumes mit den Goldenen Äpfeln eingesetzt. Dann ließ Hera dem Herkules den Auftrag erteilen, er solle drei Äpfel von dem durch Ladon bewachten Baum stehlen. Hera erwartete, dass Herkules daran scheitern werde, doch Herkules tötete den mächtigen Ladon mit Giftpfeilen, um gefahrlos an die Goldenen Äpfel zu gelangen. Zeus versetzte den toten Ladon als das Sternbild Drache an den Himmel.

Der Kopf des Sternbilds Drache wird durch ein markantes gleichseitiges Dreieck aus den drei hellen Sternen Rastaban (Beta Draconis), Eltanin (Gamma Draconis) und Grumium (Xi Draconis) gebildet. Man findet dieses Sternendreieck nördlich des Sternbilds Leier, auf einer Deklination von 50°. Von dort aus erstreckt sich der schlanke Leib des Drachens als eine lange, gewundene Sternenkette um das Sternbild Kleiner Bär. Von den Kopfsternen des Drachens zieht sie zunächst mit den Sternen Altais (Delta Draconis) und Tyl (Epsilon Draconis) nach Norden, neigt sich von dort in einem Bogen mit den Sternen Chi, Eta, Zeta und Jota nach Südwesten, steigt dann wieder über Thuban (Alpha Draconis), Kappa und Lambda Draconis zu nördlicheren Breiten auf, um schließlich unweit des Himmelsnordpols zu enden.

Ca. 14 ° nördlich von Theta Herkulis steht der 2,2m helle Stern Eltanin (Gamma Draconis). Weitere 15° nördlich von Eltanin sieht man im Fernglas ein Feld mit zahlreichen schwachen Sternen. Im Fernrohr erweist sich bei Vergrößerung ab 60-fach einer davon als ein bläuliches Scheibchen. Das ist der 8,1m helle Planetarische Nebel NGC 6543. Er ist unter dem Namen „Katzenaugennebel“ bekannt. Der hellste Bereich des Nebels hat einen Winkeldurchmesser von 20 Bogensekunden, daher hat er eine hohe Flächenhelligkeit und kann daher mit maximaler zuträglicher Vergrößerung des verwendeten Fernrohrs gut beobachtet werden.

In einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung kann man im Sternbild Drache die 10,2m helle Spiralgalaxie NGC 6503 wahrnehmen. Man findet sie auf der Linie von Zeta Draconis nach Chi Draconis, und zwar etwas näher zu Chi. Im Fernrohr sieht NGC 6503 bei hoher Vergrößerung spindelförmig aus. Diese Galaxie ist nur 10 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 4° südöstlich von Iota Draconis kann man in Fernrohren ab 10 cm Öffnung die 9,9m helle Galaxis M102 wahrnehmen. M102 ist am mondlos sternklaren Landhimmel auch in einem kleineren Fernrohr gut wahrnehmbar. Sie liegt in einer Entfernung von 40 Millionen Lichtjahren.

 

Sternbilder Schlangenträger und Schlange

Das Sternbild Schlangenträger liegt zwischen den Sternbildern Herkules und Skorpion. Sein hellster Stern Ras Alhague liegt im Norden des Sternbilds, er stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden hellen Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers markieren die hellen Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis den nach oben gerichteten Hals der Schlange. An seinem Ende markieren die Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis gemeinsam den kleinen, dreieckigen Schlangenkopf.
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk findet man im lichtstarken Fernglas ein rundliches Wölkchen. Das ist der schöne Kugelsternhaufen M5. Er liegt 25000 Lichtjahre von uns entfernt, doch bereits in einem kleinen Fernrohr mit nur 63 mm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Man kann M5 ebenfalls leicht auffinde, indem man sein Fernrohr auf  Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und es von dort aus um 11,5° nach Norden schwenkt.

Östlich des Schlangenträgers bildet ein nach oben gerichtete Sternenkette aus hellen Sternen den Schwanz der Schlange. Sie besteht aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis, und dem Stern Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man auch in kleinen Fernrohren schön sehen kann. Beide Partnersterne von Alya sind gleich hell und leuchten weiß.

Im Schlangenträger liegen die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Man kann sie bereits mit einem lichtstarken Fernglas wahrnehmen. M12 findet man ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior, diesen Kugelsternhaufen kann man schon in kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M10 findet man ca. 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.
In der Himmelsregion südlich von Sabik liegen eine gute Dutzend weitere Kugelsternhaufen. Durch den Südteil des Sternbilds Schlangenträger zieht sich das Band der Milchstraße, daher ist diese Region reich an Sternen und Dunkelwolken. In mondlos dunklen, sternklaren Nächten bietet sie im lichtstarken Fernglas und im Fernrohr viele sehenswerte Beobachtungsobjekte.

 

 

Sternbild Schütze

Wenn man unter einem sternklaren und mondlosen Himmel mit freiem Blick zum fernen südlichen Horizont unterm Nachthimmel steht, kann das Sternbild Schütze zum Highlight der Maiennacht werden. Es ist ab 2:00 über dem Südhorizont zu sehen.

Die hellsten Sterne des Sternbilds Schütze stehen am Himmel in einer Anordnung, die den Beobachter spontan an eine große bauchige Teekanne mit Deckel erinnert. In den USA wird das Sternbild daher auch als “Teapot“ bezeichnet. Der Stern Nash (Gamma Sagittarii) markiert die Spitze der kurzen Ausgusstülle, die Sterne Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta bilden gemeinsam den rundlichen Körper der Kanne, und der
Stern Lambda markiert den Griffknopf auf der Mitte des flachen Kannendeckels.
Bei günstigen Beobachtungsbedingungen (mondlos sternklarer Nachtlandhimmel) kann man schon mit bloßem Auge ca. 2,5° nordöstlich von Lambda einen matten Lichtschimmer wahrnehmen. Bereits im kleinen Fernrohr erweist sich dieser Lichtschimmer als ein heller Kugelsternhaufen, den schon ein Fernrohr von 6 cm Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst zeigt. Das ist M22, er ist der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel über der Nordhalbkugel. Da M22 von Mitteleuropa aus horizontnah im Sternbild Schütze kulminiert, wird er viel seltener beobachtet als der ähnlich helle Kugelsternhaufen M13.
Burnham vergleicht in seinem “Celestial Handbook“ den Anblick von M22 am Okular seines Fernrohrs mit Tolkien´s Beschreibung des „Arkenstone of Thrain“ in „Der kleine Hobbit“. Diese Beschreibung kann man in einer klaren, stillen Maiennacht an einem lichtstarken Fernrohr größerer Öffnung durchaus nachvollziehen.

Ca. 6° nördlich von Nash kann man am klaren Nachthimmel mit bloßem Auge den berühmten „Lagunennebel“ M8 wahrnehmen. Im Fernrohr kann man in diesem großen, mit eindrucksvollen Dunkelwolken strukturierten Gasnebel den Offenen Sternhaufen NGC 6530 mit zahlreichen nadelfeinen Sternen beobachten.
Ca. 1,5° nordwestlich von M8 liegt M20, der „Trifidnebel“. Er ist bei guten Beobachtungsbedingungen bereits im kleinen Fernrohr als eine leuchtende Nebelwolke wahrnehmbar, welche von dunklen Staubbändern in drei Teile aufgespaltet erscheint.

Ca. 9,5° nördlich von Lambda befindet sich der ’Omeganebel’ M17. Er ist auch als „Schwanennebel“ bekannt, da seine Form in manchen Fernrohren an einen Schwan erinnert, der graziös auf einem Teich schwimmt. M17 ist ein Sternentstehungsgebiet, das in ca. 6000 Lichtjahren Entfernung liegt. Es leuchtet, weil dort die intensive UV-Strahlung heißer junger Sterne das sie umgebende extrem dünne Gas im Umkreis von 200 Lichtjahren ionisiert und zum Leuchten anregt. M17 ist schon im kleinen Fernrohr gut wahrnehmbar.

 

Sternbild Steinbock

Das Sternbild Steinbock liegt östlich des Sternbilds Schütze.
Das hellste Objekt im Sternbild Steinbock ist im Mai ist der 0,6m helle Saturn. Falls es keinen störenden Horizontdunst gibt und die Luftruhe hinreichend gut ist, kann man ihn ab 4:30 sehen. In Fernrohren ab 10 cm Öffnung wird bei hoher Vergrößerung erkennbar, dass der Ring um den Saturn einen merklichen Schatten auf die Planetenkugel wirft. Wenn kein Horizontdunst den Blick trübt, kann man in einem solchen Fernrohr mit etwas Glück auch die Saturnmonde Titan, Rhea, Dione, Thetys und Japetus wahrnehmen.

Am westlichen Rand des Sternbilds Steinbock sieht man bereits mit dem bloßen Auge einen auffälligen Doppelstern. Das ist der 3,9m helle Stern Algiedi (Alpha). Seine beiden Partnersterne (Alpha 1 und Alpha 2) sind jedoch kein physisches Paar, die beiden Sterne liegen von uns aus gesehen nur zufällig in derselben Richtung. Betrachtet man beide Sterne im Fernrohr, erweist sich darin jeder dieser Partnersterne seinerseits als ein Doppelstern, wobei die Partnersterne jedes einzelnen Doppelsternpaars jedoch sehr leuchtschwach ist.

Ca. 2,5° südöstlich von Algiedi liegt der 3m helle Stern Dabih (Beta). Dabih ein echter physischer Doppelstern, wobei seine beiden Partnersterne ungleich gefärbt sind. Die beiden Partnersterne stehen 210 Bogensekunden voneinander, man kann sie daher bereits mit dem Fernglas schön getrennt sehen. 

 

Ausklang

Ziehen am Nachthimmel Wolken auf, oder wird man müde, oder wird die Kälte der Nacht zu unangenehm, oder wird die Zeit knapp, und spätestens, wenn die Morgendämmerung einsetzt, wird die Beobachtungsnacht enden.

Ist das der Fall, muss man die Geräte in der Dunkelheit mit Umsicht abbauen, und muss die ganze Ausrüstung sorgfältig und sicher im Kofferraum verstauen. Das kann eine besondere Herausforderung sein, wenn man das müde und mit womöglich kältesteifen Fingern im Schein der Kopflampen fehlerfrei erledigen muss. Da ist es sehr angenehm, wenn man das zu Zweit machen kann. Hat man alles abgebaut und sicher verpackt, sollte man stets noch mit einer hellen Taschenlampe kontrollieren, ob man in der Dunkelheit kein Ausrüstungsteil übersehen hat. Meist findet man etwas.

Hat man schließlich alles aufgeräumt und es sicher eingepackt, kann man die Kopflampe ausschalten, schaut noch einmal in den Himmel, genießt die Stille, und kann von der Beobachtungsnacht Abschied nehmen.

Dann beginnt der letzte Akt: die Heimfahrt. Man steigt man ins Auto, sitzt bequem, der Motor springt an, die Scheinwerfer tauchen die Welt in helles Licht. Man schaltet die Heizung ein, und während sich die Wärme allmählich ausbreitet, fährt man umsichtig auf den verlassen liegenden Straßen durch den dunklen Wald nach Hause. Dabei muss man aufmerksam bleiben, denn jederzeit ein unvorsichtiges Reh aus der Dunkelheit auf die Straße ins Scheinwerferlicht treten und geblendet stehen bleiben. Schließlich verlässt man den Wald, fährt durch schlafende Dörfer und nähert sich wieder der Lichtglocke über der Stadt. Bald wird man wieder zu Hause sein, wo das gemütliche Bett auf einen wartet.

Weiter lesen

nach oben

Anzeige