Übersicht um 1:00

Um 1:00 sehen wir über dem Westhorizont das Sternbild Fuhrmann. Die Sternbilder Orion und Großer Hund versinken bereits im Südwesten. Das Sternbild Krebs hat den Meridian überschritten. Östlich davon steht das markante Sternbild Löwe nun hoch am Himmel und nähert sich dem Meridian.
Weiter im Osten sind bereits die beiden Sternbilder Jungfrau und Bootes aufgegangen, im Nordosten lugt das Sternbild Herkules über den Horizont, und das Sternbild Großer Bär nähert sich dem Zenit.

 

Jungfrau

Gegen 2:00 befindet sich das Sternbild Jungfrau im Meridian. Der hellste Stern in diesem Sternbild ist Spica, ein ein 1,0m heller blauer Riesenstern der Spektralklasse B2. Spica hat 2600 Sonnenleuchtkräfte und ist 240 Lichtjahre entfernt. Der 3,6m helle Stern Zavijava (Beta Virginis) ist ein Stern mit sechs Sonnenleuchtkräften in nur 35 Lichtjahren Entfernung. Der 2,7m helle Stern Porrima (Gamma Virginis) ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partnersterne zurzeit ca. 2 Bogensekunden voneinander liegen. Er ist 38 Lichtjahre von uns entfernt. Der Stern 2,8m helle Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, er steht im Norden das Sternbilds. Der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. In der römischen Antike diente der Aufgang des Vindemiatrix in der Morgendämmerung den Weinbauern als Zeichen, dass der Zeitpunkt für den Beginn der Weinlese gekommen war.

Bei mondlos sternklarem Himmel kann man im Sternbild Jungfrau mit Fernrohren zahlreiche Galaxien beobachten. In diesem Sternbild wurden viele dieser lichtschwachen Objekte bereits im 18. Jahrhundert mit kleinen Fernrohren entdeckt. Dazu gehören die Galaxien M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90. Außerdem enthält das Sternbild viele  weitere lichtschwache Galaxien, die leider nur in Fernrohren sehr großer Öffnung bei sehr guten Beobachtungsbedingungen wahrgenommen werden können.
Damit man in dieser Vielfalt von Galaxien die Übersicht behalten kann, sollte man seine Beobachtungen gut vorbereiten und so sorgfältig durchführen, dass man beim Beobachten stets weiß, welche der Galaxien man soeben im Okular betrachtet. Für die erfolgreiche Beobachtung muss der Himmel dunkel und sternklar und die Nachtluft sehr transparent sein. Das Teleskop sollte zudem eine möglichst großer Öffnung haben, denn die Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen ca. 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie leuchten daher ca. 500 Mal schwächer als die Andromeda-Galaxie.

Ca. 10° westlich von Spica liegt an der Grenze des Sternbilds Rabe zum Sternbild Jungfrau die 8,3m helle Galaxie M104, die unter dem Namen „Sombrero-Galaxie“ bekannt geworden ist. M104 ist 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Bei klarem, dunklem Himmel ist in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung das von Hubble-Fotos bekannte dichte Staubband dieser Galaxie zu erahnen.

 

Bootes

Zwischen Spica und der Wega im Osten leuchtet hell der orange Stern Arktur, er ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, 36 Lichtjahre von uns entfernt. Arktur ist ein Mitglied der Halo-Sternpopulation unserer Milchstraße und der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Derzeit durchquert er mit 150 km/s die Scheibe der Milchstraße in der Nachbarschaft unserer Sonne.

Die Anordnung der hellen Sterne des Sternbilds Bootes erinnert an eine Eiswaffel, an deren zum Horizont weisender Spitze Arktur steht.

Das Sternbild Bootes enthält schöne Doppelsterne. Einer davon ist der 3,7m helle Izar (Epsilon Bootis), im Fernrohr sieht man zwei verschiedenfarbige Partner im Winkelabstand von drei Bogensekunden, der eine ist orange, der andere bläulich. Deshalb gab man Izar im romantischen 19. Jahrhundert den lateinischen Namen „Pulcherrima“, was übersetzt „die Allerschönste“ bedeutet. Auch der 4,5m helle 44 Bootes ist ein Doppelstern. Seine Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand voneinander beträgt derzeitig 3 Bogensekunden. Der Schwächere der beiden Partnersterne von 44 Bootis ist ebenfalls ein Doppelstern, allerdings beträgt dessen Umlaufzeit weniger als 6,5 Stunden, wodurch die Helligkeit von 44 Bootis regelmäßig schwankt.

Auch der 4,5m helle Stern Xi Bootis ist ein Doppelstern, er liegt ca. 8,5° östlich von Arktur, seine beiden Partnersterne sind ungleich hell und erscheinen rötlich.

 

Rabe

Oberhalb des Südhorizonts kann man ein markantes kleines Sternenviereck sehen. Das ist das antike Sternbild Rabe. Der Stern an der Nordostecke dieses Vierecks heißt Algorab (Delta Corvi). Algorab ist ein Doppelstern, den man bereits im kleinen Fernrohr problemlos getrennt sieht. Seine Partnersterne sind unterschiedlich hell und haben unterschiedliche Farben.
Das Sternbild Rabe ist durch die Hubble-Bilder der beiden „Antennengalaxien“ NGC4038 und NGC 4039 bekannt geworden, die ca. 3,2° westsüdwestlich von Gamma Corvi liegen. Diese Galaxien kann man jedoch nur in Teleskopen mit mindestens 35 cm Öffnung wahrnehmen.
 

 

Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens. Es wurde zum Ende das 16. Jahrhunderts vom Danziger Astronomen Johannes Hevel erfunden. Sein hellster Stern ist der 2,9m helle Cor Caroli (Alpha), ein markanter Doppelstern, 110 Lichtjahre von uns entfernt. Der zweithellste Stern Asterion (Beta) ist hingegen nur 27 Lichtjahre entfernt und 4,4m hell.

Zieht man in Gedanken eine Linie von Cor Caroli nach Südosten zum hellen Stern Arktur im Bärenhüter, kann man knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie mit dem Fernglas einen runden, nebeligen Fleck erkennen: den Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung werden die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst.

Das Sternbild Jagdhunde enthält viele Galaxien, die schon in kleinen Fernrohren beobachtet werden können. Ziehen wir z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Asterion, finden wir auf der Mitte dieser Linie im lichtstarken Fernglas einen ausgedehnten, länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die Galaxie M106.
Die 8,2m helle, rundliche Galaxie M94 finden wir ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion.
Zieht man eine Linie von Cor Caroli nach Gamma Comae Berenices, kann man bereits im Dreizöller knapp südlich der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 auffinden, sie wird wegen ihrer Form „Heringsgalaxie“ genannt. Andere sehenswerte Galaxien im Sternbild Jagdhunde sind NGC 4490 (sie liegt ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion) sowie M63, NGC 4495 und die berühmte Spiralgalaxie M51. Die durch viele Astrofotos bekannt gewordenen Spiralarme dieser Galaxien kann man mit eigenen Augen aber erst mit Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung unter einem dunklen, transparenten Neumondhimmel wahrnehmen.
Zieht man am Himmel eine Linie von Asterion nach Mizar, findet man von Asterion ausgehend nach einem Drittel der Strecke den rötlichen Stern Y Canes Venaticorum. Dieser Stern ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen „La Superba“ bekannt. Y ist ein Roter Riesenstern in 1000 Lichtjahren Entfernung, dessen Helligkeit innerhalb von ca. 150 Tagen zwischen 4,8m und 6,3m unregelmäßig schwankt.  

 

Herkules

Das Sternbild Herkules liegt östlich des Sternbilds Corona Borealis. Sein Hauptstern Ras Algethi (Alpha) liegt im Südteil des Herkules, nahe bei Stern Ras Alhague, der der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Im Fernrohr ab acht Zoll Öffnung sieht man bei hoher Vergrößerung, dass Ras Algethi ein enger und schöner Doppelstern ist: der hellere Partner ist orange, der schwächere Partner ist grünlich.
Zieht man am Himmel eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und sucht sie mit einem lichtstarken Fernglas ab, findet man dort nach dem ersten Drittel dieser Linie ein rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung und bei einer Vergrößerung ab 80x sieht man das Nebelbällchen als kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der Kugelsternhaufen M13. Edmond Halley entdeckte ihn 1714. M13 liegt in einer Entfernung von über 22.000 Lichtjahren. M13 ist der hellste Kugelsternhaufen des nördlichen Sternenhimmels.
Schaut man von Eta Herkulis ausgehend ca. 8,5° nach Norden, kann man im Fernglas 10 x 50 bei mondlos sternklarem Himmel ein weiteres kleines Wölkchen erahnen. Das ist der Kugelsternhaufen NGC 6229. Er lässt sich nur mit Fernrohren großer Öffnung in Einzelsterne auflösen, denn er ist viel weiter von uns entfernt als M13.

Der 4,8m helle Stern 95 Herkulis ist ein hübscher Doppelstern. Wir finden ihn 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Doppelsternpartner von 95 Herkulis stehen am Himmel in einem Abstand von sechs Bogensekunden voneinander und sind daher schon in kleinen Fernrohren sehr schön getrennt zu sehen. Die beiden Partnersterne von 95 Herculis haben verschiedene Farben, die sich Berichten zufolge manchmal ändern. Zuletzt schien der eine Stern golden, der andere weiß.

Schwenkt man von Pi Herkulis 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist so hell wie M13, erscheint aber deutlich konzentrierter. Schwenkt man sein Fernrohr von Rutilicus (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, findet man im Okular bei niedriger Vergrößerung einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern in einem Feld schwacher Sterne. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150x, zeigt sich der Stern als eine, blaugrünliche Scheibe mit einem zentralen, weißen Stern.

 

Corona Borealis

Östlich des Sternbilds Bootes erkennen wir die nach Norden geöffnete Sternenkette des kleinen Sternbilds Corona Borealis. Sein Hauptstern ist 2,2m hell und trägt den lateinischen Namen „Gemma“, was auf Deutsch „Edelstein“ bedeutet. Ist die Luftunruhe groß, kann Gemma dadurch ganz ähnlich wie Sirius in allen Farben funkeln. Ca. 3,5° östlich von Gemma liegt der Stern Delta Coronae Borealis, 2° nördlich von Delta liegt der Veränderliche Stern R Coronae Borealis. In unregelmäßigen Abständen (Monate bis Jahre) stößt R Coronae gewaltige Rußwolken aus, die sein rotes Licht verdecken. Dadurch kann dieser Stern spontan für Monate oder sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. In dem Fall ist der normalerweise im kleinen Fernglas mühelos erkennbare Stern R Coronae Borealis sogar im großen Fernrohr von 12 Zoll Öffnung nicht mehr sichtbar.

 

Waage

Das Sternbild Waage liegt östlich des Sternbilds Jungfrau. Da es in Mitteleuropa nur einen maximalen Horizontabstand von ca. 20° erreicht, wird es hier meist übersehen.

Die beiden hellsten Sterne im Sternbild Waage sind der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae) und der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, der schon im Fernglas getrennt werden kann, seine beiden Partnersterne haben einen schönen Farbkontrast.

Das Sternbild Waage wurde von den Römern erfunden. Ursprünglich gehörten seine Sterne alle zum Sternbild Skorpion und stellten dort die beiden Scheren des Skorpions dar. Bis heute wird das durch die Namen dieser Sterne deutlich: Zubenelgenubi kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Südliche Schere“, Zubeneschemali bedeutet „Nördliche Schere".

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae, ein Bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt die Helligkeit von Delta Librae für sechs Stunden um eine ganze Größenklasse auf 5,5m ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der nur 8,5m helle, locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn zu beobachten, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung.

 

Schlange und Schlangenträger

Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange liegen zwischen den beiden Sternbildern Herkules und Skorpion. Beide Sternbilder stammen aus der Antike. Sie wurden zur Erinnerung an den sagenhaften Arzt Asklepios und seine Schlange geschaffen. Mittels der Schlange soll Asklepios herausgefunden haben, wie er Tote zum Leben erwecken konnte. Das Sternbild Schlange besteht aus zwei voneinander getrennten Teilen, die beiderseits das Sternbilds Schlangenträger liegen. Westlich des Schlangenträgers liegt der Kopf der Schlange („Serpens Caput“), östlich des Schlangenträgers der Schwanz der Schlange („Serpens Cauda“).
Asklepios war ein Sohn des Apollon. Der weise Zentaur Chiron bildete den Asklepios zu einem hervorragenden Arzt aus. Da Asklepios bei der Beobachtung einer Schlange zufällig ein Heilkraut entdeckte, durch das er Tote wieder zum Leben erwecken konnte, ließ Zeus ihn ermorden, um die bewährte Ordnung der Welt zu erhalten. Um Apollon zu trösten, versetzte er den toten Asklepios samt der Schlange als Sternbilder an den Himmel. Noch heute ist die Äskulapschlange ein international bekanntes Gesundheitssymbol

Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist der Stern Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds, nahe bei Ras Algethi (Alpha Herculis) und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers befindet sich der nach Norden gebogene Hals der Schlange, gekennzeichnet durch die drei Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Das markante kleine Dreieck aus den Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.           
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk stößt man im lichtstarken Fernglas leicht auf ein rundliches Wölkchen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Schon im kleinen Fernrohr mit nur 6 cm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Man kann M5 besonders einfach auffinden, indem man sein Fernrohr auf Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und es dann um 11,5° nach Norden schwenkt.

Östlich des Sternbilds Schlangenträgers befindet sich der nach oben gerichtete Schwanz der Schlange, markiert durch die Sterne vier Sterne My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man schön in kleinen Fernrohren sehen kann. Beide Partner von Alya sind gleich hell und weiß.

Das Sternbild Schlangenträger enthält noch mehr helle Kugelsternhaufen, z. B. M10, M12 und M14. Man kann sie bei guten Bedingungen bereits im Fernglas wahrnehmen. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior und wird schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb. In der Himmelsregion südlich von Sabik liegt ein Dutzend weiterer Kugelsternhaufen.
Durch den Südteil des Sternbilds zieht sich die Milchstraße, daher ist er sehr reich an Sternen und Dunkelwolken. Betrachtet man sie bei mondlos sternklarem Himmel mit großen lichtstarken Ferngläsern oder im lichtstarken Fernrohr, kann diese Region faszinierende Anblicke bieten.

 

Skorpion

Da das Sternbild Skorpion südlich des Sternbilds Schlangenträger liegt, ziehen beide Sternbilder fast gleichzeitig durch den Meridian. Im Sternbild Skorpion gibt es viele helle Sterne, doch es wird trotzdem nicht häufig beobachtet, weil es sehr horizontnah liegt. Von Mitteleuropa aus ist nur sein nördlicher Teil zu sehen, denn der südliche Teil des Skorpions bleibt beim Meridiandurchgang unterhalb des Südhorizonts. Die Sterne des Skorpions kann man nur beobachten, wenn der Himmel bis hinab zum Horizont frei von Dunst ist.

Der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii) ist der hellste Stern im Skorpion. Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen, er liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt. Antares strahlt mit 9000 Sonnenleuchtkräften und hat einen Durchmesser von ca. einer Milliarde Kilometern. Außerdem ist Antares ein Doppelstern, sein 6,5m heller Partnerstern ist grünlich und steht im Abstand von drei Bogensekunden.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein schöner Doppelstern, was man schon in kleinen Fernrohren gut zu erkennen kann. Er liegt 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Im kleinen Fernrohr sieht man leicht, dass auch Alniyat ein Doppelstern ist. Er ist ca. 800 Lichtjahre entfernt, sein hellerer Partnerstern ist blauweiß und hat ca. 4000 Sonnenleuchtkräfte. Sein schwächerer Partnerstern ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.

Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sehr hell und enthält deutlich weniger Sterne als die meisten anderen am Himmel beobachtbaren Kugelsternhaufen, M4 ist jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt und kann daher mit jedem kleinen Fernrohr in viele Sterne aufgelöst gesehen werden..

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Er ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel, doch wegen seiner horizontnahen Position erscheint M6 von Mitteleuropa aus gesehen in der Regel schwächer, als er tatsächlich ist. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen, in einem lichtstarken Fernrohr zeigt M6 bei klarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, weshalb der Sternhaufen auch unter dem Namen „Schmetterlingshaufen“ bekannt ist.

 

Leier

Obwohl das Sternbild Leier das zweitkleinste Sternbild ist, kann man es  leicht finden, weil sein Hauptstern Wega einer der hellsten Sterne am Nachthimmel ist. Wega ist 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0, er hat 37 Sonnenleuchtkräfte und ist 25 Lichtjahre entfernt. Wega ist einer der nächsten Nachbarsterne unserer Sonne. Außerdem ist Wega durch ihr von 400 Millionen Jahren einer der jüngsten Nachbarsterne.

Südlich von Wega bilden vier Sterne miteinder einen kleinen Rhombus, welcher im Sternbild den Korpus der Leier darstellt. Der besteht an seinem nördlichen Ende aus dem Doppelstern Zeta Lyrae und dem Doppelstern Delta Lyrae, an seinem südlichen Ende aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae).           
im Fernrohr kurzer Brennweite kann man sehen, dass Delta Lyrae von einem zerstreuten jungen Offenen Sternhaufen umgeben ist, ca. 800 Lichtjahre entfernt. Der Stern Delta Lyrae erscheint uns als Doppelstern, seine beiden Sterne stehen von uns aus gesehen jedoch nur in derselben Richtung. Delta1 Lyrae ist ein junger blauweißer Stern, 990 Lichtjahre entfernt, Delta2 Lyrae ist ein leuchtkräftiger Roter Riesenstern in ca. 750 Lichtjahren Entfernung. Der Stern Beta Lyrae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern in 880 Lichtjahren Entfernung, dessen beide ungleich hellen Partner einander einmal in 12,94 Tagen umkreisen und sich dabei regelmäßig gegenseitig bedecken. Zwischen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der Planetarische Nebel M57, der berühmte „Ringnebel“.

Ca. 1,6° nordöstlich von Wega sehen wir einen 4m hellen Stern, der schon dem bloßen Auge leicht länglich erscheint. Das ist Epsilon Lyrae. Schon im Fernglas sieht man, dass Epsilon ein Doppelstern ist. Wenn man Epsilon im Fernrohr bei 100facher Vergrößerung betrachtet, sieht man, dass jeder der beiden Partnersterne von Epsilon seinerseits ein Doppelstern ist. Epsilon Lyrae besteht somit aus vier Sternen, die einander paarweise in Jahrhunderten umkreisen.

 

Abschluss

Schließlich endet die Himmelsbeobachtung. Schlechtes Wetter, Kälte, Müdigkeit, die anstehenden Arbeiten des folgenden Tages zwingen dazu, dass man die Geräte abbauen, das Zubehör einsammeln und einpacken muss, und schließlich alles sorgfältig im Kofferraum verstaut. Abschließend erfolgt der obligatorische Check des Beobachtungsorts mit der Taschenlampe, damit auf dem dunklen Boden kein Teil der Ausrüstung, kein Schal, Handschuh oder Abfall liegen bleibt.

Die Finger sind steif, die Zehen sind kalt, Alles ist eingepackt. Wir steigen ins Auto, sitzen endlich bequem. Zum Glück springt der Motor sofort an, die Scheinwerfer leuchten auf und tauchen den steinigen Boden und die winterkahlen Zweige der Büsche am Feldrain in grelles Licht. Langsam rollen wir auf knirschendem Schotter den Weg zwischen den Wiesen hinab. Wir biegen in die schmale, vielfach geflickte Teerstraße auf der Hochfläche ein, erreichen nach wenigen Kilometern  zwischen Hecken und Viehweiden die verlassen liegende breite Landstraße. Nun können wir etwas Gas geben, Wir fahren durch den dunklen Buchenwald hinab ins Tal. Das Heizungsgebläse rauscht los, im Auto wird es wärmer. Bald fahren wir wieder aus dem Tal heraus, über den nächsten Waldberg und durch ein still schlafendes Dorf, schon wieder unter dem aufgehellten Himmel der nahen Großstadt, und bald auch wieder daheim..

 

 

 

 

 

 

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