Übersicht um 1:00

Gegen 1:00 steht Wega im Zenit. Der Schlangenträger hat den Meridian überquert. Im Südwesten ragen noch die nördlichsten Sterne des Skorpions über den Horizont. Über dem Südosthorizont sieht man die Planeten Saturn und Jupiter. Hoch im Osten ist bereits das Sternenquadrat des Pegasus sichtbar.

 

Jupiter

Jupiter ist nun das hellste Objekt im Sternbild Walfisch. Bei guter Luftruhe kann man mit einem Fernrohr ab 20 cm Objektivöffnung bei hoher Vergrößerung Strukturen in den Bändern und Zonen der Oberfläche Jupiters eindrucksvoll beobachten.
Am 24. September wird der Jupiter seine diesjährige Oppositionsstellung erreichen. Er wird dann -2,8m hell werden, und sein Durchmesser wird 47,6 Bogensekunden betragen.

 

Saturn

Der 0,2m helle Saturn steht im Sternbild Steinbock. Mit dem Fernrohr zeigt er sich als Scheibchen von 17,4 Bogensekunden Durchmesser. In jedem kleinen Fernrohr kann man bei 30-facher Vergrößerung den Ring um den Saturn sowie den hellsten Saturnmond Titan gut sehen. Bei guter Luftruhe kann man mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei höheren Vergrößerung Saturn auch einige kleinere Saturnmonde wahrnehmen (z. B. Thetis, Rhea, Dione und Japetus). Ist die Luftruhe sehr gut, kann man dann beim genauem Hinsehen vielleicht auch den feinen Schatten wahrnehmen, den der Saturnring auf den Körper des Planeten wirft, sowie den Schatten, den der Planet auf seinen hellen Ring wirft. Saturn wird am 14. August seine diesjährige  Oppositionsstellung erreichen.

 

Sternbild Schild

Südöstlich der Schwanzsterne des Sternbilds Schlange liegt das kleine Sternbild Schild. Da das Sternbild Schild keine auffälligen Sterne enthält, wird es von Beobachtern häufig übersehen. Da dieses Sternbild jedoch im Band der Milchstraße liegt, enthält das Sternbild mehrere Offene Sternhaufen. Der Schönste von ihnen ist der Offene Sternhaufen M11. Er befindet sich ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae. M11 ist ein kleiner und heller Sternhaufen, den der Berliner Astronomen Gottfried Kirch bereits 1681 beobachtet und beschrieben hat. M11 wird auch als “Wildentenhaufen“ bezeichnet, weil manche Betrachter die dichte Anordnung seiner Sterne an einen Wildentenschwarm erinnert, der in der Ferne von einem See erschrocken auffliegt.

M11 ist in eine ca. 5° große Milchstraßenwolke aus unzähligen Sternen eingebettet, die man als die “Schildwolke“ bezeichnet. Da in dieser Himmelsregion keine Dunkelwolken liegen, bietet sie Beobachtern einen einmaligen, 20000 Lichtjahre tiefen Blick in die galaktische Scheibe bis fast zum Milchstraßenzentrum. Man nimmt die längs der langen Sichtlinie liegenden Sterne als eine Wolke aus zahllosen Sternen wahr, als wären sie ein riesiger Offener Sternhaufen. Auch im lichtstarken Fernglas bietet die Schildwolke an einem mondlosen Sternenhimmel einen eindrucksvollen Anblick.  

 

Sternbild Schütze

Unterhalb des Sternbilds Schild liegt das Sternbild Schütze. Es enthält viele helle Deep-Sky-Objekte, die bereits im 18. Jahrhundert mit einfachen kleinen Fernrohren entdeckt wurden. Leider steigt das Sternbild Schütze in Mitteleuropa nur wenig über den Südhorizont. Wenn Luftruhe und Standort es zulassen, kann man hier ab der zweiten Monatshälfte um Mitternacht viele der hellen „Messier-Objekte“ des Sternbilds Schütze schon mit dem bloßen Auge wahrnehmen.
Die hellsten Sterne des Sternbilds Schütze stehen am Himmel in einer markanten Anordnung, die spontan an eine rundliche Teekanne mit Deckel erinnert. Der Stern Lambda Sagittarii markiert die Spitze des Kannendeckels, der Stern Gamma Sagittarii rechts die Spitze der Ausgusstülle, und die Sterne Theta, Sigma, Tau und Zeta bilden links den Henkel.
Ca. 2,3° nordöstlich von Lambda findet man im Fernglas ein kugeliges Nebelchen, das ist der Kugelsternhaufen M22, er ist einer der hellsten Kugelsternhaufen, den man von Mitteleuropa aus beobachten kann. Ca. 1° nordwestlich von Lambda kann man im Fernglas ein weiteres mattes Wölkchen erahnen: das ist der Kugelsternhaufen M28. Ca. 5,5° westlich von Lambda kann man mit dem bloßen Auge bei klarem Himmel ein weiteres Nebelobjekt erkennen, das ist M8, der berühmte “Lagunennebel“. Ca. 1,5° nördlich des Lagunennebels liegt M20, der “Trifidnebel“. Fast 5° nördlich des Sterns My Sagittarii liegt der zarte Nebel M17, der unter verschiedenen Namen “Omeganebel“, “Schwanennebel“ oder “Hufeisennebel“ bekannt ist. Dazwischen liegt die große, sternreiche Milchstraßenwolke M24.

 

 

Sternbild Steinbock

Östlich des Sternbildes Schütze sieht man die Sterne des Sternbilds Steinbock. Sein hellster Stern ist Algiedi (Alpha Capricornis). Betrachtet man Algiedi mit dem Fernglas, ist er ein Doppelstern. Seine Partnersterne sind jedoch kein physisches Paar, sondern liegen von unserer Perspektive aus nur in derselben Richtung. Unterhalb von Algiedi steht der Stern Dabih (Beta Capricornis). Dabih ist ein schöner Doppelstern, den man schon mit kleinen Fernrohren bei niedriger Vergrößerung getrennt sieht, der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint blauweiß.

Von Dabih aus zieht sich nach Osten eine Sternenkette hin, die aus den vier hellen Sternen Theta, Iota, Gamma und Delta Capricornis besteht.

Bei sternklarem Himmel sowie guter Durchsicht bis hinab zum Horizont kann man im Fernrohr ca. 6,5° südlich von Gamma Capricornis einen kleinen, rundlichen Nebel mit hellem Kern wahrnehmen. Das ist der Kugelsternhaufen M30. Will man M30 vollständig in Einzelsterne aufgelöst sehen, braucht man außer einem mondlosen Sternenhimmel und gute Luftruhe und sehr transparenter Luft ein Fernrohr großer Öffnung bei hoher Vergrößerung.

 

 

Sternbild Wassermann

Das Sternbild Wassermann erstreckt sich nördlich und östlich des Sternbilds Steinbock. Ca. 4,5° nördlich des 2,9m hellen Sterns Mesarthim (Beta Aquarii) stößt man mit dem Fernglas auf einen schwachen, rundlichen Nebelfleck: das ist der Kugelsternhaufen M2. Im kleinen Fernrohr von 6 cm Öffnung nimmt man M2 als einen runden Nebel von ca. 6 Bogenminuten Durchmesser wahr, der ein aufgehelltes Zentrum hat. In Fernrohren ab 15 cm Öffnung und 150-facher Vergrößerung kann man M2 fast bis in sein Zentrum in zahllose Einzelsterne aufgelöst sehen.

 

 

Abschluss ...

Bereits ab 3:30 beginnt sich der Nachthimmel im Nordosten aufzuhellen. Danach sind mit dem bloßen Auge im Sternbild Schütze keine galaktischen Nebel mehr wahrnehmbar. Dann verliert die Milchstraße allmählich ihre Pracht, sie wird zunehmend matt und unattraktiv. Bald verschwinden die schwachen Sterne nach und nach aus der Wahrnehmung, und schließlich ist der Himmel so hell geworden, dass man dort nur noch die hellsten Sterne wahrnehmen kann: Damit ist die Beobachtungsnacht definitiv zu Ende, und man muss einpacken.

Um Tau von den Geräten zu wischen, braucht man nun Handtücher. Dann muss man die Geräte mit Umsicht abbauen und gut abgepolstert im Kofferraum verstauen. Wenn das erledigt ist, sollte man am Beobachtungsplatz den Boden mit einer Taschenlampe absuchen, um übersehenes Zubehör oder die halbleere Kekspackung einzusammeln. Man sollte den Beobachtungsplatz so zurücklassen, dass man unbesorgt wiederkommen darf.

Dann kann man noch ein Weilchen unter dem stillen Himmel stehen bleiben, und schauen. Man sieht vielleicht Venus am Morgendämmerungshimmel, erahnt im Zenit vielleicht noch schwach das Himmels-W des Sternbilds Cassiopeia, und südlich davon das Sternenquadrat des Sternbilds Pegasus.
Dann folgt schließlich noch die Heimfahrt auf der verlassen liegenden Landstraße durch den Wald. Trotz der Müdigkeit muss man besonders aufmerksam bleiben, denn hier könnte jederzeit ein Reh aus dem Wald auf die Straße springen und dort im Scheinwerferlicht geblendet stehen. Auch beim Durchfahren der dunklen Ortschaften ist Vorsicht geboten, denn hier zockeln die Igel verträumt über die nächtlichen Straßen. Doch mit Umsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme erreichen Alle unbeschadet ihre Ziele.

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