Beobachtung ab 1:00

Das Sternbild Fuhrmann steht mit Capella im Zenit. Darunter passiert nun der Orion den Meridian. Der Große Bär steht nun hoch im Nordosten. Im Nordwesten gehen bereits die Sterne des Schwans unter.

 

Sternbild Orion

Unterhalb des Sternbilds Stier sehen wir das markante Sternbild Orion. Es enthält viele helle Sterne, Doppelsterne und galaktische Nebel.

Schöne Doppelsterne finden sich im Gürtel des Orion: Mintaka (Delta Orionis) ist der rechte Gürtelstern und ein Vierfachsystem vom Algol-Typ. Alnitak (Zeta Orionis) ist der linke Gürtelstern und ein Dreifachsystem.
Eta Orionis ist ein enger Doppelstern aus zwei blauen Sternen, er liegt zwischen Mintaka und Rigel (Alpha Orionis). Auch Rigel ist ein Doppelstern.
Die Sterne Sigma Orionis (ca. 0.8°südlich von Alnitak) und Theta Orionis (im „Orionnebel“ M42) sind Mehrfachsysteme: Sigma hat vier Komponenten, Theta Orionis besteht aus den beiden Sternen Theta1 und Theta2. Theta1 zeigt sich bei höheren Vergrößerungen 4fach: Er ist das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Bei hoher Vergrößerung im Teleskop großer Öffnung zeigt Theta1 sieben Sterne. Der Theta2 ist ebenfalls doppelt.

Im Sternbild Orion kann man viele schöne Galaktische Nebel beobachten. Dazu gehören der berühmte  „Orion-Nebel“ M42 sowie die Nebel M43, NGC 2024 und M78. M42 ist in klaren Winternächten in jeden Fernglas und Fernrohr ein faszinierendes Beobachtungsobjekt. Hat man ein Fernrohr ab acht Zoll Öffnung zur Verfügung, kann man bei der Beobachtung ein UHC-Filter einsetzen. Dadurch kann man das Leuchten der ionisierten Gaswolken im M42 eindrucksvoll erleben. M43 ist ein Reflektionsnebel, er liegt unmittelbar nördlich von M42, NGC 2024 ist ein Emissionsnebel dicht neben Alnitak, M78 ist ein Reflexionsnebel ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak.

Fast alle hellen Sterne im Sternbild Orion sind sehr leuchtkräftig, jung und massereich. Theta1 Orionis C ist mit über 340.000 Sonnenleuchtkräften einer der leuchtkräftigsten Sterne der Milchstraße. Seine UV-Strahlung ist eine der Hauptenergiequellen, die das Gas des Orion-Nebels zum Leuchten bringen. 

 

Sternbild Hase

Unterhalb des Sternbilds Orion liegt das kleine Sternbild Hase (Lepus). Bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel können wir im Fernrohr ca. 4° südwestlich des 2,8m hellen Sterns Nihal (Beta Leporis) ein rundliches Nebelchen wahrnehmen. Das ist der Kugelsternhaufen M79. Je mehr Öffnung das Fernrohr hat und je höher die Vergrößerung ist, desto besser kann man M79 sehen.
Der Stern Nihal erweist sich im Fernrohr bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern.

Im Sternbild Hase liegt der Stern R Leporis, R ist ein langperiodischer Mira-Stern, dessen Helligkeit im Laufe mehrerer Monate langsam zwischen 6m und 9,6m schwankt. R Leporis erscheint im Okular deutlich rot, besonders dann, wenn man sein Bild etwas defokussiert. Man findet ihn, indem man vom 2,6m hellen Arneb (Alpha Leporis) eine Linie zum 5° entfernten 3,3m Stern My Leporis zieht und diese über den Stern My hinaus um 3,5° verlängert.

 

Sternbild Fuhrmann

Das Sternbild Fuhrmann steht nun nahe dem Zenit, seine Sterne und Deep-Sky-Objekte lassen sich mit einem Zenitprisma am Fernrohr gut beobachten. Sein 0,1m heller Hauptstern Capella (Alpha Aurigae) ist der vierthellste Stern des nördlichen Himmels. Das Sternbild enthält die hellen Offenen Sternhaufen M36, M37 und M38, die in jedem Fernrohr beeindruckend sind, und die man schon im 8x50-Sucherfernrohr deutlich wahrnehmen kann.

M38 finden wir auf der Mitte der Linie zwischen Theta und Iota Aurigae. M37 finden wir links der Mitte einer gedachten Linie von Theta zum Stern Nath (Beta Tauri). M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38.
Neben diesen häufig beobachteten Sternhaufen bietet der Fuhrmann weitere schöne Deep-Sky-Objekte. Ca. 0,5° südlich von M38 liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907. Ein weiteres sehenswertes Beobachtungsobjekt im Fuhrmann ist der Offene Sternhaufen NGC 2281, er ist der hellste Sternhaufen des Sternbilds. NGC 2281 liegt auf der Mitte der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor (Alpha Geminorum), ca. 9° von Menkalinan entfernt.
Schon im mittelgroßen Fernrohr kann man bei hoher Vergrößerung ca. 1° westlich von M36 den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 wahrnehmen. Richtet man sein Fernrohr bei hoher Vergrößerung auf den Stern Theta Aurigae, zeigt sich der 2,6m helle Stern als enger Doppelstern. Ein weiterer schöner Doppelstern im Fuhrmann ist Omega Aurigae. Omega ist der hellste Stern auf der Linie von Eta Aurigae nach Iota Aurigae.
Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt der 3m helle Stern Almaaz (Epsilon Aurigae). Epsilon Aurigae ist ein bekannter bedeckungsveränderlicher Stern, wobei die Staubscheibe eines unsichtbaren Begleiters das Licht Epsilons alle 27 Jahre für ca. 2 Jahre auf 3,8m abschwächt. Epsilon Aurigae ist ein Überriesenstern von 2,2 Sonnenmassen, er hat 18.000 Sonnenleuchtkräfte und ist ca. 2000 Lichtjahre von uns entfernt.

 

 

Beobachtung ab 3:00

Um 3:00 schiebt sich das Sternbild Großer Bär allmählich in den Zenit. Hoch im Osten sieht man die Sterne des markanten Sternbilds Löwe. Im Südosten zeigen sich über dem Horizont die Sterne der vorderen Hälfte des Sternbilds Hydra. Im Nordosten leuchtet Arktur im Sternbild Bärenhüter.

 

Sternbild Giraffe

Das Gebiet des Sternbilds Giraffe liegt sich zwischen dem Sternbild Fuhrmann und dem Polarstern. Seine Fläche ist so groß ist wie die der Sternbilder Cassiopeia oder Fuhrmann. Das Sternbild Giraffe hat jedoch im Gegensatz zu diesen Sternbildern keine hellen Sterne, daher wird es am Himmel meistens übersehen. Man kann das Sternbild in jeder Nacht beobachten, da es ein zirkumpolares Sternbild ist.

Der hellste Stern im Sternbild Giraffe ist der 4,3m helle Stern Alpha Camelopardalis. Der Stern Beta Camelopardalis ist nur 4,0m hell, und der Gamma Camelopardalis ist nur 4,6m hell.

Zieht man eine Linie von Alpha Camelopardalis nach Gamma Persei, liegt auf der Linie, von Alpha Camelopardalis ausgehend, ca. 1/3 von dessen Abstand zu Gamma Persei, der 5,3m helle Offene Sternhaufen NGC 1502. Betrachtet man NGC 1502 im Fernrohr, sieht man darin einige schöne Doppelsterne.

Betrachtet man die Region um den Sternhaufen NGC 1502 in einem Fernglas, nimmt man dort eine ca. 2,5° lange Sternenkette wahr, die direkt auf NGC 1502 zielt: Das ist „Kembels Kaskade“. Sie sieht vor dem dunklen Himmelshintergrund beeindruckend aus.

Im Sternbild Giraffe liegen zwei große Galaxien. Beide sind jedoch nicht einfach aufzufinden. Das liegt daran, dass dem Sternbild einerseits die hellen Sterne fehlen, die dem suchenden Beobachter eine Orientierung bieten können, und andererseits daran, dass diese Galaxien eine sehr geringe Flächenhelligkeit haben.

Ca. 1° westlich des 5,9m hellen Sterns 51 Camelopardalis liegt in einem sternarmen Gebiet die Spiralgalaxie NGC 2403. Diese Galaxie ist 8,5m hell und ist 10,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie ist 7 Bogenminuten x 4 Bogenminuten groß. Sie ist eigentlich eine der hellsten Galaxien am nördlichen Himmel, doch aufgrund ihrer Ausdehnung ist ihre Flächenhelligkeit sehr gering.

Ca. 3° südsüdwestlich von Gamma Camelopardalis liegt IC 342. Diese Spiralgalaxie ist ca. 8 Millionen Lichtjahre entfernt und steht am Himmel „face-on“. Sie nimmt hier ein Areal von über 600 Quadratbogenminuten ein, ist somit fast so groß wie der Vollmond. Wegen ihrer extrem niedrigen Flächenhelligkeit ist sie jedoch fast unsichtbar. IC342 hat einen kleinen, recht hellen Kern, der von einer ausgedehnten und extrem leuchtschwachen Halo umgeben ist. Diese riesige Halo lässt sich nur in sehr klaren, dunklen Sternennächten in einem lichtstarken Fernglas großer Öffnung erahnen, denn für die Gesichtsfelder der meisten Fernrohre ist IC 342 zu groß.

 

Sternbild Zwillinge

Gegen 3:00 findet man das Sternbild Zwillinge 60° über dem südlichen Horizont. Das Sternbild ist durch das helle Paar der Sterne Castor und Pollux leicht erkennbar. Es besteht aus zwei parallelen Sternenketten: die nördliche Kette wird von Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) und Tejat Prior (Eta) gebildet. Die südliche Kette besteht aus Pollux (Beta), Wasat (Delta), Mekbuda (Zeta) und Alhena (Gamma).

Castor ist ein enger Doppelstern, seine beiden Partnersterne sind 1,9m und 3m hell. Auch Wasat ist ein Doppelstern, er liegt genau auf der Ekliptik. Seine beiden Partnersterne sind 3,5m  und 8,3m hell. Ca. 2° ostsüdöstlich von Wasat steht der Planetarische Nebel NGC 2392, der „Eskimonebel“. Der eigentliche Nebel kann um den 11m hellen Zentralstern in kleineren Fernrohren nur mit indirektem Sehen wahrgenommen werden. Der Nebel erscheint schwach bläulich. Bei der Beobachtung von NGC 2392 sollte man so hoch vergrößern, wie das verwendete Teleskop das zulässt: Wenn man zur Beobachtung ein UHC-Filter an einem lichtstarken Fernrohr einsetzt, kann man die Nebelstrukturen deutlich erkennen.

Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior finden wir den Offenen Sternhaufen M35, der auch in kleinen Fernrohren sehr eindrucksvoll beobachtet werden kann.

Wenn der Himmel dunkel und klar ist, kann man mit einem Fernrohr größerer Öffnung bei hoher Vergrößerung versuchen, den Offenen Sternhaufen NGC 2420 zu beobachten. Man findet NGC 2420 ausgehend von Wasat. Ca. 1,7° ostsüdöstlich von Wasat liegt der 5,9m helle Stern 63 Geminorum. Ca. 2,5° östlich vom Stern 63 Geminorum kann man NGC 2420 im Fernrohr als enger Sternhaufen aus zahlreichen schwachen Sternen wahrnehmen.

Im Dezember ist das Sternbild Zwillinge der Ausstrahlungsort der Geminiden. Sie entstehen, indem die Erde um diese Zeit die Bahn des Asteroiden Phaeton kreuzt, wodurch Staubteilchen auf dieser Bahn in die Erdatmosphäre geraten und dort als Sternschnuppen erscheinen. In der Nacht vom 13. Zum 14. Dezember erreicht dieser Sternschnuppenstrom sein Maximum, dann kann man mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde rechnen.

 

Sternbild Einhorn

Südlich des Sternbilds Zwillinge und östlich des Sternbilds Orion liegt das sehr unauffällige Sternbild Einhorn. Der Dezember ist der ideale Monat, um sich in diesem Sternbild mit dem Fernrohr den Offenen Sternhaufen NGC 2264 anzusehen. Die hellen Sterne in diesem Sternhaufen sind nämlich so angeordnet, dass sie einem erleuchteten Weihnachtsbaum durchaus ähnlich sehen. Allerdings darf bei dieser Beobachtung weder ein Zenitprisma noch einen Zenitspiegel verwenden, weil diese optischen Bauteile das Abbild dieses „Weihnachtsbaums“ um 180° drehen, sodass man damit den „himmlischen Weihnachtbaum“ auf seine Spitze gestellt zu sehen bekommt. Als „Weihnachtsbaumständer“ fungiert hier der 4,5m helle Stern 15 Monocerotis, das ist ein enger Doppelstern mit einer absoluten Helligkeit von -5m, der mit über 10.000 Sonnenleuchtkräften leuchtet.

 

Sternbild Krebs

Östlich des Sternbilds Zwillinge liegt das Sternbild Krebs. Da es keine hellen Sterne enthält, ist es unauffällig. Ist der Himmel sternklar und dunkel, kann man mit bloßem Auge in dem Sternbild ein schwaches Nebelwölkchen wahrnehmen, das man schon im kleinen Fernglas leicht in einzelne Sterne aufgelöst sieht. Das ist der Offene Sternhaufen M44, der seit der Antike den Namen “Präsepe“ (Krippe) trägt. Nördlich und südlich dieses Sternhaufens stehen zwei Sterne 4. Größe: sie heißen Asellus borealis (Gamma Cancri) und Asellus australis (Delta Cancri).“Asellus“ ist das lateinische Wort für „Eselchen“, die Astronomen der Antike sahen in den Sternen die Verkörperung der beiden treuen Eselchen des Dionysos, die gemeinsam ihr Heu aus einer Krippe ( M44) fressen, nachdem sie den betrunkenen Gott des Weines sicher nach Hause in sein warmes Bett gebracht haben. Ein weiterer Offener Sternhaufen im Krebs ist M67. Man findet ihn ca. 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri).

 

Sternbild Löwe

Östlich des Sternbilds Krebs sehen wir das markante Sternbild Löwe. Es erreicht in den ersten Stunden nach Mitternacht eine Höhe von 40° über dem Südosthorizont. Da in der Winternacht um 3:00 in der Regel die besten Beobachtungsbedingungen der Nacht herrschen (zumindest im Bezug auf Himmelsaufhellung und Luftruhe), kann man dieses Sternbild nun mit guten Erfolgsaussichten beobachten. Sein hellster Stern ist Regulus (Alpha Leonis), ein blauweißer Doppelstern von 1,3m. Sein 8,7m heller Partner ist ein Stern der Spektralklasse G.

Der Stern Algieba (Gamma Leonis) ist einer der bekanntesten Doppelsterne am Himmel. Er ist 90 Lichtjahre von uns entfernt, seine beiden gelblichen Partnersterne sind 2,2m und 3m hell und stehen in 4 Bogensekunden Abstand voneinander, das entspricht einer gegenseitigen Distanz von über 18 Milliarden Kilometern.

1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) kann man in Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung bei dunklem, klarem Himmel die Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen.
In der Mitte zwischen Iota Leonis und Coxa findet man im lichtstarken Fernrohr die sehenswerte Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628. Zwischen Coxa und Zosma (Delta Leonis) findet man die Galaxie NGC 3607.  
Ca. 1,5° südlich von Lambda Leonis liegt NGC 2903, die größte und hellste Spiralgalaxie des Sternbilds Löwe. Sie ist auch im Fernrohr nicht leicht zu sehen, da sie zwar groß ist, aber eine niedrige Flächenhelligkeit hat.

 

 

Beobachtung in den Stunden vor Sonnenaufgang

Um 6:00 sinkt das Sternbild Orion zum Westhorizont, das Sternbild Großer Bär steht nun im Zenit und das Sternbild Löwe zieht hoch am Himmel über den Meridian. Im Südosten steht die Venus strahlend im Sternbild Jungfrau. Im Nordosten erkennen wir noch die Sterne des Sternbilds Herkules, darunter gehen die Sternbilder Schwan und Leier bereits wieder auf.

 

Abschluss

Jede winterliche Beobachtungsnacht muss schließlich enden. Müdigkeit, Kälte, Wind, nahendes Schlechtwetter oder die Pflichten des Tages zwingen dazu, dass man Geräte und Campingmobiliar abbauen muss. Das ist bei den eiskalten Geräten mit kältesteifen Fingern nicht einfach. Eh man sich versieht, ist die eine oder andere Schraube oder Rändelmutter im Gras am Boden verschwunden. Ist dann schließlich alles abgebaut, eingesammelt, abgetrocknet und ordentlich abgepolstert im Kofferraum verstaut, erfolgt eine letzte Kontrolle mit der Taschenlampe, ob man am Boden des Beobachtungsplatzes noch ein schwarzes Ausrüstungsteil, ein Kleidungsstück oder eine leere Kekstüte übersehen hat.

Vielleicht schaut man danach noch kurz hinauf in den dunklen Nachthimmel, und man nimmt fröstelnd Abschied von all dem, was der Beobachtungsplatz in dieser Nacht geboten hat.

Dann steigt man ins Auto, sitzt weich und trocken, und freut sich darauf, dass die Wagenheizung bald die Kälte aus den Zehen vertreiben wird.

Der Motor springt an, und dann geht die Fahrt über verlassene Straßen durch den kalten nächtlichen Wald nach Hause, wo es warm und gemütlich ist.

 

 

 

 

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