Übersicht um 1:00

Um 1:00 steht das Sternbild Fuhrmann über dem Westhorizont. Im Südwesten sinken die Sternbilder Orion und Großer Hund zum Horizont. Das Sternbild Krebs hat den Meridian überschritten. Östlich davon steht das markante Sternbild Löwe nun hoch am Himmel. Weiter im Osten sind die beiden Sternbilder Jungfrau und Bootes aufgegangen. Im Nordosten lugt bereits das Sternbild Herkules über den Horizont. Das Sternbild Großer Bär nähert sich dem Zenit.

 

Sternbild Jungfrau

Gegen 2:00 steht das Sternbild Jungfrau im Meridian. Der hellste Stern dieses Sternbilds ist die 1,8m helle Spica, ein blauer Riesenstern der Spektralklasse B2. Spica hat 2600 Sonnenleuchtkräfte und ist 240 Lichtjahre entfernt. Der Stern Zavijava (Beta Virginis) ist ein Stern mit sechs Sonnenleuchtkräften in 35 Lichtjahren Entfernung. Der Stern Porrima (Gamma Virginis) ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partnersterne zurzeit ca. 2 Bogensekunden voneinander liegen. Er liegt 38 Lichtjahre von uns entfernt. Der Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. In der römischen Antike nutzte man den Aufgang von Vindemiatrix in der Morgendämmerung als Zeichen, dass die jährliche Weinlese beginnen durfte.

Am mondlos sternklaren Landhimmel kann man im Sternbild Jungfrau mit Fernrohren zahlreiche Galaxien wahrnehmen. Sehr viele dieser leuchtschwachen Objekte wurden bereits im 18. Jahrhundert mit den damals üblichen kleinen Fernrohren entdeckt, z. B. die Galaxien M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90. Daher kann man diese Galaxien auch mit heutigen Amateurfernrohren erfolgreich beobachten.
Um bei diesen vielen Galaxien die Übersicht zu behalten, muss man sich auf die Beobachtungen der Galaxien gut vorbereiten. Dadurch weiß man bereits am Beobachtungsplatz, wie die jeweilige Galaxie heißt, die man mit dem Fernrohr betrachtet. Für die erfolgreiche Beobachtung muss der Himmel sternenklar sein, und die Nachtluft transparent sein. Zudem braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung. Die meisten Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen in einer Entfernung von über 60 Millionen Lichtjahren.

Ca. 10° westlich von Spica liegt die 8,3m helle Galaxie M104 an der Grenze des Sternbilds Rabe zum Sternbild Jungfrau. M104 ist als die „Sombrero-Galaxie“ bekannt. Sie liegt 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Da sie eine hohe Flächenhelligkeit hat, kann man sie schon in kleinen Fernrohren wahrnehmen. Ist der sternklare Nachthimmel mondlos dunkel, kann man in Fernrohren ab 20 cm Öffnung das dichte Staubband dieser Galaxie wahrnehmen, das man von spektakulären Aufnahmen des Hubble-Space Teleskops kennt.

 

 

Sternbild Bootes

Über dem Osthorizont leuchtet der 0,0m helle Stern Arktur. Er ist der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes) und ist ein Mitglied der riesigen Halo-Sternpopulation unserer Milchstraße. Derzeit fliegt Arktur mit 150 km/s quer durch die Scheibenebene der Milchstraße. Arktur ist ein Roter Riesenstern. Er ist ca. 6 Milliarden Jahre alt, und er ist ca. 36 Lichtjahre von uns entfernt.

Die hellen Sterne im Sternbild Bootes bilden am Himmel den Umriss einer spitzen Eiswaffel, deren Spitze zum Horizont zeigt. An dieser Spitze steht Arktur.

Im Sternbild Bootes gibt es mehrere sehenswerte Doppelsterne. Einer davon ist der 3,7m helle Izar (Epsilon Bootis), im Fernrohr ab 10 cm Öffnung zeigt sich Izar bei hoher Vergrößerung als hübscher Doppelstern. Seine Partnersterne stehen im Winkelabstand von drei Bogensekunden, der eine Partnerstern ist orange, der andere bläulich. Der vatikanische Astronomen Secchi war von dem Anblick so begeistert, dass er Izar den lateinischen Namen „Pulcherrima“ gab (auf Deutsch: „die Allerschönste“).
Der 4,5m helle Stern 44 Bootis ist ebenfalls ein Doppelstern. Seine beiden Partnersterne haben einen Winkelabstand von drei Bogensekunden. Der schwächere Partnerstern von 44 Bootis ist ebenfalls ein Doppelstern, wobei dessen Umlaufzeit weniger als 6,5 Stunden beträgt. Dadurch schwankt die Helligkeit von 44 Bootis regelmäßig im Rhythmus dieser Umlaufzeit.

Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Stern Xi Bootis. Xi ist ein Doppelstern, dessen beide rötlichen Partnersterne ungleich hell sind.
Zieht man von Arktur eine Linie zum hellen Stern Cor Caroli in den Jagdhunden, kann man mit dem Fernglas südöstlich der Mitte dieser Linie einen kleinen, rundlichen Nebelfleck wahrnehmen. Betrachtet man ihn mit einem Fernrohr, erweist sich der Nebelfleck als ein heller Kugelsternhaufen. Das ist der Kugelsternhaufen M3. Mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man die Randbereiche von M3 bei Vergrößerungen ab 100-fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

 

Sternbild Rabe

Oberhalb des Südhorizonts sieht man das markante kleine Sternenviereck des Sternbilds Rabe. Der Stern an der Nordostecke dieses Sternenvierecks heißt Algorab (Delta Corvi). Algorab ist 3m hell und weiß. Er ist ein Doppelstern, dessen Partnerstern man bereits im kleinen Fernrohr problemlos sieht. Der Partnerstern steht im Abstand von 24 Bogensekunden, er ist ein 10m heller junger roter Protostern.

 

 

Sternbild Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens. Es ist ein unauffälliges Sternbild, das zum Ende das 16. Jahrhunderts vom Danziger Astronomen Johannes Hevel eingeführt wurde.

Der hellster Stern des Sternbilds ist der 2,9m helle Cor Caroli (Alpha), er liegt 110 Lichtjahre von uns entfernt und ist ein markanter Doppelstern. Der zweithellste Stern des Sternbilds heißt Asterion (Beta), er ist 4,4m hell und nur 27 Lichtjahre entfernt.
Zieht man eine Linie von Cor Caroli nach Südosten zum hellen Stern Arktur im Sternbild Bootes, kann man ein wenig östlich der Mitte dieser Verbindungslinie mit dem Fernglas einen runden, nebeligen Fleck erkennen: den Kugelsternhaufen M3. Mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Im Sternbild Jagdhunde liegen mehrere ziemlich helle Galaxien, die sich bereits mit kleinen Fernrohren wahrnehmen lassen. Zieht man z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Asterion, stößt man auf der Mitte dieser Linie im lichtstarken Fernglas auf einen länglichen, matten Nebelfleck. Das ist die große Spiralgalaxie M106.  

Ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion liegt die 8,2m helle rundliche Galaxie M94. Sie ist oft schon mit dem Fernglas wahrnehmbar.
Zieht man von Cor Caroli aus eine Linie zum Stern Gamma Comae, kann man knapp südlich der Mitte dieser Linie in einem Fernrohr von 8 cm Öffnung die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 wahrnehmen. NGC 4631 nennt wegen ihrer Form „Heringsgalaxie“ bzw. „Walgalaxie“. Ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion liegt die sehenswerte Galaxie NGC 4490. Weitere schöne Galaxien des Sternbilds sind die Spiralgalaxie M63 (auch „Sonnenblumen-Galaxie“ genannt), die Galaxie NGC 4495 und die Galaxie M51. Die von vielen spektakulären Astrofotos bekannten Spiralarme der Galaxie M51 kann man mit eigenen Augen jedoch nur mit Fernrohren ab 25 cm Öffnung unter einem mondlos sternklaren Neumondhimmel als matte Schimmer wahrnehmen.
Zieht man eine Linie von Asterion aus zu Stern Mizar, stößt man nach dem ersten Drittel der Linie auf einen 5m hellen rötlichen Stern. Das ist der Stern Y Canes Venaticorum. Y ist ein 2500 °K heißer Roter Riesenstern von ca. 300 Sonnendurchmessern, im Infrarotlicht leuchtet er 4400 Mal heller als unsere Sonne, und er liegt ca. 760 Lichtjahre entfernt. Der Stern stößt riesige Wolken aus Kohlenstoff aus, die sein Licht stark röten, außerdem schwankt seine Helligkeit dadurch innerhalb von ca. 150 Tagen unregelmäßig zwischen 4,8m und 6,3m.  

 

Sternbild Herkules

Das Sternbild Herkules liegt östlich des Sternbilds Corona Borealis. Sein 3m heller Hauptstern heißt Ras Algethi (Alpha), er liegt im Südteil des Herkules, in der Nachbarschaft zu dem 2m hellen Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Im Fernrohr ab 12 cm Öffnung erweist sich Ras Algethi bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern. Seine Partnersterne haben einen schönem Farbkontrast: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint grünlich.

Zieht man eine Linie von Eta Herkulis aus zu Zeta Herkulis und folgt ihr mit dem Fernglas, stößt man hier nach dem ersten Drittel dieser Linie auf ein rundliches Nebelbällchen. Mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei 80-facher Vergrößerung erweist sich das Nebelbällchen als eine kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der Kugelsternhaufen M13. Edmond Halley entdeckte ihn 1714. Er ist der hellste Kugelsternhaufen des nördlichen Sternenhimmels. M13 liegt in einer Entfernung von ca. 22.000 Lichtjahren.

Unter einem mondlos sternklaren Landhimmel kann man ca. 8,5° nördlich von Eta Herkulis mit einem Fernglas 10 x 50 ein weiteres kleines Nebelwölkchen erahnen. Das ist der Kugelsternhaufen NGC 6229. Er liegt in ca. 100.000 Lichtjahren Entfernung, daher kann man ihn nur mit Fernrohren großer Öffnung in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Stern 95 Herkulis. Er ist ein hübscher Doppelstern. Seine Partnersterne stehen in einem Abstand von sechs Bogensekunden. Man kann sie daher bereits mit kleinen Fernrohren getrennt sehen.
Schwenkt man sein Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man dort auf den Kugelsternhaufen M92. Er ist kleiner als M13, aber ebenso hell, weil im Zentrum von M92 die Sterne dichter beieinander stehen als im Zentrum von M13.
Schwenkt man sein Fernrohr bei niedriger Vergrößerung von Kornephoros (Beta Herculis) aus ca. 4° nach Nordosten, kann man dort einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern wahrnehmen, der in einem Feld mit schwachen Sternen liegt. Das ist kein Stern, sondern der Planetarische Nebel NGC 6210. Betrachtet man NGC 6210 mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei 150-facher Vergrößerung, sieht man den Planetarischen Nebel als eine kleine, blaugrünliche Nebelscheibe, in deren Zentrum ein winziger weißer Stern aufblitzt.

 

 

Sternbild Corona Borealis

Östlich des Sternbilds Bootes sieht man einen nach Norden geöffneten Bogen aus hellen Sternen. Das ist das kleine Sternbild Corona Borealis. Sein 2,2m heller Hauptstern heißt Gemma (Alpha Coronae Borealis). „Gemma“ ist der lateinische Ausdruck für „Edelstein“, denn Gemma funkelt bei großer Luftunruhe in allen Farben, ganz ähnlich wie Sirius. Gemma liegt ca. 74 Lichtjahre entfernt.

Ca. 3,5° östlich von Gemma liegt der 4,6m helle Stern Delta Coronae Borealis. Ca. 2° nördlich von Delta kann man mit einem Fernglas oder Fernrohr den rötlichen Stern R Coronae Borealis sehen. Dieser Stern ist ein 4000 Lichtjahre ferner Roter Überriesenstern mit einer kohlenstoffreichen Atmosphäre. Er stößt ähnlich wie Y Canes Venaticorum in unregelmäßigen Abständen (Monate bis Jahre) gewaltige Rußwolken aus, die das von ihm ausgestrahlte Licht absorbieren. Wenn das passiert, kann R Coronae Borealis spontan für Monate oder sogar für mehrere Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden, sodass der normalerweise mit kleinen Ferngläsern mühelos wahrnehmbare Stern R Coronae Borealis sogar mit großen Fernrohren von 12 Zoll Öffnung vorübergehend unsichtbar wird.

 

 

Sternbild Waage

Das Sternbild Waage liegt östlich des Sternbilds Jungfrau. Es wird nicht sehr häufig beachtet, da es in Mitteleuropa nur einen maximalen Horizontabstand von ca. 20° erreicht.

Die beiden hellsten Sterne im Sternbild Waage sind der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae) und der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, der bereits in einem Fernglas getrennt gesehen werden kann, seine Partnersterne zeigen dabei einen schönen Farbkontrast.

Das Sternbild Waage wurde in der Antike von den Römern eingeführt. Vorher waren die Sterne des Sternbilds Waage ein Bestandteil des Sternbilds Skorpion, wo sie die beiden Scheren des Skorpions darstellten. Dies wird bis heute durch die Namen der hellen Sterne deutlich: Zubenelgenubi kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Südliche Schere“, Zubeneschemali bedeutet „Nördliche Schere.

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Delta Librae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern, ähnlich dem Stern Algol. Alle 2,32735 Tage fällt die Helligkeit von Delta Librae sechs Stunden lang um eine ganze Größenklasse auf 5,5m ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der 8,5m helle, locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Er ist 45000 Lichtjahre entfernt. Um NGC 5897 zu beobachten, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung.

 

 

Sternbilder Schlange und Schlangenträger

Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange stammen aus der Antike. Sie wurden damals zur Erinnerung an die Asklepios-Sage geschaffen.

Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger heißt Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds, nahe beim Stern Ras Algethi (Alpha Herculis). Ras Alhague markiert im Sternbild den Kopf des Schlangenträgers. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bezeichnen die Schultern des Schlangenträgers. Die beiden Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers.
Westlich des Schlangenträgers befindet sich der nach Norden gebogene Hals der Schlange. Dieser besteht aus den drei Sternen Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Das markante kleine Dreieck aus den Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.     
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk kann man mit einem lichtstarken Fernglas ein rundliches Nebelwölkchen sehen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Er wird bereits mit einem kleinen Fernrohr von nur 6 cm Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst. M5 lässt sich einfach auffinden, indem man das Fernrohr auf Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und um 11,5° nach Norden schwenkt.

Östlich des Sternbilds Schlangenträger liegt der aufgerichtete Schwanz der Schlange. Er besteht aus den vier Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und schließlich dem Stern Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man mit kleinen Fernrohren schön aufgelöst sehen kann. Seine Partnersterne sind gleich hell und weiß.
Das Sternbild Schlangenträger enthält die drei hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Man kann bereits mit einem Fernglas wahrnehmen. M12 findet man ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior, man kann ihn mit kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M10 liegt ca. 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.
In der Himmelsregion südlich von Sabik kann man mit Fernrohren weitere zwölf Kugelsternhaufen wahrnehmen. Da sich das Milchstraßenband durch den Südteil des Sternbilds zieht, enthält diese Region des Schlangenträgers zahllose Sterne und Dunkelwolken. Betrachtet man sie unter einem mondlos sternklaren Landhimmel mit lichtstarken Ferngläsern oder lichtstarken Großfeld-Fernrohren, können sich hier einige faszinierende Anblicke bieten.

 

 

Sternbild Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Daher ziehen beide Sternbilder gemeinsam durch den Meridian.

Das Sternbild Skorpion ist leicht zu finden, weil es viele helle Sterne enthält. Es wird von Mitteleuropa aus nicht häufig beobachtet, weil hier beim Meridiandurchgang des nur der nördlicher Bereich des Sternbilds Skorpion über den Horizont steigt. Der Himmel muss daher mondlos und sternenklar sein, und die Nachtluft muss bis hinab zum Horizont transparent sein, wenn man die Sterne im Nordteil des Skorpions erfolgreich beobachten will.
Der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii) ist der hellste Stern im Skorpion. Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen. Er liegt in ca. 520 Lichtjahren Entfernung. Er hat einen Durchmesser von ca. einer Milliarde Kilometern und strahlt mit 9000 Sonnenleuchtkräften. Er ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist nur 6,5m hell, er steht im Abstand von drei Bogensekunden und ist grünlich.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein sehenswerter Doppelstern, den man schon mit kleinen Fernrohren deutlich in seine beiden Partnersterne aufgelöst sehen kann. Er ist 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt.
Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii. Er ist ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, und er hat 1700 Sonnenleuchtkräfte. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ca. 800 Lichtjahre von uns entfernt. Bereits mit einem kleinen Fernrohr sieht man, dass Alniyat ein Doppelstern ist, dessen Partnersterne im Abstand von 20 Bogensekunden liegen. Der hellere Partnerstern ist blauweiß, sein schwächerer Partnerstern ist 8,6m hell und blauweiß.
Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht auffällig hell und enthält viel weniger Sterne als die weitaus meisten anderen beobachtbaren Kugelsternhaufen. Da M4 nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt, kann man ihn mit jedem kleinen Fernrohr vollständig in viele Sterne aufgelöst sehen.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Von den Tropen aus betrachtet erweist er sich als einer der hellsten Offenen Sternhaufen, doch von Mitteleuropa aus wird das Licht seiner Sterne aufgrund der horizontnahen Position stark gedämpft, dass M6 nicht sehr beeindruckend ist. Mit einem Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen. Bei sternklarem Himmel kann man in M6 mit einem lichtstarken Fernrohr über 100 Sterne sehen. Da ihre Anordnung entfernt an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, wird der Sternhaufen manchmal auch „Schmetterlingshaufen“ genannt.

 

 

Sternbild Leier

Das Sternbild Leier ist das kleinste Sternbild des nördlichen Sternenhimmels. Man kann es trotzdem besonders leicht finden, weil sein Hauptstern Wega einer der hellsten Sterne am Himmel ist. Wega ist ein 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0, er hat 37 Sonnenleuchtkräfte und ist 25 Lichtjahre entfernt. Wega ist ca. 400 Millionen Jahre alt, er ist einer unserer jüngsten Nachbarsterne.

Südlich von Wega bilden vier helle Sterne miteinander einen kleinen Rhombus. Dieser Rhombus stellt im Sternbild den Korpus der Leier dar. Das nördliche Ende dieses Korpus besteht aus den beiden Doppelsternen Zeta Lyrae und Delta Lyrae. Das südliche Ende besteht aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae). 
Schon mit einem kleinen Fernrohr sieht man, dass die Region um Delta Lyrae einen zerstreuten jungen Offenen Sternhaufen enthält, der ca. 800 Lichtjahre entfernt ist. Betrachtet man den Stern Delta Lyrae mit einem Fernrohr, erweist er sich als Doppelstern. Seine Partnersterne sind jedoch kein physisches Paar, sondern liegen zufällig hintereinander in derselben Himmelsgegend. Delta1 Lyrae ist ein junger blauweißer Stern, 990 Lichtjahre entfernt, Delta2 Lyrae ist ein leuchtkräftiger alter Roter Riesenstern in ca. 750 Lichtjahren Entfernung.
Der Stern Sheliak liegt an der unteren rechten Ecke des Rhombus. Er ist ein besonderer bedeckungsveränderlicher Stern, dessen beiden Partnersterne einander sehr eng in 12,94 Tagen umkreisen, wobei einander regelmäßig verdecken, wodurch Sheliaks Helligkeit regelmäßig schwankt. Sheliak liegt in 880 Lichtjahren Entfernung.
In der Mitte zwischen den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der 8.8m helle Planetarische Nebel M57. Das ist der berühmte „Ringnebel“. Mit einem kleinen Fernrohr bei 30-facher Vergrößerung sieht man M57 bereits als ein rundliches Scheibchen, und bei 100-facher Vergrößerung sieht er wie ein matter kleiner Rauchring aus. M57 liegt ca. 3700 Lichtjahre entfernt.

Ca. 1,6° nordöstlich von Wega liegt ein 4m hellen Stern, den man schon mit bloßen Auge als leicht länglich wahrnehmen kann. Das ist der Stern Epsilon Lyrae. Mit jedem kleinen Fernglas sieht man deutlich, dass Epsilon ein Doppelstern ist. Betrachtet man Epsilon mit einem Fernrohr bei 100-facher Vergrößerung, erweist sich jeder der beiden Partnersterne seinerseits als ein Doppelstern. Der Stern Epsilon Lyrae besteht aus vier Sternen, die einander als zwei enge Sternenpaare im Lauf von Jahrhunderten umkreisen.

 

 

Abschluss

Wenn die Beobachtungsnacht endet, muss man die Geräte abbauen und womöglich die komplette Ausrüstung im Auto verstauen. Da man diese Aufgabe nach langem Aufenthalt in der Kälte müde, durchfroren und mit kältesteifen Fingern im Schein einer Kopflampe ausführen muss, erfordert sie viel Konzentration und Umsicht. Hierbei zahlt es sich aus,  wenn man bei den Beobachtungen kleine Geräte eingesetzt hat, und man lernt es zu schätzen,  wie beruhigend es sein kann, wenn man diese Aufgabe nicht alleine bewältigen muss.
Hat man schließlich alles abgebaut, abgetrocknet und ordentlich abgepolstert im Kofferraum verstaut, sollte man den Beobachtungsplatz im Schein einer hellen Taschenlampe inspizieren, um übersehene Ausrüstungsteilchen, Handschuhe, leere Kekspackungen etc. einzusammeln. Vielleicht schaut man dann kann noch einmal hinauf in den Nachthimmel, genießt den Moment, und nimmt Abschied von dieser Beobachtungsnacht.
Und dann muss man den letzten Teil der Aktion in Angriff nehmen: Man muss noch nach Hause fahren.

Mit steifen Gliedern steigt man ins Auto und freut sich, dass man sitzen darf. Man startet den Motor, die Scheinwerfer leuchten auf, man sieht im hellen Licht Raureif auf den Gräsern funkeln, oder sieht Tautropfen glitzern. Und dann fährt man aufmerksam und vorsichtig über die verlassen liegenden, womöglich vereisten Straßen, durch den dunklen Wald nach Hause, während die Wagenheizung endlich wohlige Wärme verbreitet.

 

 

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