Überblick um 1:00

 

Um 1:00 sinkt das Sternbild Schütze zum Südwesthorizont. Das Sternbild Schwan steht nun im Zenit. Über dem südlichen Horizont wandert das Sternbild Steinbock zum Meridian. Hoch im Osten sehen wir das Sternenquadrat des Pegasus und die daran angesetzte Sternenkette des Sternbilds Andromeda. Darunter leuchtet über dem Südosthorizont der rötliche Mars. Nördlich davon sehen wir das markante Himmels-W des Sternbilds Cassiopeia, im Nordosten erhebt sich das Sternbild Perseus, und darunter steigt das Sternbild Fuhrmann über den Horizont. Am Himmel blitzen hin und wieder vereinzelte schnelle Sternschnuppen auf. Sie scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen, es sind Perseiden.

 

 

Pfeil

Das kleine Sternbild Pfeil liegt zwischen den beiden Sternbildern Schwan und Adler. Es ist schon seit dem Altertum bekannt, es repräsentiert den Pfeil des Amors. Die drei hellen Sterne Eta Sagittae, Gamma Sagittae und Delta Sagittae des Sternbilds bilden den Schaft des himmlischen Pfeils, die beiden Sterne Alpha Sagittae und Beta Sagittae stellen seine Steuerfedern dar.

Ca. 1,5° östlich von Delta Sagittae kann man im lichtstarken Fernglas ein mattes Nebelfleckchen sehen. In lichtstarken Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung erweist sich das Nebelfleckchen bei höherer Vergrößerung als ein dichter, dreieckiger Sternhaufen aus schwachen Sternen. Das ist der Kugelsternhaufen M71. Bis vor wenigen Jahren wusste man nicht, ob M71 ein sehr alter Offener Sternhaufen oder ein Kugelsternhaufen ist. Heute weiß man, dass M71 ein Kugelsternhaufen ist, der auf seiner Bahn um das Zentrum der Milchstraße im Laufe von Jahrmilliarden viele Sterne aus seinen Außenbereichen in der Scheibe der Milchstraße verloren hat.

Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae sehen wir im Fernglas einen ungewöhnlich geformten Offenen Sternhaufen, dessen helle Mitglieder in Form eines Drahtkleiderbügels angeordnet sind. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ heißt offiziell „Collinder 399“, er liegt knapp jenseits der Grenze des Sternbilds Pfeil im benachbarten Sternbild Füchslein.
Ca. 2° westlich des Kleiderbügelhaufens sind wir aber wieder im Gebiet des Sternbilds Pfeil, und hier liegt der 6,2m helle, blauweiße Stern U Sagittae. U Sagittae ist ein bemerkenswerter bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit regelmäßig nach 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten ziemlich abrupt von 6,2m auf 9,2m abfällt: er wird dabei ca. 15 Mal schwächer. Es lohnt sich, diese Bedeckungszeitpunkte vorab zu ermitteln, sodass man diese deutliche Veränderung der Sternhelligkeit beobachten kann. Die Abschwächung zum Minimum erfolgt bei U Sagittae innerhalb weniger Minuten.

 

Füchslein

Das Sternbild Füchslein ist ein kleines Sternbild und enthält keine hellen Sterne. Daher wird es oft übersehen. Es liegt südlich des Sternbilds Schwan und nördlich des Sternbilds Pfeil. Sehenswerte Himmelsobjekte im Sternbild Füchslein sind der bereits erwähnte „Kleiderbügelhaufen“ und der helle und große Planetarische Nebel M27, der unter dem Namen „Hantelnebel“ bekannt ist. Man kann M27 ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Gamma Sagittae entdecken. Am sternklaren, mondlosen Nachthimmel ist M27 häufig bereits im Fernglas als ein mattes Fleckchen wahrnehmbar. Im Fernrohr nimmt man in M27 bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung wahr. Dieser Einschnürung verdankt M27seinen Namen „Hantelnebel“. In Fernrohren ab 12 Zoll Öffnung kann man im Hantelnebel dessen 13m hellen Zentralstern sowie zahlreiche weitere Nebelstrukturen wahrnehmen. Wenn man bei der Beobachtung von M27 spezielle Nebelfilter einsetzt (UHC, O III), steigert das den Kontrast wesentlich, sodass man viele feine Details in den Strukturen des Nebels wahrnehmen kann.

 

 

Delphin

Das kleine Sternbild Delphin liegt zwischen dem Sternbild Pegasus und dem Sternbild Pfeil. Die Sterne des Sternbilds Delfin bilden dort die Eckpunkte eines markanten kleinen Rhombus, wodurch man das Sternbild leicht auffinden kann. Der östlichste Stern in diesem Rhombus ist Gamma Delphini. Bereits im kleinen Fernrohr zeigt sich Gamma Delphini als hübscher Doppelstern. Seine beiden gleich hellen Partnersterne leuchten hellgolden.

Ca. 3,5° südlich des Sternenrhombus befindet sich der 4m helle Stern Epsilon Delphini, der auch „Deneb Dulfim“ heißt. Übersetzt bedeutet der Name „Schwanz des Delphins“.
In einem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr kann man ca. 4° südlich dieses Sterns unter einem mondlos sternklaren Himmel den kleinen Kugelsternhaufen NGC6934 auffinden. Er wurde bereits 1785 von Wilhelm Herschel entdeckt und liegt ca. 50000 Lichtjahre entfernt.

 

Schild

Südwestlich des Sternbilds Adlers liegt das kleine Sternbild Schild. Da es keine hellen Sterne enthält, wird es am Sternenhimmel häufig übersehen. Da es in der Nachbarschaft zum Sternbild Schütze liegt, enthält das Sternbild Schild viele Dunkelwolken, Offene Sternhaufen und Sternwolken der Milchstraße. Bereits in einem kleinen Fernrohr kann man hier den Offenen Sternhaufen M11 entdecken. Wir finden M11 ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae. Dieser Sternhaufen ist sehr sternreich, er ist auch unter dem Namen „Wildentenhaufen“ bekannt.

Unmittelbar südlich von M11 liegt ein sehr sternreiches Milchstraßenfeld mit unzähligen schwachen Sternen, das als die „Schildwolke“ bezeichnet wird. Diese Stelle des Himmels ermöglicht uns nämlich einen weitgehend unverstellten Blick entlang der Milchstraßenebene über 20000 Lichtjahre weit bis in die Nähe des Milchstraßenzentrums. Daher sieht man an dieser Stelle unzählige schwache Sterne. In einem lichtstarken Fernglas kann diese Region des sternklaren Nachthimmels einen unvergesslichen Anblick bieten.

 

Steinbock

Am westlichen Rand des Sternbilds Steinbock sieht man schon mit bloßem Auge einen auffälligen Doppelstern. Das ist der 3,9m helle Stern Algiedi (Alpha). Seine beiden Partnersterne (Alpha 1 und Alpha 2) sind jedoch kein physisches Paar. Sie liegen aus unserer Sicht nur zufällig in derselben Richtung. Im Fernrohr zeigt sich jedoch jeder dieser Partnersterne seinerseits als ein Doppelstern. Die Partnersterne dieser Doppelsternpaare sind jeweils jedoch sehr leuchtschwach.

Ca. 2,5° südöstlich von Algiedi liegt der 3 m helle Stern Dabih (Beta). Dabih ein physischer Doppelstern, die Partnersterne haben einen Winkelabstand von 210 Bogensekunden voneinander und sind daher bereits im Fernglas schön getrennt zu sehen.

In einem lichtstarken Fernrohr kann man ca. 7° südsüdwestlich von Delta Capricornis den kleinen Kugelsternhaufen M30 wahrnehmen.
Ca. 8.3° westlich von Algiedi (Alpha Capricornis) kann man mit einem lichtstarken Fernrohr bei 80-facher Vergrößerung ein winziges grünliches Wölkchen auffinden. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6818. Durch seine Farbe unterscheidet er sich deutlich von allen schwachen Sternen seiner Umgebung. NGC 6818 ist auch unter seinem Namen „Little Gem Nebel“ bekannt.

 

Wassermann

Das Sternbild Wassermann liegt südlich des 2,4m hellen Sterns Enif (Epsilon Pegasi) und nördlich und östlich des Sternbilds Steinbock. Da es im Sternbild Wassermann keine hellen Sterne gibt, ist es ein unauffälliges Sternbild. Dennoch lohnt es sich, das Sternbild mit dem Fernglas oder dem Fernrohr zu durchforschen, denn es enthält einige sehenswerte Beobachtungsobjekte.
Ca. 4,5° nördlich des 2,9m hellen Sterns Mesarthim (Beta Aquarii) kann man im Fernglas 10x50 einen rundlichen matten Nebelfleck wahrnehmen. Das ist der 6,5m helle Kugelsternhaufen M2. Im kleinen Fernrohr betrachtet hat M2 einen Durchmesser von sechs Bogenminuten. Dieser Sternhaufen hat eine helle Zentralregion. In Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung kann man M2 bei Vergrößerungen ab 150x bis in sein Zentrum in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Ca.1,3° westlich der 4,5 m hellen Sterns Ny Aquarii liegt der helle Planetarischer Nebel NGC 7009. Er ist auch als der „Saturnnebel“ bekannt. Im Fernglas 10x50 sieht NGC 7009 wie ein 8m heller, leicht grünlich getönter Stern aus. Im Fernrohr erscheint er bei einer Vergrößerung ab 50x als grünliches Scheibchen. Da NGC 7009 eine hohe Flächenhelligkeit hat, kann man ihn bei guter Luftruhe auch im kleinen Fernrohr erfolgreich mit hohen Vergrößerungen betrachten. In Fernrohren ab sechs Zoll Öffnung kann bei guten Beobachtungsbedingungen auch die seitlichen Nebelfortsätze wahrnehmbar, die NGC 7009 eine Ähnlichkeit mit dem Anblick Saturns verleihen.

Wenn man bei dunklem, klarem Himmel am Himmel eine Linie von Ny Aquarii nach Dabih (Beta Capricornis) zieht, findet man auf dieser Linie mit einem lichtstarken Fernglas beim ersten Drittel dieser Strecke einen kleinen leuchtschwachen Nebel. Im kleinen Fernrohr erscheint er als blasser Nebelball. Mit größeren Fernrohren kann man den Nebelball am Rand in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Das ist der Kugelsternhaufen M72, er ist ca. 60.000 Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 3° östlich des 4,2m hellen Sterns Phi Aquarii sieht man im Fernglas ein 7,8m helles Sternchen. Es bewegt sich im Laufe des Monats sehr gemächlich in westliche Richtung. Das Sternchen ist der Planet Neptun. Er wird am 11. September seine diesjährige Oppositionsstellung erreichen und kann während der ganzen Nacht beobachtet werden.

 

Pegasus

Nördlich des Sternbilds Steinbock leuchtet am Himmel ein auffällig heller Stern. Das ist der 2,4m helle Stern Enif (Epsilon Pegasi). Ca. 4° nordwestlich von Enif kann man im Fernglas den Kugelsternhaufen M15 wahrnehmen. In einen Fernrohr ab 10 cm Öffnung sieht man M15 bereits schön in einzelne Sterne aufgelöst. Das Zentrum dieses Kugelsternhaufens ist sehr reich an Sternen.

Östlich von Enif stehen vier Sterne in einer markanten quadratischen Anordnung, die man „Pegasusquadrat“ nennt. An der rechten oberen Ecke des Pegasusquadrats steht der 2,5 m helle Scheat (Beta Pegasi). Scheat ist ein Roter Riesenstern, dessen Helligkeit irregulär schwankt.

Fünf Grad nordwestlich von Scheat steht der 3m helle Matar (Eta Pegasi). Ca. 4,3 Grad nordnordwestlich von Matar liegt die 9,5 m helle Spiralgalaxie NGC 7331. Diese große Galaxie ist ca. 60 Millionen Lichtjahre entfernt und kann in Fernrohren ab 10 cml Öffnung wahrgenommen werden. Wenn man diese Galaxie mit einem Teleskop mit Öffnungen ab 10 Zoll beobachtet, kann man in der unmittelbaren Umgebung von NGC 7331 weitere kleine Spiralgalaxien wahrnehmen.

An der südwestlichen Ecke des Pegasusquadrats liegt der 2,5m helle Stern Markab. Ca. 3°südlich von Markab kann man am sternklaren Himmel bei mondloser Nacht mit einem Fernrohr ab 12 cm Öffnung die 10,5m helle Galaxie NGC 7479 wahrnehmen. Sie liegt 36 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Man nennt sie „Superman-Galaxie“, weil ihre Form auf langbelichteten Astrofotografien an den Buchstaben S des Supermann-Kostüms erinnert. Bei sehr günstigen Beobachtungsbedingungen kann man den Kernbereich dieser Galaxie sogar mit einem kleineren Fernrohr entdecken.

 

Uranus

Der 5,8m helle Uranus ist im Sternbild Widder ca. 10,5° südlich des 2m hellen Sterns Hamal zu finden. Der 2,9 Milliarden Kilometer ferne Eisplanet ist nach Mitternacht bereits im kleinen Fernglas gut sichtbar. Im Fernrohr erscheint Uranus bei hoher Vergrößerung als ein ca. 4 Bogensekunden großes mattgrünliches Scheibchen.

 

 

Andromeda

Nördlich und östlich des Sternbilds Pegasus liegt das große Sternbild Andromeda. Wenn der Nachthimmel dunkel und sternenklar ist, kann man hier mit dem bloßen Auge das Zentrum unserer Nachbargalaxie M31 als einen matten Schimmer mit bloßem Auge wahrnehmen. Es liegt ca. 1,5° westlich des 4,5m hellen Sterns Ny Andromedae. Der Winkeldurchmesser der Galaxie M31 am Himmel beträgt ca. 4° (das sind ca. acht Vollmonddurchmesser!). Daher ist M31 trotz ihrer gewaltigen Entfernung von 2,6 Millionen Lichtjahren für das Gesichtsfeld der meisten Amateurfernrohre viel zu groß.

In einem Fernrohr mit großer Brennweite bekommt man sogar im Übersichtsokular nur den hellen Zentralbereich von M31 sowie die Begleitgalaxien M32 und M110 zu sehen. Wenn man M31 mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung bei niedriger Vergrößerung betrachtet, kann man auch die Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie wahrnehmen. Die Spiralarme der Galaxie M31 sind kaum wahrnehmbar, weil die Sternbildung in der Galaxie M31 vor über einer Milliarde Jahren zum Erliegen gekommen ist.

Im Sternbild Andromeda liegen auch deutlich leuchtschwächere Galaxien. Eine davon ist IC 404. Diese 10m helle elliptische Galaxie steht nur sieben Bogenminuten nordwestlich des 2m hellen Sterns Mirach (Beta Andromedae). Bei dunklem, sternklarem Himmel kann man sie in einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei höherer Vergrößerung leicht auffinden. IC 404 ist ca. 8 Millionen Lichtjahre entfernt, sie liegt somit 40000 Mal weiter von uns weg als Mirach, doch Mirach leuchtet 10000 Mal heller. Daher muss man Mirach bei der Beobachtung von IC 404 außerhalb des Gesichtsfeldes halten, damit das Licht Mirachs die Galaxie nicht überstrahlt.
Der 2,3m helle Stern Alamak (Gamma Andromedae) ist ein sehenswerter Doppelstern, der schon in Fernrohren kleiner Öffnung bei hoher Vergrößerung schön zu beobachten ist. Der hellere der beiden Partnersterne leuchtet im Okular orange, der schwächere Partnerstern scheint bläulich.

Im Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel NGC 7662. Man findet ihn recht einfach per „Starhopping“, indem man von Scheat (Beta Pegasi) ausgeht. Ca. 14° nördlich von Scheat liegt der 3,6m helle Stern Omikron Andromedae. Ca. 6,3° östlich von Omikron liegt der 4,5 m helle Iota Andromedae. Zieht man nun am Himmel von Omikron aus eine Linie zu Iota, stößt man nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3m hellen Stern 13 Andromedae. Ca. 25 Bogenminuten südwestlich dieses Sterns liegt NGC 7662.
Der Planetarische Nebel NGC 7662 ist bereits im Fernglas als ein bläulicher Stern zu sehen. Bei hoher Vergrößerung im Fernrohr zeigt er sich jedoch als ein heller Ring von auffällig blauer Farbe. Daher ist NGC 7662 auch unter dem Namen „Blaue Schneeball“ bekannt. Wenn man NGC 7662 am Fernrohr mit einem UHC-Nebelfilter beobachtet, wirkt das blaue Leuchten von NGC 7662 besonders intensiv.

 

 

Perseus

Das Sternbild Perseus ist gegen Mitternacht niedrig über dem Nordosthorizont zu erkennen. In der Morgenstunden des 12. August gehen vom diesem Sternbild besonders viele Sternschnuppen aus. In der Zeit von 1:00 bis zum Morgengrauen könnte man mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde rechnen. Leider werden die meisten dieser Sternschnuppen in diesem Jahr vom Licht des abnehmenden Mondes überstrahlt. Man nennt man sie „Perseiden“, weil sie aus der Richtung des Sternbilds Perseus kommen.
Der Ursprungskörper der Perseiden ist der Komet 109P Swift-Tuttle. Die Perseiden werden bereits seit der Spätantike beobachtet, man nannte sie damals die „Tränen des Märtyrers Laurentius“.

Im August bietet das Sternbild Perseus nicht nur die berühmten Perseiden, sondern noch viele andere interessante Beobachtungsobjekte. Betrachtet man z. B. im Fernglas den 1,8m hellen Mirfak, den hellen Hauptstern des Sternbilds Perseus, sieht man ihn von zahlreichen hellen, blauweißen Sternen umgeben: das ist der junge Offene Sternhaufen Melotte 20. Der Stern Mirfak ist ein gelber Überriese mit 4000 Sonnenleuchtkräften, ca. 500 Lichtjahre von uns entfernt.

Zwischen den beiden Sternen Delta Cassiopeiae und Gamma Persei liegen die zwei schönen Offenen Sternhaufen  „h“ und „chi“. Am klaren Sternenhimmel sind sie häufig bereits mit bloßem Auge als matte Nebelchen zu sehen. Sie bieten in jedem lichtstarken optischen Gerät, das dem Beobachter ein großes Gesichtsfeld bietet, einen faszinierenden Anblick.

Ca. 3° westlich von Mirfak liegt der große, aber leider auch lichtschwache Offene Sternhaufen NGC 1245. Er ist über 8000 Lichtjahre entfernt, nur 8.6m hell und 10 Bogenminuten groß. Um ihn zu sehen, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr an einem Standort ohne Lichtverschmutzung.

Schwenkt man das Fernrohr von Mirfak aus über die Position von NGC 1254 hinaus nach Westen, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der erste je entdeckte bedeckungsveränderliche Stern. Algols Helligkeit fällt nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden für zehn Stunden von 2m auf 3,5m ab.

Fünf Grad nordwestlich von Algol sieht man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Er ist die Beobachtung mit dem Teleskop zu groß. Mit dem Teleskop kann man in M34 jedoch mehrere Doppelsterne sehr schön beobachten.

Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der schöne und helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Man kann ihn im Fernrohr bereits bei niedrigen Vergrößerungen sehr leicht in seine Einzelsterne aufgelöst sehen. Etwas mühsamer kann eine Beobachtung von NGC 1513 werden. Dieser Offene Sternhaufen zeigt im Fernrohr seine ringförmige Anordnung schwacher Sterne erst bei höheren Vergrößerungen.

Auf der Mitte der Linie von Algol zu Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Diesen Sternhaufen sollte man in kleineren Fernrohren mit höheren Vergrößerungen beobachten, damit man auch seine leuchtschwächeren Sterne mit ausreichendem Kontrast  sehen kann.

An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76, der auch als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt ist. Man findet ihn am einfachsten, wenn man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgeht. Schwenkt man sein Fernrohr von Alamak aus in Richtung auf Gamma Cassiopeia, stößt man nach 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. 1° nördlich von Phi liegt M76. Bei dunklem Himmelshintergrund ist dieser kleine Planetarische Nebel auch schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen gut sichtbar. M76 erscheint rechteckig.

 

 

Walfisch

Das Sternbild Walfisch liegt südlich der beiden Tierkreissternbilder Fische und Widder. Diese beiden Sternbilder finden in der Regel mehr Beachtung als das Sternbild Walfisch, weil sie auf der Ekliptik liegen. Das Sternbild Walfisch ist jedoch interessanter, weil es hellere Sterne enthält.
Das Sternbild Walfisch stammt aus dem Altertum und soll an das sagenhafte Seeungeheuer erinnern, das einer Sage der klassischen Antike zufolge vom Helden Perseus getötet wurde, um die schöne Prinzessin Andromeda davor zu retten, von dem Seeungeheuer gefressen zu werden. Cassiopeia war die Mutter der Andromeda, und Cepheus war ihr Vater. Seit der klassischen Antike stehen diese mythologischen Gestalten als Sternbilder am Himmel.
Ca. 23° unterhalb des hellen Sterns Hamal im Sternbild Widder sieht man einen 2,5m hellen Stern. Das ist Menkar (Alpha Ceti), der Hauptstern des Sternbilds Walfisch. Menkar ist ein Roter Riesenstern mit 1500 Sonnenleuchtkräften, ca. 250 Lichtjahre entfernt. Er stellt am Himmel das Nasenloch des Walfischs dar. Ca. 40° östlich von Menkar steht der 2m helle Stern Deneb Kaitos (Beta Ceti). Er markiert den Schwanz des Walfischs. Beta Ceti ist ein Roter Unterriesenstern in 65 Lichtjahren Entfernung.

Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira Ceti. Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riesenstern, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Mira ist derzeit unauffällig, denn sie durchlief im Juni 2020 ihr Minimum. Ihr nächstes Maximum wird sie im Oktober 2020 erreichen.

Da das Sternbild Walfisch am Himmel unterhalb des Milchstraßenbandes liegt, gibt es in dem Sternbild weder Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Mit einem Fernrohr großer Öffnung unter einem mondlos dunklen, sternklaren Himmel kann man hier jedoch einige sehenswerte Galaxien betrachten. Ca. 3,15° südlich des 3,5m hellen Sterns Gamma Ceti, dem zweithellsten Stern im Kopf des Walfischs, liegt die 8,9m Spiralgalaxie M77. Eine weitere sehenswerte Galaxie ist 11m helle NGC 247. Sie ist eine Spiralgalaxie in Kantenlage, wir finden sie ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos.

 

Überblick gegen 4:00

Die Sterne des Schlangenträgers versinken im westlichen Horizontdunst. Auch die Sterne des Sternbilds Adler streben nun im Südwesten zum Horizont. Das kleine Sternbild Eidechse steht nun im Zenit, östlich davon sieht man die wohlbekannten Sternenmuster der Sternbilder Cassiopeia und Perseus. Das Sternbild Pegasus überquert hoch am Himmel den Meridian. Links unterhalb sieht man den hellen Mars, und rechts unterhalb sieht man das unauffällige Sternbild Wassermann. Tief über dem Südhorizont leuchtet der Stern Fomalhaut, der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch.

Über dem Osthorizont sehen wir nun die strahlende Venus, östlich des Sterns Aldebaran im Sternbild Stier, und oberhalb von Aldebaran auch klein den Offenen Sternhaufen der Plejaden. Darunter steigen nun die Sterne des Sternbilds Orion über den Horizont. Man kann auch die hellsten Sterne des Sternbilds Zwillinge im Horizontdunst bereits erahnen. Es ist zwar Sommer, aber man nun sieht bereits die ersten Wintersternbilder. In den kommenden Monaten wird man sie noch besser beobachten können.

 

 

Abschluss

Jede Beobachtungsnacht muss schließlich enden, entweder wegen einer Wetterverschlechterung, oder wegen wachsender Müdigkeit, oder aus Zeitmangel, oder weil die Morgendämmerung einsetzt, oder aus allen diesen Gründen gemeinsam.

Dann heißt es, alle Geräte trotz Müdigkeit und Eile im Schein der Kopflampen mit Umsicht abzubauen und danach alles sorgfältig im Kofferraum zu verstauen. Ist das alles gut verpackt, sollte man abschließend nachprüfen, ob man am Beobachtungsplatz keine Zubehörteile, Kleidungsstücke oder seinen im Gras vergessenen Abfall übersehen hat.

Hat man den Beobachtungsplatz gut aufgeräumt, sollte man die Gelegenheit nutzen, noch einmal in die Runde zum Himmel hinaufzublicken, um Abschied zu nehmen. Man kann die Stille genießen, kann vielleicht den ersten Vögeln lauschen, die ihre Morgenlieder anstimmen, und kann den restlichen Tee in der Thermoskanne austrinken, mit einem letzten Keks.

Danach steht die Heinfahrt an. Man steigt ins Auto, schließt die Türen. Der Motor startet, die Scheinwerfer tauchen das Gebüsch voraus in helles Licht. Gemächlich rollt der Wagen den schmalen Weg zwischen den Stacheldrahtzäunen hinab, dann geht es weiter, zwischen nebelverhangenen verlassenen Wiesen und dunklen Hecken bis zur Kreisstraße, und auf dieser geht dann die Fahrt durch den stillen dunklen Buchenhochwald, hinunter ins Tal. Da man in der Sommernacht stets damit rechnen muss, dass auf der kurvigen Straße unvermittelt ein Reh mit Jungtier im Scheinwerferlicht auftauchen könnte, muss bei aller Müdigkeit mit Umsicht fahren. Bald führt die Straße aus dem Wald heraus, durch Wiesen und Felder. Man sitzt und schaut, lässt die Eindrücke und Erfahrungen aus der Beobachtungsnacht gemächlich Revue passieren, und freut sich, dass man bald wieder zu Hause sein wird.

 

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