Überblick um 1:00

Gegen 1:00 steht Wega im Zenit. Der Schlangenträger hat den Meridian überquert. Im Südwesten ragen die nördlichen Sterne des Skorpions über den Horizont. Über dem Südhorizont sieht man die Planeten Saturn und Jupiter und die Sterne der markanten Teekanne im Sternbild Schütze. Östlich davon sieht man die Sterne des Sternbilds Steinbock. Hoch im Osten ist bereits das Sternenquadrat des Pegasus sichtbar.

 

Schild

Südöstlich der Schwanzsterne des Sternbilds Schlange liegt das kleine Sternbild Schild. Das Sternbild Schild enthält keine auffälligen Sterne und wird deshalb von Beobachtern häufig übersehen. Weil die Milchstraße durch dieses Sternbild verläuft, enthält es jedoch mehrere Offene Sternhaufen. Sehenswert ist hier vor allem der Offene Sternhaufen M11, der ca. 4° südwestlich von Lambda Aquilae liegt. M11 ist ein kleiner, aber heller Sternhaufen, der bereits 1681 von dem Berliner Astronomen Gottfried Kirch entdeckt wurde. M11 wird auch als “Wildentenhaufen“ bezeichnet, weil die Anordnung seiner Sterne manche Betrachter an einen dichten Schwarm von Wildenten erinnert, die in der Ferne von einem See auffliegen.

Das Himmelsareal um M11 ist eine ca. 5° große Milchstraßenwolke aus unzähligen Sternen, die man als die “Schildwolke“ bezeichnet. Diese Stelle des Himmels bietet einen 20000 Lichtjahre tiefen Blick bis fast zum Milchstraßenzentrum, weil die sonst fast überall in der galaktischen Scheibe eingebetteten Dunkelwolken an dieser Stelle fehlen. Daher nimmt man die Schildwolke als eine Wolke aus zahllosen Sternen wahr, die gemeinsam wie ein riesiger Offener Sternhaufen erscheinen. Im lichtstarken Fernglas bietet die Schildwolke an einem mondlos klaren Sternenhimmel einen lohnenden Anblick.  

 

Schütze

Südlich des Sternbilds Schild liegt das Sternbild Schütze. Es enthält derzeit die Planeten Jupiter und Saturn, es enthält aber auch viele helle Deep-Sky-Objekte, welche Charles Messier bereits im 18. Jahrhundert mit seinem mit Metallspiegeln ausgestatteten kleinen Fernrohr entdeckt hat. Leider steigt das Sternbild Schütze über dem sommerlichen Mitteleuropa nur wenig über den Südhorizont. Doch wenn die Nachtluft bis hinab zum Südhorizont ruhig und transparent ist, kann man ab der zweiten Monatshälfte um Mitternacht von einem hoch gelegenen, dunklen Standort mit freier Sicht nach Süden viele der hellen „Messier-Objekte“ des Sternbilds Schütze schon mit dem bloßem Auge wahrnehmen.

Die hellsten Sterne des Sternbilds stehen am Himmel in einer markanten Anordnung, das sehr an eine rundliche Teekanne mit Deckel erinnert. Lambda Sagittarii markiert die Spitze des Kannendeckels, Gamma Sagittarii rechts die Spitze der Ausgusstülle, Theta, Sigma, Tau und Zeta bilden links den Henkel.Ca. 2,3° nordöstlich von Lambda findet man im Fernglas ein kugeliges Nebelchen, das ist der Kugelsternhaufen M22. M22 ist an sich der hellste Kugelsternhaufen, den man von Mitteleuropa aus beobachten kann. Ein Grad nordwestlich von Lambda kann man im Fernglas ein weiteres mattes Wölkchen erahnen: das ist der Kugelsternhaufen M28. Ca. 5,5° westlich von Lambda kann man mit dem bloßen Auge bei klarem Himmel ein weiteres Nebelobjekt erkennen, das ist M8, der berühmte “Lagunennebel“. Ca. 1,5° nördlich des Lagunennebels liegt M20, der “Trifidnebel“. Fast 5° nördlich von My Sagittarii liegt der zarte M17, der unter den Namen “Omeganebel“, “Schwanennebel“ oder “Hufeisennebel“ bekannt ist. Dazwischen liegt die große, sternreiche Milchstraßenwolke M24.

 

Steinbock

Östlich des Sternbildes Schütze sieht man die Sterne des Sternbilds Steinbock. Dessen hellster Stern ist Algiedi (Alpha Capricornis), er erweist sich im Fernglas als ein Doppelstern. Die beiden Partner sind aber kein physisches Paar, sondern stehen von uns aus gesehen nur in derselben Richtung. Unterhalb von Algiedi steht der Stern Dabih (Beta Capricornis). Dabih ist ein hübscher Doppelstern, den man schon im kleinen Fernrohr bei niedriger Vergrößerung getrennt sieht, der helle Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint blauweiß.

Von Dabih ausgehend zieht sich nach Osten hin eine Sternenkette aus den vier hellen Sternen Theta, Iota, Gamma und Delta Capricornis.
Bei klarem Himmel und guter Horizontsicht kann man im Fernrohr ca. 6,5° südlich von Gamma Capricornis einen kleinen, rundlichen Nebel mit hellem Kern wahrnehmen. Das ist der Kugelsternhaufen M30. Um M30 vollständig in Einzelsterne aufgelöst zu sehen, braucht man neben guter Luftruhe und sehr transparenter trockener Luft bei mondlosem Sternenhimmel ein Fernrohr großer Öffnung und muss eine hohe Vergrößerung verwenden.

 

Wassermann

Das Sternbild Wassermann erstreckt sich nördlich und östlich des Sternbilds Steinbock. Ca. 4,5° nördlich des 2,9m hellen Sterns Mesarthim (Beta Aquarii) stößt man mit dem Fernglas auf einen schwachen, rundlichen Nebelfleck: das ist der Kugelsternhaufen M2. Im kleinen Fernrohr von 60 mm Öffnung sieht man M2 als einen runden Nebel von ca. 6 Bogenminuten Durchmesser, mit einem aufgehellten Zentrum. Erst bei Vergrößerungen ab 150fach in Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung kann M2 fast bis in sein Zentrum in zahllose Einzelsterne aufgelöst betrachten.

Im Sternbild Wassermann befindet sich der Neptun. Man kann den 7,9m hellen Planeten mit einem Fernglas ca.3,5° östlich des 4,2m hellen Sterns Phi Aquarii wahrnehmen. In Fernrohren ab vier Zoll Öffnung kann man Neptun bei hoher Vergrößerung als blassblaues Scheibchen von 2,3 Bogensekunden Durchmesser sehen. Neptun ist im Juli ca. 4,4 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Das Licht ist von Neptun bis zu uns mehr als vier Stunden unterwegs.

 

 

Abschließender Überblick

Schon ab 3:30 beginnt der Nachthimmel im Nordosten heller zu werden. Von diesem Moment an sind mit dem bloßen Auge im Sternbild Schütze keine galaktischen Nebel mehr wahrnehmbar. Allmählich verliert die Milchstraße ihre Pracht, sie wirkt zunehmend matt und unattraktiv. Dann verschwinden nach und nach die schwachen Sterne aus der Wahrnehmung. Schließlich ist der Himmel so hell geworden, dass man nur noch die hellsten Sterne sehen kann: die Nacht ist zu Ende. Man muss einpacken.

 

Zunächst wischt man mit Handtüchern den Tau von den Geräten. Anschließend werden die Geräte im Schein der Kopflampen mit Umsicht abgebaut und zwischen Decken abgepolstert im Kofferraum verstaut. Als nächstes schaut man mit der Taschenlampe am Boden des Beobachtungsplatzes nach, ob dort noch Zubehör, Kleidungstücke oder Abfall vergessen liegen, und sammelt das auf. Man sollte den Ort so zurücklassen, dass man sicher wiederkommen darf.

Ist alles fertig verstaut, kann man noch unter dem stillen Himmel stehen bleiben und schauen. Im Zenit erahnt man noch schwach das Himmels-W des Sternbilds Cassiopeia. Südlich davon erkennt man das Sternenquadrat des Sternbilds Pegasus, und darunter leuchtet still der Mars.

Dann steigt man ins Auto. Der Motor springt an, die Scheinwerfer leuchten auf, langsam rollen wir den Schotterweg hinab bis zum Aussiedlerhof, biegen dort auf die schmale Straße ein, fahren zwischen den Wiesen und Hecken der Hochfläche bis zur Landstraße, und dann auf der Landstraße in langen Kurven langsam (Vorsicht: Wild!) durch die stillen, dunklen Buchenwälder hinunter ins Tal, und von dort nach Hause.

 

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