Erster Überblick gegen 18:00

Eineinhalb Stunden nach Sonnenuntergang finden wir die Sterne des großen Sternbilds Wassermann ca. 30° über dem südlichen Horizont. Unterhalb dieser Sterne leuchtet dicht über dem Horizont der Stern Fomalhaut, der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch. Im Südosten ist bereits das Sternbild Walfisch aufgegangen. Oberhalb dieses Sternbilds sehen wir das markante Sternenviereck des Pegasus.
Die drei hellen Sterne des Sommerdreiecks (Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler) haben den Meridian bereits passiert. Im Nordwesten erkennt man die Sterne des Sternbilds Herkules. Im Osten sieht man den kleinen Sternhaufen der Plejaden im Sternbild Stier. Darüber erheben sich die Sternbilder Perseus und Cassiopeia, sowie die Sternenkette des Sternbilds Andromeda. Im Zenit erahnt man das kleine Sternbild Eidechse, es liegt unscheinbar zwischen den Sternbildern Schwan und Cassiopeia. Über dem nördlichen Horizont erhebt sich das Sternbild Großer Bär.

 

Sternbild Wassermann

Das Sternbild Wassermann steht jetzt in einer günstigen Beobachtungsposition, daher kann man die Gelegenheit nutzen, um es etwas näher kennen zu lernen. Seine beiden hellsten Sterne heißen Sadalmelik (Alpha) und Sadalsuud (Beta), beide sind 3m helle gelbe Riesensterne. Sadalmelik liegt ca. 11,5° südöstlich des 2,4m hellen Sterns Enif (Epsilon Pegasi). Sadalsuud finden wir ca. 16° südlich von Enif.
Ca. 6° östlich von Sadalmelik finden wir den Stern Zeta Aquarii. Zeta bildet am Nachthimmel gemeinsam mit den drei Sternen Gamma, Eta und Pi ein deutlich Y-förmiges Sternmuster. Da der Stern Zeta Aquarii das Zentrum dieses einprägsamen Y bildet, man kann Zeta leicht identifizieren. Im Fernrohr erweist sich Zeta bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern.
Schaut von Sadalsuud ausgehend im Sucherfernrohr immer weiter nach Norden in Richtung auf Enif, tritt nach dem Drittel dieser Strecke ein matter, rundlicher Nebelfleck ins Gesichtsfeld. Im Fernrohr sieht man sofort, dass dieser Nebelfleck ein Kugelsternhaufen ist: es ist der Kugelsternhaufen M2. Da die Sterne in seinem Kernbereich dicht beieinander stehen, ist M2 ziemlich hell. Um die Randbereiche von M2 in einzelne Sterne aufgelöst zu sehen, braucht man ein Fernrohr ab acht Zoll Öffnung. M2 liegt ca. 50.000 Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 10° südwestlich von Sadalsuud findet man im Fernrohr bei hoher Vergrößerung den kleinen, aber hellen Planetarischen Nebel NGC 7009, der auch als „Saturn-Nebel“ bekannt ist. NGC 7009 hat eine so hohe Flächenhelligkeit, dass man ihn erfolgreich mit hoher Vergrößerung beobachten kann, ohne dass das Bild des Nebels im Okular dadurch zu matt wird. Verlängert man die Linie von Sadalsuud über NGC 7009 hinaus weiter nach Südwesten, kann man dort im lichtstarken Fernrohr den kleinen Kugelsternhaufen M72 auffinden.

Ca. 1,5° westlich des 4,2m hellen Sterns Phi Aquarii kann man bereits mit dem Fernglas den 7,9m hellen Neptun wahrnehmen. Im langbrennweitigen Fernrohr ab 10 cm Öffnung sieht man Neptun als ein unscheinbares mattbläuliches Scheibchen von 2,25 Bogensekunden Durchmesser. Neptun ist 40000 km groß, sieht im Fernrohr jedoch sehr unscheinbar aus, weil er ca. 4,5 Milliarden Kilometer von uns entfernt ist. In dieser Entfernung ist die Intensität der Sonnenstrahlung 900 Mal schwächer als auf der Erde.

 

Sternbild Südlicher Fisch

Tief im Süden sieht man nun dicht oberhalb des Horizonts einen hellen Stern. Das ist Fomalhaut, der 1m helle Hauptstern des Sternbilds Südlicher Fisch. Auf den alten bebilderten Sternkarten der Renaissance stellt Fomalhaut das Maul des großen Fisches dar, in das der Wassermann Wasser in unerschöpflichem Strom aus seinem Henkelkrug gießt. Von Mitteleuropa aus sind die übrigen Sterne des Sternbilds Südlicher Fisch aufgrund ihrer horizontnahen Lage nicht wahrnehmbar.

 

Sternbild Pegasus

Gegen 20:00 steht das markante Sternenquadrat des Sternbilds Pegasus bereits 60° hoch über dem südlichen Horizont. Seine hellen Hauptsterne Markab (Alpha Pegasi, rechts unten), Scheat (Beta Pegasi, rechts oben) und Algenib (Gamma Pegasi, links unten) stellen gemeinsam mit dem Stern Alpheratz (Alpha Andromedae, links oben) den kräftigen Rumpf des mythischen geflügelten Pferdes dar, das am Nachthimmel seinen Bauch nach Norden reckt und dabei sein Vorderbein nach Norden in Richtung auf das Sternbild Cepheus richtet.
Ca. 17° westlich von Algenib sehen wir den 2.4m hellen Stern Enif, der in dem Sternbild das Maul des Pegasus repräsentiert. Wenn wir am Himmel die Verbindungslinie vom 3,5m hellen Stern Baham (Theta Pegasi) zu Enif um 3° über Enif hinaus verlängern und das Sucherfernrohr auf diese Stelle des Himmels ausrichten, zeigt es uns einen runden, im seinem Zentrum helleren Nebelfleck. Das ist der Kugelsternhaufen M15. Man kann M15 bereits in einem Fernglas 10x50 gut wahrnehmen, doch man braucht Fernrohre ab vier Zoll Öffnung, um bei Vergrößerungen ab 80x den Randbereich von M15 in Einzelsterne aufgelöst zu sehen. M15 liegt ca. 30000 Lichtjahre von uns entfernt.

Richtet man den Blick von Scheat ca. 4° nach Nordwesten, stößt man dort auf den 2,9m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 4,3° nordnordwestlich von Matar liegt die Spiralgalaxie NGC 7331. Da sie nur 10m hell ist,  ist diese Galaxie in Fernrohren unter 10 cm Öffnung nicht leicht zu entdecken. Das auch nicht verwunderlich, da NGC 7331 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist.
Verlängert man die Verbindungslinie von Scheat nach Markab ca. 3° über Markab hinaus nach Süden, kann man dort mit einem Fernrohr ab 5 Zoll Öffnung die 10,9m Galaxie NGC 7479 wahrnehmen. Bei sehr günstigen Beobachtungsbedingungen kann diese Galaxie auch in einem kleineren Fernrohr sichtbar sein Die Flächenhelligkeit. Sie liegt ca. 110 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Cepheus

Wenn man vom Sternbild Schwan hinüber zum Polarstern schaut, zieht der Blick dabei über das Sternbild Cepheus. Das merkt man in der Regel gar nicht, denn das Sternbild Cepheus fällt den Beobachtern nicht auf, obwohl dieses Sternbild viele helle Sterne enthält. Man nimmt das erst wahr, wenn die seine Aufmerksamkeit auf die besondere Anordnung seiner hellen Sterne richtet, denn sie ähnelt dem bekannten Muster „Haus des Nikolaus“.
Im Sternbild stehen an den Eckpunkten dieses Musters die Sterne Alderamin (Alpha Cephei), Alfirk (Beta Cephei), Alrai (Gamma Cephei), Iota Cephei, Delta Cephei und Zeta Cephei. Der 3,3m helle Stern Zeta Cephei bildet hierbei die untere linke Ecke.
Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei finden wir im Fernglas den 4m hellen, orangeroten Stern My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern, einer der ausgedehntesten und kühlsten Sterne am Himmel. My Cephei hat 25 Sonnenmassen und die 300.000fache Leuchtkraft unserer Sonne, sein Durchmesser beträgt ca. 3 Milliarden Kilometer.
Im Sternbild Cepheus gibt es noch einen anderen kolossalen Riesenstern: VV Cephei. Für das bloße Auge sieht VV ganz unscheinbar aus. Er ist ein 4,9m heller Stern und liegt ca. 5,4° von Zeta, und zwar auf einer Linie von Zeta nach Alfirk. VV Cephei ist ein Roter Überriesenstern von ca. 100 Sonnenmassen, ca. 4900 Lichtjahre entfernt. Er ist zudem ein bedeckungsveränderlicher Stern, der Hauptstern hat 1,5 Milliarden Kilometer Durchmesser und ca. 500.000 Sonnenleuchtkräfte, und er verdeckt seinen Begleiter, einen Blauen Riesenstern mit 100.000 Sonnenleuchtkräften, alle 20,34 Jahre für jeweils 15 Monate.
Der ca. 4m helle Stern Delta Cephei liegt 2,5° östlich von Zeta. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Cepheiden, einer besonderen Klasse veränderlicher Sterne. Cepheiden sind pulsationsveränderliche Riesensterne extrem hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus verändern, dessen Dauer von der absoluten Helligkeit des betreffenden Sterns abhängt. Die Periode des Helligkeitszyklus von Delta Cephei beträgt 5,3663 Tage: Ca. 1,5 Tage lang steigt seine Helligkeit auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.
Delta Cephei ist nicht nur ein Cepheid, sondern auch  ein Doppelstern: sein 8,5m heller weißblauer Partnerstern steht in 41 Bogensekunden Abstand von Delta.
Wenn man ein Fernrohr ab sechs Zoll Öffnung und mit langer Brennweite zur Verfügung hat, kann man damit ca. 44 Bogenminuten südlich von Delta Cephei den Doppelstern DO Cephei beobachten. DO Cephei besteht aus einem Paar Roter Zwerge und ist 13,1 Lichtjahre von uns entfernt. Seine beiden Partnersterne stehen in einen Winkelabstand von 2,5 Bogensekunden zueinander und umkreisen einander einmal in 44,6 Jahren. Ihre Leuchtkraft ist gering, sie beträgt nur 1,6 Promille bzw. 0,4 Promille der Leuchtkraft unserer Sonne. Die beiden Sterne sind voneinander 9,5 AU entfernt, in unserem Sonnensystem ist das der Abstand der Sonne von Saturn. Im Laufe der Jahre kann man im Fernrohr die allmähliche Verschiebung der relativen Positionen der beiden Partner verfolgen.

Ca. 6° östlich von Delta Cephei finden wir im Fernrohr ab 4 Zoll Öffnung bei hoher Vergrößerung den 7,5m hellen Offenen Sternhaufen NGC 7510. Der liegt ca. 11400 Lichtjahre von uns entfernt und ist trotz seiner großen Entfernung im Fernrohr gut sichtbar, denn er ist erst 10 Millionen Jahre alt und enthält daher noch massereiche und leuchtkräftige Riesensterne.

5,5° westlich von Alderamin liegt der 4,2m helle Stern Theta Cephei. Ca. 2,3° südlich von Theta liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. Er erscheint in kleinen Fernrohren nur als ein matter Nebel, in Fernrohren großer Öffnung kann man hier bei hoher Vergrößerung über hundert schwache Sterne erkennen. In dem Fall kann man die Gelegenheit nutzen, NGC 6939 mit der Galaxie NGC 6949 zu vergleichen, die 38 Bogenminuten südöstlich von NGC 6939 liegt. Fotometrischen Messungen zufolge haben der Offene Sternhaufen und die Galaxie die gleiche Helligkeit, was man als Beobachter jedoch nicht leicht nachvollziehen kann.

 

Sternbild Fische

Südlich des Sternbilds Pegasus liegt das Sternbild Fische. Da alle Sterne dieses Sternbilds lichtschwach sind, ist das Sternbild Fische am aufgehellten Stadthimmel in der Regel nicht wahrnehmbar. Selbst sein Hauptstern Alrischa (Alpha Piscium) ist nur ein Stern 4. Größe.

Alrischa ist ein enger Doppelstern, die gegenseitige Distanz seiner Partner beträgt nur eine Bogensekunde. Ein weiterer sehenswerter Doppelstern im Sternbild Fische ist der 5,2m helle Zeta Piscium, den man ca. 12° nordwestlich von Alrischa findet. Zeta liegt genau auf der Ekliptik. Schon im kleinen Fernrohr sieht man diesen Doppelstern schön in seine beiden weißen Partnersterne aufgelöst.

Ca. 14° nord-nordwestlich von Alrischa liegt der 3,6m helle Stern Eta Piscium.
Ca. 1° östlich von Eta Piscium liegt die Galaxie M74. In der Regel kann man den hellen Kern dieser Spiralgalaxie auch im kleinen Fernrohr problemlos sehen, er sieht darin aus wie ein Stern, weshalb man ihn in einem solchen Gerät häufig für einen Stern hält und ihn dadurch nicht erkennt. Die ausgedehnte Scheibe dieser Spiralgalaxie kann man nur unter einem dunklen, sternklaren Neumondhimmel in Fernrohren ab 6 Zoll Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung wahrnehmen. Die Galaxie M74 ist 36 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, und sie ist fast so groß wie die Milchstraße. 

 

Sternbild Walfisch

Blickt man vom Sternbild Fische ausgehend nach Südosten, stößt man dort auf einen 2,5 m hellen Stern. Das ist Menkar (Alpha Ceti), der Hauptstern des Sternbilds Walfisch. Menkar markiert im Sternbild den Kopf des Seeungeheuers Cetus, Der klassischen Perseus-Sagen zufolge wurde Cetus durch den Helden Perseus getötet, um so die schöne Prinzessin Andromeda vor diesem Seeungeheuer zu retten. Menkar ist ein Roter Riesenstern in 250 Lichtjahren Entfernung, er hat die doppelte Masse der Sonne und neunzig Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 40° südwestlich von Menkar liegt der 2m helle Stern Deneb Kaitos (Beta Ceti). Er markiert im Sternbild Walfisch den Schwanz des Ungeheuers. Beta Ceti ist ein Roter Unterriesenstern in 65 Lichtjahren Entfernung.
Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira Ceti. Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riesenstern, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Mira letztes Minimum fand im vergangenen Juli statt, das letzte Maximum im vergangenen November.


Da das Milchstraßenband nicht durch das Sternbild Walfisch verläuft, bietet dieses Sternbild weder auffällige Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Doch wenn der Himmel mondlos, dunkel und sternenklar ist, und wenn man dann mit einem Fernrohr mit großer Öffnung beobachtet, kann man sich hier einige sehenswerte Galaxien anschauen.
Ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti kann man mit einem solchen Gerät die 8,8m helle Spiralgalaxie M 77 sehen. Auch die 8,9m helle Spiralgalaxie NGC 247 ist damit gut wahrnehmbar, wir finden sie ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos. Da man NGC 247 in Kantenlage sieht, ist ihre Spiralstruktur im Fernrohr nicht wahrnehmbar. Die Struktur ihrer Spiralarme ist nur auf langbelichteten Astrofotografien zu erkennen.

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