Im Nordwesten sinken die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler Richtung Horizont. Das Sternenviereck des Pegasus hat eben den Meridian passiert und steht nun hoch am Himmel. Im Zenit steht das Sternbild Cassiopeia, östlich davon liegen die Sternbilder Perseus, Fuhrmann und Zwillinge. Südwestlich der Plejaden fällt ein heller Stern auf, das ist Menkar, der Kopfstern des Sternbilds Walfisch. Unterhalb des Sternbilds Stier geht im Osten das Sternbild Orion auf. Über dem nördlichen Horizont sieht man die Sterne des Großen Wagens.

Ist am Beobachtungsplatz der Landhimmel mondlos und sternklar, sieht man über sich die Milchstraße, die sich von Ost nach West über den Himmel zieht. 

 

Pegasus

Um 18:30 kann man das Sternbild Pegasus ca. 50° hoch über dem westlichen Horizont sehen. Seine drei Hauptsterne Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma) bilden gemeinsam mit dem Stern Alpheratz (Alpha Andromedae) das so genannte „Pegasusquadrat“. Dieses Sternenviereck stellt am Himmel den kräftigen Rumpf des fliegenden Zauberpferdes Pegasus dar. Das Zauberpferd reckt hier seinen Bauch nach Norden und hebt zugleich ein Vorderbein zum Sternbild Cepheus.
Markab ist ein 2,5m heller Unterriesenstern der Spektralklasse A0. Der 2,4m helle Scheat ist ein Roter Riesenstern. Der 2,8m helle Algenib ist ein blauweißer Riesenstern der Spektralklasse B2, mit 19000 Sonnenleuchtkräften.

Der 2,3m helle Stern Enif markiert im Sternbild den Kopf des Pegasus. Enif (Epsilon Pegasi) ist ein orangeroter Überriese der Spektralklasse K2, er ist der hellste Stern im Pegasus. Ca. 3° westlich von Enif findet man mit dem Fernglas den Kugelsternhaufen M15. Im Fernglas sieht man M15 deutlich als ein rundliches Nebelchen, mit Fernrohren ab vier Zoll Öffnung kann man diesen dichten Sternhaufen bei höher Vergrößerung jedoch schön in seine Einzelsterne aufgelöst sehen. M15 enthält ca. 500.000 Sterne und ist ca. 30000 Lichtjahre von uns entfernt.

Schaut man von Scheat ausgehend ca. 4°nach Nordwesten, sieht man dort den 3m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar liegt die Spiralgalaxie NGC 7331. Da diese Galaxie nur 10m hell ist, erscheint sie in Fernrohren mit kleiner Öffnung nur wie ein matter Lichthauch, in Fernrohren ab 15 cm Öffnung ist sie jedoch auffällig. NGC 7331 liegt ca. 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 3° südlich des Sterns Markab kann man im lichtstarken Fernrohren großer Öffnung bei mondlos dunklem, sternklarem Himmel die 10,5m helle Balkenspiralgalaxie NGC 7479 sehen. In einem solchen Fernrohr kann man auch den zentralen Balken dieser 110 Millionen Lichtjahre entfernt liegenden Galaxie wahrnehmen.

 

Fische

Das Sternbild Fische liegt südöstlich des Sternbilds Pegasus. Im Gegensatz zum Sternbild Pegasus enthält das Sternbild Fische jedoch nur schwache Sterne. Sogar sein Hauptstern Alrischa (Alpha Piscium) ist nur 4m hell. Deshalb kann man das Sternbild Fische mit bloßem Auge am aufgehellten Stadthimmel in der Regel nicht sehen. Doch Beobachtungen mit dem Fernglas oder dem Fernrohr lohnen sich hier trotzdem.

Der Stern Alrischa ist ein enger Doppelstern, die Distanz der beiden Partner beträgt derzeit nur noch eine Bogensekunde. Ihre gegenseitige Umlaufzeit beträgt ca. 700 Jahre. Ca. 12° nordwestlich von Alrischa findet man im Fernrohr den 7m hellen Stern Zeta Piscium, auch dieser Stern ist ein Doppelstern. Bereits im kleinen Fernrohr sieht man Zeta schön in seine Partnersterne aufgelöst, sie erscheinen beide weiß.
Ca. 1,2° östlich des 3,5m hellen Sterns Eta Piscium liegt die Galaxie M74. In einem kleinen Fernrohr ist nur der helle Kern dieser 35 Millionen Lichtjahre fernen Spiralgalaxie wahrnehmbar. Da dieser Kern im kleinen Fernrohr wie ein Stern erscheint, wird M74 von Beobachtern häufig für einen schlichten Stern gehalten. Der Kern der Galaxie M74 ist so hell, weil im Zentrum von M74 eine sehr hohe Sternbildungsrate vorliegt. Die ausgedehnte Halo dieser Galaxie kann man nur unter sternklaren Neumond-Landhimmel in Fernrohren ab 15 cm Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung wahrnehmen.

 

Andromeda

Steht man unter einem sternklaren Landhimmel, sieht man über sich das von Nordwest nach Südost verlaufende schimmernde Band der Milchstraße. In dieses Band eingebettet liegt oberhalb der Sternbilder Fische und Pegasus das Sternbild Andromeda. Es ist eines der größten Sternbilder am Himmel, denn es reicht viel weiter als die auffällige Sternenkette aus seinen hellsten Sternen, die von Alpheratz (Alpha Andromedae) über Delta Andromedae, Mirach (Beta Andromedae) bis zu Alamak (Gamma Andromedae) reicht.

Am dunklen Sternenhimmel ist die große Andromeda-Galaxie M31 in der Regel schon mit bloßem Auge wahrnehmbar. M31 steht unweit des 4,5m hellen Sterns Ny Andromedae, nördlich vom Mirach. Durch Astrofotografien weiß man, dass sich M31 am Himmel über 3,5° erstreckt (das entspricht sieben Vollmonddurchmessern!). Daher kann man diese Galaxie in ihrer ganzen Ausdehnung nur in großen lichtstarken Fernrohren mit großem Öffnungsverhältnis bei niedriger Vergrößerung vollständig überblicken. M31 erscheint darin als ein ovaler Nebel, dessen Helligkeit im Zentrum des Nebels zu einem sternähnlichen Punkt anwächst. Im Gesichtsfeld von üblichen Fernrohren ist nur die helle Zentralregion dieser Galaxie sichtbar. Im selben Feld wie M31 liegen die kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, beide sind Begleitgalaxien von M31.

Ca. 7 Bogenminuten nördlich des 2.0m hellen Sterns Mirach kann man im lichtstarken Fernrohr die 11m helle kleine elliptische Galaxie NGC 404 finden. Man muss Mirach gerade außerhalb des Gesichtsfeldes halten, damit man die 10 Millionen Lichtjahre entfernte kleine Galaxie wahrnehmen kann, anderenfalls wird sie durch den nur 195 Lichtjahre entfernten und 10000 Mal helleren Stern Mirach überstrahlt.
Südlich von Alamak kann man im Fernglas den ausgedehnten Offenen Sternhaufen NGC 752 deutlich wahrnehmen. Im kleinen Fernrohr kann man bei niedriger Vergrößerung in diesem Haufen ca. 60 Sterne sehen, unter ihnen sind mehrere Doppelsterne, deren Partnersterne jeweils unterschiedliche Sternfarben haben.

Der 2,4m helle Alamak ist ein sehenswerter Doppelstern. Seine hellste Komponente ist ein oranger Roter Überriese, in 9 Bogensekunden Abstand von ihm steht sein 4,8m heller weißblauer Partnerstern. Die beiden Sterne zeigen daher einen schönen Farbkontrast. Alamak liegt ca. 350 Lichtjahre von uns entfernt.
In Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung kann man als geübter Beobachter ca. 3° östlich von Alamak unter sehr dunklem und sternklarem Himmel die schmale, matte Spindel der Galaxie NGC 891 wahrnehmen. Sie wurde 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt und liegt in einer Entfernung von 30 Millionen Lichtjahren.
Ca. 4,5° östlich des 3,5m hellen Sterns Omikron Andromedae steht der kleine Planetarische Nebel NGC 7662. Im Fernglas sieht er wie ein 9m helles, bläuliches Sternchen aus. Erst im Fernrohr kann man bei hoher Vergrößerung die ringförmige Struktur von NGC 7662 erkennen. NGC 7662 leuchtet im Fernrohr ab 5 Zoll Öffnung intensiv blau, daher nennt man ihn auch „Blauer Schneeball“.
Ca. 1,6° südsüdwestlich von NGC 7662 kann man im lichtstarken Fernrohr die 10,9m helle Galaxie NGC 7640 auffinden, sie zeigt sich darin in Kantenlage. NGC 7640 liegt in 27 Millionen Lichtjahren Entfernung.

 

Widder

Das Sternbild Widder liegt unterhalb des Sternbilds Andromeda. Es ist dort sehr leicht aufzufinden, denn seine beiden Hauptsterne, der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta) sind auch am durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel gut wahrnehmbar.

Ca. 10° östlich von Hamal steht der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Ein Blick durchs Fernrohr auf 41 Arietis zeigt, dass 41 Arietis aus drei Sternen besteht. Wenig südlich von Sheratan steht der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma). Im Fernrohr sieht man deutlich, dass Mesarthim ein Doppelstern aus zwei weißen Partnersternen ist, die in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen.
Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Heute liegt der Frühlingspunkt ca. 37° weiter im Westen, nämlich am westlichen Rand des Sternbildes Fische. Er ist aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse bis heute dorthin gewandert. Daher steht die Sonne zur Wintersonnenwende heute nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier. 

Bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel kann man ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. In einem solchen Fernrohr zeigt sich diese 130 Millionen Lichtjahre entfernt liegende Galaxie mit einem kleinen Kern in einer ausgedehnten und leuchtschwachen Halo.
Ein sehenswertes Objekt im Sternbild Widder ist derzeit Uranus. Man findet ihn ca. 12° südlich von Hamal. Im Fernglas kann man den 5,8m hellen Uranus leicht aufspüren. Im Fernrohr sieht man Uranus bei hoher Vergrößerung als ein blassgrünliches Scheibchen von 3,6 Bogensekunden Durchmesser. Er ist ca. 2,96 Milliarden Kilometer weit von uns entfernt.

 

Dreieck

Südlich des Sterns Alamak erkennen man das kleine Sternbild Dreieck Wie schon sein Name sagt, besteht es aus drei Sternen, die miteinander ein spitzwinkliges Dreieck bilden. Der 3m helle Metallah (Alpha Trianguli) markiert die scharfe Spitze dieses Dreiecks. Wenige Grad nordwestlich von Metallah liegt M33, eine 2,8 Millionen Lichtjahre nahe und ca. 45000 Lichtjahre große Spiralgalaxie. Da sie uns so nahe ist, nimmt sie am Himmel eine größere Fläche ein als der Vollmond. Trotz ihrer Größe haben sehr viele Amateurastronomen die Galaxie M33 noch nie selber gesehen, da die Flächenhelligkeit von M33 ist extrem niedrig ist. Im Fernglas 10x50 erahnt man am tiefdunklen sternklaren Nachthimmel bestenfalls die matt schimmernde Kernregion dieser Galaxie. Man braucht unter einem besonders klaren Nachthimmel ein Beobachtungsgerät mit möglichst viel Öffnung und niedrigste Vergrößerung, damit man die Chance hat, diese nahe Galaxie in ihrer ganzen Ausdehnung zu erahnen. Bei dieser Betrachtung von M33 am Fernrohr wird uns deutlich, wie schwach die Leuchtdichte von Galaxien ist.

 

Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia steht gegen 20:00 nahe dem Zenit. In dem als „Himmels-W“ bekannten Sternbild liegen mehrere kleine, aber relativ helle Offene Sternhaufen, die man im mittelgroßen Teleskop sowie mit einem lichtstarken Fernglas gut beobachten kann.
Sehenswert ist der Offene Sternhaufen NGC 457, der auch als „Eulenhaufen“ bekannt ist.  NGC 457 liegt um den 5,7m hellen Stern Phi Cassiopeiae. Man findet ihn schnell, indem man die Linie von Epsilon Cassiopeiae zu Delta Cassiopeiae über Delta hinaus um 2 Grad verlängern. Bei 60facher Vergrößerung erinnert NGC 457 im Okular an eine kecke Eule aus Sternen, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügelchen munter anfunkelt. Der Stern Phi Cassiopeiae ist ca. 12000 Lichtjahre (fast 125 Billiarden Kilometer) von uns entfernt. Man kann ihn unter einem sternklaren Landhimmel gerade eben mit bloßem Auge erkennen, tatsächlich leuchtet Phi Cassiopeiae jedoch 400.000 Mal heller als unsere Sonne.
Ist der Sternhimmel mondlos dunkel und sternenklar, kann man in einem lichtstarken Fernrohr im Sternbild Cassiopeia bei höherer Vergrößerung weitere Offene Sternhaufen sehen: Der Offene Sternhaufen NGC 281 liegt ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha Cassiopeiae), den kleinen Sternhaufen M103 findet man ca. 1° nordöstlich von Ruchbah (Delta Cassiopeiae). Ca. 0,5° westlich der Mitte der Verbindungslinie von Ruchbah nach Segin (Epsilon Cassiopeiae) liegt der Offene Sternhaufen NGC 654.

Ca. 2° nordwestlich von Caph (Gamma Cassiopeiae) liegt NGC 225, ein 7m heller, locker aufgebauter Sternhaufen, der im Jahre 1784 von Caroline Herschel entdeckt wurde.
Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir nach Caph um den Abstand dieser beiden Sterne über Caph hinaus, findet man an dieser Stelle im lichtstarken Fernrohr bei niedriger Vergrößerung den Offenen Sternhaufen M52. Er liegt ca. 4600 Lichtjahre von uns entfernt und enthält ca. 600 leuchtschwache Sterne.
Zwischen den beiden Doppelsternen Rho Cassiopeiae und Sigma Cassiopeiae kann man mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung den Offenen Sternhaufen NGC 7789 wahrnehmen. Er enthält Hunderte leuchtschwacher Sterne, hat jedoch eine sehr niedrige Flächenhelligkeit. NGC 7789 liegt in 8000 Lichtjahren Entfernung und wurde 1784 von Caroline Herschel entdeckt.
In der Mitte zwischen den beiden Sternen Caph und Gamma liegt der 6,5m helle Offene Sternhaufen NGC 129. In diesem Haufen bilden drei hellere Sterne die Eckpunkte eines gleichseitigen Sternendreiecks.
Ein interessanter Doppelstern ist Achird (Eta Cassiopeiae). Er liegt zwischen Schedir und Caph und ist ca. 19,4 Lichtjahre von uns entfernt. Seine beiden 4,1m und 7,2m hellen Komponenten stehen in einem Abstand von 10 Bogensekunden voneinander, der Größere ist ein gelber Stern vom Spektraltyp G2V, er ist ebenso schwer, ebenso hell, ebenso so heiß und ebenso alt wie unsere Sonne. Im Gegensatz zu unserer Sonne hat Achird jedoch einen Roten Zwerg als Partnerstern.

 

Cepheus

Das Sternbild Cepheus liegt zwischen den beiden Sternbildern Cassiopeia und Schwan und dem Polarstern. Die hellen Sterne dieses Sternbildes sind in einer Weise angeordnet, die an das bekannte Muster „Haus des Nikolaus“ erinnert. Die fünf Sterne Alderamin (Alpha Cephei), Alfirk (Beta Cephei), Alrai (Gamma Cephei), Iota Cephei und Delta Cephei bilden dessen Eckpunkte. Der 3,3m helle Stern Zeta Cephei markiert hier die untere linke Ecke dieses Sternenmusters.

Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei liegt der 4m helle, orangene Stern My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern. Er liegt 6000 Lichtjahre entfernt, hat einen Durchmesser von 2 Milliarden Kilometern und hat 350.000 Sonnenleuchtkräfte.
Im Sternbild Cepheus liegt noch ein weiterer kolossaler Überriesenstern: VV Cephei. Man findet diesen 4,9m hellen Roten Überriesen auf einer Linie von Zeta nach Alfirk, ca. 5,4° von Zeta entfernt. VV Cephei ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern von ca. 100 Sonnenmassen, der Hauptstern des Systems hat 1,5 Milliarden Kilometer Durchmesser und verdeckt seinen Begleiter, einen blauen Riesenstern, alle 20,34 Jahre für die Dauer von jeweils 15 Monaten.
Ca. 2,5° östlich von Zeta liegt der 4m helle Stern Delta Cephei. Dieser Stern ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der Delta-Cepheiden. Die Delta-Cepheiden sind pulsationsveränderliche Riesensterne extrem hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus verändern, dessen Periode nur von der absoluten Helligkeit des Sterns abhängig ist. Die Periode des Helligkeitszyklus von Delta beträgt 5,3663 Tage: 1,5 Tage lang steigt seine Helligkeit von 4,4m auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.
Delta Cephei ist außerdem ein Doppelstern: sein blauweißer Partnerstern liegt in einem Abstand von 41 Bogensekunden.

Wenn man ein Fernrohr ab sechs Zoll Öffnung zur Verfügung hat, kann man damit ca. 44 Bogenminuten südlich von Delta Cephei den Doppelstern DO Cephei betrachten. Dieser Doppelstern besteht aus zwei Roten Zwergen und ist lediglich 13.1 Lichtjahre von uns entfernt. Die beiden Partnersterne haben einen Winkelabstand von 2,5 Bogensekunden voneinander und umkreisen einander jeweils im Lauf von 44,6 Jahren einmal. Die Leuchtkraft dieser Zwergsterne beträgt 1,6 bzw. 0,4 Promille der Sonnenleuchtkraft. Die Sterne sind nur 9,5 AU voneinander entfernt, das entspricht dem Abstand der Sonne von Saturn. Im Laufe einiger Jahre kann man im Fernrohr die Veränderung der gegenseitigen Position der beiden Partner beobachten.
Ca. 6° östlich von Delta Cephei stößt man im Fernrohr auf den kompakten Offenen Sternenhaufen NGC 7510. Um diesen aparten kleinen Sternhaufens zu beobachten braucht man ein Fernrohr ab 6 Zoll Öffnung, zudem muss man hierbei eine hohe Vergrößerung anwenden.
5,5° westlich von Alderamin steht der 4,2m helle Stern Theta Cephei. Ca. 2,3° südlich von Theta liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. Er erscheint in kleinen Fernrohren als ein matter Nebel, in Fernrohren großer Öffnung zeigt er bei hoher Vergrößerung über hundert schwache Sterne.

 

Perseus

Der hellste Stern im Sternbild Perseus ist der 1,8m helle blauweiße Mirfak. Betrachtet man Mirfak mit dem Fernglas, sieht man Mirfak von vielen weiteren blauweißen Sternen umgeben, die mit ihm den Offenen Sternhaufen ’Melotte 20’ bilden. Melotte 20 hat einen Winkeldurchmesser von 3° und ist ca. 600 Lichtjahre von uns entfernt, seine Sterne sind ca. 70 Millionen Jahre alt.
Mitten auf der Linie von Delta Cassiopeiae zum 3m hellen Stern Gamma Persei liegen die beiden prächtigen Offenen Sternhaufen „h und chi“. In jedem Fernglas oder Fernrohr, das dem Beobachter ein so großes Gesichtsfeld bietet, dass beide Haufen darin gemeinsam gesehen werden können, sind diese beiden Sternhaufen ein grandioser Anblick. Dabei sollte man maximal 40fach vergrößern, sodass beide Sternhaufen gemeinsam im Okular beobachtet werden können.

Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Um ihn erfolgreich zu beobachten, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr möglichst großer Öffnung und muss mindestens 100-fach vergrößern. NGC 1245 enthält sehr viele Sterne, doch alle diese Sterne leuchten nur sehr schwach.
Verlängert man die Linie von Mirfak über NGC 1245 weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der bekannteste bedeckungsveränderliche Stern am Himmel. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für zehn Stunden auf 3,5 m ab.
Fünf Grad nordwestlich von Algol kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34 sehen. Für eine Beobachtung mit dem Teleskop ist M34 zu groß. Im Teleskop kann man jedoch die in M34 liegenden Doppelsterne deutlicher sehen.
Ca. 3,6° südlich von M34 kann man in einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die 9,5m helle Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1528. Im Fernrohr sieht man ihn bereits bei niedrigen Vergrößerungen gut in Einzelsterne aufgelöst. Schwieriger ist die Beobachtung des Offenen Sternhaufens NGC 1513, der ca. 2° südwestlich von NGC 1528 liegt. Um NGC 1513 wahrzunehmen, benötigt man ein Fernrohr ab vier Zoll Öffnung bei hoher Vergrößerung. Mit dieser Ausstattung kann man in NGC 1513 eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne wahrnehmen.
Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Falls man nur ein Fernrohr mit kleinerer Öffnung zur Verfügung hat, muss man diesen Sternhaufen mit höheren Vergrößerungen betrachten. So kann man auch die schwächeren Sterne des Sternhaufens deutlicher wahrnehmen.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt ein Planetarischer Nebel M76, der auch „Kleiner Hantelnebel“ heißt. M76 wurde bereits im Jahr 1780 von Pierre Méchain entdeckt und von Charles Messier in seinen Nebelkatalog aufgenommen. Man findet M76 leicht, wenn man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgeht. Man schwenkt sein Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia und stößt dabei nach ca. 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. M76 liegt dann ca. 1° nördlich von Phi. Ist der Himmelshintergrund hinreichend dunkel, ist M76 am sternklaren Himmel bereits im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen gut sichtbar. M76 erscheint rechteckig.

 

Giraffe

Das Sternbild Giraffe erstreckt sich vom Sternbild Perseus aus in nördliche Richtung, bis hin zum Sternbild Kleiner Bär. Das Sternbild Giraffe ist fast so groß wie das Sternbild Cassiopeia oder das Sternbild Fuhrmann. Trotz seiner Größe wird das Sternbild Giraffe in der Regel nicht beachtet, weil es in diesem Sternbild keine hellen Sterne gibt. Es kann es von Mitteleuropa aus in jeder klaren Nacht beobachtet werden, da es ein zirkumpolares Sternbild ist.
Der 4,3m helle Stern Alpha Camelopardalis ist der hellste Stern im Sternbild Giraffe, ein Stern der Spektralklasse B0. Der Stern Beta Camelopardalis ist ein 4,0m heller G0-Stern. Gamma Camelopardalis ist ein 4,6m heller A0-Stern. Die drei Sterne sind die hellsten Sterne des Sternbilds.

Ein sehenswertes Beobachtungsobjekt im Sternbild Giraffe ist der Offenen Sternhaufen NGC 1502. Er liegt auf der Strecke von Alpha Camelopardalis nach Gamma Persei, von Alpha Camelopardalis aus gesehen nach dem ersten Drittel dieser Strecke. Im Fernrohr werden in NGC 1502 mehrere markante Doppelsterne wahrnehmbar.
Wenn man die Region um NGC 1502 mit einem lichtstarken Fernglas betrachtet, fällt einem eine ca. 2,5° lange Sternenkette auf, die direkt auf NGC 1502 zielt: Das ist „Kembels Kaskade“. Vor dunklem Himmelshintergrund erscheint diese Sternenkette wie die Momentaufnahme einer funkelnden Kaskade aus farbigen Sternen, die in NGC 1502 hineinzustürzen scheint.

Im Sternbild Giraffe liegen mehrere erstaunlich ausgedehnte Galaxien. Die 8,5m helle Spiralgalaxie NGC 2403 ist eine der hellsten Galaxien am nördlichen Himmel. Da sie 7 x 4 Bogenminuten groß ist, ist ihre Flächenhelligkeit sehr gering, wodurch sie nicht leicht zu sehen ist. Sie liegt sehr unauffällig ca. 1° westlich des 5.9m hellen Sterns 51 Camelopardalis in einem sternarmen Gebiet. NGC 2403 ist ca. 10,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 3° südsüdwestlich von Gamma Camelopardalis liegt die dunkle Galaxie IC 342. Diese Galaxie liegt am Himmel „face-on“, sie nimmt hier ein Areal von über 600 Quadratbogenminuten ein und ist ca. 8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. IC 342 hat einen kleinen, recht hellen Kern, der von einer ausgedehnten Halo extrem niedriger Flächenhelligkeit umgeben ist, die etwa so groß ist wie der Vollmond, aber ca. 25 Größenklassen leuchtschwächer ist. Dadurch ist die ausgedehnte Halo von IC 342 nur dann wahrnehmbar, wenn am sternklaren Nachthimmel der Himmelshintergrund über dem Beobachtungsplatz sehr dunkel ist, und wenn die Nachtluft zugleich sehr transparent ist. Solche Beobachtungsbedingungen kann man in Mitteleuropa leider nur noch in Sternenparks finden. Ein lichtstarkes Fernglas mit großer Öffnung ist das richtige Beobachtungsgerät für diese Galaxie, denn für die meisten Fernrohre ist der Winkeldurchmesser von IC 342 zu groß.

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