Erster Überblick um 18:30 …

Im Januar ist der Himmel um 18:30 bereits schön dunkel. Im Nordwesten sieht man die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler über dem Horizont. Das Sternenviereck des Pegasus hat eben den Meridian passiert und steht hoch am Himmel. Im Zenit sieht man nun das Sternbild Cassiopeia, östlich davon liegen die markanten Sternbilder Perseus, Fuhrmann und Zwillinge. Südwestlich der Plejaden fällt ein heller Stern auf, das ist Menkar, der Kopfstern des Sternbilds Walfisch. Unterhalb des Sternbilds Stier steigt das Sternbild Orion über dem Osthorizont empor. Über dem nördlichen Horizont sieht man die Sterne des Großen Wagens.
Wenn der Beobachtungsplatz unter einem mondlos sternklaren Landhimmel liegt, kann man über sich die Milchstraße sehen, die sich von Ost nach West über den Himmel zieht. 

 

 

Sternbild Pegasus

Um 18:30 kann man das Sternbild Pegasus ca. 50° hoch über dem westlichen Horizont sehen. Seine drei Hauptsterne Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma) bilden gemeinsam mit dem Stern Alpheratz (Alpha Andromedae) das so genannte „Pegasusquadrat“. Dieses Sternenviereck repräsentiert den kräftigen Rumpf des Zauberpferdes Pegasus. Der Pegasus richtet hier seinen Bauch nach Norden und hebt zugleich ein Vorderbein zum Sternbild Cepheus.
Der 2,5m helle Stern Markab steht an der rechten unteren Ecke des Pegasusquadrats. Er ist ein Unterriesenstern der Spektralklasse A0. Der 2,4m helle Scheat steht an der rechten oberen Ecke des Pegasusquadrats, er ist ein Roter Riesenstern. Der 2,8m helle Algenib ist ein blauweißer Riesenstern der Spektralklasse B2, mit 19000 Sonnenleuchtkräften. Er steht an der linken unteren Ecke des Pegasusquadrats.
Der 2,3m helle Stern Enif markiert im Sternbild den Kopf des Pegasus. Enif (Epsilon Pegasi) ist ein orangeroter Überriesenstern der Spektralklasse K2, er ist der hellste Stern im Pegasus. Ca. 3° westlich von Enif kann man mit dem Fernglas den Kugelsternhaufen M15 wahrnehmen. Im Fernglas erscheint M15 deutlich als ein rundliches Nebelchen, bereits mit Fernrohren ab 10 cm Öffnung kann man diesen dichten Sternhaufen bei hoher Vergrößerung schön in seine Einzelsterne aufgelöst sehen. M15 liegt in ca. 30000 Lichtjahren Entfernung und enthält ca. 500.000 Sterne.
Schaut man nun von Scheat ausgehend ca. 4°nach Nordwesten, stößt man auf den 3m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar kann man mit Fernrohren ab 8 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 7331 wahrnehmen. In solchen Fernrohren erscheint sie nur wie ein matter Lichthauch, in Fernrohren ab 15 cm Öffnung ist sie jedoch auffällig. NGC 7331 liegt ca. 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, sie ist 10m hell.
Ca. 3° südlich des Sterns Markab kann man bei mondlos dunklem, sternklarem Himmel in lichtstarken Fernrohren ab 12 cm Öffnung die 10,5m helle Balkenspiralgalaxie NGC 7479 wahrnehmen. Sie liegt 110 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, man kann im Fernrohr zumindest den zentralen Balken dieser Galaxie erahnen. Das Licht, das man von dieser Galaxie wahrnimmt, verließ die Galaxie 50 Millionen Jahre vor der Entstehung des Tyrannosaurus Rex.

 

 

Sternbild Fische

Das Sternbild Fische liegt südöstlich des Sternbilds Pegasus. Im Gegensatz zum Sternbild Pegasus enthält das Sternbild Fische nur schwache Sterne. Daher ist das Sternbild Fische mit bloßem Auge am aufgehellten Stadthimmel in der Regel nicht wahrnehmbar. Dennoch lohnen sich in diesem Sternbild Beobachtungen mit dem Fernglas oder dem Fernrohr.
Der Hauptstern des Sternbilds Fische heißt Alrischa (Alpha Piscium), er ist nur 4m hell. Alrischa ist ein enger Doppelstern, die Distanz der beiden Partnersterne beträgt derzeit nur eine Bogensekunde, und die Umlaufzeit der Partnersterne beträgt ca. 700 Jahre. Ca. 12° nordwestlich von Alrischa findet man im Fernrohr den 7m hellen Stern Zeta Piscium, er ist ebenfalls ein Doppelstern. Bereits mit Fernrohren kleiner Öffnung sieht man Zeta schön in seine Partnersterne aufgelöst, sie sind beide weiß.
Ca. 1,2° östlich des 3,5m hellen Sterns Eta Piscium liegt die Galaxie M74. Mit einem Fernrohr kleiner Öffnung lässt sich nur der helle Kern dieser 35 Millionen Lichtjahre entfernt liegenden Spiralgalaxie wahrnehmen. Im kleinen Fernrohr sieht er wie ein Stern aus, daher halten viele Beobachter M74 häufig für einen Stern. Der Kern der Galaxie M74 ist sternartig hell, weil im Zentrum von M74 die Sternentstehungsrate sehr hoch ist. Diese Galaxie besitzt jedoch auch eine ausgedehnte Halo, die allerdings eine sehr niedrige Flächenhelligkeit hat. Um diese Halo wahrnehmen zu können, braucht man Fernrohre ab 15 cm Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung unter einem sternklaren Neumond-Landhimmel.

 

Sternbild Andromeda

Falls der Beobachtungsplatz unter einem sternklaren Landhimmel liegt, kann man über sich das von Nordwest nach Südost verlaufende schimmernde Band der Milchstraße sehen. Oberhalb der Sternbilder Fische und Pegasus liegt in dieses Band eingebettet das Sternbild Andromeda. Das Sternbild Andromeda ist viel größerer als der Bereich, in dem die Sternenkette der hellsten Sternen des Sternbilds liegt, die von Alpheratz (Alpha Andromedae) über die Sterne Delta Andromedae, Mirach (Beta Andromedae) bis zum Stern Alamak (Gamma Andromedae) reicht.
Das bekannteste Objekt im Sternbild Andromeda ist die große „Andromeda-Galaxie“ M31. Sie liegt ca. 7° nördlich von Mirach, nahe zum 4,5m hellen Stern Ny Andromedae. Am sternklaren Landhimmel lässt sich der Kernbereich dieser Galaxie schon mit bloßem Auge als ein diffuser Schimmer wahrnehmen. M31 liegt ca. 2,6 Millionen Lichtjahre entfernt, sie ist damit das fernste mit bloßem Auge wahrnehmbare Himmelsobjekt. Da die Halo von M31 am Himmel ca. 3,5° breit ist, daher kann man M31 nur in großen lichtstarken Fernrohren mit großem Öffnungsverhältnis bei niedriger Vergrößerung vollständig sehen. Man nimmt sie darin als einen ovalen Nebel wahr, dessen Helligkeit zu seinem Zentrum hin weiter zunimmt, und dort einen sternähnlich hellen Punkt bildet. In das begrenzte Gesichtsfeld der meisten Fernrohre passt meist nur die helle Zentralregion dieser Galaxie. M31 ist eine Spiralgalaxie ohne helle Spiralarme, da in M31 die Sternbildung vor 1,3 Milliarden Jahren zum Erliegen gekommen ist. Infolgedessen ist die Galaxie groß, aber nicht sehr spektakulär. Im selben Feld mit der Zentralregion liegen die kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, sie sind Begleitgalaxien von M31.
Ca. 7 Bogenminuten nördlich des 2.0m hellen Sterns Mirach kann man in lichtstarken Fernrohren die 11m helle kleine elliptische Galaxie NGC 404 wahrnehmen. Damit die Beobachtung gelingt, muss man Mirach außerhalb des Gesichtsfeldes halten, weil der nur 195 Lichtjahre entfernte und 10000 Mal hellere Stern Mirach die 10 Millionen Lichtjahre entfernte kleine Galaxie sonst überstrahlt.
Mit einem lichtstarken Fernglas lässt sich ca. 5° südlich von Alamak den 5,6m hellen Offenen Sternhaufen NGC 752 sehr schön beobachten. Er hat einen Winkeldurchmesser von 50 Bogenminuten und ist der hellste Offene Sternhaufen im Sternbild Andromeda. Mit einem kleinen Fernrohr kann man bei niedriger Vergrößerung in NGC 752 ca. 60 Sterne sehen.
Der 2,4m helle Alamak (Gamma Andromedae) ist ein sehenswerter Doppelstern. Der hellere Partnerstern ist ein oranger Roter Überriese mit 2000 Sonnenleuchtkräften, der andere Partnerstern steht in 9 Bogensekunden Abstand, er ist 4,8m hell und weiß-blau. Dadurch haben beide Sterne einen schönen Farbkontrast. Alamak liegt ca. 350 Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 3° östlich von Alamak liegt die Galaxie NGC 891. Sie ist eine Spiralgalaxie in Kantenlage und ist ca. 30 Millionen Lichtjahre entfernt. Da sie nahe dem Milchstraßenband liegt, wird ihr Licht durch den Staub der Milchstraßenscheibe gedämpft. Daher kann man NGC 891 mit dem Fernrohr nur unter einem mondlos sternklaren Landhimmel wahrnehmen. Im kleinen Fernrohr erscheint sie nur als ein sehr matter Lichtstreif. In Fernrohren ab 20 cm Öffnung erscheint die Galaxie als eine matte Spindel. NGC 891 wurde 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Sie hat einen Durchmesser von 150.000 Lichtjahren und ist daher eine der größten bekannten Spiralgalaxien.
Ca. 4,5° östlich des 3,5m hellen Sterns Omikron Andromedae liegt der kleine, aber helle Planetarische Nebel NGC 7662. Mit einem Fernglas sieht NGC 7662 wie ein 9m helles blaues Sternchen aus. Mit einem Fernrohr kann man bei hoher Vergrößerung sehen, dass NGC 7662 eine ringförmige Struktur hat. Sie leuchtet in Fernrohren ab 10 cm Öffnung intensiv blau, daher nennt man diesen Nebel auch den „Blauen Schneeball“.
Ist der Nachthimmel mondlos, dunkel und sternenklar, kann man ca. 1,6° südsüdwestlich von NGC 7662 im lichtstarken Fernrohr ab 20 cm Öffnung die 10,9m helle Spiralgalaxie NGC 7640 wahrnehmen. Sie hat einen matten ovalen Kern in einer sehr leuchtschwachen Halo, die 10 x 2 Bogenminuten groß ist, NGC 7640 liegt in Kantenlage und ist ca. 29 Millionen Lichtjahre entfernt.

 

 

Sternbild Widder

Das Sternbild Widder liegt unterhalb des Sternbilds Andromeda. Es ist sehr leicht zu finden, denn seine Hauptsterne, der 2,0m helle Hamal (Alpha Arietis) und der 2,6m helle Sheratan, (Beta Arietis) sind auch am durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel mit bloßem Auge gut sichtbar.
Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Schaut man durchs Fernrohr auf 41 Arietis, erweist er sich als ein Dreifachsystem. Etwas südlich von Sheratan liegt der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma). Bereits mit einem kleinen Fernrohr sieht man  Mesarthim als einen Doppelstern, dessen Partnersternen in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen, sie sind weiß.

Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt noch südlich von Mesarthim. Heute liegt der Frühlingspunkt ca. 37° weiter westlich, am Westrand des Sternbildes Fische. Er ist seit der Antike wegen der Präzessionsbewegung der Erdachse dorthin gewandert. Dadurch steht die Sonne heutzutage bei der Wintersonnenwende nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und bei der Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier.   
Bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel kann man ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. In einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung kann man ihren kleinen Kern in einer ausgedehnten und leuchtschwachen Halo eingebettet wahrnehmen. NGC 772 ist ca. 130 Millionen Lichtjahre entfernt und ist doppelt so groß wie unsere Milchstraße.

Im Sternbild Widder liegt der 5,7m helle Planet Uranus, er ist unauffällig, aber sehenswert. Man kann ihn mit einem Fernglas ca. 10,5° südlich von Hamal leicht aufspüren. Im Fernrohr sieht man Uranus bei hoher Vergrößerung als ein blassgrünliches Scheibchen von 3,6 Bogensekunden Durchmesser. Er ist derzeit ca. 2,85 Milliarden Kilometer weit von uns entfernt.

 

 

Sternbild Dreieck

Südlich des Sterns Alamak liegen drei Sterne, die miteinander ein spitzwinkliges Dreieck bilden. Das ist das kleine Sternbild Dreieck, Der 3m helle Metallah (Alpha Trianguli) markiert die scharfe Spitze dieses Dreiecks. Wenige Grad nordwestlich von Metallah liegt die Galaxie M33, sie ist eine ca. 45000 Lichtjahre große Spiralgalaxie in nur 2,8 Millionen Lichtjahren Entfernung. Da sie uns so nahe ist, nimmt sie am Himmel eine größere Fläche ein als der Vollmond. Doch trotz ihrer Größe haben sehr viele Amateurastronomen diese Galaxie noch nie mit eigenen Augen wahrgenommen, weil die Flächenhelligkeit von M33 extrem niedrig ist. Mit einem Fernglas 10x50 erahnt man am mondlos dunklen sternklaren Nachthimmel oft nur die matt schimmernde Kernregion dieser Galaxie. Wenn man diese nahe Galaxie in ihrer ganzen Ausdehnung wahrnehmen möchte, muss man unter einem besonders klaren Nachthimmel stehen und ein Fernrohr mit möglichst viel Öffnung und eine niedrige Vergrößerung einsetzen. Betrachtet man M33 mit einem solchen Fernrohr, kann man wahrnehmen, wie gering die Leuchtdichte von Galaxien ist.

 

 

Sternbild Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia sieht man gegen 20:00 nahe dem Zenit. Es wird auch als „Himmels-W“ bezeichnet. Das Sternbild enthält mehrere kleine, aber helle Offene Sternhaufen. Diese kann man mit mittelgroßen Teleskopen sowie mit lichtstarken Ferngläsern gut beobachten.
Sehenswert ist hier z. B. der Offene Sternhaufen NGC 457, der auch als „Eulenhaufen“ bekannt ist. Dieser Sternhaufen umgibt den 5,7m hellen Stern Phi Cassiopeiae. Man findet NGC 457 einfach, indem man die Verbindungslinie von Epsilon Cassiopeiae zu Delta Cassiopeiae über Delta hinaus um 2 Grad verlängern. Bei 60-facher Vergrößerung erinnert der Anblick von NGC 457 im Okular an eine kecke Eule aus Sternen, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügelchen munter anfunkelt. Der Stern Phi Cassiopeiae ist ca. 12000 Lichtjahre (fast 125 Billiarden Kilometer) von uns entfernt. Unter einem sternklaren Landhimmel kann man Phi gerade eben mit bloßem Auge wahrnehmen, dennoch ist Phi Cassiopeiae 400.000 Mal heller als unsere Sonne. Er ist der fernste mit bloßem Auge von Mitteleuropa aus wahrnehmbare Fixstern.
Ist der Sternhimmel mondlos und sternenklar, kann man im Sternbild Cassiopeia mit einem lichtstarken Fernrohr bei höherer Vergrößerung noch andere sehenswerte Offene Sternhaufen betrachten: Der Offene Sternhaufen NGC 281 liegt ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha Cassiopeiae), ca. 1° nordöstlich von Ruchbah (Delta Cassiopeiae) liegt der kleine Sternhaufen M103. Ca. 0,5° westlich der Mitte der Verbindungslinie von Ruchbah nach Segin (Epsilon Cassiopeiae) liegt der Offene Sternhaufen NGC 654.
Ca. 2° nordwestlich von Caph (Beta Cassiopeiae) liegt der locker aufgebaute Sternhaufen NGC 225, er ist 7m hell. NGC 225 wurde im Jahre 1784 von Caroline Herschel entdeckt.

Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir nach Caph um den Abstand dieser beiden Sterne über Caph hinaus, kann man dort im lichtstarken Fernrohr bei niedriger Vergrößerung den Offenen Sternhaufen M52 wahrnehmen. M52 liegt ca. 4600 Lichtjahre von uns entfernt und enthält ca. 600 leuchtschwache Sterne.
Zwischen den beiden Doppelsternen Rho Cassiopeiae und Sigma Cassiopeiae kann man mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung den Offenen Sternhaufen NGC 7789 sehen. Er enthält Hunderte Sterne, die jedoch alle sehr schwach leuchten, sodass NGC 7789 eine sehr niedrige Flächenhelligkeit hat. NGC 7789 liegt in 8000 Lichtjahren Entfernung und wurde 1784 von Caroline Herschel entdeckt.
In der Mitte zwischen den beiden Sternen Caph und Navi (Gamma Cassiopeiae) liegt der 6,5m helle Offene Sternhaufen NGC 129. In diesem Haufen bilden drei hellere Sterne die markanten Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks.
Ein interessanter Doppelstern ist der 3m helle Stern Achird (Eta Cassiopeiae). Er liegt ca. 19,4 Lichtjahre von uns entfernt zwischen den beiden Sternen Schedir und Navi. Achirds Partnersterne sind 4,1m und 7,2m hell und stehen im Abstand von 10 Bogensekunden voneinander. Der Hellere ist ein gelber Stern vom Spektraltyp G2V, der ebenso massereich, ebenso hell, ebenso heiß und fast ebenso alt ist wie unsere Sonne. Im Gegensatz zu unserer Sonne hat Achird jedoch einen Partnerstern: das ist ein Roter Zwergstern, der 6% der Sonnenleuchtkraft hat. Die beiden Sterne umkreisen einander einmal in jeweils 460 Jahren, im mittleren Abstand von ca. 10,6 Milliarden Kilometern.

 

 

Sternbild Cepheus

Das Sternbild Cepheus liegt zwischen den beiden Sternbildern Cassiopeia und Schwan und dem Polarstern. Die Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbildes erinnert an das bekannte Muster „Haus des Nikolaus“, wobei dessen Eckpunkte hier von den fünf Sternen Alderamin (Alpha Cephei), Alfirk (Beta Cephei), Alrai (Gamma Cephei), Iota Cephei und Zeta Cephei gebildet wird. Der 3,3m helle Stern Zeta Cephei liegt an der unteren linken Ecke dieses Sternenmusters.

Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei findet man einen 4m heller, orangener Stern. Das ist My Cephei, ein Roter Überriesenstern. Er liegt in 6000 Lichtjahren Entfernung, hat einen Durchmesser von 2 Milliarden Kilometern und hat 350.000 Sonnenleuchtkräfte.
Im Sternbild Cepheus liegt noch ein anderer unscheinbaren Überriesenstern: der 4,9m helle VV Cephei. Man findet diesen Roten Überriesen auf einer Linie von Zeta nach Alfirk, ca. 5,4° von Zeta entfernt. VV Cephei ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern von ca. 100 Sonnenmassen, der Hauptstern des Systems hat 1,5 Milliarden Kilometer Durchmesser, und er verdeckt seinen Partner, einen blauen Riesenstern, alle 20,34 Jahre für die Dauer von jeweils 15 Monaten.
Ca. 2,5° östlich von Zeta liegt der 4m helle Stern Delta Cephei. Delta Cephei ist der Namensgeber der Veränderlichen-Klasse der Delta-Cepheiden. Das sind pulsationsveränderliche Riesensterne extrem hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus verändern, dessen Schwingungsperiode von der absoluten Helligkeit des Sterns abhängig ist. Der Helligkeitszyklus von Delta Cephei hat z. B. eine Periode von exakt 5,3663 Tagen: 1,5 Tage lang steigt seine Helligkeit von 4,4m auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.
Delta Cephei ist zudem noch ein Doppelstern: sein Partnerstern ist blauweiß und liegt im Abstand von 41 Bogensekunden.

Wenn man ein Fernrohr ab 15 cm Öffnung zur Verfügung hat, kann man damit ca. 44 Bogenminuten südlich von Delta Cephei den Doppelstern DO Cephei beobachten. Dieser Doppelstern ist nur 13,1 Lichtjahre von uns entfernt. Er besteht aus zwei Roten Zwergsternen die einen Winkelabstand von 2,5 Bogensekunden voneinander haben und einander jeweils in 44,6 Jahren umkreisen. Die Leuchtkräfte dieser Zwergsterne betragen 1,6 bzw. 0,4 Promille der Sonnenleuchtkraft. Die Sterne sind nur 1,4 Milliarden Kilometer voneinander entfernt, das entspricht ungefähr dem Abstand der Sonne von Saturn. Im Laufe einiger Jahre kann jeder Amateurastronom im Fernrohr beobachten, wie sich die gegenseitige Position der beiden Partnersterne verändert.
Ca. 6° östlich von Delta Cephei kann man mit dem Fernrohr den kompakten Offenen Sternenhaufen NGC 7510 sehen. Um diesen aparten kleinen Sternhaufens zu beobachten, braucht man ein Fernrohr ab 15 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung.
5,5° westlich von Alderamin steht der 4,2m helle Stern Theta Cephei. Ca. 2,3° südlich von Theta liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. In kleinen Fernrohren sieht er wie ein mattes Nebelchen aus, mit Fernrohren großer Öffnung kann man bei hoher Vergrößerung statt des Nebels über hundert schwache Sterne wahrnehmen.

 

 

Sternbild Perseus

Der hellste Stern im Sternbild Perseus ist der blauweiße Mirfak. Betrachtet man diesen 1,8m hellen Stern im Fernglas, sieht man ihn von mehreren hellen blauweißen Sternen umgeben. Sie bilden den Offenen Sternhaufen ’Melotte 20’. Er hat einen Winkeldurchmesser von 3° und liegt in ca. 600 Lichtjahre Entfernung, seine Sterne sind ca. 70 Millionen Jahre alt.
Zieht man vom 2,7m hellen Stern Delta Cassiopeiae eine Linie zum 3m hellen Stern Gamma Persei, findet man auf der Mitte dieser Linie liegen die beiden Offenen Sternhaufen „h und chi“. In jedem Fernglas oder Fernrohr, dessen Gesichtsfeld so groß ist, dass man beide Sternhaufen darin gemeinsam sehen kann, bieten diese beiden Sternhaufen einen grandiosen Anblick. Man sollte nicht mehr als 40-fach vergrößern, damit man beide Sternhaufen gemeinsam beobachten kann.
Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Für die Beobachtung diese Sternhaufens braucht man ein lichtstarkes Fernrohr möglichst großer Öffnung bei 100-facher Vergrößerung. NGC 1245 liegt in 9500 Lichtjahren Entfernung. Er er enthält sehr viele Sterne, die aufgrund ihrer großen Entfernung jedoch nur sehr schwach leuchten.
Wenn man die Linie von Mirfak zu NGC 1245 weiter nach Süden verlängert, stößt man dort auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist ein berühmter Bedeckungsveränderlicher Stern. Er ist ein enger Doppelstern, dessen Partnersterne einander regelmäßig verdecken. Dadurch fäll Algols Helligkeit nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden für zehn Stunden auf 3,5 m ab.
Fünf Grad nordwestlich von Algol kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34 wahrnehmen. Für die Betrachtung mit einem Teleskop ist M34 zu groß. Mit einem Teleskop kann man jedoch einige in M34 liegende Doppelsterne deutlicher wahrnehmen.
Ca. 3,6° südlich von M34 kann man in einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die 9,5m helle Galaxie NGC 1023 sehen. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1528. Mit einem Fernrohr kann man ihn bereits bei niedrigen Vergrößerungen sehr schön in seine Einzelsterne auflösen. Ca. 2° südwestlich von NGC 1528 liegt der Offene Sternhaufen NGC 1513. Der ist jedoch schwieriger zu beobachten als der Offene Sternhaufen NGC 1528. um NGC 1513 zu betrachten, braucht man ein Fernrohr ab 10 cm Öffnung mit hoher Vergrößerung. Dann kann man in NGC 1513 eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne wahrnehmen.
Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Wenn man ihn mit einem Fernrohr mit kleinerer Öffnung beobachtet, muss man eine hohe Vergrößerung einsetzen, damit man auch die schwächeren Sterne dieses Sternhaufens deutlich wahrnehmen kann.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76. Er ist als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt. M76 wurde bereits im Jahr 1780 von Pierre Méchain entdeckt, später nahm Charles Messier den Nebel als „M76“ in seinen Nebelkatalog auf. Will man M76 finden, startet man beim 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae). Man richtet sein Fernrohr auf Alamak und schwenkt es dann von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeiae. Nach ca. 7,5° gelangt man zu dem 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi Persei liegt M76.
Wenn der Himmelshintergrund nicht aufgehellt ist, kann man M76 bereits mit einem kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen gut wahrnehmen. Der Nebel hat eine rechteckige Form.

 

Sternbild Giraffe

Das Sternbild Giraffe erstreckt sich nördlich des Sternbilds Perseus bis zum Sternbild Kleiner Bär. Daher ist das Sternbild Giraffe fast so groß wie das Sternbild Cassiopeia oder das Sternbild Fuhrmann. Da es keine hellen Sterne enthält, findet das Sternbild Giraffe kaum Beachtung und wird übersehen. Von Mitteleuropa aus kann man es in jeder sternklaren Nacht beobachten, denn es ist ein zirkumpolares Sternbild.

Die drei hellsten Sterne des Sternbilds sind der 4,3m helle Stern Alpha Camelopardalis, der 4,0m helle Stern Beta Camelopardalis und der 4,6m helle Gamma Camelopardalis.
Der Offene Sternhaufen NGC 1502 ist ein lohnendes Beobachtungsobjekt des Sternbilds Giraffe. Man findet ihn auf der Linie von Alpha Camelopardalis nach Gamma Persei, und zwar von Alpha Camelopardalis aus gesehen nach dem ersten Drittel dieser Linie. Mit einem Fernrohr sieht man in NGC 1502 mehrere markante Doppelsterne.
Betrachtet man die Region um NGC 1502 mit einem lichtstarken Fernglas, fällt einem dort eine ca. 2,5° lange Sternenkette auf, die geradewegs auf NGC 1502 zielt: Das ist „Kembels Kaskade“. An einem mondlos dunklen Sternenhimmel erinnert der Anblick dieser Sternenkette an die Momentaufnahme einer funkelnden Kaskade aus farbigen Sternen, die in einer Reihe geradewegs in NGC 1502 hineinstürzen.

Im Sternbild Giraffe liegen zwei große Galaxien. Die Spiralgalaxie NGC 2403 ist 8,5m hell und somit eine der hellsten Galaxien am nördlichen Himmel. Dennoch ist sie nicht leicht wahrzunehmen, denn sie ist 7 x 4 Bogenminuten groß, und daher ist ihre Flächenhelligkeit sehr gering. Somit ist sie. Außerdem liegt NGC 2403 sehr unauffällig in einem sternarmen Gebiet, ca. 1° westlich des 5.9m hellen Sterns 51 Camelopardalis, und ist daher schwer zu finden. NGC 2403 ist in ca. 10,5 Millionen Lichtjahren Entfernung.
Ca. 3° südsüdwestlich von Gamma Camelopardalis liegt die Galaxie IC 342. Sie ist nur ca. 8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und liegt „face-on“. IC 342 hat einen kleinen, aber ziemlich hellen Kern. Dieser Kern ist von einer ausgedehnten Halo mit einer extrem niedrigen Flächenhelligkeit umgeben ist. Der Winkeldurchmesser der Halo entspricht der des Vollmonds, die Flächenhelligkeit der Halo ist jedoch 10 Milliarden Mal niedriger als die des Vollmonds. Daher kann man die ausgedehnte Halo von IC 342 nur wahrnehmen, wenn der Himmelshintergrund über dem Beobachtungsplatz sehr dunkel ist, und wenn zugleich auch die Nachtluft sehr transparent ist. Leider findet man diese schönen Beobachtungsbedingungen in Mitteleuropa immer seltener. Das beste Beobachtungsgerät für diese Galaxie ist ein lichtstarkes Fernglas mit großer Öffnung oder ein Richfield-Teleskop, denn für das Gesichtsfeld der meisten Amateurfernrohre ist der Winkeldurchmesser von IC 342 zu groß.

 

 

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