Erste Übersicht um 19:00

Im Zenit sieht man die Sterne des Perseus. Im Westen neigt sich das Pegasusquadrat zum Horizont. Im Südosten steht das markante Sternbild Orion. Tief über dem Südosthorizont sieht man links unterhalb des Orions den hellen Stern Sirius funkeln. Hoch im Osten sieht man das Sternbild Zwillinge, unter unterhalb der Zwillinge kann man die hellen Sterne des Sternbilds Löwe sehen. Im Nordosten stehen die Sterne des Großen Wagens, seine hellen Deichselsterne zielen auf den Nordhorizont.

 

Sternbild Pegasus

Gegen 19:00 steht das Sternbild Pegasus ca. 40° über dem westlichen Horizont. Seine drei hellen Hauptsterne heißen Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma). Sie bilden gemeinsam mit dem hellen Stern Alpheratz (Alpha Andromedae) das auffällige „Pegasusquadrat“. Im Sternbild Pegasus stellt dieses Sternenquadrat den kräftigen Rumpf des geflügelten Zauberpferdes dar. Von Mitteleuropa aus betrachtet liegt Pegasus am Nachthimmel auf seinem Rücken, er reckt hier seinen Bauch nach Norden und richtet sein Vorderbein auf das Sternbild Cepheus. Im Westteil des Sternbilds liegt der 2,5m helle Stern Enif (Epsilon), er stellt hier die Nüstern des Pegasus dar.

Ca. 3° westlich von Enif liegt der 6m helle Kugelsternhaufen M15. Man kann ihn bereits im Fernglas als rundlicher Nebelfleck sehen. In einem Fernrohr ab vier Zoll Öffnung sieht man M15 in zahllose Einzelsterne aufgelöst.
Der 2,5m helle Stern Markab bildet die untere rechte Ecke des Pegasusquadrats, Markab ist ein Unterriesenstern der Spektralklasse A0. Der 2,4m helle Scheat bildet die obere rechte Ecke des Pegasusquadrats, Scheat ist ein Roter Riesenstern, der seine Helligkeit sehr langsam und unregelmäßig verändert. Der 2,8m helle Algenib bildet die untere linke Ecke des Pegasusquadrats, Algenib ist ein blauweißer Riesenstern mit 1900 Sonnenleuchtkräften.

Wenn man von Scheat ausgehend ca. 5°nach Nordwesten schaut, liegt dort der 3m helle Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar kann man im Fernrohr die 10m helle Spiralgalaxie NGC 7331 wahrnehmen. In kleinen Fernrohren kann man NGC 7331 an einem mondlos sternklaren Landhimmel mit geduldigem Beobachten erahnen. In einem lichtstarken Newton-Spiegelteleskop ab 20 cm Durchmesser ist NGC 7331 bei diesen Bedingungen sehr deutlich wahrnehmbar. Diese Galaxie ist ca. 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 140000 Lichtjahren.

Ist der Himmel mondlos dunkel und sternenklar, kann man ca. 3° südlich von Markab in Newton-Teleskopen ab 20 cm Öffnung die 10,5m helle Balkengalaxie NGC 7479 wahrnehmen. Sie ist 105 Millionen Lichtjahre entfernt.

 

Sternbild Walfisch

Oberhalb des Südwesthorizonts sieht man zwei helle Sterne. Sie gehören zum Sternbild Walfisch. Der Obere der beiden Sterne heißt Menkar, er ist 2,5m hell und ist der Hauptstern des Sternbilds. Er ist ein Roter Riesenstern in 250 Lichtjahren Entfernung. Menkar stellt im Sternbild den Kopf jenes Seeungeheuers dar, welches der Perseus-Sage noch vom Helden Perseus getötet wurde, um die schöne Prinzessin Andromeda davor zu bewahren, von dem Ungeheuer gefressen zu werden. Der Untere der beiden hellen Sterne heißt Deneb Kaitos, er markiert den Schwanz des Walfisches. Deneb Kaitos ist ein 2m heller Roter Unterriese und liegt ca. 65 Lichtjahre entfernt.

Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch heißt Mira (Omicron Ceti). Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riesenstern, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Mira hat ihr letztes Maximum im Oktober 2020 durchlaufen, im kommenden März wird Mira nur noch 11m hell sein. Im August 2021 wird Mira ihr nächstes Maximum durchlaufen.

Da das Band der Milchstraße nicht durch das Sternbild Walfisch verläuft, liegen in dem Sternbild weder Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Mit Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung kann man hier jedoch einige Galaxien wahrnehmen, z. B. die Spiralgalaxie M 77. Diese 8,8m helle Galaxie liegt ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti, sie ist ca. 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos liegt die Galaxie NGC 247. Sie ist eine 8,9m helle Spiralgalaxie, die man in Kantenlage sieht, sie ist ca. 11 Millionen Lichtjahre entfernt. Um diese wahrnehmen zu können, muss der Nachthimmel dunkel, sternenklar und mondlos sein.

 

Sternbild Widder

Das Sternbild Widder liegt direkt oberhalb des Sternbilds Walfisch. Man kann es dort leicht finden, denn seine beiden Hauptsterne sind so hell, dass man sogar am durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel deutlich sehen kann. Das sind der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta). Hamal ist ein Roter Riesenstern in 65 Lichtjahren Entfernung, Sheratan ist ein weißer Hauptreihenstern in 60 Lichtjahren Entfernung.
Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Das ist der dritthellste Stern im Sternbild Widder. Im Fernrohr erweist sich 41 Arietis als ein Dreifachsternsystem, dessen schwächere Sterne jedoch nicht gravitativ an 41 Arietis gebunden sind, sondern zufällig in derselben Richtung liegen. 41 Arietis ist blauweiß, leuchtet mit 190 Sonnenleuchtkräften und liegt ca. 160 Lichtjahre entfernt.
Ca. 1,5° südlich von Sheratan liegt der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma). Bereits im kleinen Fernrohr sieht man, dass Mesarthim ein schöner Doppelstern ist. Seine beiden Partnersterne stehen in 7 Bogensekunden Abstand voneinander, sie sind weiß und gleich hell.

Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Seitdem ist der Frühlingspunkt infolge der Präzessionsbewegung der Erdachse ca. 37° auf der Ekliptik nach Westen gewandert: Heutzutage befindet sich der Frühlingspunkt mittlerweile am westlichen Rand des Sternbilds Fische. Daher steht heute die Sonne zur Wintersonnenwende nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende findet man sie nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Zwillinge.
Von einem dunklen Beobachtungsplatz aus kann man an einem sternklaren, mondlos dunklen Landhimmel ca. 2° südöstlich von Mesarthim in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 erahnen. In einem solchen Fernrohr kann man zunächst den kleinen, hellen Kern wahrnehmen. Nach längerer Beobachtung kann man auch die asymmetrische ausgedehnte, lichtschwache Halo erkennen, in die der Kern eingebettet ist. NGC 772 liegt 105 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 220.000 Lichtjahren.

 

Sternbild Andromeda

Steht man unter einem sternklaren Landhimmel, kann man über sich das schimmernde Band der Milchstraße sehen, das sich vom Nordwesthorizont zum Südosthorizont erstreckt. In dieses matte Milchstraßenband eingebettet liegt oberhalb der beiden Sternbilder Fische und Pegasus das Sternbild Andromeda.
Das Sternbild Andromeda ist eines der größten Sternbilder des Himmels. Es ist viel größer als die Himmelsregion längs der Andromeda-Sternenkette, die bei Alpheratz (Alpha Andromedae) beginnt und über Sterne Delta Andromedae und Mirach (Beta Andromedae) bis zum Stern Alamak (Gamma Andromedae) reicht.
Das am häufigsten betrachtete Objekt im Sternbild Andromeda ist die Andromeda-Galaxie M31. Bereits bei einem halbwegs dunklen, sternklaren Himmel kann man schon mit bloßem Auge das helle Zentrum von M31 nahe beim Stern Ny Andromedae wahrnehmen, denn M31 ist die nächstgelegene große Spiralgalaxie. Da M31 am Himmel fast 4° überspannt (das entspricht acht Vollmonddurchmessern!), ist M31 trotz ihrer gewaltigen Entfernung von ca. 25 Trillionen Kilometern für das Gesichtsfeld fast aller Amateurfernrohre (außer den „Kometensuchern“) zu groß. In einem Fernrohr mit langer Brennweite kann man daher nur  den hellen Zentralbereich sowie die beiden kleineren Begleitgalaxien M32 und M110 der Galaxie M32 betrachten. Betrachtet man M31 mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung (einem „Richfield-Fernrohr“), kann man auch die Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie erkennen.
Der 2,3m helle Stern Alamak (Gamma Andromedae) ist ein sehenswerter Doppelstern, den man auch in Fernrohren kleiner Öffnung bei hoher Vergrößerung schön beobachten kann. Der hellere der beiden Partnersterne leuchtet im Okular orange, der schwächere Stern erscheint bläulich.

Im Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel NGC 7662. Obwohl er hell ist, kann man ihn nicht leicht finden. Die Suche nach NGC 7662 startet man am einfachsten beim Stern Scheat (Beta Pegasi). Ca. 14° nördlich von Scheat liegt der 3,6m helle Stern Omikron Andromedae. Schaut man von Omikron ca. 6,3° nach Osten, liegt dort der 4,5m helle Stern Iota Andromedae. Zieht man nun eine Linie von Omikron zu Iota und folgt ihr mit den Fernrohr, gelangt man dadurch nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3m hellen Stern 13 Andromedae. Ca. 25 Bogenminuten südwestlich von 13 Andromedae liegt der Planetarische Nebel NGC 7662.            
Im Fernglas sieht NGC 7662 wie ein 9m helles, bläuliches Sternchen aus. Im Fernrohr sieht man bei hoher Vergrößerung, dass NGC 7662 eine ringförmige Struktur hat. In Fernrohren ab 12 cm Öffnung sieht man diese Struktur intensiv blau leuchten, daher heißt NGC 7662  auch „Blauer Schneeball“. Wenn man bei der Beobachtung am Fernrohr einen UHC-Nebelfilter verwendet, kann man das blaue Leuchten von NGC 7662 besonders intensiv wahrnehmen.

 

Sternbild Perseus

Der hellste Stern des Sternbilds Perseus ist der 1,8m helle blauweiße Mirfak. Schaut man sich Mirfak im Fernglas an, sieht man um ihn viele weitere blauweiße, nadelscharfe Sterne. Das ist der Offene Sternhaufen ’Melotte 20’.
Auf der Mitte der Linie von Delta Cassiopeiae zum 3m hellen Stern Gamma Persei kann man am sternklaren dunklen Nachthimmel mit bloßem Auge einen matten Lichtschimmer wahrnehmen. Schon die Astronomen der römischen Antike kannten diese Stelle und nannten sie „nubeculae“ (auf Deutsch; „die Wölkchen“). Das sind die beiden schönen Offenen Sternhaufen „h“ und „chi“. Sie liegen ca. 6800 Lichtjahre von uns entfernt und bieten in jedem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr ein beeindruckender Anblick. Bei einem Fernrohr sollte man nicht mehr als 40-fach vergrößern, um beide Sternhaufen miteinander im Gesichtsfeld zu sehen.
Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der schwache Offene Sternhaufen NGC 1245. Im kleinen Fernrohr erscheint NGC 1245 als ein matter Nebelfleck. Im lichtstarken Fernrohr großer Öffnung kann man NGC 1245 bei mindestens 100-facher Vergrößerung als einen Offenen Sternhaufen wahrnehmen, die Anzahl seiner Sterne ist sehr hoch, doch die Sterne leuchten alle nur schwach.

Schwenkt man das Fernrohr von Mirfak über NGC 1245 hinaus weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der berühmteste bedeckungsveränderliche Stern am Himmel. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für die Dauer von zehn Stunden auf bis zu 3,5 m ab.
Fünf Grad nordwestlich von Algol kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34 sehen. Dieser schöne Sternhaufen ist nur 1400 Lichtjahre entfernt und dadurch für die Beobachtung mit einem Teleskop zu groß. Im Teleskop kann man bei hoher Vergrößerung jedoch die vielen Doppelsterne sehen, die M34 zu bieten hat.
Ca. 3,6° südlich von M34 kann man in einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die 9,5m helle S0-Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Sie ist ca. 35 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Wilhelm Herschel entdeckte sie 1786.
Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er ist ca. 1600 Lichtjahre entfernt. Im Fernrohr kann man ihn bereits bei niedrigen Vergrößerungen in Einzelsterne aufgelöst sehen. Ca. 2° südlich von NGC 1528 liegt der Offene Sternhaufen NGC 1513. Da dieser Sternhaufen 2700 Lichtjahre von uns entfernt ist, lassen sich die Details seiner Struktur im Fernrohr erst bei höheren Vergrößerungen wahrnehmen. Dann kann man in NGC 1513 eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne erkennen. Beide Offene Sternhaufen wurden 1790 von Wilhelm Herschel entdeckt.

Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. In kleineren Fernrohren sollte man diesen Sternhaufen mit hoher Vergrößerung beobachten, weil man so auch die schwachen Mitglieder dieses Sternhaufens wahrnehmen kann.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76, der als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt ist. Man findet M76 sicher, wenn man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgeht. Wenn man sein Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia schwenkt, stößt man nach 7,5° auf den 3,5m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi Persei liegt M76. Wenn der Sternenhimmel nicht durch Mondlicht oder Lichtverschmutzung aufgehellt ist, kann man diesen kleinen Planetarischen Nebel bei mittleren Vergrößerungen bereits in kleinen Fernrohren deutlich wahrnehmen. M76 zeigt darin einen rechteckigen Umriss.

 

Sternbild Stier

Schaut man vom Sternbild Perseus ausgehend nach Süden, wandert der Blick dabei zum Stern Zeta Persei und weiter zu dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Die Plejaden bilden gemeinsam mit dem Stern Aldebaran, dem hellsten Stern im Sternbild Stier, das so genannte „Goldene Tor der Ekliptik“.

Die Plejaden werden auch „Siebengestirn“ genannt, obwohl die meisten Menschen mit bloßem Auge nur sechs Plejadensterne sehen können. Viele Menschen kennen diesen Sternhaufen als den „kleinen Wagen“, wobei sie sich jedoch irren, denn der „kleine Wagen“ ist eine volkstümliche Bezeichnung für das Sternbild Kleiner Bär.
Die Plejaden sind in jedem Fernglas und in jedem Spektiv bis 20-facher Vergrößerung ein beeindruckender Anblick. Im Fernrohr sind die Plejaden weniger eindrucksvoll, denn dieser Offene Sternhaufen ist für das Gesichtsfeld von Fernrohren meist viel zu groß. Im Fernrohr kann man jedoch die blauweiße Farbe der hellen, heißen Sterne dieses Sternhaufens besser wahrnehmen.

Die Plejaden gehören zum Sternbild Stier, das schon seit der Antike bekannt ist. Es sollte damals an die antike Sage von Zeus erinnern, als er in der Gestalt eines schönen Stiers am Strand von Phönizien die Königstochter Europa dazu brachte, auf ihn über den breiten Sandstrand zu reiten. Mit der Jungfrau auf seinem Rücken schritt der Stier gelassen immer tiefer in die rauschende Brandung hinaus und schwamm mit ihr übers Meer geradewegs nach Kreta. Daher zeigt das Sternbild nur den aus dem Wasser ragenden, tief nach vorn geneigten Kopf des Stieres, dessen lange Hörner parallel nach Osten weisen.
Der 1,1m helle Stern Aldebaran (Alpha Tauri) markiert in dem Sternbild das feurige Auge des göttlichen Stiers. Die markante dreieckige Anordnung von Sternen um den orangefarbigen Aldebaran markiert den Kopf des Stiers. Diese Sterne bilden den Kernbereich der Hyaden, eines nur 148 Lichtjahre entfernt liegenden Offenen Sternhaufens.
Der 1,8m helle Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath liegt der 3m helle Stern Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. Ca.1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1. Dieser Nebel ist nur in einem Fernrohr wahrnehmbar. Er ist der Überrest einer Supernova, deren plötzliches Erscheinen am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen aufgezeichnet wurde. Der Name „M1“ wurde dem Krebsnebel von seinem Entdecker Charles Messier gegeben. Messier war ein geübter Beobachter, er sah den Nebel 1758 mit seinem Gregory-Metallspiegelfernrohr von fünf Zoll Öffnung von Paris aus. Heutzutage kann man M1 sogar mit einem Fernrohr von 20 cm Öffnung um Mitternacht nicht mehr erfolgreich wahrnehmen, wenn der Sternenhimmel durch künstliche Lichtquellen aufgehellt ist. Das Beispiel verdeutlicht, wie stark die künstliche Himmelsaufhellung astronomische Beobachtungen mittlerweile behindert.

 

Sternbild Fuhrmann

Das Sternbild Fuhrmann nähert sich gegen 21:00 dem Zenit. Sein hellster Stern ist 0,1m hell. Er heißt Capella und ist der vierthellste Stern des nördlichen Himmels.
Im Sternbild Fuhrmann liegen die drei Offenen Sternhaufen M36, M37 und M38. Sie sind so hell, dass man sie bereits im 8x50-Sucherfernrohr sehen kann. Im Fernrohr bietet jeder dieser Sternhaufen einen beeindruckenden Anblick.
M38 findet man auf der Mitte der Linie zwischen den Sternen Theta Aurigae und Iota Aurigae. M37 liegt links der Mitte einer gedachten Linie von Theta Aurigae zu Nath. M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38.

Außer diesen häufig beobachteten Offenen Sternhaufen kann man im Sternbild Fuhrmann noch andere sehenswerte Deep-Sky-Objekte sehen. Ca. 0,5° südlich von M38 liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907. Den Offenen Sternhaufen NGC 2281 findet man auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor, im Abstand von 9° von Menkalinan. NGC 2281 ist der hellste Offene Sternhaufen des Sternbilds Fuhrmann.
In einem Fernrohr großer Öffnung kann man bei hoher Vergrößerung ca. 1° westlich von M36 den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 wahrnehmen. Richtet man das Fernrohr bei hoher Vergrößerung auf den 2,6m hellen Stern Theta Aurigae, zeigt sich dieser Stern darin als ein enger Doppelstern.

Ein sehenswerter Doppelstern ist Omega Aurigae. Man kann ihn leicht finden, denn er ist der hellste Stern auf der Linie von Eta Aurigae nach Iota Aurigae.
Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt der 3m helle Stern Almaaz (Epsilon Aurigae). Almaaz ist ein ungewöhnlicher bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Natur den Astronomen lange ein Rätsel war. Heute weiß man, dass Almaaz von einem Stern umkreist wird, der jedoch unsichtbar ist, da ihn seine dichte Staubscheibe verhüllt. Alle 27 Jahre schiebt sich diese Staubscheibe vor Almaaz und schwächt das Licht von Almaaz ca. 2 Jahre lang auf 3,8m ab. Almaaz ist ein Überriesenstern von ca. 2 Sonnenmassen, er hat eine Oberflächentemperatur von 7800 °C, leuchtet 47.000 mal heller als die Sonne und liegt ca. 1300 Lichtjahre entfernt.

 

Sternbild Orion

Unterhalb des Stiers liegt das Sternbild Orion. Es ist ein auffälliges Sternbild, da es viele helle Sterne enthält. Für Beobachter ist das Sternbild jedoch besonders interessant, weil darin viele markante Doppelsterne, galaktische Nebel und ein grandioses Sternentstehungsgebiet liegen.

Im zentralen Bereich des Sternbilds bilden drei helle Sterne den so genannten „Gürtel des Orion“. Zwei dieser Sterne sind schöne Doppelsterne: der rechte Gürtelstern heißt Mintaka (Delta Orionis) und ist ein Vierfachsternsystem vom Algol-Typ. Der linke Gürtelstern Alnitak (Zeta Orionis) ist ein Dreifachsternsystem. Zwischen Mintaka und den hellen Stern Rigel (Alpha Orionis) liegt der Stern Eta Orionis, Eta ist ein enger Doppelstern aus zwei blauen Sternen. Auch Rigel (der rechte Fußstern des Orion) ist ein Doppelstern. Die Sterne Sigma Orionis (ca. 0.8°südlich von Alnitak) sowie Theta Orionis (im „Orionnebel“ M42) sind ebenfalls Mehrfachsternsysteme: Der Stern Sigma Orionis besteht aus vier Sternen. Der Stern Theta Orionis zeigt sich bereits im kleinen Fernglas als ein Doppelstern aus den beiden Partnersternen Theta1 und Theta2. Im Fernrohr zeigt sich der Stern Theta1 bei hoher Vergrößerung als ein Vierfachsternsystem: Theta1 ist das so genannte „Trapez im Orionnebel“. Auch Theta2 erweist sich im Fernrohr als Doppelstern.
Die eindrucksvollsten Himmelsobjekte im Sternbild Orion sind jedoch die galaktischen Nebel: vor allem der „Orion-Nebel“ M42, aber auch die Nebel M43, NGC2024 und M78.

Der “Orionnebel“ M42 ist der eindrucksvollste Gasnebel, der von der Nordhalbkugel aus zu sehen ist, an einem mondlos sternklarem Landhimmel ist er schon mit bloßem Auge als Nebel wahrnehmbar. Bereits im kleinen Fernglas sieht man ihn eindeutig als einen Nebel um den Stern Theta1. Unter einem dunklen, sternklarem Landhimmel kann man im Fernrohr die vom Licht der im Nebel eingelagerter Sterne beleuchteten Staubwolken betrachten - diese weit ausgreifenden „Schwingen“ des M42 sind ein faszinierender Anblick. Falls man bei der Beobachtung mit einem Fernrohr größerer Öffnung ein UHC-Filter einsetzt, kann man die durch heiße Sterne ionisierten Gaswolken des M42-Nebels grünlich leuchten sehen.
Unmittelbar nördlich von M42 liegt der Reflexionsnebel M43. Ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak liegt der Reflexionsnebel M78. Unmittelbar östlich von Alnitak liegt der Emissionsnebel NGC 2024. Um diesen Nebel wahrnehmen zu können, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr, zudem muss man während der Beobachtung von NGC 2024 den Stern Alnitak außerhalb des Gesichtsfelds halten, damit Alnitak den 10000 Mal schwächer leuchtenden NGC 2024 nicht überstrahlt.

Die meisten der hellen Sterne im Sternbild Orion sind sehr jung und massereich. Der Stern Theta1 Orionis C hat 40 Sonnenmassen und eine Oberflächentemperatur von 45000 °K, ist mit über 340.000 Sonnenleuchtkräften einer der leuchtkräftigsten Sterne in diesem Nebel, und die UV-Strahlung von Theta1 Orionis C ist eine wesentliche Energiequelle für das Leuchten des Orion-Nebels. 

 

Sternbild Großer Hund

Südöstlich des Sternbilds Orion funkelt ein heller Stern in allen Farben. Das ist Sirius, der hellste Fixstern des Himmels und der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund. Sirius leuchtet so hell, da er einer der nächsten Nachbarsterne unserer Sonne ist, und weil seine Leuchtkraft  27 Mal größer ist als die unserer Sonne. Sirius ist nur 8,6 Lichtjahre entfernt. Der zweithellste Stern im Sternbild Großer Hund ist 2,0, helle Mirzam (Beta Canis Maioris). Mirzam ist an sich tausend Mal heller als Sirius, doch wir sehen ihn schwächer als Sirius, weil Mirzam ca. sechzig Mal weiter entfernt liegt als Sirius.

Da das Sternbild Großer Hund im Band der Wintermilchstraße eingebettet ist, enthält es zahlreiche Offene Sternhaufen. Einer der hellsten dieser Offenen Sternhaufen ist M41, er liegt ca. 4° südlich von Sirius. Ebenfalls sehenswert ist der Offene Sternhaufen NGC 2362 der um den Stern Tau Canis Majoris liegt, sowie der Offene Sternhaufen NGC 2360, der ca.7° östlich von Sirius zu finden ist.

Wenn man die Vorteile eines Nebelfilters "live" erfahren möchte, ist der galaktische Nebel NGC 2359 dafür ein ideales Objekt. NGC 2359 liegt ca. 1,2° nördlich von NGC 2360. Auch wenn der Nachthimmel dunkel und sternenklar ist, kann man an der Position von NGC 2359 in einem mittelgroßen Fernrohr ohne Nebelfilter nur einen schwachen Stern wahrnehmen. Im gleichen Fernrohr mit Nebelfilter wird um den Stern jedoch ein detailreicher Nebel von 10 Bogensekunden Durchmesser erkennbar. Dieser Nebel ist auch unter dem Namen „Thors Helm“ bekannt. Der schwache Stern in ihm ist tatsächlich keineswegs klein, sondern der 15000 Lichtjahre entfernt liegende Wolf-Rayet-Stern WR7. Seine Oberflächentemperatur beträgt 110.000° K, und er hat ca. 280000 Sonnenleuchtkräfte.

 

Sternbild Zwillinge

Östlich der beiden Sternbilder Fuhrmann und Stier liegt das Sternbild Zwillinge. Das Sternbild besteht aus zwei parallel liegenden Sternenketten: die nördliche Kette wird aus den Sternen Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) und Tejat Prior (Eta) gebildet. Die südliche Kette besteht aus den Sternen Pollux (Beta), Wasat (Delta), Mekbuda (Zeta) und Alhena (Gamma).

Betrachtet man Castor bei 100-facher Vergrößerung im Fernrohr, zeigt er sich als ein enger Doppelstern. Auch Wasat ist ein sehenswerter Doppelstern, er liegt genau in der Ebene der Ekliptik. 2,3° ostsüdöstlich von Wasat steht auf der Verbindungslinie von Kappa Geminorum nach Lambda Geminorum der helle Planetarische Nebel NGC 2392, der auch als „Eskimonebel“ bekannt ist. Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior finden wir M35, einen sehenswerten Offenen Sternhaufen, der auch in kleinen Fernrohren eindrucksvoll beobachtet werden kann.

 

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