Erste Übersicht um 19:00

Hoch im Zenit sieht man die Sterne des Perseus. Im Westen neigt sich das Pegasusquadrat zum Horizont, Im Südosten steht das markante Sternbild Orion. Links unterhalb des Orions funkelt der helle Stern Sirius niedrig über dem Südosthorizont. Hoch im Osten sehen wir das Sternbild Zwillinge, darunter zeigen sich die hellen Sterne des Sternbilds Löwe. Im Nordosten sehen wir die Sterne des Großen Wagens, die gebogene Kette seiner hellen Deichselsterne zielt auf den Nordhorizont.

 

 

Pegasus

Gegen 19:00 kann man das Sternbild Pegasus ca. 40° über dem westlichen Horizont sehen. Seine drei hellen Hauptsterne Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma) bilden gemeinsam mit dem hellen Stern Alpheratz (Alpha Andromedae) ein Quadrat, das man das „Pegasusquadrat“ nennt. Dieses Sternenquadrat repräsentiert in dem Sternbild den kräftigen Rumpf des geflügelten Zauberpferdes Pegasus. Von Mitteleuropa aus erscheint Pegasus am Himmel auf dem Rücken liegend. Er reckt hier seinen Bauch nach Norden und erhebt dabei ein Vorderbein zum Sternbild Cepheus. Der 2,5m helle Stern Enif (Epsilon) liegt im Westen des Sternbilds, Enif stellt hier die Nüstern des Pegasus dar.

Ca. 3° westlich von Enif liegt der 6m helle Kugelsternhaufen M15. Er ist bereits im Fernglas als rundlicher Nebelfleck sichtbar. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung kann man M15 in seine Einzelsterne aufgelöst sehen.

Der 2,5m helle Stern Markab bildet die untere rechte Ecke des Pegasusquadrats, Markab ist ein Unterriesenstern der Spektralklasse A0. Der 2,4m helle Scheat bildet die obere rechte Ecke des Pegasusquadrats, Scheat ist ein Roter Riesenstern, dessen Helligkeit sich sehr langsam und unregelmäßig verändert. Der 2,8m helle Algenib bildet die untere linke Ecke des Pegasusquadrats, Algenib ist ein blauweißer Riesenstern mit 1900 Sonnenleuchtkräften.

Richtet man den Blick von Scheat ausgehend ca.4°nach Nordwesten, triff man auf den 3m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar liegt die 10m helle Spiralgalaxie NGC 7331. In Fernrohren kleiner Öffnung kann man diese Galaxie am mondlos sternklaren Landhimmel nur durch geduldiges Beobachten erahnen. In einem lichtstarken Newton-Spiegelteleskop ab 20 cm Durchmesser ist NGC 7331 unter einem solchen Himmel sehr deutlich wahrnehmbar. Diese Galaxie ist ca. 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Bei mondlos sternklarem Himmel kann man ca. 3° südlich von Markab in Newton-Teleskopen ab 20 cm Öffnung die 10,5m helle Spiralgalaxie NGC 7479 aufspüren. Am Fernrohrokular kann man die Balkenstruktur dieser 130 Millionen Lichtjahre entfernt liegenden Galaxie erahnen.

 

Walfisch

Oberhalb des Südwesthorizonts sieht man zwei helle Sterne. Beide gehören zum Sternbild Walfisch. Der obere der beiden ist der 2,5m helle Stern Menkar (Alpha Ceti), er ist der Hauptstern des Sternbilds. Menkar markiert im Sternbild den Kopf jenes Seeungeheuers, das der Sage nach von Perseus getötet wurde, um die schöne Prinzessin Andromeda davor zu bewahren, vom Ungeheuer gefressen zu werden. Der untere helle Stern markiert den Schwanz des Walfisches. Er heißt Deneb Kaitos (Beta Ceti). Deneb Kaitos ist ein 2m heller Roter Unterriese, ca. 65 Lichtjahre entfernt.

Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira (Omicron Ceti). Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riesenstern, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Derzeit hat Mira ihr Maximum zwei Monate hinter sich, im kommenden Juni wird Mira nur noch 11m hell sein. Im November wird Mira sein nächstes Maximum durchlaufen.

Da das Sternbild Walfisch nicht im Band der Milchstraße liegt, gibt es in diesem Sternbild weder auffällige Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Mit Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung kann man hier jedoch einige Galaxien wahrnehmen, z. B. die Spiralgalaxie M 77. Diese 8,8m helle Galaxie liegt ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti, sie ist ca. 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos liegt die Galaxie NGC 247. Sie ist eine 8,9m helle Spiralgalaxie, die wir in Kantenlage sehen, sie ist ca. 11 Millionen Lichtjahre entfernt. Der Nachthimmel muss für die Beobachtung dieser Galaxien sternenklar und mondlos sein.

 

 

Widder

Das Sternbild Widder liegt am Himmel oberhalb des Sternbilds Walfisch. Es ist hier leicht aufzufinden, denn seine beiden Hauptsterne, der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta), sind sogar am durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Sternenhimmel über der Stadt stets deutlich zu sehen.

Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Im Fernrohr sieht man, dass 41 Arietis aus drei Sternen besteht. Ca. 1,5° südlich von Sheratan finden wir den 3,9m hellen Stern Mesarthim (Gamma). Mesarthim zeigt sich im Fernrohr deutlich als ein Doppelstern aus zwei gleich hellen weißen Sternen, die in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen.

Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Seitdem ist der Frühlingspunkt auf der Ekliptik aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse ca. 37° weiter nach Westen gewandert: heute liegt der Frühlingspunkt am westlichen Rand des Sternbilds Fische. Daher steht heute die Sonne zur Wintersonnenwende nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende findet man sie nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Zwillinge.

Von einem dunklen Beobachtungsplatz aus kann man bei sternklarem, mondlos dunklem Landhimmel ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. Diese Galaxie zeigt im Fernrohr einen kleinen, hellen Kern in einer ausgedehnten, lichtschwachen Halo. NGC 772 liegt 130 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

 

Andromeda

Unterm sternklaren Landhimmel sieht man über sich das schimmernde Band der Milchstraße, das vom Nordwesthorizont zum Südosthorizont verläuft. In die Milchstraße eingebettet liegt oberhalb der beiden Sternbilder Fische und Pegasus das Sternbild Andromeda.

Das Sternbild ist eines der größten Sternbilder des Himmels, denn es reicht viel weiter als die helle Andromeda-Sternenkette, die bei Alpheratz (Alpha Andromedae) beginnt und über Sterne Delta Andromedae und Mirach (Beta Andromedae) bis zu Alamak (Gamma Andromedae) reicht.

Das interessanteste Objekt im Sternbild Andromeda ist unsere große Nachbargalaxie M31. Bereits bei halbwegs dunklem, sternklarem Himmel kann man das helle Zentrum von M31 nahe bei Ny Andromeda meist mit bloßem Auge wahrnehmen. Da die Galaxie M31 am Himmel fast 4° überspannt (das entspricht acht Vollmonddurchmessern!), ist M31 trotz ihrer gewaltigen Entfernung von ca. 25 Trillionen Kilometern für das Gesichtsfeld fast aller Amateurfernrohre zu groß. Daher kann man in einem Fernrohr mit langer Brennweite nur  hellen Zentralbereich sowie die beiden kleineren Begleitgalaxien M32 und M110 der Galaxie M32 sehen. Betrachtet man die Galaxie mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung (einem „Richfield-Fernrohr“), kann man auch die Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie erkennen.
Der 2,3m helle Stern Alamak (Gamma Andromedae) ist ein sehenswerter Doppelstern, den man auch in Fernrohren kleiner Öffnung bei hoher Vergrößerung schön beobachten kann. Der hellere der beiden Partnersterne leuchtet im Okular orange, der schwächere Stern erscheint bläulich.

Im Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel NGC 7662. Obwohl er hell ist, ist er nicht leicht zu finden. Um ihn aufzusuchen, startet man beim Stern Scheat (Beta Pegasi). Ca. 14° nördlich von Scheat liegt der 3,6m helle Stern Omikron Andromedae. Ca. 6,3° östlich von Omikron liegt der 4,5m helle Stern Iota Andromedae. Zieht man nun am Himmel eine Linie von Omikron zu Iota, stößt man am Himmel nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3m hellen Stern 13 Andromedae. Der Planetarische Nebel NGC 7662 steht 25 Bogenminuten südwestlich dieses Sterns.   
Im Fernglas nimmt man NGC 7662 als ein 9m helles, bläulich getöntes Sternchen wahr. Im Fernrohr kann man bei hoher Vergrößerung sehen, dass NGC 7662 eine ringförmige Struktur hat. In Fernrohren ab 5 Zoll Öffnung erscheint NGC 7662 intensiv blau, daher nennt man ihn auch den „Blauer Schneeball“. Wenn man NGC 7662 im Fernrohr mit einem UHC-Nebelfilter beobachtet, kann man das blaue Leuchten von NGC 7662 besonders intensiv wahrnehmen.

 

 

Perseus

Der hellste Stern des Sternbilds Perseus ist der 1,8m helle blauweiße Mirfak. Schaut man sich Mirfak im Fernglas an, sieht man um ihn viele weitere blauweiße, nadelscharfe Sterne. Das ist der Offene Sternhaufen ’Melotte 20’.
Auf der Mitte der Linie von Delta Cassiopeiae zum 3m hellen Stern Gamma Persei kann man am sternklaren dunklen Nachthimmel mit bloßem Auge einen matten Lichtschimmer wahrnehmen. Schon die Astronomen der Antike kannten diese Stelle und nannten sie „nubeculae“ (auf Deutsch; „Wölkchen“). Das sind die beiden schönen Offenen Sternhaufen „h“ und „chi“. Sie sind ca. 6800 Lichtjahre von uns entfernt und sind in jedem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr ein beeindruckender Anblick. Bei einem Fernrohr sollte man nicht mehr als 40fach vergrößern, damit man beide Sternhaufen darin gemeinsam sehen kann.
Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Die Anzahl der Sterne in NGC 1245 ist sehr hoch, doch alle diese Sterne leuchten nur schwach. Um den Sternhaufen wahrzunehmen, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr möglichst großer Öffnung und eine mindestens 100-fache Vergrößerung.

Schwenkt man das Fernrohr entlang der Linie von Mirfak über NGC 1245 hinaus weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der bekannteste bedeckungsveränderliche Stern am Himmel. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für die Dauer von zehn Stunden auf bis zu 3,5 m ab.

Fünf Grad nordwestlich von Algol kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34 sehen. Dieser schöne Sternhaufen ist nur 1400 Lichtjahre entfernt und dadurch für die Beobachtung mit einem Teleskop zu groß. Im Teleskop kann man bei hoher Vergrößerung jedoch die vielen Doppelsterne sehen, die M34 zu bieten hat.
Ca. 3,6° südlich von M34 kann man in einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die 9,5m helle S0-Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Sie ist ca. 35 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Wilhelm Herschel entdeckte sie 1786.
Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er ist ca. 1600 Lichtjahre entfernt. Im Fernrohr kann man ihn bereits bei niedrigen Vergrößerungen in Einzelsterne aufgelöst sehen. Ca. 2° südlich von NGC 1528 liegt der Offene Sternhaufen NGC 1513. Da dieser Sternhaufen 2700 Lichtjahre von uns entfernt ist, lassen sich die Details seiner Struktur im Fernrohr erst bei höheren Vergrößerungen wahrnehmen. Dann kann man in NGC 1513 eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne erkennen. Beide Offene Sternhaufen wurden 1790 von Wilhelm Herschel entdeckt.

Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. In kleineren Fernrohren sollte man diesen Sternhaufen mit hoher Vergrößerung beobachten, weil man so auch die schwachen Mitglieder dieses Sternhaufens wahrnehmen kann.

An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76, der als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt ist. Man findet M76 sicher, wenn man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgeht. Wenn man sein Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia schwenkt, stößt man nach 7,5° auf den 3,5m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi Persei liegt M76. Ist der Sternenhimmel nicht durch Mondlicht oder Lichtverschmutzung aufgehellt, kann man diesen kleinen Planetarischen Nebel bei mittleren Vergrößerungen bereits in kleinen Fernrohren deutlich wahrnehmen. M76 zeigt hierbei einen rechteckigen Umriss.

 

Stier

Schaut man vom Sternbild Perseus ausgehend nach Süden, wandert der Blick dabei zum Stern Zeta Persei und weiter zu dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Die Plejaden bilden gemeinsam mit dem Stern Aldebaran, dem hellsten Stern im Sternbild Stier, das so genannte „Goldene Tor der Ekliptik“.

Die Plejaden werden auch „Siebengestirn“ genannt, obwohl man mit bloßem Auge nur sechs Plejadensterne sehen kann. Viele Menschen nennen diesen Sternhaufen den „kleinen Wagen“, was jedoch ein Irrtum ist, denn die Bezeichnung „kleine Wagen“ gilt für das Sternbild Kleiner Bär.

Die Plejaden bieten in jedem Fernglas und in jedem Spektiv bis 20-facher Vergrößerung einen beeindruckenden Anblick. Für eine Betrachtung mit dem Fernrohr ist dieser Offene Sternhaufen leider viel zu groß. Ein Fernrohr hat jedoch den Vorteil, dass man die blauweiße Farbe der hellen, heißen Sterne dieses Sternhaufens deutlicher wahrnehmen kann.

Die Plejaden gehören zum Sternbild Stier. Das Sternbild soll an die antike Sage erinnern, in der Zeus in der Gestalt eines schönen Stiers am Strand von Phönizien die Königstochter Europa dazu brachte, sich auf seinen bequemen Rücken zu setzen und auf ihm über den breiten Sandstrand zu reiten. Der Stier schritt danach mit der Jungfrau auf seinem Rücken gelassen immer tiefer in die rauschende Brandung hinaus und schwamm dann mit Europa übers Meer geradewegs nach Kreta. Deshalb stellt das Sternbild nur den aus dem Wasser ragenden, nach vorn gebeugten Kopf des Stieres dar, dessen lange Hörner parallel nach Osten weisen.

Der 1,1m helle Stern Aldebaran (Alpha Tauri) markiert im Sternbild das feurige Auge des göttlichen Stiers. Die dreieckige Anordnung von Sternen um den orangefarbigen Aldebaran fällt sofort auf. Diese Sternengruppe markiert den Kopf des Stiers. Diese Sterne bilden den Kernbereich der Hyaden, eines nur 148 Lichtjahre entfernten Offenen Sternhaufens.

Der 1,8m helle Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath liegt der 3m helle Stern Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. Ca.1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1. Der Krebsnebel ist nur im Fernrohr wahrnehmbar. Er ist der Überrest einer Supernova, deren plötzliches Erscheinen am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen aufgezeichnet wurde. Der Name „M1“ wurde dem Nebel von seinem Entdecker Charles Messier vergeben. Messier war ein geübter Beobachter und fand den Nebel 1758 mit seinem kleinen fünfzölligen Gregory-Metallspiegelfernrohr. Ist der sternklare Nachthimmel durch künstliche Lichtquellen aufgehellt, kann man M1 heutzutage selbst in einem Achtzöller nicht mehr erfolgreich wahrnehmen. Das Beispiel zeigt, wie sehr die künstliche Himmelsaufhellung das astronomische Beobachten heutzutage behindert.

 

Fuhrmann

Das Sternbild Fuhrmann nähert sich gegen 21:00 dem Zenit. Sein Hauptstern Capella ist 0,1m hell, er ist der vierthellste Stern des nördlichen Himmels.

Das Sternbild Fuhrmann enthält die drei Offenen Sternhaufen M36, M37 und M38. Sie sind so hell, dass sie schon im 8x50-Sucherfernrohr zu sehen sind. Jeder dieser Sternhaufen bietet im Fernrohr einen beeindruckenden Anblick.

M38 liegt auf der Mitte der Linie zwischen den Sternen Theta Aurigae und Iota Aurigae. M37 findet man links der Mitte einer gedachten Linie von Theta Aurigae zu Nath. M36 liegt am Himmel ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38.

Außer diesen häufig beobachteten Offenen Sternhaufen kann man im Sternbild Fuhrmann noch andere sehenswerte Deep-Sky-Objekte entdecken. Ca. 0,5° südlich von M38 liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907. Den Offenen Sternhaufen NGC 2281 findet man auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor, NGC 2281 ist dort ca. 9° von Menkalinan entfernt. NGC 2281 ist der hellste Offene Sternhaufen des Sternbilds Fuhrmann.

Ca. 1° westlich von M36 kann man in einem Fernrohr größerer Öffnung bei hoher Vergrößerung den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 wahrnehmen. Richtet man das Fernrohr bei hoher Vergrößerung auf den 2,6m hellen Stern Theta Aurigae, zeigt sich dieser Stern darin als ein enger Doppelstern.

Der Stern Omega Aurigae ist ebenfalls ein sehenswerter Doppelstern des Sternbilds Fuhrmann. Omega Aurigae kann man leicht finden, denn er ist der hellste Stern auf der Linie von Eta Aurigae nach Iota Aurigae.
Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt der 3m helle Stern Almaaz (Epsilon Aurigae). Almaaz ist ein ungewöhnlicher bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Natur den Astronomen lange ein Rätsel war. Heute weiß man, dass Almaaz von einem Stern umkreist wird, den man jedoch nicht sehen kann, weil er von einer dichten Staubscheibe verhüllt ist. Alle 27 Jahre schwächt diese dunkle Staubscheibe das Licht von Almaaz ca. 2 Jahre lang auf 3,8m ab. Almaaz ist ein Überriesenstern von ca. 30 Sonnenmassen, er hat eine Oberflächentemperatur von 7800 °C, leuchtet 47.000 mal heller als die Sonne und liegt ca. 2000 Lichtjahre entfernt.

 

Orion

Unterhalb des Stiers liegt das Sternbild Orion. Es ist ein auffälliges Sternbild, das viele helle Sterne enthält. Für Beobachter ist das Sternbild besonders interessant, weil hier viele markante Doppelsterne, galaktische Nebel und ein grandioses Sternentstehungsgebiet liegen.
Im zentralen Bereich des Sternbilds bilden drei helle Sterne den so genannten „Gürtel des Orion“. Zwei dieser Sterne sind schöne Doppelsterne: der rechte Gürtelstern heißt Mintaka (Delta Orionis) und ist ein Vierfachsternsystem vom Algol-Typ. Der linke Gürtelstern Alnitak (Zeta Orionis) ist ein Dreifachsternsystem. Zwischen Mintaka und den hellen Stern Rigel (Alpha Orionis) liegt der Stern Eta Orionis, Eta ist ein enger Doppelstern aus zwei blauen Sternen. Auch Rigel (der rechte Fußstern des Orion) ist ein Doppelstern. Die Sterne Sigma Orionis (ca. 0.8°südlich von Alnitak) sowie Theta Orionis (im „Orionnebel“ M42) sind ebenfalls Mehrfachsternsysteme: Der Stern Sigma Orionis besteht aus vier Sternen. Der Stern Theta Orionis zeigt sich bereits im kleinen Fernglas als ein Doppelstern aus den beiden Partnersternen Theta1 und Theta2. Im Fernrohr zeigt sich der Stern Theta1 bei hoher Vergrößerung als ein Vierfachsternsystem: Theta1 ist nämlich das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Auch Theta2 erweist sich im Fernrohr als Doppelstern.

Die sehenswertesten Himmelsobjekte im Sternbild Orion sind jedoch seine galaktischen Nebel. Das gilt vor allem für den „Orion-Nebel“ M42, aber auch die Nebel M43, NGC2024 und M78.

Der “Orionnebel“ M42 ist der eindrucksvollste Gasnebel, der am Nachthimmel der Nordhalbkugel zu sehen ist. An einem mondlos sternklarem Himmel ist er schon mit bloßem Auge als Nebel wahrnehmbar. Bereits im kleinen Fernglas sieht man ihn eindeutig als einen Nebel um den Stern Theta1. Unter einem dunklem, sternklarem Himmel kann man am Fernrohrokular die vom Licht der im Nebel eingelagerter Sterne beleuchteten Staubwolken betrachten, diese weit ausgreifenden „Schwingen“ des M42 sind ein faszinierender Anblick. Falls man bei der Beobachtung ein Fernrohr größerer Öffnung mit einem UHC-Filter benutzt, lässt sich das grünliche Leuchten der durch heiße Sterne ionisierten Gaswolken des M42-Nebels besonders eindrucksvoll wahrnehmen.

Unmittelbar nördlich von M42 liegt der Reflexionsnebel M43. Ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak liegt der Reflexionsnebel M78. Unmittelbar östlich von Alnitak liegt der Emissionsnebel NGC 2024. Um diesen Nebel wahrnehmen zu können, benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr, zudem muss man während der Beobachtung von NGC 2024 den Stern Alnitak außerhalb des Gesichtsfelds halten, damit Alnitak den 10000 Mal schwächer leuchtenden NGC 2024 nicht überstrahlt.

Die meisten der hellen Sterne im Sternbild Orion sind sehr jung und massereich. Theta1 Orionis C hat 40 Sonnenmassen und eine Oberflächentemperatur von 45000 °K, ist mit über 340.000 Sonnenleuchtkräften einer der leuchtkräftigsten Sterne in diesem Nebel, seine intensive UV-Strahlung ist eine wesentliche Energiequelle für das Leuchten des Orion-Nebels. 

.

Großer Hund

Südöstlich des Sternbilds Orion funkelt ein heller Stern in allen Farben. Das ist Sirius, der hellste Fixstern des Himmels und der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund. Sirius leuchtet so hell, weil er einer der nächsten Nachbarsterne unserer Sonne ist, und weil er 27 Mal heller leuchtet als unsere Sonne. Er ist nur 8,6 Lichtjahre entfernt. Der zweithellste Stern im Sternbild Großer Hund ist 2,0, helle Mirzam (Beta Canis Maioris). Mirzam ist an sich tausend Mal heller als Sirius, doch er erscheint uns schwächer als Sirius, weil Mirzam ca. sechzig Mal weiter von uns weg liegt als Sirius.
Da das Sternbild Großer Hund im Sternenfeld der Wintermilchstraße liegt, enthält es zahlreiche Offene Sternhaufen. Einer der hellsten dieser Offenen Sternhaufen ist M41, ca. 4° südlich von Sirius. Ebenfalls sehenswert ist der Offene Sternhaufen NGC 2362 der um den Stern Tau Canis Majoris liegt, sowie der Offene Sternhaufen NGC 2360, der ca.7° östlich von Sirius zu finden ist.
Wenn man die Wirkung eines Nebelfilters erleben möchte, ist der galaktische Nebel NGC 2359 dafür ein ideales Objekt. NGC 2359 liegt ca. 1,2° nördlich von NGC 2360. Auch wenn der Nachthimmel ziemlich dunkel und sternenklar ist, nimmt man an dieser Stelle in einem mittelgroßen Fernrohr ohne Nebelfilter nur einen schwachen Stern wahr. Mit Nebelfilter am gleichen Fernrohr wird um den Stern jedoch ein detailreicher Nebel von 10 Bogensekunden Durchmesser erkennbar. Dieser Nebel ist auch unter dem Namen „Thors Helm“ bekannt. Der schwache Stern in ihm ist keineswegs klein, sondern der 15000 Lichtjahre entfernt liegende Wolf-Rayet-Stern WR7. Seine Oberflächentemperatur beträgt 50.000° K.

 

 

Zwillinge

Östlich der Sternbilder Fuhrmann und Stier liegt das Sternbild Zwillinge. Das Sternbild besteht aus zwei parallel liegenden Sternenketten: die nördliche Kette wird aus den Sternen Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) und Tejat Prior (Eta) gebildet. Die südliche Kette besteht aus den Sternen Pollux (Beta), Wasat (Delta), Mekbuda (Zeta) und Alhena (Gamma).
Betrachtet man Castor bei 100-facher Vergrößerung im Fernrohr, zeigt er sich als ein enger Doppelstern. Auch Wasat ist ein sehenswerter Doppelstern, er liegt genau in der Ebene der Ekliptik. 2,3° ostsüdöstlich von Wasat steht auf der Verbindungslinie von Kappa Geminorum nach Lambda Geminorum der helle Planetarische Nebel NGC 2392, der auch als „Eskimonebel“ bekannt ist. Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior finden wir M35, einen sehenswerten Offenen Sternhaufen, der auch in kleinen Fernrohren eindrucksvoll beobachtet werden kann.

nach oben

Anzeige