Erster Überblick um 19:00 …

Über uns sehen wir hoch im Zenit die Sterne des Perseus. Im Westen senkt sich das Pegasusquadrat zum Horizont, Im Südosten steht das markante Sternbild Orion. Links unterhalb des Orions funkelt Sirius niedrig über dem Südosthorizont, er ist der hellste Fixstern des Nachthimmels. Hoch im Osten sehen wir das Sternbild Zwillinge, darunter zeigen sich die hellen Sterne des Sternbilds Löwe. Im Nordosten sehen wir das Sternbild Großer Bär, die gebogene Kette seiner hellen Schwanzsterne zielt auf den Nordhorizont.

 

Pegasus

Um 19:00 sieht man das Sternbild Pegasus ca. 40° über dem westlichen Horizont. Seine drei Hauptsterne Markab (Alpha), Scheat (Beta) und Algenib (Gamma) bilden gemeinsam mit Alpheratz (Alpha Andromedae) das so genannte „Pegasusquadrat“. Das Pegasusquadrat repräsentiert in dem Sternbild den kräftigen Rumpf des geflügelten Zauberpferdes Pegasus. Es wurde von der ungeheuerlichen Medusa geboren, nachdem Perseus ihr mit dem Zauberschwert des Hephaistos den Kopf abgeschlagen hatte. Von unserem Standpunkt aus liegt der himmlische Pegasus auf seinem Rücken, seinen Bauch streckt er nach Norden und erhebt dabei ein Vorderbein zum Sternbild Cepheus. Der 2,5m hellen Stern Enif (Epsilon) liegt im Westen des Sternbilds und repräsentiert hier den Kopf des Pegasus.
Ca. 3° westlich von Enif liegt der sehenswerte Kugelsternhaufen M15. Er ist bereits im Fernglas als rundlicher Nebelfleck sichtbar, doch man benötigt ein Fernrohr ab vier Zoll Öffnung, um M15 in seine Einzelsterne aufgelöst zu sehen.
Markab ist ein 2,5m heller Unterriesenstern der Spektralklasse A0. Er bildet die untere rechte Ecke des Pegasusquadrats. Der 2,4m helle Scheat ist ein Roter Riese, dessen Helligkeit sich unregelmäßig verschiebt. Er bildet die obere rechte Ecke des Pegasusquadrats. Der 2,8m helle Algenib ist ein blauweißer Riesenstern mit 1900 Sonnenleuchtkräften. Er bildet die untere linke Ecke des Pegasusquadrats.
Richten wir den Blick von Scheat ausgehend ca.4°nach Nordwesten, stoßen wir auf den 3m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar liegt die Spiralgalaxie NGC 7331. Da sie ein Objekt 10. Größe ist, kann man diese Galaxie in Fernrohren kleiner Öffnung nur mit geduldigem Beobachten erahnen, im lichtstarken 8-Zoll-Newton ist sie jedoch deutlich wahrnehmbar. NGC 7331 liegt ca. 65 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Bei dunklem, sternklarem Himmel kann man ca. 3° südlich von Markab in lichtstarken Fernrohren (8-Zoll-Newton) die 10,5m helle Balkenspiralgalaxie NGC 7479 auffinden. Die Balkenstruktur dieser 150 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie ist im Okular wahrnehmbar, die von dem Balken abgehenden Spiralarme kann man leider nur in Fernrohren sehr großer Öffnung sehen.

 

Walfisch

Oberhalb des Südwesthorizonts sehen wir zwei helle Sterne. Sie gehören beide zum Sternbild Walfisch. Der obere der beiden ist der 2,5m helle Stern Menkar (Alpha Ceti), er ist der Hauptstern im Sternbild Walfisch. Menkar markiert am Himmel den Kopf jenes Seeungeheuers, das der Sage nach von Perseus getötet wurde, um die jungfräuliche Prinzessin Andromeda davor zu bewahren, im Magen des Ungeheuers zu enden. Der untere helle Stern ist der 2m helle Stern Deneb Kaitos (Beta Ceti). Beta ist ein Roter Unterriese in ca. 65 Lichtjahren Entfernung. Er markiert den Schwanz des Walfisches.
Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira (Omicron Ceti). Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riese, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Derzeit hat Mira ihr Maximum gerade hinter sich und im kommenden August wird Mira für das bloße Auge wieder unsichtbar sein.
Da das Sternbild Walfisch abseits des Milchstraßenbandes liegt, gibt es im Sternbild Walfisch weder auffällige Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Im Fernrohr kann man hier jedoch einige recht helle Galaxien beobachten, z. B. die Spiralgalaxie M 77. Diese 8,8m helle Galaxie liegt ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti, sie ist ca. 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos liegt die Galaxie NGC 247. Sie ist eine 8,9m helle Spiralgalaxie in Kantenlage, ca. 11 Millionen Lichtjahre entfernt. Für die Beobachtung dieser beiden Galaxien sollte man ein Fernrohr mit möglichst viel Öffnung einsetzen, zudem muss der Himmel dafür sternenklar und mondlos sein.

 

Widder

Das Sternbild Widder liegt oberhalb des Sternbilds Walfisch. Es ist hier leicht aufzufinden, denn seine beiden Hauptsterne, der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta), sind sogar an einem durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel deutlich zu sehen. Ca. 10° östlich von Hamal finden wir den 3,7m hellen Stern 41 Arietis. Betrachtet man 41 Arietis im Fernrohr, erweist er sich als Dreifachstern. Ca. 1,5° südlich von Sheratan finden wir den 3,9m hellen Mesarthim (Gamma). Mesarthim zeigt sich im Fernrohr als ein gut erkennbarer Doppelstern aus zwei weißen Sternen, die in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen.
Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse ist der Frühlingspunkt seitdem auf der Ekliptik ca. 37° weiter nach Westen gewandert: heute liegt er am westlichen Rand des Sternbilds Fische. Daher steht die Sonne zur Wintersonnwende heute nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnwende findet man sie nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Zwillinge.
Von einem dunklen Beobachtungsplatz aus kann man bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. Diese Galaxie zeigt im Fernrohr einen kleinen, hellen Kern in einer ausgedehnten, lichtschwachen Halo. NGC 772 liegt 130 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Andromeda

Bei guten Bedingungen können wir an unseren Beobachtungsplatz am Sternenhimmel über uns nun das schimmernde Band der Milchstraße sehen, das vom Nordwesthorizont zum Südosthorizont verläuft. Eingebettet in das Band der Milchstraße liegt oberhalb der beiden Sternbilder Fische und Pegasus das Sternbild Andromeda. Es ist eines der größten Sternbilder am Himmel, denn es ist viel größer als es die Länge der Sternenkette der Andromeda vermuten lässt, welche von Alpheratz (Alpha Andromedae) über Delta Andromedae, Mirach (Beta Andromedae) bis zu Alamak (Gamma Andromedae) reicht.
Im Sternbild Andromeda zieht vor allem unsere große Nachbargalaxie M31 die Aufmerksamkeit auf sich. Bei halbwegs dunklem, klarem Himmel ist das helle Zentrum von M31 nahe bei Ny Andromeda in der Regel mit bloßem Auge wahrnehmbar. Da M31 am Himmel fast 4° überspannt (das entspricht acht Vollmonddurchmessern!), passt diese Galaxie trotz ihrer Entfernung von ca. 25 Trillionen Kilometern nicht in das Gesichtsfeld üblicher Amateurfernrohre. In einem Fernrohr großer Brennweite sieht man von M31 daher nur ihren hellen Zentralbereich sowie die beiden kleineren Begleitgalaxien M32 und M110. Benutzt man für die Beobachtung der Galaxie ein lichtstarkes Fernrohr großer Öffnung, kann man im Okular auch die Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie erkennen.
Im Sternbild Andromeda gibt es auch schwächere Galaxien. Einfach zu finden, aber nicht leicht zu beobachten ist die kleine elliptische Galaxie IC 404. Diese 10m helle Galaxie steht sieben Bogenminuten nordwestlich des 2m hellen Sterns Mirach (Beta Andromedae) und ist hier bei dunklem, klarem Himmel und höherer Vergrößerung gut sichtbar, nachdem man das Fernrohr so ausgerichtet hat, dass Mirach außerhalb des Gesichtsfeldes liegt. IC 404 ist ca. 8 Millionen Lichtjahre entfernt, 40000 Mal weiter weg als Mirach. Sie leuchtet 1600 Mal schwächer als Mirach.
Der 2,3m helle Stern Alamak (Gamma Andromedae) ist ein markanter Doppelstern, den man auch in Fernrohren kleiner Öffnung bei hoher Vergrößerung schön beobachten kann. Der hellere der beiden Partnersterne erscheint im Okular orange, der schwächere Stern erscheint bläulich.
Der Planetarische Nebel NGC 7662 im Sternbild Andromeda ist hell, aber nicht leicht zu finden. Man geht bei der Suche von Scheat (Beta Pegasi) aus. Ca. 14° nördlich von Scheat steht der 3,6m helle Stern Omikron Andromedae. Ca. 6,3° östlich von Omikron steht der 4,5m helle Stern Iota Andromedae. Zieht man am Himmel von Omikron eine Linie zu Iota, stößt man am Himmel nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3m hellen Stern 13 Andromedae. 25 Bogenminuten südwestlich dieses Sterns steht der kleine, aber helle NGC 7662. Im schon im Fernglas sieht man ihn als einen bläulichen Stern, erst bei hoher Vergrößerung im Fernrohr zeigt er sich als ein heller, auffällig blauer Ring. NGC 7662 ist auch als der „Blaue Schneeball“ bekannt. Wenn man NGC 7662 am Fernrohr mit einem UHC-Nebelfilter betrachtet, kommt das blaue Leuchten von NGC 7662 besonders intensiv zur Wirkung.

 

Perseus

Der hellste Stern des Sternbilds Perseus ist der 1,8m helle blauweiße Mirfak. Schaut  man sich Mirfak im Fernglas an, sieht man um ihn viele weitere blauweiße, nadelscharfe Sterne. Das ist der Offene Sternhaufen ’Melotte 20’. Auf der Mitte der Linie von Delta Cassiopeiae zum 3m hellen Stern Gamma Persei liegen die beiden imposanten Offenen Sternhaufen „h“ und „chi“. Sie waren schon in der Antike als „nubeculae“ (auf Deutsch; „Wölkchen“) bekannt, sie beeindrucken jeden Beobachter in jedem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr, das ihm oder ihr ein so großes Gesichtsfeld bietet, dass man beide Haufen darin gemeinsam überblicken kann. Im Fernrohr sollte man nicht weiter als 40fach vergrößern, wenn man mit dem Fernrohr beide Sternhaufen zusammen beobachten möchte.
Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Um ihn zu beobachten, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr möglichst großer Öffnung und eine Vergrößerung >100fach. Die Anzahl der Sterne in NGC 1245 ist sehr hoch, diese Sterne leuchten jedoch alle nur schwach.
Schwenkt man das Fernrohr von Mirfak über NGC 1245 hinaus weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Algol (Beta Persei), dem bekanntesten bedeckungsveränderlichen Stern am Himmel. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für zehn Stunden auf 3,5 m ab.
Fünf Grad nordwestlich von Algol sieht man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Der Sternhaufen ist für die Beobachtung mit dem Teleskop zu groß. Mit dem Teleskop lassen sich die Doppelsterne des Sternhaufens jedoch klarer wahrnehmen. Ca.3,6° südlich von M34 zeigt ein lichtstarkes Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die Galaxie NGC 1023. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er lässt sich auch bei niedrigen Vergrößerungen im Fernrohr leicht in Einzelsterne auflösen. Etwas schwieriger kann manchmal die Beobachtung des Offenen Sternhaufens NGC 1513 werden. Er wird im Fernrohr erst bei höheren Vergrößerungen als eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne wahrnehmbar.
Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Diesen Sternhaufen sollte man in kleineren Fernrohren mit höheren Vergrößerungen beobachten, weil so dann auch seine schwächeren Sterne wahrnehmbar werden.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76: der auch als „Kleiner Hantelnebel“ bekannt ist. Man findet ihn leicht, indem man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) ausgeht. Wenn wir unser Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia schwenken, stoßen wir dabei nach 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi liegt M76. Vor dunklem Himmelshintergrund ist dieser kleine Planetarische Nebel bei mittleren Vergrößerungen auch schon im Fernrohr kleiner Öffnung gut sichtbar. M76 erscheint rechteckig.

 

Stier

Blickt man vom Sternbild Perseus ausgehend nach Süden, wandert der Blick dabei über Zeta Persei zu dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Die Plejaden bilden zusammen mit dem Stern Aldebaran, dem hellsten Stern im Sternbild Stier, das so genannte „Goldene Tor der Ekliptik“.
Die Plejaden werden auch „Siebengestirn“ genannt, obwohl man mit bloßem Auge nur sechs Plejadensterne sehen kann. Manche Himmelslaien verwechseln diesen Sternhaufen mit dem „kleinen Wagen“. In jedem Fernglas und in jedem Spektiv bis 20-facher Vergrößerung bieten die Plejaden einen beeindruckenden Anblick. Für die Betrachtung im Fernrohr ist dieser Offene Sternhaufen viel zu groß. Im Fernrohr lässt sich die blauweiße Farbe der hellen, heißen Sterne dieses Haufens jedoch besser wahrnehmen.
Die Plejaden gehören zum Sternbild Stier. Das Sternbild soll an die antike Sage von Zeus erinnern, der in der Gestalt eines schönen Stiers am Strand von Phönizien die Königstochter Europa sanft dazu verlockte, sich auf seinen bequemen Rücken zu setzen und über den breiten Sandstrand zu reiten. Mit der Jungfrau auf seinem Rücken schritt der Stier gelassen immer tiefer in die Brandung hinaus und schwamm dann übers Meer geradewegs nach Kreta. Daher stellt das Sternbild nur den aus dem Wasser ragenden, nach vorn gebeugten Kopf des Stieres dar, dessen lange Hörner parallel nach Osten weisen.
Der Hauptstern Aldebaran (Alpha Tauri) markiert im Sternbild das feurige Auge des Stiers. In dem Sternbild fällt sofort die dreieckige Anordnung von Sternen um den orangen Aldebaran auf. Diese Sterne markieren den Kopf des Stiers, sie bilden den Kernbereich der Hyaden, eines (nur) 148 Lichtjahre entfernten Offenen Sternhaufens.
Der Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath finden wir Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. Ca.1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1. Dies ist der nur im Fernrohr sichtbare Überrest einer Supernova, deren plötzliches Erscheinen am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen aufgezeichnet wurde. Der Name „M1“ wurde dem Nebel von seinem Entdecker Charles Messier vergeben. Messier war ein geübter Beobachter und fand den Nebel im 18. Jahrhundert mit seinem 3-zölligen Fernrohr. Ist der Himmel durch künstliche Lichtquellen aufgehellt, kann M1 heute selbst in einem Achtzöller nicht mehr erfolgreich gesehen werden. Das Beispiel zeigt, wie sehr das astronomische Beobachten heutzutage durch die künstliche Himmelsaufhellung behindert wird.

 

Fuhrmann

Das Sternbild Fuhrmann nähert sich gegen 21:00 dem Zenit. Sein Hauptstern Capella ist 0,1m hell, er ist der vierthellste Stern des nördlichen Himmels. Das Sternbild enthält die Offenen Sternhaufen M36, M37 und M38. Sie sind so hell, dass sie schon im 8x50-Sucherfernrohr zu sehen sind, in jedem Fernrohr sind sie ein beeindruckender Anblick.
Wir finden M38 auf der Mitte der Linie zwischen Theta und Iota Aurigae. M37 finden wir links der Mitte einer gedachten Linie von Theta Aurigae zu Nath. M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38.
Abgesehen von diesen häufig beobachteten Offenen Sternhaufen bietet das Sternbild noch andere schöne Deep-Sky-Objekte. Ca. 0,5° südlich von M38 liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907. Ein weiteres lohnenswertes Objekt im Fuhrmann ist NGC 2281, er ist der hellste Offene Sternhaufen des Sternbilds. NGC 2281 liegt auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor, er ist hier ca. 9° von Menkalinan entfernt.
Bei hoher Vergrößerung im Fernrohr größerer Öffnung kann man ca. 1° westlich von M36 im Fernrohr den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 wahrnehmen. Wenn wir unser Fernrohr bei hoher Vergrößerung auf Theta Aurigae richten, erweist sich dieser 2,6 m helle Stern als ein enger Doppelstern.
Der Stern Omega Aurigae ist ein weiterer sehenswerter Doppelstern des Sternbilds Fuhrmann. Der Stern Omega ist leicht zu finden, denn er ist der hellste Stern auf der Linie von Eta nach Iota Aurigae.
Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt der 3m helle Almaaz (Epsilon Aurigae). Almaaz ist ein berühmter bedeckungsveränderlicher Stern. Alle 27 Jahre schwächt hier die dunkle Staubscheibe eines durch den Staub verhüllten Begleitsterns das Licht von Epsilon ca. 2 Jahre lang auf 3,8m ab. Epsilon ist ein Überriese von ca. 30 Sonnenmassen, er hat eine Oberflächentemperatur von 7800 °C, leuchtet 47000 mal heller als die Sonne und liegt ca. 2000 Lichtjahre entfernt.

 

Orion

Unterhalb des Stiers sehen wir das markante Sternbild Orion. Es enthält viele helle und leuchtkräftige Sterne sowie markante Doppelsterne, galaktische Nebel und Sternentstehungsgebiete.
Im so genannten „Gürtel des Orion“ finden wir schöne Doppelsterne: der rechte Gürtelstern Mintaka (Delta Orionis) ist ein Vierfachsystem vom Algol-Typ. Der linke Gürtelstern Alnitak (Zeta Orionis) ist ein Dreifachsystem. Zwischen Mintaka und Rigel (Alpha Orionis) liegt der Stern Eta Orionis, er ist ein enger Doppelstern aus zwei blauen Sternen. Auch Rigel, der rechte Fußstern des Orion, ist ein Doppelstern. Die Sterne Sigma Orionis (ca. 0.8°südlich von Alnitak) sowie Theta Orionis (im „Orionnebel“ M42) sind ebenfalls Mehrfachsysteme: Der Stern Sigma hat vier Komponenten. Der Stern Theta Orionis zeigt sich im kleinen Fernglas als Doppelstern aus den beiden Sternen Theta1 und Theta2. Im Fernrohr zeigt sich Theta1 bei hoher Vergrößerung vierfach: Theta1 ist das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Im Teleskop großer Öffnung kann man Theta1 bei hoher Vergrößerung unter günstigen Bedingungen sogar aus sieben Sternen bestehend sehen. Auch Theta2 erweist sich im Fernrohr als Doppelstern.
Das Sternbild Orion ist jedoch vor allem für seine galaktischen Nebel berühmt. Das sind der „Orion-Nebel“ M42 sowie die Nebel M43, NGC2024 und M78.
Der “Orionnebel“ M42 ist der eindruckvollste Gasnebel, der von der Nordhalbkugel aus zu sehen ist, er ist schon mit bloßem Auge wahrnehmbar und ist bereits im kleinen Fernglas eindeutig als ein Nebel um den Stern Theta1 erkennbar. Bei dunklem, sternklarem Himmel sind die vom Licht der im Nebel eingelagerter Sterne beleuchteten, weit ausgreifenden „Schwingen“ des M42 am Fernrohrokular schlichtweg faszinierend. M42 ist in klaren Winternächten in jedem Fernglas und in jedem Fernrohr ein beeindruckendes Beobachtungsobjekt. Wenn man bei der Beobachtung ein UHC-Filter einsetzt, kann man das grünliche Leuchten der durch heiße Sterne ionisierten Gaswolken des M42-Nebels besonders eindrucksvoll wahrnehmen.
Unmittelbar nördlich von M42 liegt der Reflektionsnebel M43. Ein weiterer Reflexionsnebel ist M78, er liegt ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak. Nahe bei Alnitak ist der Emissionsnebel NGC 2024 zu finden, um diesen Nebel wahrnehmen zu können benötigt man ein lichtstarkes Fernrohr und muss während der Beobachtung des Sterns Alnitak außerhalb des Gesichtsfelds halten, damit er den Nebel nicht überstrahlt.
Die meisten hellen Sterne im Sternbild Orion sind sehr jung und massereich. Der Stern Theta1 Orionis C ist mit über 340.000 Sonnenleuchtkräften einer der leuchtkräftigsten Sterne und bildet die Hauptenergiequelle für das Leuchten des Orion-Nebels.

 

Großer Hund

Südöstlich des Sternbilds Orion funkelt der Stern Sirius in allen Farben, er ist der hellste Fixstern des Himmels und der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund. Sirius leuchtet so hell, weil er einer der nächsten Nachbarsterne unserer Sonne ist, und weil er 27 Sonnenleuchtkräfte hat. Der zweithellste Stern im Sternbild Großer Hund ist Mirzam (Beta Canis Maioris). Mirzam ist an sich tausend Mal heller als Sirius, doch uns erscheint er schwächer als Sirius, weil Mirzam neunzig Mal weiter als Sirius von uns entfernt liegt.
Da das Sternbild Großer Hund im Sternenfeld der Wintermilchstraße liegt, enthält es zahlreiche Offene Sternhaufen. Einer der hellsten dieser Sternhaufen ist M41, wir finden ihn 4° südlich von Sirius. Ebenfalls sehenswert ist der Offene Sternhaufen NGC 2362 der um den Stern Tau Canis Majoris liegt, sowie der Offene Sternhaufen NGC 2360, der ca.7° östlich von Sirius zu finden ist.
Hat man einen Nebelfilter zur Verfügung, kann man die Wirkung eines solchen Filters am galaktischen Nebel NGC 2359 erfahren. Dieser Nebel liegt ca. 1,2° nördlich von NGC 2360. Auch wenn der Himmel ausreichend dunkel und klar ist, nimmt man hier im mittelgroßen Fernrohr ohne Nebelfilter nur einen schwachen Stern wahr. Mit Nebelfilter wird um den Stern jedoch ein detailreicher Nebel von 10 Bogensekunden Durchmesser erkennbar. Er ist auch unter dem Namen „Thors Helm“ bekannt.

 

Zwillinge

Östlich von Fuhrmann und Stier sehen wir das Sternbild Zwillinge. Das Sternbild setzt sich aus zwei parallelen Sternenketten zusammen: die nördliche Kette wird von Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) und Tejat Prior (Eta) gebildet. Die südliche Kette besteht aus Pollux (Beta), Wasat (Delta), Mekbuda (Zeta) und Alhena (Gamma).
Castor ist ein schöner, enger Doppelstern. Auch Wasat ist ein schöner Doppelstern, er liegt genau in der Ebene der Ekliptik. 2,3° ostsüdöstlich von Wasat steht auf der Verbindungslinie von Kappa Geminorum nach Lambda Geminorum der helle Planetarische Nebel NGC 2392, der auch als „Eskimonebel“ bekannt ist. Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior finden wir M35, einen sehenswerten Offenen Sternhaufen, der auch in kleinen Fernrohren eindrucksvoll beobachtet werden kann.

 

 

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