Erster Überblick um 19:30

Hoch über uns sehen wir nun das Sternbild Fuhrmann mit seinem Hauptstern Capella. Südlich davon wandert der Orion durch den Meridian. Über dem südlichen Horizont funkelt lebhaft der Stern Sirius im Sternbild Großer Hund. Über dem Osthorizont sind die Sterne des Sternbilds Löwe aufgegangen. Nordöstlich des Löwen sehen wir die Sterne des Großen Wagens. Im Nordwesten erkennen wir das markante „Himmels-W“ des Sternbilds Cassiopeia, sowie die Sterne des Sternbilds Kepheus. Wenn unser Beobachtungsplatz auf dem Land fern von beleuchteten Ortschaften liegt, oder auf einer abgelegenen Hochfläche im Mittelgebirge unter sternklarem Himmel, können wir über uns vielleicht schon das matt schimmernde Band der Milchstraße wahrnehmen, das sich vom nordwestlichen Horizont durch den Zenit zum südöstlichen Horizont zieht.

 

Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia sehen wir im März nach Sonnenuntergang hoch über dem nordwestlichen Horizont. Mit einem Fernrohr lassen sich hier einige sehenswerte Offene Sternhaufen betrachten. Einer davon ist NGC 457, der um den 5,6m hellen Stern Phi Cassiopeiae liegt. Wir finden ihn leicht, indem wir die Linie von Epsilon Cassiopeiae über Delta Cassiopeiae über den Stern Delta hinaus um ca. 2 Grad verlängern. NGC 457 ist auch unter seinem alten Namen „Eulenhaufen“ bekannt, denn mit etwas Phantasie erinnert die Anordnung der Sterne dieses Sternhaufens im Okular des Fernrohrs an eine kleine Eule, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügeln keck anfunkelt. Der Stern Phi Cassiopeiae stellt eines der Augen der kleinen Eule dar. Phi ist ein Blauer Überriesenstern in über 5000 Lichtjahren Entfernung, dank seiner 400000 Sonnenleuchtkräfte ist er aus dieser Distanz unter günstigen Bobachtungsbedingungen gerade eben noch mit dem bloßen Auge sichtbar.

Sehenswert ist auch der Offene Sternhaufen M103, den wir ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta) finden. Diesen Sternhaufen sollte man mit einem lichtstarken Fernrohr beobachten, weil man damit die Sternfarben der einzelnen Sterne dieser Sternhaufen deutlicher wahrnehmen kann. Bei höherer Vergrößerung wird der Himmelshintergrund dunkler, sodass die schwächeren Sterne dieses Sternhaufens deutlicher hervortreten.

Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne hinaus, findet man dort im lichtstarken Fernglas oder Fernrohr auf den Offenen Sternhaufen M52. Dieser Sternhaufen ist sehr sternreich, seine vielen Sterne sind jedoch nicht hell. Dadurch hebt sich M52 vor dem Hintergrund der sternreichen Milchstraße wenig ab. Der Sternhaufen ist ca. 35 Millionen Jahre alt und befindet sich daher noch am Beginn seiner Entwicklung.

Zwischen den Doppelsternen Rho Cassiopeiae und Sigma Cassiopeiae liegt der Offene Sternhaufen NGC 7789. Auch er enthält Hunderte lichtschwacher Sterne. Diesen Sternhaufen kann man sehr gut beobachten, wenn der Nachthimmel klar und mondlos ist und man ein lichtstarkes Fernrohr einsetzt. NGC 7789 ist ca. 8000 Lichtjahre entfernt und mehr als eine Milliarde Jahre alt.

 

Perseus

Das Sternbild Perseus sehen wir gegen 21:00 noch nahe dem Zenit. Schaut man sich im Fernglas den 1,8m hellen Hauptstern Mirfak (Alpha Persei) an, sieht man von vielen hellen, blauweißen Sternen umgeben: das ist der Offene Sternhaufen Melotte 20. Er liegt ca. 600 Lichtjahre von uns entfernt. Auf der Mitte der Linie von Ruchba (Delta Cassiopeiae) nach Gamma Persei erahnt man bei klarem Nachthimmel mit dem bloßen Auge einen matten Schimmer, den schon der antike Astronom Ptolemäus als „nubeculum“(deutsch: Wölkchen) kannte. Im Fernglas erscheint dieser Schimmer als zwei nebelhafte Lichtwölkchen, im lichtstarken Fernrohr zeigen sie sich als zwei prächtige Offene Sternhaufen. Diese beiden Sternhaufen heißen „h und chi“, sie bieten in jedem Fernrohr und Fernglas einen eindrucksvollen Anblick. Sehr viel lichtschwächer, aber erheblich sternreicher als h und chi ist der Offene Sternhaufen NGC 1245, den man ca. 3° südlich von Mirfak mit einem lichtstarken Fernrohr wahrnehmen kann.
Ca. 9° südlich von Mirfak stößt man auf den 2,1m hellen Algol (Beta Persei). Algol repräsentiert im Sternbild Perseus das Haupt des Ungeheuers Medusa. Der Stern Algol ist der berühmteste bedeckungsveränderliche Stern. Seine Helligkeit fällt nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden zehn Stunden lang von 2,1m auf 3,5m ab.

Fünf Grad nordwestlich von Algol sieht man im Fernglas den großen Offenen Sternhaufen M34. Für eine Beobachtung mit dem Teleskop ist M34 zu groß. Betrachtet man M34 dennoch mit dem Teleskop, kann man damit einige Doppelsterne in diesem Sternhaufen besser sehen.
Ca. 3,6° südlich von M34 kann man am dunklen, sternklaren Nachthimmel im lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die Galaxie NGC 1023 erahnen. Ihre Kernregion erscheint im Fernrohr wie ein Stern. NGC 1023 liegt 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, sie ist 7500 Mal weiter von uns weg als h und chi.

Ca. 2,2° ostnordöstlich von Algol liegt die elliptische Galaxie NGC 1275, sie ist die hellste Galaxie des „Perseus-1“ Galaxienhaufens. NGC 1275 ist ca. 200 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Man braucht einen dunklen, klaren Neumondhimmel und ein Fernrohr ab 10 Zoll Öffnung, um diese Galaxie sehen zu können.

Ca. 12° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er lässt sich im Fernrohr auch bei niedrigen Vergrößerungen gut in Einzelsterne auflösen.
Etwas schwieriger ist die Beobachtung des Offenen Sternhaufens NGC 1513. Man muss am Fernrohr eine hohe Vergrößerung verwenden, um die ringförmige Anordnung seiner schwachen Sterne erkennen zu können. Wir finden NGC 1513 ca. 8° östlich von Mirfak, der Sternhaufen liegt hier auf der Linie von Mirfak zu Capella.

Der Offene Sternhaufen NGC 1342 liegt auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei. Diesen Sternhaufen sollte man mit höheren Vergrößerungen beobachten, damit sich auch seine schwächeren Sterne vom Himmelshintergrund abheben können.

Nahe der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt Planetarische Nebel M76, der auch als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt ist. Um ihn zu  finden, gehen wir vom 2,3m hellen Alamak (Gamma Andromedae) aus. Wir schwenken unser Fernrohr von Alamak in Richtung auf Gamma Cassiopeia und stoßen hierbei nach 7,5° auf den 3,5m hellen, rötlichen Stern 51 Andromedae. Zwei Grad nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Wir finden M76 liegt 1° nördlich von Phi. Bei dunklem Himmel ist dieser kleine Planetarische Nebel auch schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen gut zu sehen. Der Nebel hat eine rechteckige Form.

 

Fuhrmann

Das Sternbild Fuhrmann steht nun hoch über unseren Köpfen. Sein Hauptstern Capella ist der vierthellste Stern des nördlichen Himmels. Das Sternbild enthält die vier hellen Offenen Sternhaufen M36, M37, M38 und NGC2281, die in jedem Fernrohr sehr lohnende Beobachtungsobjekte sind. In der Regel sind sie schon im 8x50-Sucher als matte Nebelwölkchen zu erkennen.

M38 finden wir auf der Mitte der Linie vom 2,7m hellen Stern Theta zum 2,7m hellen Hassaleh (Iota Aurigae). M37 finden wir ca. 2° östlich der Mitte der Linie von Theta Aurigae zu Nath (Beta Tauri). M36 liegt ungefähr in der Mitte der Linie von M37 zu M38. NGC 2281 finden wir auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor (Alpha Geminorum), in einem Winkelabstand von ca. 9° zu Menkalinan. NGC 2281 zeigt sich im Fernrohr bei niedriger Vergrößerung als eine lockere Ansammlung blauweißer Sterne, er ist der hellste Offene Sternhaufen im Fuhrmann.

Außer diesen bekannten Offenen Sternhaufen bietet der Fuhrmann noch weitere sehenswerte Deep-Sky-Objekte. Ca. 0,5° südlich von M38 liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907. Ca. 1° westlich von M36 kann man bei hoher Vergrößerung im Fernrohr den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 beobachten. Betrachtet man mit dem Fernrohr bei hoher Vergrößerung den 2,6m hellen Stern Theta Aurigae, entpuppt er sich als ein enger Doppelstern: Theta Aurigae hat einen 7,1m hellen Begleiter im Abstand von 3,6 Bogensekunden. Ein weiterer sehenswerter Doppelstern im Fuhrmann ist der 5,0m helle Stern Omega Aurigae. Omega ist der hellste Stern auf der Linie von Epsilon Aurigae nach Iota Aurigae und ist daher leicht zu finden.

Epsilon Aurigae ist der Stern an der Spitze des spitzwinkligen Dreiecks aus drei 3m heller Sternen, ca. 3,5° westlich von Capella. Epsilon ist ein bedeckungsveränderlicher Stern, dessen beide Partner einander in 27 Jahren einmal umkreisen, wobei der hellere Stern regelmäßig für über zwei Jahre von seinem dunkleren Partner teilweise verdeckt wird. Dadurch sinkt die Helligkeit von Epsilon von 3m auf 3,6m ab. Die letzte Verdunkelungsperiode endete 2011, seitdem weiß man durch umfassende Beobachtungen, dass der dunklere Partner kein Stern ist, sondern die riesige Staubscheibe eines von dieser Staubscheibe vollständig verhüllten Partnersterns.

 

Stier

Blickt man in vom Sternbild Perseus nach Süden, wandert der Blick dabei über den Stern Zeta Persei und landet bei dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Mit dem bloßen Auge sieht man hier 6 Sterne, dennoch werden die Plejaden oft als das „Siebengestirn“ bezeichnet. Manche Menschen nennen diesen Sternhaufen auch den „Kleinen Wagen“. Der „Kleine Wagen“ ist jedoch der volkstümliche Namen für das Sternbild „Kleiner Bär“, und das liegt weit nördlich der Plejaden, beim Polarstern.

Die Plejaden sind in jedem Fernglas und in jedem kleinen Fernrohr bis 20-facher Vergrößerung sehr schön anzusehen. Für die Betrachtung im Fernrohr ist dieser Offene Sternhaufen zu groß. Mit dem Fernrohr ist jedoch die blauweiße Farbe der hellsten und heißen Sterne dieses Sternhaufens besser wahrnehmbar als im Fernglas.

Die Plejaden gehören zum Sternbild Stier. Griechische Astronomen haben dieses Sternbild erstmals im 4. Jahrhundert vor Christus beschrieben. Es soll an die antike Sage von Zeus und sein Zusammentreffen mit der jungen phönizischen Königstochter Europa erinnern. Zeus verwandelte sich darin in einen sanften weißen Stier und entführte Europa aus dem Kreis ihrer Freundinnen vom Strand des Mittelmeers. Die arglose Europa kletterte auf den breiten Rücken des Stiers, um auf ihm zu reiten. Der Stier schritt danach lässig durch die aufspritzende Brandung ins Meer hinaus und schwamm mit der verblüfften Jungfrau geradewegs bis nach Kreta, wo er sich ihr als Gottvater Zeus zu erkennen gab und sie verführte. Der Sage nach soll der König Minos von Kreta das Resultat dieser Verführung sein.
Passend zu dieser alten Sage zeigt das Sternbild Stier nur den aus dem Wasser ragenden Kopf des Stiers, der in Richtung Westen blickt, sodass dessen lange Hörner nach Osten weisen.

Der auffälligste Bereich in diesem Sternbild ist die dreieckige Anordnung von helleren Sternen um den orangefarbenen Hauptstern Aldebaran (Alpha Tauri). Diese Sterne bilden den Kernbereich des ausgedehnten Offenen Sternhaufens der Hyaden, der nur 148 Lichtjahre entfernt ist. Der Stern Aldebaran ist jedoch kein Haufenmitglied, da er ist nur 70 Lichtjahre entfernt ist.

Der 1,6m helle Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath finden wir den 3m hellen Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. Ca.1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M 1. Das ist der Überrest einer Supernova, deren helles Aufleuchten am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen aufgezeichnet wurde. Den Namen „M 1“ erhielt der Nebel 1756 von seinem Entdecker Charles Messier. Messier war ein geübter Beobachter und fand den Nebel damals mit einem kleinen Fernrohr von effektiv 3 Zoll Öffnung am Pariser Nachthimmel. Heute kann man M1 heute selbst in einem Achtzöller am durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Himmel kaum noch wahrnehmen.

 

Orion

Unterhalb des Sternbilds Stier sehen wir das Sternbild Orion. Es ist auffällig, da es relativ viele helle Sterne enthält, die miteinander ein charakteristisches Muster bilden. Außerdem liegen im Orion attraktive Galaktische Nebel mit vielen Details, die am Fernrohr bei guten Beobachtungsbedingungen zu längeren Beobachtungen einladen.

Die bekanntesten Nebel im Sternbild Orion sind der „Orionnebel“ M42 und die Reflexionsnebel M43 (bei M42), NGC 2024 (bei Alnitak) und M78: Im März wird wohl keine klare Beobachtungsnacht vorübergehen, ohne dass man einen langen Blick auf den prächtigen M42 werfen möchte. Wenn man dabei einen Nebelfilter (UHC oder OIII) einsetzt, zeigen sich die vielfältigen Nebelstrukturen des Orionnebels besonders detailliert. M42 ist ein großes Sternentstehungsgebiet in ca.1400 Lichtjahren Entfernung.

Das Sternbild Orion bietet auch viele sehenswerte Doppelsterne. Dazu gehören z. B. Mintaka (der rechte Gürtelstern), Alnitak (der linke Gürtelstern), Eta (zwischen Mintaka und Rigel, dem rechten Fußstern), und auch Rigel selbst. Die Sterne Sigma (direkt südlich von Alnitak) und Theta (im Orionnebel) sind Mehrfachsysteme: Der Stern Sigma besteht aus vier Komponenten, Theta zeigt sich schon im Fernglas als ein Doppelstern aus den beiden Sternen Theta1 und Theta2.
Betrachtet man Theta2 im Fernrohr, erweist er sich als Doppelstern. Betrachtet man Theta1 im Fernrohr, zeigt er sich darin bei höheren Vergrößerungen als Vierfachstern, denn Theta1 ist das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Wenn man Theta1 im Fernrohr größerer Öffnung bei dunklem und transparentem Himmel und hoher Vergrößerung beobachtet, zeigt er sich darin als ein System aus bis zu 7 Sternen. Die hellste Komponente darin ist Theta1 C, dieser junge Stern hat 400.000 Sonnenleuchtkräfte, seine Oberflächentemperatur beträgt 45000° K,  und ist eine der wesentlichen Energiequellen für das Leuchten des Orion-Nebels.

 

Großer Hund

Südöstlich des Sternbilds Orion sehen wir einen in allen Farben funkelnden hellen Stern. Das ist der -1,7m helle Sirius, der scheinbar hellste Fixstern am irdischen Nachthimmel. Dass Sirius uns so hell erscheint, liegt vor allem daran, dass er nur 8,6 Lichtjahre von uns entfernt ist. Er ist der nächstgelegene Fixstern, der von Mitteleuropa aus sichtbar ist. Ca. 5,5° westlich von Sirius liegt der 2,0m helle Stern Mirzam (Beta Canis Maioris). Mirzam liegt neunzig Mal weiter von uns entfernt als Sirius, und er ist tausend Mal leuchtkräftiger als Sirius. Doch wegen seiner größeren Entfernung erscheint uns Mirzam als der schwächere Stern.
Das Sternbild Großer Hund liegt in der Wintermilchstraße. Daher enthält es zahlreiche Offene Sternhaufen. Einer der Markantesten ist M 41, er liegt 4° südlich von Sirius. Sehenswert sind auch die Offenen Sternhaufen NGC 2362 um den Stern Tau Canis Majoris, und NGC 2360, der ca.7° östlich von Sirius liegt.

 

Achterschiff

Unmittelbar östlich des Sternbilds Großer Hund leuchtet über dem südlichen Horizont der helle Stern Rho Puppis. Er ist einer der hellsten Sterne des Sternbilds Achterschiff (Puppis) Dieses Sternbild ist der hintere Teil des Sternbilds Argo, welches in der Antike zum Andenken an das sprechende Schiff Argo erfunden wurde. Der Argonautensage zufolge segelte der spartanische Held Jason mit Herkules und den Zwillingen Castor und Pollux nach Kolchis und stahl dort das Goldene Vlies. Von Mitteleuropa aus ragt von dem Sternbild Argo nur der nördliche Teil seines Achterschiffs (Puppis) im Frühling über den Horizont.

Ist der Nachthimmel ausreichend klar, kann man in dieser Himmelsregion trotz seiner horizontnahen Lage einige schöne Offene Sternhaufen auffinden, die hier in der  Wintermilchstraße eingebettet sind.
In einem lichtstarken Fernglas oder in einem kleinen Fernrohr kann man hier die Offenen Sternhaufen M46 und M47 sehen. Sie liegen beide ca. 12° östlich von Sirius. Ca. 1,5° nordwestlich von Xi Puppis kann man im Fernrohr den Offenen Sternhaufen M93 betrachten. Im kleinen Fernrohr kann man den Offenen Sternhaufen NGC 2539 sehen, der rings um den 4m hellen Stern 19 Puppis liegt, ca. 11,5° nördlich von Rho Puppis.

 

Einhorn

Das Sternbild Einhorn liegt östlich des Sternbilds Orion. Betrachtet man es mit dem bloßen Auge, fällt es einem nicht auf, denn es enthält nur relativ schwache Sterne. Doch da es mitten im Band der Wintermilchstraße liegt, enthält das Sternbild von diesen schwachen Sternen besonders viele. Zudem gibt es dort ausgedehnte Sternentstehungsgebiete, Emissionsnebel, Offene Sternhaufen und einige sehenswerte Doppelsterne.
Der 3,8m helle Stern Beta Monocerotis ist z. B. ein sehenswertes Dreifachsystem, dessen Anblick im Fernrohr den Astronomen Wilhelm Herschel 1787 so begeistert hat, dass er ihn „eines der schönsten Objekte des Nachthimmels“ nannte. Der Stern 15 Monocerotis zeigt sich im Fernrohr als ein Vielfachsystem aus sechs bläulichen Komponenten. Der 4,4m helle Stern Epsilon Monocerotis ist ein markanter Doppelstern: der schwächere Partnerstern ist gelb, der hellere Partnerstern ist weiß. Auch die Sterne 14 Monocerotis, Delta Monocerotis, 24 Monocerotis und Zeta Monocerotis sind Doppel- bzw. Mehrfachsterne. Der Stern Zeta Monocerotis ist über tausend Lichtjahre entfernt und besteht aus mehreren orangen Partnersternen.

Im Fernrohr zeigt sich der Offene Sternhaufen NGC 2264 bei niedriger Vergrößerung als eine Anordnung heller Sterne, die sehr an einen erleuchteten Weihnachtsbaum erinnert. Um diesen Eindruck zu haben, muss man bei der Beobachtung jedoch auf das Zenitprisma verzichten, weil dieser „Weihnachtsbaum“ bei der Betrachtung durch ein Zenitprisma auf seiner Spitze stehend erscheint. Als „Weihnachtsbaumständer“ fungiert in diesem Sternhaufen der 4,5m helle Stern 15 Monocerotis. Dieser Stern ist ein junger, massereicher und heißer Hauptreihenstern mit einer absoluten Helligkeit von -5m, er liegt ca. 1000 Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 2,2° nördlich von Beta Monocerotis kann man mit dem Fernglas neben dem 5m hellen Stern 10 Monocerotis den lockeren Offenen Sternhaufen NGC 2232 sehen.

 

Zwillinge

Östlich der beiden Sternbilder Fuhrmann und Stier sehen wir hoch am Himmel das Sternbild Zwillinge. Sehr auffällig sind in diesem Sternbild die beiden hellen Sterne Castor (1,9m hell) und Pollux (1,1m hell). Das Sternbild besteht aus zwei parallelen Sternenketten: die nördliche Kette zieht sich von Castor (Alpha) über den 3m hellen Mebsuta (Epsilon) und dem 2,9m hellen Tejat Posterior (My) zum 4,5m hellen Tejat Prior (Eta). Die südliche Kette besteht aus Pollux (Beta), dem 3,5m hellen Wasat (Delta), dem 3,8m hellen Mekbuda (Zeta) und endet beim 1,9m hellen Alhena (Gamma).

Im Fernrohr bei hoher Vergrößerung zeigt sich Castor als ein enger Doppelstern. Auch Wasat erscheint als Doppelstern, er liegt genau in der Ebene der Ekliptik. Zwei Grad ostsüdöstlich von Wasat kann man im Fernrohr den Planetarischen Nebel NGC 2392 finden, der auch unter dem Namen „Eskimonebel“ bekannt ist. Sein Winkeldurchmesser ist etwas kleiner als der des  berühmten „Ringnebels“ im Sternbild Leier, der Eskimonebel hat jedoch eine etwas größere Flächenhelligkeit als der Ringnebel. Bei der Beobachtung von NGC 2392 sollte man die höchste Vergrößerung wählen, die das verwendete Fernrohr zulässt. In Fernrohren kleiner Öffnung kann der eigentliche Nebel um den 11m hellen Zentralstern nur mit der Technik des „indirekten Sehens“ wahrgenommen werden. Hat man ein Fernrohr ab 10 cm Öffnung zur Verfügung, ist bei der Beobachtung dieses Planetarischen Nebels ein Nebelfilter hilfreich, weil der Nebel damit heller und kontrastreicher sichtbar ist.

Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior liegt der große Offene Sternhaufen M35. Man kann ihn bereits mit Fernrohren kleiner Öffnung sehr gut sehen.

Falls man ein lichtstarkes Fernrohr zur Verfügung hat, kann man damit den Offenen Sternhaufen NGC 2420 beobachten. Man findet NGC 2420 wie folgt: Von Wasat ausgehend schwenkt man ca. 1,7° ostsüdöstlich zum 5,9m hellen Stern 63 Geminorum. 2,5° östlich vom Stern 63 Geminorum entdeckt man NGC 2420 als einen kleinen Sternhaufen aus zahlreichen schwachen Sternen. Um NGC 2420 zu beobachten, ist eine hohe Vergrößerung erforderlich.

 

Krebs

Östlich des Sternbilds Zwillinge liegt das Sternbild Krebs. Da das Sternbild Krebs nur schwache Sterne enthält, kann man es am hellen Stadthimmel mit dem bloßen Auge meist nicht sehen. Ist man auf dem Land unter einem sternklaren und dunklen Himmel, erkennt man mit bloßem Auge im Sternbild Krebs ein schwaches Nebelwölkchen, das schon mit einem Fernglas leicht in einzelne Sterne aufgelöst erscheint. Dies ist der Offene Sternhaufen M 44, der bereits seit der Antike den Namen „Präsepe“ hat, was auf Deutsch „Krippe“ bedeutet. Nördlich und südlich von M 44 sehen wir zwei Sterne 4. Größe: Sie heißen Asellus Borealis (Gamma Cancri) und Asellus Australis (Delta Cancri). „Asellus“ ist das lateinische Wort für Eselchen, denn die Astronomen der Antike sahen in den beiden Sternen die zwei kleinen Lastesel des Weingottes Dionysos, die gemeinsam aus einer Krippe, nämlich M44, fressen.

Ein weiterer sehenswerter Offener Sternhaufen im Sternbild Krebs ist M67. Er befindet sich 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). M67 gehört zu den ältesten Offenen Sternhaufen unserer Milchstraße.

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