Übersicht gegen 2:00

Gegen 2:00 sieht man das Sternbild Bootes fast im Zenit. Hoch im Osten steht nun das kleine Sternbild Leier, und darunter ist auch schon das Sternbild Schwan aufgegangen. Das Sternbild Adler erhebt sich bereits über den Osthorizont. Tief im Südosten kann man Antares erkennen, den Hauptstern des Sternbilds Skorpion.

 

 

Sternbild Nördliche Krone

Östlich des Sternbilds Bärenhüter sieht man einen nach Norden geöffneten Bogen aus fünf Sternen. Das ist das kleine Sternbild Nördliche Krone. Sein 2,2m heller Hauptstern trägt den lateinischen Namen „Gemma“, was auf Deutsch „Edelstein“ bedeutet. Gemma liegt in 75 Lichtjahren Entfernung und leuchtet mit 60 Sonnenleuchtkräften. Er hat eine Oberflächentemperatur von 9500 Kelvin, ähnlich wie Sirius. Bei großer Luftunruhe funkelt Gemma manchmal in allen Farben, ähnlich wie Sirius. Ca. 3,5° östlich von Gemma liegt der 4,6m helle Stern Delta Coronae Borealis, und 2° nördlich von Delta liegt der Veränderliche Stern R Coronae Borealis. In unregelmäßigen Abständen stößt dieser Stern R gewaltige Rußwolken aus, die sein rotes Licht verdüstern. Durch diese Wolken kann der Stern spontan für mehrere Monate oder sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. In dem Fall kann man den sonst im kleinen Fernglas mühelos erkennbaren Stern R Coronae Borealis sogar in einem lichtstarken Fernrohr nicht mehr wahrnehmen.

 

Sternbild Herkules

Das Sternbild Herkules liegt östlich des Sternbilds Nördliche Krone. Sein Hauptstern Ras Algethi (Alpha) liegt im Südteil des Sternbilds Herkules, nahe beim Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Bei hoher Vergrößerung zeigt sich Ras Algethi im Fernrohr ab 20 cm Öffnung als ein enger, schöner Doppelstern: der eine Partnerstern ist orange, der andere Partnerstern leuchtet grünlich.
Zieht man eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis, findet man im lichtstarken Fernglas nach einen Drittel dieser Linie ein mattes, rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab 10 cm Öffnung und bei einer Vergrößerung > 80-fach erweist sich das Nebelbällchen als eine kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der 6m helle Kugelsternhaufen M13, einer der hellsten Kugelsternhaufen des nördlichen Himmels. Er wurde 1714 von Edmond Halley entdeckt und liegt ca. 22.000 Lichtjahre von uns entfernt.
Auch der 4,8m helle Stern 95 Herkulis ist ein hübscher Doppelstern. Er liegt ca. 7° südlich von Theta Herculis. Seine beiden Partnersterne haben einen Abstand von sechs Bogensekunden voneinander, daher sind sie schon in kleinen Fernrohren deutlich getrennt zu sehen. Die beiden Partnersterne haben unterschiedliche Farben, die von verschieden Beobachtern sehr verschieden beschrieben wurden: als golden, hellgelb oder weiß.
Schwenkt man den Blick vom 3,2m hellen Stern Pi Herkulis ausgehend um 6,3° nach Norden, stößt man dort mit dem Fernglas auf den Kugelsternhaufen M92. Er ist so hell wie M13, unterscheidet sich jedoch von M13 dadurch, dass die Sterne im Zentrum von M92 enger beieinander stehen.
Schwenkt man sein Fernrohr von Kornephoros (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, stößt man im Okular bei niedriger Vergrößerung auf einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern in einem Feld anderer schwacher Sterne. Bei 150-facher Vergrößerung erweist sich das blaugrünliche Sternchen als eine blaugrünliche Scheibe mit einem zentralen, weißen Sternchen. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210.

 

Sternbilder "Schlangenträger" und "Schlange"

Das große Sternbild Schlangenträger liegt zwischen den Sternbildern Herkules und Skorpion. Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist 2,1m helle Stern Ras Alhague, er liegt im Norden des Sternbilds und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden hellen Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers. Die hellen Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Sternbilds Schlangenträger sieht man den nach Norden gerichteten Hals des Sternbilds Schlange, markiert durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Das kleine Dreieck aus den Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk stößt man im lichtstarken Fernglas auf ein rundliches Wölkchen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Bereits in einem kleinen Fernrohr mit nur 63 mm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst beobachten. Man kann M5 auch auf andere Weise sehr bequem finden, indem man sein Fernrohr von Zubeneschemali (Beta Librae) aus 11,5° nach Norden schwenkt.
Östlich des Sternbilds Schlangenträger befindet sich der nach oben gerichtete Schwanz des Sternbilds Schlange, markiert durch die Sterne My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya zeigt sich bereits in kleinen Fernrohren als ein hübscher Doppelstern. Beide Partnersterne von Alya sind gleich hell und weiß.
Das Sternbild Schlangenträger enthält die Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Bei günstigen Bedingungen kann man sie sind bereits mit einem lichtstarken Fernglas wahrnehmen, denn sie sind ähnlich hell wie die Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior und wird schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst. M10 findet man ca.10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb. In der Himmelsregion südlich von Sabik gibt es ein gutes Dutzend schwächerer Kugelsternhaufen, die man dort mit einem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr aufspüren kann. Durch den Südteil des Sternbilds zieht sich Sternenband der Milchstraße, daher liegen hier sehr viele Sterne und eingebettete Dunkelwolken. In mondlos sternklaren Nächten kann man dort im lichtstarken Fernglas und in lichtstarken Fernrohren viele reizvolle Beobachtungen machen.

 

Sternbild Kleiner Bär

Das Sternbild Kleiner Bär ist ein kleines Sternbild, das am nördlichen Sternenhimmel zwischen den drei Sternbildern Cepheus, Giraffe und Drache liegt. Thales von Milet führte das Sternbild um 600 v. Chr. in die Astronomie ein. Er lernte es von den phönizischen Seefahrern kennen, die es bei ihrer Navigation auf dem offenen Meer benutzten. Der hellste Stern in diesem Sternbild ist der Polarstern, der dicht beim Himmelsnordpol liegt. Auch heute noch benutzt man den Polarstern, um in der Nacht zu erkennen, wo Norden ist.
Am aufgehellten Stadthimmel kann man vom Sternbild Kleiner Bär in der Regel nur der Polarstern (Alpha) und seine beiden Sterne Kochab (Beta) und Phercad (Gamma) sehen. Unterm dunklen Landhimmel sind in der Regel aber auch die schwachen Sterne des Kleinen Bären gut sichtbar.
Die vier Sterne Kochab, Phercad, Zeta und Eta markieren die Eckpunkte eines rechteckigen Kastens, an den eine lange, nach oben gebogene Kette aus den drei Sternen Epsilon, Delta und dem Polarstern hängt. Wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Großen Wagen nennt man das Sternbild Kleiner Bär volkstümlich auch den „Kleinen Wagen“.
Der Polarstern ist 2,0m hell. Viele Himmelslaien nehmen irrtümlich an, dass der Polarstern der hellste Stern am Himmel sei. Tatsächlich steht der Polarstern in der Liste der hellen Sterne des Himmels lediglich an der 47sten Stelle. Der Polarstern leuchtet mit 5000 Sonnen-leuchtkräften, seine Entfernung beträgt ca. 400 Lichtjahre. Er ist ein Stern der Spektralklasse F7, er ist ein veränderlicher Riesenstern aus der Klasse der Cepheiden. Seine Cepheiden-Pulsationsfrequenz beträgt 3,9696 Tage, seine Helligkeit schwankt derzeit jedoch nur noch um 0,01m. Außerdem ist der Polarstern ein Doppelstern, sein Partnerstern ist 8,6m hell, steht in einem Winkelabstand von 18 Bogensekunden und ist blau. Die beiden Sterne ziehen gemeinsam mit der gleichen Geschwindigkeit und in der gleichen Richtung durchs Weltall, im gegenseitigen Abstand von ca. 300 Milliarden Kilometern.

 

Sternbild Waage

Das Sternbild Waage liegt zwischen dem Sternbild Skorpion und dem Sternbild Jungfrau. Es wird von Mitteleuropa aus wenig beobachtet, da es dort nur einen maximalen Horizontabstand von ca. 20° erreicht. Seine beiden hellsten Sterne heißen Zubenelgenubi (Alpha Librae) und Zubeneschemali (Beta Librae).
Das Sternbild Waage ist eine Erfindung der Römer. Ursprünglich gehörten seine Sterne zum Sternbild Skorpion, wo sie die beiden Scheren des Skorpions darstellten. Das kann man an den Namen der hellsten Sterne dieses Sternbilds erkennen: Zubenelgenubi kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Südliche Schere“, und Zubeneschemali bedeutet „Nördliche Schere“.
Ca. 9° nordöstlich vom 2,8m hellen Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, dessen Partnersterne man bereits im Fernglas deutlich getrennt sehen kann, sie zeigen einen schönen Farbkontrast.
Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Delta ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt Deltas Helligkeit für sechs Stunden um eine Größenklasse auf 5,5m ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der 8,5m helle Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn gut zu beobachten, braucht man jedoch ein lichtstarkes Fernrohr mit einer möglichst großen Öffnung. Seine Sterne stehen relativ zerstreut.

 

 

Sternbild Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Daher überqueren die beiden Sternbilder fast gleichzeitig den Meridian. Von Mitteleuropa aus ist nur der nördliche Teil des Sternbilds Skorpion sichtbar, denn der südliche Teil des Sternbilds bleibt dort bei seinem Meridiandurchgang unter dem Südhorizont. Um die Sterne des Skorpions sehen zu können, muss der Sternenhimmel bis hinab zum Horizont klar sein. Daher eignen sich Beobachtungsplätze mit freier Sicht nach Süden auf einer Hochfläche im Mittelgebirge oder hoch in den Bergen am besten für Beobachtungen im Sternbild Skorpion.
Im Sternbild Skorpion liegen viele helle Sterne. Der hellste Stern ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt und ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen. Er leuchtet mit 10000 Sonnenleuchtkräften und einen Durchmesser von mehr als einer Milliarde Kilometern. Antares ist außerdem ein Doppelstern: sein 5,5m heller Partnerstern ist blauweiß und heiß, er leuchtet mit 170 Sonnenleuchtkräften. Er hat drei Bogensekunden Abstand vom Hauptstern und kann mit Fernrohren ab 10 cm Objektivdurchmesser gesehen werden. Ca. 8,5° nordwestlich von Antares steht der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein schöner Doppelstern, dessen beide 4,2m und 7,3m hellen Partnersterne schon in kleinen Fernrohren gut getrennt zu sehen zu sehen sind. Sie liegen 600 Lichtjahre entfernt, der hellere Partner hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Im kleinen Fernrohr erweist sich Alniyat als Doppelstern. Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, und hat über 4000 Sonnenleuchtkräfte. Sein Begleiter ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand von seinem helleren Partnerstern.
Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht auffällig hell und enthält deutlich weniger Sterne als die meisten anderen am Himmel beobachtbaren Kugelsternhaufen. M4 ist jedoch nur 7000 Lichtjahre entfernt, er ist der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen. Daher kann man M4 mit jedem kleinen Fernrohr in viele Sterne aufgelöst sehen.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Dieser Sternhaufen ist eigentlich einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel, doch da M6 von Mitteleuropa aus gesehen horizontnah bleibt, nimmt man ihn hier weniger hell wahr als am tropischen Nachthimmel. Im Fernglas kann man die hellsten Sterne von M6 recht gut wahrnehmen, in einem lichtstarken Fernrohr sieht man in M6 bei klarem Sternenhimmel über 100 Sterne, deren Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert. Darum heißt dieser Sternhaufen auch „Schmetterlingshaufen“.

 

Sternbild Schütze

Gegen 4:30 nähert sich das Sternbild Schütze tief über dem Südhorizont allmählich dem Meridian.
Die Anordnung der hellsten Sterne des Sternbilds Schütze erinnert Beobachter spontan an eine große bauchige Teekanne mit Deckel. In den USA kennt man das Sternbild Schütze daher auch als “Teapot“. Der 3m helle Stern Nash (Gamma Sagittarii) bildet hier die Spitze der kurzen Ausgusstülle, die Sterne Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta markieren den rundlichen Körper der Kanne, und der 2,8m helle Stern Lambda markiert den Knopf auf der Mitte des abgeflachten "Teekannendeckels".
Falls man während das Meridianpassage des Sternbilds unter einem sternklaren und halbwegs dunklen Landhimmel steht, kann man mit bloßem Auge ca. 2,5° nordöstlich von Lambda einen matten Lichtschimmer erkennen. Dieser Lichtschimmer erweist sich beim Blick durch ein kleines Fernrohr als ein heller Kugelsternhaufen, dessen Randzonen in diesem kleinen Fernrohr bereits in einzelne Sterne aufgelöst werden. Das ist M22, der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel der Nordhalbkugel. Leider liegt M22 von Mitteleuropa aus gesehen relativ horizontnah, wenn das Sternbild Schütze kulminiert. Daher wird dieser große Kugelsternhaufen dort viel seltener beobachtet als z. B. der Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules.
Wenn man von einem günstig gelegenen Beobachtungsplatz auf dem Land aus beobachtet, kann man am sternklaren Nachthimmel ca. 6° nördlich von Nash manchmal schon mit bloßem Auge einen kleinen nebelartigen Fleck wahrnehmen. Das ist M8, der berühmte „Lagunennebel“. Im Fernrohr zeigt sich M8 als ein matt leuchtender großer Gasnebel mit eindrucksvoll strukturierten Dunkelwolken. Darin eingebettet liegt der Offene Sternhaufen NGC 6530, der sich im Fernrohr mit vielen nadelfeinen Sternen zeigt.
Ca. 1,5° nordwestlich von M8 kann man M20 wahrnehmen, den „Trifidnebel“. Bei günstigen Beobachtungsbedingungen sieht man ihn schon im kleinen Fernrohr als eine matt leuchtende Nebelwolke, vor der dunkle Staubbänder liegen, durch welche die Nebelwolke in drei Teile aufgeteilt wird.

 

 

Sternbild Steinbock

Das Sternbild Steinbock liegt östlich des Sternbilds Schütze. Am westlichen Rand des Sternbilds Steinbock sieht man bereits mit dem bloßen Auge einen auffälligen Doppelstern. Das ist der 3,9m helle Stern Algiedi (Alpha). Seine beiden Partnersterne (Alpha 1 und Alpha 2) sind jedoch kein physisches Paar, die beiden Sterne liegen von uns aus gesehen nur zufällig in derselben Richtung. Betrachtet man beide Sterne im Fernrohr, erweist sich darin jeder dieser Partnersterne seinerseits als ein Doppelstern, wobei die Partnersterne jedes einzelnen Doppelsternpaars jedoch sehr leuchtschwach ist.
Ca. 2,5° südöstlich von Algiedi liegt der 3 m helle Stern Dabih (Beta). Dabih ein echter physischer Doppelstern, wobei seine beiden Partnersterne ungleich gefärbt sind. Die beiden Partnersterne stehen 210 Bogensekunden voneinander, man kann sie daher bereits mit dem Fernglas schön getrennt sehen. 
Die beiden hellsten Objekte in diesem Sternbild sind derzeit der -2,1m helle Jupiter und der 0,8m helle Saturn. Falls es keinen störenden Horizontdunst gibt und die Luftruhe hinreichend gut ist, kann man sie im Fernglas am Morgendämmerungshimmel ab 4:30 wahrnehmen.
 

Sternbild Leier

Das Sternbild Leier ist zwar eines der kleinsten Sternbilder, es ist am Himmel dennoch besonders leicht aufzufinden, da die 0,0m helle Wega sein Hauptstern ist. Wega ist einer der hellsten Sterne am Nachthimmel. Sie ist ein Stern der Spektralklasse A0 und liegt ca. 25 Lichtjahre entfernt. Sie strahlt mit 37 Sonnenleuchtkräften und ist ca. 400 Millionen Jahre alt. Daher ist Wega einer der nächstgelegenen und zugleich jüngsten Nachbarsterne in der Umgebung unserer Sonne.
Südlich der Wega liegt ein markanter kleiner Sternenrhombus, der den Korpus der Leier bildet. Er besteht aus dem Doppelstern Zeta Lyrae, dem Doppelsternsystem Delta Lyrae, aus dem Stern Gamma Lyrae und aus Sheliak (Beta Lyrae). Die Region um Delta Lyrae zeigt im Fernrohr kurzer Brennweite einen jungen Offenen Sternhaufen, der ca. 800 Lichtjahre entfernt ist. Delta Lyrae 2 ist ein Doppelstern, dessen beiden Partner 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben. Beta ist ein bedeckungsveränderlicher Stern in 880 Lichtjahren Entfernung, dessen beide ungleich hellen Partner einander einmal in 12,94 Tagen umkreisen und sich dabei regelmäßig gegenseitig bedecken. Zwischen den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der 8,5m helle Planetarische Nebel M57, der berühmte „Ringnebel“.
Ca. 1,6° nordöstlich von Wega liegt ein 4m heller Stern, den man schon dem bloßen Auge als leicht länglich sieht. Das ist Epsilon Lyrae. Im Fernglas erweist sich Epsilon als ein Doppelstern. Betrachtet man Epsilon im Fernrohr jedoch ca. 100-fach vergrößert, zeigt sich darin jeder der beiden Partnersterne Epsilons seinerseits als Doppelstern doppelt. Epsilon Lyrae besteht somit tatsächlich aus vier Sternen, die einander paarweise in Jahrhunderten umkreisen.

 

 

Abschluss

Bereits um 5:00 können sich am Himmel die ersten Spuren der aufziehenden Morgendämmerung zeigen. Dann wird Nachthimmel unmerklich heller und verliert an Tiefe. Dadurch verlieren die Himmelsobjekte im Fernrohr ihre Brillanz, und das Beobachten der Objekte verliert seinen Reiz. Im trüben Licht der aufziehenden Morgendämmerung kann man am Boden kleine Steine und Grasbüschel wahrnehmen. Bald tönt sich der Osthimmel zart rosa. Spätestens dann wird die Beobachtungsnacht ihr Ende finden. Dann wird es Zeit, einzupacken. Dabei muss man trotz der Müdigkeit sehr umsichtig vorgehen.
Findet man auf den kalten Fernrohrtuben Tautropfen, muss man die Fernrohre mit Handtüchern abtrocknen, bevor man die Fernrohre behutsam von ihren Montierungen lösen und in ihre Transportkisten packen kann. Danach muss man die Geräte, Montierungen, Stative, Zubehörkoffer und Campingmobiliar transportsicher zwischen Wolldecken im Kofferraum verstauen. Während am Himmel nun auch die hellen Sterne verblassen, erfolgt ein letzter Check am Beobachtungsplatz, um sicher zu stellen, dass man dort nichts zurückgelassen hat, und dann steigt man ins Auto.
Der Motor springt an, die Scheinwerfer leuchten auf, das Heizungsgebläse rauscht los. Zwischen Hecken und leeren Weideflächen folgt man dem Weg unterm Morgendämmerungshimmel zur einsam liegenden Kreisstraße, und auf dieser rollt man umsichtig auf langen Kurven gemächlich hinab ins Tal, durch den stillen dunklen Wald, und weiter, nach Hause.

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