Überblick gegen 2:00

Im Osten sind bereits die Wintersternbilder Stier, Orion und Zwillinge aufgegangen und im  Nordwesten sinkt das Sternbild Herkules unter den Horizont. Das Sternbild Walfisch passiert den Meridian. Im Südwesten geht der Stern Formalhaut im Horizontdunst unter. Das Sternbild Cassiopeia steht nun hoch im Zenit.

 

Fuhrmann

Der hellste Stern im Sternbild Fuhrmann ist Capella (Alpha Aurigae). Capella ist der vierthellste Stern am nördlichen Sternenhimmel, der Stern liegt 38 Lichtjahre von uns entfernt.
Das Sternbild Fuhrmann enthält die hellen Offenen Sternhaufen M36, M37 und M38. Sie sind auch in kleinen Fernrohren sehr beeindruckende Beobachtungsobjekte. Am sternklaren mondlosen Nachthimmel sind diese Sternhaufen in der Regel bereits im Sucherfernrohr 8 x 50 deutlich wahrnehmbar.
M38 liegt auf der Mitte der Linie zwischen Theta und Iota Aurigae. M37 finden wir links der Mitte einer gedachten Linie von Theta zum Stern Nath. M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38. Neben diesen bekannten Sternhaufen bietet der Fuhrmann weitere schöne Deep-Sky-Objekte. Der Offene Sternhaufen NGC 1907 liegt 0,5° südlich von M38. Der Offene Sternhaufen NGC2281 ist der hellste Sternhaufen im Fuhrmann. Er liegt auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor (Alpha Geminorum), ca. 9° von Menkalinan entfernt.
Wenn wir unser Fernrohr mit hoher Vergrößerung auf Theta richten, erweist sich dieser 2,6 m helle Stern als enger Doppelstern. Ein weiterer sehenswerter Doppelstern im Sternbild Fuhrmann ist Omega Aurigae, Omega ist leicht zu finden, denn er ist der hellste Stern zwischen den beiden hellen Sternen Eta Aurigae und Iota Aurigae.
Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt ein spitzwinkliges Dreieck aus hellen Sternen. Die  Spitze dieses Dreiecks bildet der 3m helle Stern Almaaz (Epsilon Aurigae). Epsilon ist ein berühmter Bedeckungsveränderlicher. Das Licht von Epsilon wird durch die Staubscheibe eines unsichtbaren Begleiters alle 27 Jahre für ca. 2 Jahre auf 3,8m abschwächt. Epsilon ist ein Überriese von ca. 25 Sonnenmassen, er ist ca. 2000 Lichtjahre entfernt und leuchtet mit 47.000 Sonnenleuchtkräften.

 

Stier

Lässt man vom Sternbild Perseus ausgehend den Blick Richtung Süden schweifen, wandert er über den hellen Stern Zeta Persei zu den Plejaden. Dieser große Offene Sternhaufen wird auch als „Siebengestirn“ bezeichnet, und manche Himmelslaien nennen ihn den „Kleinen Wagen“. Die Bezeichnung „Kleiner Wagen“ ist jedoch der volkstümliche Name für das Sternbild Kleiner Bär, und das liegt ganz woanders.
Die Plejaden sind bereits mit bloßem Auge sehr gut zu sehen. In jedem Fernglas und in jedem Spektiv bis 20facher Vergrößerung sind sie ein imposanter Anblick. Für die Betrachtung in Fernrohren ist dieser Sternhaufen viel zu groß. Im Fernrohr kommt jedoch der blauweiße Farbton der hellen, heißen Sterne dieses Sternhaufens schön zur Geltung.
Die Plejaden sind Gestalten aus der altgriechischen Mythologie. Sie sollen an die sieben wunderschönen Töchter des Titanen Atlas erinnern, welche von den olympischen Göttern fürsorglich an den Himmel versetzt wurden, um sie dort vor dem lüsternen Orion zu schützen. An dieser Stelle waren sie jedoch dem verführerischen Charme der Götter ausgesetzt, sodass schließlich fast alle Plejaden zu Müttern von Götterkindern wurden.
Der Sternhaufen der Plejaden ist heute ein Teil des Sternbilds Stier. Das Sternbild Stier soll an den Göttervater Zeus erinnern, als er in Gestalt eines sanften Stiers am Strand von Phönizien die Jungfrau Europa auf seinen breiten Rücken klettern ließ, worauf er sie zielstrebig übers Meer nach Kreta entführte. Das Sternbild repräsentiert daher nur den aus dem Wasser ragenden, nach vorne gebeugten Kopf des Stiers, dessen lange Hörner nach Osten weisen.
Auffällig ist im Sternbild Stier die dreieckige Anordnung von Sternen um den orangefarbenen Hauptstern Aldebaran (Alpha Tauri), welcher das rötliche Auge des Stiers darstellt. Diese dreieckige Sternengruppe bildet den Kernbereich des Offenen Sternhaufens der Hyaden, er ist der nächstgelegene Offene Sternhaufen und ist nur 148 Lichtjahre entfernt. Im lichtstarken Fernglas bieten die Hyaden einen beeindruckenden Anblick.
Der 1,6m helle Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath finden wir den 3m hellen Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. 1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1, der sichtbare Überrest einer Supernova, deren Aufleuchten am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen registriert wurde. Sie überschritt damals die Helligkeit der Venus und war zeitweise am Taghimmel zu sehen
Der Name „M1“ wurde dem Nebel von seinem Entdecker Charles Messier gegeben. Messier war ein geübter Beobachter und entdeckte den Nebel im 18. Jahrhundert mit seinem 3-zölligen Fernrohr am Pariser Nachthimmel. Ist der Nachthimmel durch künstliches Licht oder den Mond aufgehellt, kann M1 heute auch in einem Achtzöller nicht mehr erfolgreich gesehen werden.

 

Krebs

Das Sternbild Krebs ist sehr unauffällig. Es liegt zwischen den viel markanteren Sternbildern Löwe und Zwillinge. Daher wird es meist übersehen, da es nur lichtschwache Sterne enthält. Das Sternbild ist ein Tierkreissternbild und war in der Antike bedeutsam, da damals die Sonne zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende in diesem Sternbild stand. Noch heute heißt der nördliche Wendekreis „Wendekreis des Krebses“. Heutzutage befindet sich die Sonne zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende im Sternbild Stier.
Ist der Nachthimmel dunkel und sternenklar, kann man mit bloßem Auge zwischen den leuchtschwachen Sternen des Sternbilds ein schwaches Nebelwölkchen wahrnehmen, das schon im Fernglas 10 x 50 in über ein Dutzend einzelne Sterne aufgelöst wird. Das ist der Offene Sternhaufen M44, der seit dem Altertum unter dem Namen Präsepe (auf Deutsch: „Futterkrippe“) bekannt ist. Nördlich und südlich von M44 stehen zwei Sterne 4. Größe: der nördliche der beiden heißt Asellus Borealis (Gamma Cancri) und der südliche heißt Asellus Australis (Delta Cancri). Asellus ist das lateinische Wort für Eselchen: diese beiden Sterne stellen am Himmel die beiden legendären Eselchen des Dionysos dar, die gemeinsam aus einer Krippe, nämlich M44, fressen. Dionysos war der Gott des Weines. Wenn er zu betrunken war, um nach Hause zu finden, trugen ihn seine beiden treuen Eselchen sicher bis zu seinem Bett. Darum wurden sie samt ihrer Futterkrippe an den Himmel versetzt.
Ein weiterer recht heller Offener Sternhaufen im Krebs ist M67. Er liegt 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri), dem vierthellsten Stern im Sternbild Krebs. M67 ist einer der ältesten Offenen Sternhaufen in unserer Galaxis.

 

Luchs

Ein weiteres unauffälliges Sternbild  ist das Sternbild Luchs. Es liegt am Himmel zwischen den bekannteren Sternbildern Krebs, Großer Bär, Fuhrmann und Zwillinge. Obwohl das Sternbild Luchs am Himmel eine größere Fläche einnimmt als das Sternbild Zwillinge, wird das Sternbild Luchs kaum beachtet, denn sein hellster Stern ist nur 3,1m hell: Das ist der Stern Alpha Lyncis, ein Roter Riesenstern der Spektralklasse F5. Wir finden ihn in der südöstlichen Ecke des Sternbilds, auf der Mitte der Linie von Epsilon Leonis zu Kappa Ursae Majoris. Alle übrigen Sterne im Luchs sind erheblich schwächer. Im Teleskop erweisen sich viele dieser schwachen Sterne jedoch als sehenswerte Doppelsterne.
Ca. 2,5° nördlich von Alpha Lyncis sehen wir den engen Doppelstern 38 Lyncis. Seine beiden 3,9m und 6,2m hellen Partner stehen im Abstand von 2,7 Bogensekunden zueinander und bieten bei hoher Vergrößerung einen schönen Farbkontrast.
Der Stern 31 Lyncis ist ein 4,3m heller Riese der Spektralklasse K5, er steht ca. 12,5° nordwestlich von 38 Lyncis. Weitere 24,5° nordwestlich von 38 Lyncis finden wir 2 Lyncis, einen 4,5 m hellen weißen Stern der Spektralklasse A0. Dieser Stern markiert den östlichen Rand des Sternbilds Luchs. Damit haben wir das Sternbild Luchs der Länge nach durchmessen.
Ca. 1° südöstlich des Sterns 2 Lyncis finden wir den Stern 5 Lyncis, das ist ein Doppelstern aus zwei Roten Riesen. Ca. 2,4° nordöstlich des Sterns 5 Lyncis liegt das schöne Dreifachsystem 12 Lyncis, es besteht aus drei weißen Sternen, die im Dreizöller bei 120facher Vergrößerung sehr schön getrennt werden.
Im Sternbild Luchs gibt es keine Offenen Sternhaufen, weil es abseits der Milchstraße liegt. Dadurch gibt es in diesem Sternbild weder auffällig helle Sterne, noch Dunkelwolken, welche den Blick auf dahinter liegende Himmelsobjekte behindern können. Somit bietet das Sternbild Luchs in einer sternklaren Neumondnacht gute Voraussetzungen für die erfolgreiche Beobachtung von lichtschwachen Deep-Sky-Objekten.
Schwenkt man ausgehend von Castor im Sternbild Zwillinge ca. 7° nach Norden, kann man am dunklen Sternenhimmel im lichtstarken Achtzöller bei 60facher Vergrößerung ein schwaches Nebelwölkchen erkennen. Dies Wölkchen ist NGC 2419, der mit 230.000 Lichtjahren am weitesten vom Zentrum der Milchstraße entfernt liegende Kugelsternhaufen. Seine Helligkeit beträgt nur 10,5m. Erst in Teleskopen großer Öffnung kann man die  Randbereiche von NGC 2419 in einzelne Sterne aufgelöst sehen, die hellsten Sterne dieses Sternenhaufens erreichen eine Helligkeit von 13,5m.
Zieht man am Himmel von Iota Cancri eine Linie zu Theta Ursae Majoris, findet man auf dieser Linie in einem Abstand von 4,6° von Iota Cancri die 9,6m helle Spiralgalaxie NGC 2683. Da ihre Flächenhelligkeit hoch ist, kann sie bereits in Fernrohren ab 3 Zoll Öffnung gut beobachtet werden. Sie erscheint in Kantenlage und hat keinen stellaren Kern, ihre Entfernung beträgt ca. 20 Millionen Lichtjahre. Sie ist auch unter dem Namen „UFO-Galaxie“ bekannt.

 

Abschluss

Spielt bei der Beobachtung das Wetter mit, ist die Müdigkeit nicht zu groß, hat man genug Zeit und ist warm genug angezogen und gut vorbereitet, kann man den Sternenhimmel in der Oktobernacht lange erforschen. Doch solche Bedingungen hat selten.
Irgendwann wird es Zeit, den Beobachtungsplatz zu räumen und seine Geräte im Auto zu verstauen, und das muss man dann womöglich im Dunkeln schnell und dennoch mit Umsicht tun.
Beim Abbauen der Geräte tut eine Stirnlampe gute Dienste. Man sollte Handtücher bereit haben, um gegebenenfalls taunasse Fernrohrtuben abzutrocknen. Sind alle Utensilien und Okulare in ihre Transportkoffer geräumt, verstaut man diese nebst den Stativen, Fernrohren, Campingstühlen, zwischen Wolldecken gepolstert im Kofferraum. Abschließend sollte man den Beobachtungsplatz noch einmal mit Taschenlampen absuchen, um sicherzustellen, dass man dort nichts zurück lässt.
Dann fährt man über die einsamen nächtlichen Straßen durch dunkle Wälder nach Hause. Da jederzeit auf der Straße mit Wildtieren gerechnet werden muss, fährt man gemächlich, lässt die Eindrücke der Beobachtung Revue passieren und freut sich auf sein warmes Bett.

 

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