Erster Überblick eine Stunde nach Sonnenuntergang ...

Wenn wir eine Stunde nach Sonnenuntergang in den Himmel schauen, sehen wir über uns die hellen Sterne des Sommerdreiecks: die Wega im kleinen Sternbild Leier, den Deneb im großen Sternbild Schwan, und den Altair im Sternbild Adler. Westlich der Leier steht das Sternbild Herkules hoch am Himmel, darunter sieht man über südwestlichen Horizonts die Sternbilder Schlangenträger und Schlange. Unterhalb dieser beiden Sternbilder erahnt man im Horizontdunst die helleren Sterne des Skorpions. Im Südosten sind schwach die Sterne des Wassermanns zu sehen. Hoch im Osten steht das Sternbild Pegasus, im Nordosten zeigt sich der helle Stern Capella. Zwischen dem Sternbild Pegasus und dem Stern Capella kann die die hellen Sterne des Sternbilds Perseus wahrnehmen.

Tief im Nordwesten erblickt man die Sterne des Großen Wagens. Über dem Westhorizont leuchtet orange der Stern Arktur im Bärenhüter.

 

 

Drache

Ca. 15° nördlich der Wega sehen wir ein markantes Dreieck aus drei hellen Sternen: Es sind Rastaban (Beta Draconis), Eltanin (Gamma Draconis) und Grumium (Xi Draconis), sie stellen gemeinsam den Kopf des Sternbilds Drache dar. Von diesen Kopfsternen ausgehend zieht sich das Sternbild Drache als eine gewundene Sternenkette zunächst nach Norden. Ihr erster Teil besteht aus den Sternen Altais (Delta Draconis) und Tyl (Epsilon Draconis). Danach neigt sie sich von Tyl aus in einem Bogen aus den Sternen Chi, Eta, Zeta und Jota nach Südwesten. Über die Sterne Thuban (Alpha Draconis), Kappa und Lambda Draconis steigt sie dann wieder zu nördlicheren Breiten auf, um schließlich unweit des Polarsterns zu enden. Diese lange Sternkette repräsentiert den Rumpf und den Schwanz des unermüdlichen Drachens Ladon. Den Sagen der klassischen Antike zufolge hatte die Göttin Hera dem Ladon befohlen, sich als ein mächtiger Wächter um ihren kostbaren Baum mit den goldenen Äpfeln der Hesperiden zu legen. Anschließend ließ sie den Herkules damit beauftragen, drei goldene Äpfel von diesem extrem gut bewachten Baum für sie zu stehlen. Herkules löste die Aufgabe, indem er den Drachen mit Giftpfeilen tötete und anschließend den Titanen Atlas mittels einer List dazu brachte, drei goldene Äpfel von dem Baum zu pflücken und sie zu ihm zu bringen.
Vom 6. bis 10. Oktober markiert der 3m helle Stern Altais den Ausstrahlungspunkt des Meteorstroms der Delta-Draconiden. Dieser schwache Meteorstrom erreicht sein diesjähriges Maximum voraussichtlich am 9. Oktober gegen 20:00.
Bei sternklar mondlosem Himmel kann man ca. 15° nördlich des Sterns Eltanin mit einem Fernglas 10x50 in einem Feld zahlreicher schwacher Sterne ein bläuliches Sternchen wahrnehmen. Wenn man sich dieses Sternchen bei mittlerer Vergrößerung im Fernrohr anschaut, sieht es darin wie ein bläuliches Scheibchen aus. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6543. Er ist in der Astronomie als der „Katzenaugennebel“ bekannt. Da er eine hohe Flächenhelligkeit hat, kann man diesen Nebel im Fernrohr sehr gut mit hoher Vergrößerung beobachten. NGC 6543 liegt ca. 3200 Lichtjahre von uns entfernt. Sein heller Zentralbereich hat einen Durchmesser von 20 Bogensekunden.
Falls man ein Fernrohr größerer Öffnung zur Verfügung hat, kann man damit im Sternbild Drache bei 100facher Vergrößerung die Galaxie NGC 6503 wahrnehmen. Wir finden sie fast auf der Mitte der Linie von Zeta Draconis nach Chi Draconis, und zwar etwas näher zu Chi, NGC 6503 ist ca. 10,5m hell und zeigt sich bei hoher Vergrößerung als eine matte Spindel. Sie liegt am Rande unserer Lokalen Galaxiengruppe und ist ca. 17 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 4° südöstlich von Iota Draconis kann man mit etwas Glück in Fernrohren ab vier Zoll Öffnung bei klarem, dunklem Himmel die 9,9m helle Galaxie NGC 5866 sehen. Diese Galaxie ist auch unter dem Namen M102 bekannt. Sie ist linsenförmig und liegt ca. 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Herkules

Das Sternbild Herkules ist das fünftgrößte Sternbild des Himmels. Es liegt westlich des kleinen Sternbilds Leier, doch obwohl es groß ist und relativ helle Sterne enthält, ist es unauffällig. Man findet es, indem man die Strecke vom Stern Arktur zum Stern Wega in drei Teile teilt. Von Wega ausgehend liegt das Sternbild Herkules auf dieser Stecke am Übergang zum zweiten Drittel.
Der Hauptstern des Sternbilds heißt Ras Algethi (Alpha Herculis), er steht am südlichen Rand des Sternbilds und stellt den Kopf des Herkules dar. Das Sternbild Herkules steht von Mitteleuropa aus betrachtet auf dem Kopf.
Ras Algethi ist ein enger Doppelstern, dessen beide Partnersterne im Fernrohr bei hoher Vergrößerung getrennt gesehen werden können, wobei sie einen schönen Farbkontrast zeigen: der eine Partnerstern ist orange, der andere erscheint blaugrün. Je mehr Öffnung das Fernrohr hat und je höher damit vergrößert wird, desto eindrucksvoller ist der Anblick.
Ein weiterer sehenswerter Doppelstern im Herkules ist der 4,8m helle Stern 95 Herculis. Wir finden ihn ca. 7° südlich von Theta Herculis. Die beiden Partnersterne von 95 Herkulis stehen in einem Abstand von 6 Bogensekunden voneinander und sind schon in kleinen Fernrohren getrennt zu sehen. Die beiden Partnersterne leuchten golden bzw. weiß.
Im Sternbild Herkules liegen zwei der hellsten Kugelsternhaufen des nördlichen Himmels. Den 6m hellen M13 finden wir auf der Verbindungslinie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis, und zwar von Eta Herkulis aus gesehen nach dem ersten Drittel dieser Strecke. Man kann M13 bereits in einem kleinen Fernglas als ein nebliges Fleckchen wahrnehmen. In Fernrohren ab vier Zoll Öffnung kann man die Randbereiche dieses Kugelsternhaufens in zahlreiche Einzelsterne aufgelöst sehen. M13 ist ca. 25000 Lichtjahre entfernt. In Fernrohren großer Öffnung unter dunklem Sternenhimmel kann M13 einen Anblick bieten, den man nie mehr vergisst.
Der zweite helle Kugelsternhaufen im Herkules ist der 6,5m helle M92. Er liegt ca. 6,3° nördlich von Pi Herkulis. Im Vergleich zu M13 stehen die Sterne im Zentrum von M92 dichter beisammen als die Sterne im Zentrum von M13, ansonsten erscheinen die beiden Kugelsternhaufen gleich hell. Dennoch wird M92 viel seltener beobachtet als M13.
Schwenkt man sein Fernrohr von Kornephoros (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, fällt im Okular bei 50facher Vergrößerung einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern inmitten eines Feldes schwacher Sterne auf. Steigert man die Vergrößerung nun auf 150x, erweist sich der Stern als eine kleine blaugrünliche Scheibe mit einem winzigen zentralen, weißen Stern. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Sein Durchmesser ist sehr klein, er hat jedoch eine hohe Flächenhelligkeit.
 

Cepheus

Das Sternbild Cepheus geht in unseren Breiten nie unter. Man kann es daher in jeder Nacht am Himmel sehen, dennoch wird es von Amateurastronomen wenig beachtet, denn es ist nicht auffällig. Um es zu finden, muss man sich am Himmel in Ruhe orientieren. Man findet es am schnellsten, indem man den Blick vom Sternbild Schwan aus in einer geraden Linie in Richtung des Sternbilds Cassiopeia wandern lässt, das Sternbild Cepheus liegt nördlich dieser Linie. Hat man diesen Bereich lokalisiert, springt dem Betrachter die besondere Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbildes ins Auge, denn sie erinnert an das bekannte Muster „Haus des Nikolaus“, mit den fünf Ecksternen Alderamin (Alpha), Alfirk (Beta), Alrai (Gamma), Iota und Delta. Der 3,3m helle Stern Zeta bildet hierbei die untere linke Ecke.
Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei finden wir den unauffälligen, 4m hellen, rötlichen My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern, er hat 1400 Sonnendurchmesser und ist einer der absolut größten und rötesten Sterne am Himmel. Wegen seiner rötlichen Farbe ist er auch als „Granatstern“ bekannt.

Der ca. 4m helle Stern Delta Cephei liegt 2,5° östlich von Zeta. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der „Cepheiden“. Cepheiden sind Riesensterne hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus präzise verändern, indem sie pulsieren. Der Helligkeitszyklus von Delta hat eine Periode von 5,3663 Tagen: 1,5 Tage lang steigt seine Helligkeit von 4,4m auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.
Delta Cephei ist ein besonderer veränderlicher Stern, und er ist auch noch ein Doppelstern: der blauweiße Partnerstern ist in 41 Bogensekunden Abstand von Delta zu finden.
Ca. 6° östlich von Delta kann man im Fernrohr den kleinen, kompakten Offenen Sternenhaufen NGC 7510 aufspüren. Zur Beobachtung dieses Sternhaufens muss man eine hohe Vergrößerung einsetzen.

 

 

Schwan

Zwei Stunden nach Sonnenuntergang sehen wir das Sternbild Schwan fast im Zenit. Das markante Sternenmuster diese Sternbilds erinnert an einen fliegenden Schwan mit seinen ausgebreiteten Schwingen und dem lang gestreckten Hals. Den Namen „Schwan“ (Cygnus) erhielt das Sternbild in der Antike von den Römern. Die Astronomen der griechischen Antike nannten es „Vogel“ (Ornis).

Der Stern Albireo (Beta Cygni) bezeichnet im Sternbild den Kopf des Schwans, der Stern Sadr (Gamma Cygni) markiert den Körper, Deneb (Alpha Cygni) den Schwanz. Der nördliche Schwanenflügel wird durch die beiden Sterne Delta Cygni und Iota Cygni gebildet, der südliche Flügel markieren die beiden Sterne Gienah (Epsilon Cygni) und Zeta Cygni.
Als erstes lohnt sich ein Blick auf Albireo. Mit seiner Helligkeit von 3m erscheint der Stern dem bloßen Auge recht unscheinbar, doch schon im Zweizöller zeigt sich Albireo als schöner, farbiger Doppelstern: der hellere Partnerstern ist orange, der andere saphirblau. Zwischen Albireo und Sadr liegt ein sehr sternenreiches Milchstraßenfeld. Es ist ideal für die Beobachtung mit lichtstarken Ferngläsern und Fernrohren jeder Öffnung.
Ca. 5° nordwestlich von Deneb sehen wir mit dem bloßen Auge ein helles Sternenpaar: Das sind die Sterne Omicron Cygni und 30 Cygni.

Omicron ist ein Doppelstern, der hellere Partner Omikron1 ist orange, der kleinere Partner Omikron 2 ist eher blau. 30 Cygni liegt in 5 Bogenminuten Abstand zu beiden, er ist ein weißblauer Stern.

Auch Delta Cygni ist ein Doppelstern. Da die beiden Partner voneinander nur 2 Bogensekunden Abstand haben, muss man mit hoher Vergrößerung beobachten, um Delta ganz deutlich als Doppelstern zu sehen.
Ca. 5° nördlich von Delta sehen wir den 4,5m hellen Stern Theta Cygni. Ca. 1° östlich von Theta stoßen wir im Sucher auf den 6,8m hellen 16 Cygni, und 0,5° östlich von 16 Cygni ist am Fernrohr im Sternenfeld bei hoher Vergrößerung ein rundliches, bläuliches Nebelchen wahrnehmbar. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6826. Blickt man im Fernrohr direkt auf diesen kleinen Nebel, wird er unsichtbar, man nimmt nur noch den 10m hellen Zentralstern des Nebels wahr. Wenn man jedoch rechts neben den Zentralstern schaut, sieht man der Nebel durch dieses indirekte Sehen wieder. Daher nennt man NGC 6826 auch den „Blinkenden Planetarischen Nebel“. Dieses Wahrnehmungsphänomen kann man bei vielen Planetarischen Nebeln beobachten, wenn man langbrennweitige Fernrohre benutzt.
Durch das Sternbild Schwan zieht sich das Band der Milchstraße. Dadurch bietet das Sternbild einen reichen Himmelshintergrund aus schwachen Sternen. Zugleich gibt es im Band der Milchstraße viele Offene Sternhaufen, die vor dem sternreichen Hintergrund der Milchstraße jedoch nicht gut wahrnehmbar sind.
Ca. 1,4° südlich von Sadr liegt im dichten Sternenfeld der Milchstraße der Offene Sternhaufen M29. Im Fernglas zeigt er nur wenige, aber helle Sterne. Im Fernrohr wird M29 meist übersehen, weil er für das kleine Gesichtsfeld von Fernrohrokularen zu groß ist. Ca. 7,5° westlich von Sadr liegt der Offene Sternhaufen NGC 6819, im größeren Teleskop sieht man darin deutlich mehr Sterne als bei M29. Ein weiterer ausgedehnter Offener Sternhaufen ist M39, ca. 9° ostnordöstlich von Deneb.
Der Schwan enthält zudem viele kleinere Offene Sternhaufen, die man im Fernrohr bei hoher Vergrößerung gut aufgelöst sehen kann, die sich bei niedrigen Vergrößerungen jedoch kaum von dem Hintergrund der sternreichen Milchstraße abheben. NGC 6811 ist ein gutes Beispiel für so einen kleiner Sternhaufen.  NGC 6811 enthält ca. 50 schwache Sterne. Wir finden NGC 6811 im kleinen Fernrohr ca. 2° nordwestlich von Delta Cygni.
Wenn man von einem Platz aus beobachtet, der viele Kilometer von künstlichen Lichtquellen entfernt liegt, welche den mondlosen klaren Sternenhimmel aufhellen können, kann man unterhalb des südlichen Schwanenflügels mit einem lichtstarken Fernglas den Cirrusnebel wahrnehmen. An einem lichtstarken Fernrohr größerer Öffnung wird der Nebel bei Einsatz eines UHC- oder OIII-Filters besonders eindrucksvoll sichtbar. Dann kann dieser große Supernova-Überrest einen fast geisterhaften Anblick bieten.

 

Füchslein

Das Füchslein ist ein sehr unauffälliges Sternbild, da es keine hellen Sterne enthält. Es liegt südlich des großen Sternbilds Schwan und nördlich des kleinen Sternbilds Pfeil. Im Sternbild Füchslein kann man den „Hantelnebel“ M27 und den markanten „Kleiderbügelhaufen“ beobachten.
M27 ist ein großer und heller Planetarischer Nebel. Man findet ihn ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Gamma Sagittae. Bei klarem, mondlosem Himmel ist M27 als ein mattblaues Nebelchen bereits im Fernglas wahrnehmbar. Im Fernrohr zeigt M27bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung, die diesem Nebel den Namen „Hantelnebel“ eingetragen hat. In Fernrohren größerer Öffnung kann man im Hantelnebel auch den 13m hellen Zentralstern und zahlreiche weitere feine Strukturen wahrnehmen. Ein Nebelfilter (UHC, O III) im Okular ist für die Betrachtung von M27 sehr vorteilhaft.

 

Pfeil

Das kleine Sternbild Pfeil sehen wir südlich des Schwans. Es wurde in der klassischen Antike erfunden. Es stellt den Pfeil des Amors dar. Seine drei Sterne Eta, Gamma und Delta Sagittae bilden den Schaft des Pfeils, die Sterne Alpha und Beta Sagittae stellen die beiden Steuerfedern dar. 

1,5° östlich von Delta Sagittae erahnen wir im lichtstarken Fernglas ein Nebelfleckchen, das sich in lichtstarken Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung als dreieckiger Sternhaufen aus schwachen Sternen entpuppt. Das ist M71, ein Kugelsternhaufen, der im Laufe der Jahrmilliarden, in denen er auf seiner Bahn um das Zentrum der Milchstraße gewandert ist, viele seiner Sterne an die Milchstraße verloren hat.
Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae zeigt sich im Fernglas ein ungewöhnlicher Sternhaufen, dessen helle Mitglieder in der Form eines Kleiderbügels aus Draht angeordnet sind. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ liegt bereits im Sternbild Füchslein, doch ca. 2° westlich dieses Kleiderbügelhaufens sind wir wieder im Gebiet des Sternbilds Pfeil, und hier liegt der 6,2m helle, blauweiße Stern U Sagittae. U Sagittae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit regelmäßig nach jeweils 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten ziemlich abrupt von 6,2m auf 9,2m abfällt.

 

 

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