Übersicht um 21:00

Die Sterne des Größen Bären stehen nun fast im Zenit. Unterhalb des Großen Bären sieht man das markante Sternbild Löwe. Das Sternbild Zwillinge steht nun hoch im Süden. Das Sternbild Fuhrmann sinkt langsam Richtung Westen. Im Südwesten funkelt Sirius über dem Horizont: Die Wintersternbilder Orion und Stier nähern sich dem Westhorizont. Hoch über dem Osthorizont ist Arktur zu sehen, und hinter dem Sternbild Löwe gehen bereits einige Sterne des Sternbilds Jungfrau auf.

 

Sternbild Orion

Über dem Südwesthorizont kann man jetzt das Sternbild Orion schön sehen. Es ist ein markantes Sternbild, das viele helle Sterne, sehenswerte Doppelsterne und schöne Galaktische Nebel enthält. Man sollte die Gelegenheit nutzen, die schönsten Himmelsobjekte dieses Sternbilds im Fernrohr zu betrachten, bevor das Sternbild steil in den Horizontdunst abtaucht. Der schönste Galaktische Nebel im Orion ist der „Orionnebel“ M42. Er ist am sternklaren Himmel in einem lichtstarken Fernrohr ein Highlight der nächtlichen Himmelsbeobachtung. Auch der Reflexionsnebel M78 ist in einem solchen Fernrohr sehenswert.

Im Sternbild Orion liegen viele schöne Doppelsterne, z. B. Mintaka (der rechte Gürtelstern), Alnitak (der linke Gürtelstern), Rigel (Beta Orionis), und Eta Orionis (dieser Stern liegt zwischen Mintaka und Rigel). Die Sterne Sigma Orionis (direkt südlich von Alnitak) und Theta Orionis (im Orionnebel) sind Sternsysteme aus mehr als zwei Sternen: Der Stern Sigma Orionis hat vier Komponenten, und bereits im Fernglas sieht man, dass der Stern Theta Orionis ein Doppelstern ist. Seine Partnersterne heißen Theta1 und Theta2. Betrachtet man Theta 2 im Fernrohr, zeigt sich Theta2 seinerseits als ein Doppelstern. Im Fernrohr erweist sich Theta1 bei Vergrößerungen ab 40-fach als ein Vierfachsystem: Dieses Vierfachsystem ist das berühmte „Trapez“ im Orionnebel. Wenn man die Trapezsterne bei hoher Vergrößerung in einem Fernrohr mit großem Objektivdurchmesser beobachtet, kann man im Trapez des Orionnebels bis zu 7 Sterne wahrnehmen.

 

Sternbild Achterschiff

Südöstlich des Sternbilds Orion funkelt der hellste Fixstern des Himmels, das ist der -1,7m helle Stern Sirius, der Hauptstern im Sternbild Großer Hund. Falls der Himmel bis zum Horizont klar ist, kann man den Sirius gut als Wegmarke zum Sternbild Puppis nutzen. Denn ca. 20° südöstlich von Sirius kann man über dem südlichen Horizont ein 2,8m heller Stern wahrnehmen. Das ist der Stern Rho Puppis, er ist der hellste in unseren Breiten sichtbare Stern des Sternbilds Achterschiff.
Das Sternbild Achterschiff ist ein Teil des antiken Sternbilds Argo Navis. Das Sternbild Argo Navis wurde während der klassischen Antike zur Erinnerung an die Heldensage vom Zauberschiff Argo geschaffen, mit welchem der Thessalier Jason gemeinsam mit Herkules, den Zwillingen Castor und Pollux zum Land Kolchis am Schwarzen Meer segelte, um dort das Goldene Vlies zu stehlen und es nach Thessalien zu bringen. Von Mitteleuropa aus ist von diesem alten Sternbild Schiff Argo nur dessen Achterschiff im Frühling über dem Horizont sichtbar. Wenn die Nacht bis hinab zum Horizont sternenklar ist, kann man in dieser Himmelsregion mit dem Fernrohr einige sehenswerte Offene Sternhaufen beobachten.
Ca. 12° östlich von Sirius liegen die beiden Offenen Sternhaufen M46 und M47. Beide Sternhaufen lassen sich bereits in einem lichtstarken Fernglas sowie in einem kleinen Fernrohr deutlich wahrnehmen. Mit solchen Geräten kann man auch den Offenen Sternhaufen M93 sehen. Er liegt ca. 1,5° nordwestlich des 3,3m hellen Sterns Xi Puppis. In einem kleinen Fernrohr kann man mit etwas Glück sogar den Offenen Sternhaufen NGC 2539 beobachten, der sich um den 4m hellen Stern 19 Puppis ausbreitet. NGC 2539 liegt ca. 11,5° nördlich von Rho Puppis.

 

Sternbild Zwillinge

Nordöstlich des Sternbilds Orion liegt das Sternbild Zwillinge. Man kann es problemlos auffinden, da es das helle Sternenpaar Castor und Pollux enthält.
Das Sternbild besteht aus zwei parallelen Sternenketten: die nördlichere Kette verläuft von Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) zu Tejat Prior (Eta).
Die südlichere Kette verläuft von Pollux (Beta), über Wasat (Delta) und Mekbuda (Zeta) zum Stern Alhena (Gamma).
Im Fernrohr erweist sich Castor bei höherer Vergrößerung als ein markanter, enger Doppelstern. Auch Wasat ist ein sehenswerter Doppelstern, er liegt ziemlich genau auf der Ekliptik. Ca. 2,3° ostsüdöstlich von Wasat findet man auf der Verbindungslinie von Kappa Geminorum zu Lambda Geminorum den 9m hellen Planetarischen Nebel NGC 2392, der auch als „Eskimonebel“ bekannt ist. Dieser Nebel ist etwas kleiner als der bekannte Ringnebel im Sternbild Leier, er hat jedoch eine ähnlich hohe Flächenhelligkeit. Um NGC 2392 zu beobachten, muss man ihn stärker vergrößern. In einem kleinen Fernrohr kann man den Nebel um den Zentralstern nur mit der Technik der „indirekten Beobachtung“ wahrnehmen, bei direkter Betrachtung mit einem solchen Gerät nimmt man nur den Zentralstern des Nebels wahr.
Zwei Grad nordwestlich des 4,5m hellen Sterns Tejat Prior liegt der schöne Offene Sternhaufen M35. Er bietet auch in kleinen Fernrohren bei mittlerer Vergrößerung einen eindrucksvollen Anblick.

 

 

Sternbild Löwe

Gegen 23:00 erreicht das markante Sternbild Löwe eine Höhe von 50° über dem Südosthorizont.
Der 1,25m helle Regulus ist der hellste Stern im Sternbild Löwe. Da er nur 0,5° nördlich der Ekliptik liegt, wurde er in Babylon bereits um 2100 v. Chr. sorgfältig beobachtet, weil Regulus regelmäßig vom Mond verdeckt wird. Um 135 v. Chr. fand der Astronom Hipparchos bei seinem Studium der Angaben in alten babylonischen Aufzeichnungen heraus, dass sich die aktuelle Länge des Regulus im Vergleich zu den 1715 Jahre alten babylonischen Positionsangaben um 28,5° nach Westen verschoben hatte. So entdeckte Hipparchos das Phänomen der Präzession.
Regulus ist 85 Lichtjahre entfernt und hat 160 Sonnenleuchtkräfte. Regulus ist zudem ein Doppelstern: ca. 2,5 Bogenminuten nordwestlich von Regulus A liegt sein kleiner Begleiter Regulus B. Der Stern Regulus B ist seinerseits ein sehr enger Doppelstern, dessen Partnersterne man jedoch nur in langbrennweitigen Fernrohren großer Öffnung getrennt sehen kann.Ca. 8° nordöstlich von Regulus liegt der orange Stern Algieba (Gamma Leonis). Algieba ist 2,0m hell und ein Doppelstern, was schon in einem kleinen Fernrohr bei höherer Vergrößerung deutlich erkennbar ist. Seine beiden gelblichen Partnersterne sind 2,2m und 3m hell und stehen in 4 Bogensekunden Abstand voneinander.
Im Sternbild Löwe liegen viele Galaxien. In Fernrohren ab 20 cm Öffnung kann man ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) bei dunklem, sternklarem Himmel die Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. Diese Galaxien sind 32 Millionen Lichtjahre entfernt. In der Mitte zwischen den Sternen Iota Leonis und Coxa liegt die Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628, diese sind ca. 35 Millionen Lichtjahre entfernt. Zwischen den Sternen Coxa und Zosma (Delta Leonis) kann man die Galaxie NGC 3607 wahrnehmen.
Wenn man von Algieba ausgehend der gebogenen Sternenkette über Zeta, My und Epsilon bis zum 4,3m hellen Lambda Leonis folgt, kann man ca.1,5° südlich von Lambda Leonis im Fernrohr ab 10 cm Öffnung einen matten Nebel erkennen: das ist NGC 2903, die größte Galaxie im Sternbild Löwe, ca. 25 Millionen Lichtjahre entfernt. Da der Winkeldurchmesser der Galaxie groß ist, ist die Flächenhelligkeit von NGC 2903 sehr niedrig, dadurch ist sie nicht leicht zu sehen.

 

Sternbild Krebs

Das Sternbild Krebs steht nun hoch am Himmel zwischen den Sternbildern Löwe und Zwillinge. Obwohl es hier für eine Beobachtung sehr günstig liegt, wird das Sternbild Krebs häufig übersehen, da es keine hellen Sterne enthält. Am aufgehellten Stadthimmel kann man es meistens nicht wahrnehmen.
Steht man als Beobachter jedoch unter sternklaren Nachthimmel auf dem Land, kann man mit bloßem Auge zwischen den leuchtschwachen Sternen des Sternbilds Krebs ein schwaches Nebelwölkchen wahrnehmen. Schon im Fernglas 10 x 50 sieht man es in über ein Dutzend einzelne Sterne aufgelöst. Das ist der Offene Sternhaufen M44.
M44 ist bereits seit der Antike Altertum unter dem Namen Präsepe (zu Deutsch „Futterkrippe“) bekannt. Nördlich und südlich von M44 stehen nämlich zwei Sterne 4. Größe: der nördliche der beiden heißt Asellus Borealis (Gamma Cancri) und der südliche heißt Asellus Australis (Delta Cancri). „Asellus“ ist das lateinische Wort für „Eselchen“: diese beiden Sterne repräsentieren am Himmel seit alter Zeit zwei Eselchen, die sich gemeinsam an einer Krippe, nämlich M44, satt fressen. Sie sollen an die beiden treuen Eselchen des Weingottes Dionysos erinnern. Wenn Dionysos zu betrunken war, um aus eigener Kraft den Weg nach Hause zu finden, trugen ihn seine beiden treuen Eselchen sicher bis zu seinem Bett.
Sehenswert ist auch der helle Offener Sternhaufen M67. Er ist einer der ältesten Offenen Sternhaufen der Milchstraße. M67 liegt ca. 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). Acubens ist der vierthellste Stern des Sternbilds Krebs.

 

Sternbild Sextant

Südlich des Sternbilds Löwe liegt das unscheinbare kleine Sternbild Sextant. Sein Hauptstern Alpha Sextantis befindet sich ca. 12,5 ° südlich von Regulus und ist 4,4m hell. Verlängert man die Verbindungslinie von Regulus zu Alpha Sextantis über Alpha hinaus um ca. 7, 5° nach Süden, kann man an dieser Stelle in einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung die S0-Galaxie NGC 3115 wahrnehmen. Diese Galaxie ist zwar klein, hat jedoch eine hohe Flächenhelligkeit. Daher kann man sie im Fernrohr mit hoher Vergrößerung betrachten. NGC 3115 ist auch unter dem Namen „Spindelgalaxie“ bekannt. Sie liegt in 31 Millionen Lichtjahren Entfernung.
NGC 3115 kann man auch leicht auffinden, indem man vom 2,0 m hellen Stern Alphard (Alpha Hydrae) ausgeht: Ca. 6° östlich von Alphard liegt der 4,8m helle Stern Gamma Sextantis. Verlängert man die Verbindungslinie von Alpha ausgehend um weitere 3° über den Stern Gamma Sextantis hinaus, stößt man dort auf NGC 3115.

 

Sternbild Wasserschlange

Am sternklaren Himmel kann man südlich des Sternbilds Krebs mit dem bloßen Auge eine markante Gruppe von Sternen wahrnehmen, die ca. 45° über dem südlichen Horizont steht. Die Sterne dieser Gruppe heißen Zeta Hydrae, Delta Hydrae, Epsilon Hydrae, Eta Hydrae und Sigma Hydrae. Sie bilden miteinander den Kopf des Sternbilds Wasserschlange. Das Sternbild Wasserschlange (Hydra) ist das größte und längste Sternbild des Himmels. Es ist so lang, dass man im April noch bis nach Mitternacht abwarten muss, um es in seiner ganzen Länge sehen zu können.  
Südöstlich vom Kopf der Wasserschlange sieht man einen 2m hellen Stern, der für sich alleine steht. Das ist Alphard, der hellste Stern im Sternbild Wasserschlange.
Am Westrand des Sternbilds Wasserschlange liegt der Offene Sternhaufen M48. Man findet ihn im Fernglas ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns C Hydrae. Mit einem kleinen Fernrohr kann man in M48 bereits über 60 Sterne wahrnehmen.
Ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae liegt der Planetarische Nebel NGC 3242. Er ist 7m hell und bietet im Fernrohr einen eindrucksvollen Anblick. Der Winkeldurchmesser sowie die Form von NGC 3242 ähneln denen des Planeten Jupiter, daher hat man dem grünlich schimmernden Nebel den Namen „Jupiters Geist“ gegeben. Da NGC 3242 eine hohe Flächenhelligkeit hat, kann man ihn mit der höchsten förderlichen Vergrößerung beobachten, die bei dem verwendeten Fernrohr sinnvoll ist.
Zieht man eine Linie vom Stern My Hydrae zum Stern Ny Hydrae, liegt ca. 3° nördlich der Mitte der Linie der rötliche Stern U Hydrae. U Hydrae ist einer der rötesten und kühlsten Sterne am gesamten Nachthimmel. Die Helligkeit von U Hydrae schwankt innerhalb von 450 Tagen langsam und unregelmäßig zwischen 4,5m und 6,2m. U Hydrae ist dem veränderlichen Kohlenstoffstern R Coronae Borealis sehr ähnlich.

 

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